von Tanja Lindauer
Teil 45 von 50
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Türkei(Europa / Asien)


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(Quelle: Wikimedia Commons)Die demokratische Republik Türkei ist ein Land, das sich über zwei Kontinente erstreckt, nämlich Asien und Europa. Auf der asiatischen Seite liegt Anatolien, etwa 95% der Fläche von der Türkei befindet sich auf dieser Seite. Anatolien wird auch oft als Kleinasien bezeichnet. Auf dem europäischen Kontinent liegt Thrakien (Zu Thrakien gehören aber auch Bulgarien und Griechenland.). Die türkische Stadt Istanbul befindet sich auf beiden Kontinenten und wird durch den Bosporus getrennt.

Die Türkei ist in drei Himmelrichtungen von Meeren eingeschlossen: Im Westen der Türkei ist das Ägäische Meer, im Süden das Mittelmeer und im Norden das Schwarze Meer. Zudem grenzt die Türkei an acht Länder und zwar an Griechenland und Bulgarien im Nordwesten, im Nordosten an Georgien, Armenien, Aserbaidschan, an den Iran im Osten und im Süden an den Irak und Syrien.

Geschichte

Das Gebiet, was wir heute als Türkei kennen ist seit der Altsteinzeit besiedelt. Dies kann man an verschiedenen Quellen erkennen, wie beispielsweise an der Siedlung Nevali Cori, die bei einer Ausgrabung gefunden wurde. In Anatolien waren im dritten und zweiten Jahrtausend vor Christus dann die Hattier, ein altkleinasiatisches Volk, zuhause. Viele weitere Völker bewohnten die Türkei im Laufe der Zeit, wie etwa die ailoischen und dorische Griechen. 334 vor Christus wird Kleinasien, also auch die Türkei, von Alexander dem Großen erobert. Doch nachdem er gestorben war, zerfiel sein riesiges Reich in viele kleinere Gebiete. Die Griechen hatten in türkischen Gebieten nun größtenteils das Sagen. Durch das Römische Reich wurde die griechische Vorherrschaft im 3. Jahrhundert in Kleinasien dann beendet. Die Römer behielten ihre Macht bis es im 4. Jahrhundert, es kam zu einer Teilung des Römischen Reiches. Kleinasien wurde zum Oströmischen Reich (Byzantinisches Reich), die Hauptstadt war Konstantinopel (heute Istanbul).

Die wirkliche türkische Besiedlung von Anatolien begann im 11. Jahrhundert mit den Seldschuken. Die byzantinische Armee wurde 1071 in der Schlacht von Mantzikert besiegt, sechs Jahre später wurde das Sultanat der Rum-Seldschuken gegründet, und sie eroberten große Gebiete von Anatolien. Aber sie wurden von den Mongolen unter Dschingis Khan überfallen, sodass das Reich geschwächt wurde. Dadurch konnten sich viele türkische Stämme selbständig machen, und es bildeten sich viele Kleinstaaten. Aus einem dieser Fürstentümer entwickelte sich später dann das Osmanische Reich.

Das Osmanische Reich

Osman I. Gazi gründete 1299 das Osmanische Reich, das auch als Türkisches Reich bekannt war. Mit dieser Gründung wurde zudem eine lange Dynastie-Folge begonnen, die Osmanen-Dynastie. Zunächst hatten es die Osmanen auf byzantinische Gebiete abgesehen, die sie erobern wollten. 1453 eroberten sie Konstantinopel (Die Stadt Konstantinopel wurde schon 660 vor Christus gegründet, zu dieser Zeit wurde sie ab noch Byzantion genannt. 330 nach Christus wählte der römische Kaiser Konstantin der Große sie zu seinem Hauptsitz und änderte ihren Namen in Nova Roma. Nach seinem Tod wurde sie umbenannt in Konstantinopel. Seit 1930 heißt die Stadt nun offiziell Istanbul). Die Osmanen weiteten ihre Herrschaft immer weiter aus und so gehörten schon bald Teile des Nahen Ostens, Nordafrikas oder auch des Balkans zum Osmanischen Reich. Auch in Richtung Europa breiteten sie sich immer weiter aus, sie schafften es bis kurz vor Wien vorzudringen. Die osmanische Armee wurde 1683 am Kahlenberg besiegt und von da an, schafften es die Europäer immer mehr ihres ursprünglichen Gebietes zurückzuerobern. Lediglich ein kleines Gebiet von Europa konnten die Osmanen verteidigen. Im 19. Jahrhundert kamen immer mehr Nationalbewegungen auf, die zur langsamen Teilung des Reichs führten. Die Völker, die vom Osmanischen Reich unterdrückt wurden, rebellierten immer heftiger.

Die Niederlage im 1. Weltkrieg sowie die Besetzungen Europas in Nordafrika besiegelten schließlich die Zersplitterung des Landes. Das Osmanische Reich gehörte im Ersten Weltkrieg zu den Mittelmächten, ein Verbund aus dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn, Bulgarien und eben dem Osmanischen Reich. Die Mittelmächte kämpften gegen die Entente (Frankreich, Russland und Großbritannien). Frankreich und Großbritannien versprach Armenien, dass sie einen eigenständigen Staat im Osten Anatoliens bekämen.

Die Osmanen befürchteten, dass sie dadurch noch mehr Macht verlieren würden. Um das zu verhindert gaben sie vor, dass sie die Armenier aus dem umsiedeln würden. Aber in Wahrheit töteten sie sie und vertrieben sie in die syrische Wüste, wo viele Armenier dann starben. Zwischen 1915 und 1917 mussten so Tausende von Armeniern ihr Leben lassen. Die genaue Zahl kann nur geschätzt werden und es könnten bis zu 1,5 Millionen Armenier getötet worden sein (Nach türkischen Angaben starben ca. 300.000 Menschen, nach armenischen 1, 5 Millionen.). Weltweit wird dies als Völkermord angesehen. Aber die Türkei bestreitet immer noch, dass die Osmanen all die Menschen getötet haben oder dass es gewollt gewesen wäre. Den Ersten Weltkrieg konnte die Entente für sich entscheiden. Das Osmanische Reich verlor außerhalb von Anatolien und Thrakien seine Gebiete, dies wurde im Friedensvertrag von Sèvres geregelt. Die Türkei sollte in diesem Zuge sogar noch weiter verkleinert werden und Griechenland, Italien oder Armenien sollten Teile der Türkei erhalten.

Atatürk und seine Reformen

Mustafa Kemal Pascha (ab 1934 Atatürk) wehrte sich gegen diese Pläne und ab dem 19. Mai 1919 wehrte er sich auch militärisch und politisch gegen die drohende Zersplitterung. Und so brach wieder Krieg aus, beispielsweise gegen Griechenland. Am 9. September 1922 gelang es Atatürk, Izmir von den Griechen zurückzuerobern. Nachdem Griechenland und die Türkei die Waffen niederlegten, stimmten die beiden Länder zu, dass die Türken griechische Gebiete und die Griechen türkische Gebiete verlassen würden. Mit dem Sieg der Türkei am 24. Juli 1923 wurde der Vertrag von Sèvres durch einen neuen Vertrag, dem Vertrag von Lausanne ersetzt. In diesem Vertrag wurden die heutigen Grenzen der Türkei festgelegt. Daraufhin rief Atatürk am 29. Oktober 1923 die Republik aus.

Während seiner Regierungszeit wurden einige politische und gesellschaftliche Reformen vorgenommen. Er wollte damit erreichen, dass sein Land moderner und europäischer wurde. Seine politische Orientierung wird oft als Kemalismus (sein eigentlicher Name war Kemal) bezeichnet. So hat Atatürk beispielsweise das Sultanat (1922) und das Kalifat (1924) abgeschafft. Er verbot auch den Schleier für die Frau und den Fes der Männer, das ist eine typisch türkische Kopfbedeckung. Zudem führte er ein, dass Mädchen und Jungen zusammen zur Schule gehen sollten (Dies war damals nämlich nicht gang und gäbe.).

Die Europäisierung schlug sich auch in der Kalenderrechnung nieder, denn die islamische Zeitrechnung wurde durch den Gregorianischen Kalender ersetzt (1926). Auch im Rechtssystem ließ sich Atatürk von Europa beeinflussen und so übernahm er beispielweise das Zivilrecht der Schweiz. Das bedeutet, dass Frauen und Männer gleichberechtigt waren. In der Realität war das aber nicht immer so. Aus Deutschland übernahm er das Handelsrecht. 1930 durften dann auch erstmalig Frauen wählen (aktives Wahlrecht), seit 1934 durften sie sich selbst zur Wahl stellen (passives Wahlrecht). 1934 erhielt er dann den Namen Atatürk, das bedeutet Vater der Türken. Fast alle seine Reformen wurden auch nach seinem Tod beibehalten. Am 10. November 1938 starb er und Ismet Inönü wurde türkischer Staatspräsident.

Der Zweite Weltkrieg bis zur Gegenwart

Langezeit hielt sich die Türkei aus dem Zweiten Weltkrieg Krieg heraus, erst 1945 erklärte der Staat Deutschland und Japan symbolisch den Krieg. Sie zeigten sich damit aufseiten der Alliierten. So konnten sie die Charta der Vereinten Nationen mitunterzeichnen und die Türkei zählt zu den 51 Gründungsmitgliedern der Vereinten Nationen. 1946 wurden auch erstmalig andere Parteien zugelassen. Bei den Wahlen 1950 erlangte die Demokratische Partei (DP) mit Adnan Menderes die Mehrheit der Stimmen. Damit wurde die CHP (Cumhuiyet Halk Partisi) abgewählt, die seit 1923 regierte. 1952 trat die Türkei der NATO bei. 1960 erlies Ministerpräsident Adnan Menderes ein Gesetz, um andere Parteien auszuschalten. Das Militär wehrte sich und er wurde zusammen mit anderen Politkern zum Tode verurteilt. 1961 führte das Militär eine neue Verfassung ein. Inönü wurde zum Ministerpräsidenten (1961- 1965) ernannt. 1971 mischte das Militär wieder in der Politik mit und gelangte an die Macht.

1974 wurde auf Zypern der Präsident Makarios durch Griechenland gestürzt. Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit entsandt Truppen nach Zypern, um die Türken auf der Insel zu schützen. Die Folgen waren Kämpfe zwischen Griechenland und der Türkei. Es wurde ein Waffenstilstand vereinbart, der eine Teilung Zyperns bis heute zur Folge hat. In den 70er Jahren gab es viele Unruhen im Land und terroristische Anschläge durch extrem linke und rechte politisch-orientierte Menschen. 1980 kam das Militär zum dritten Mal an die Macht. General Kenan Evren verbot in der Türkei alle Parteien und verhängte das Kriegsrecht, es herrschte eine Art Ausnahmezustand. Am 9. November 1982 trat dann eine neue Verfassung der Republik in Kraft.

Ab Mitte der 80er Jahre kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Kurden (Kurdenkonflikt). Die türkische Politik wollte sich ja an europäische Verhältnisse anpassen, aber dennoch wurden die Kurden im Land unterdrückt. Das wollten sie sich natürlich nicht gefallen lassen und so gründeten sie 1978 eine eigene Partei, die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) mit Abdullah Öcalan als Chef. Von 1984 kämpften sie dann für einen unabhängigen Staat Kurdistan. In diesen Kämpfen gab es viele Opfer. 1998 wurde Abdullah Öcalan von dem türkischen Geheimdienst verhaftet, die PKK beendete darauf hin bis 2004 die Kämpfe.

Mustafa Bülent Ecevit (1999 – 2002) änderte das Zivilrecht in der Türkei wieder, und wollte so den Menschen ihre Freiheitsrechte weiter ausbauen. Hierzu zählten beispielweise das Recht auf Versammlung und das Recht Demonstration abzuhalten. Die Partei AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) übernahm diese Reformen 2001 und baute sie noch weiter aus. Die Todesstrafe wurde verboten und Folter war auch nicht mehr erlaubt. Auch auf die Bedürfnisse der Kurden wurde eingegangen und kurdische Radio- und Fernsehkanäle waren nicht länger verboten und Kurdisch-Unterricht eingeführt. 2004 kam es dennoch zu erneuten Kämpfen der PKK und dem Militär.

Seit 2003 ist Recep Tyyip Erdogan Ministerpräsident der Türkei, er ist auch der Gründer der AKP.

Am 3. Oktober 2005 schaffte es die Türkei, Beitrittsverhandlungen in die Europäische Union zu starten. Doch die Verhandlungen dauern immer noch an.

Politik und Gesellschaft

In der Türkei herrscht eine parlamentarische Demokratie, die einen sehr mächtigen Präsidenten als Regierungsoberhaupt hat. Auch das Militär hat sehr viel Macht. Durch Atatürk wurden 1924 Grundrechte der Bürger in der Verfassung verankert. Doch bei der Umsetzung gibt es einige Probleme, insbesondere bei der Meinungs-, Informations- und Religionsfreiheit. Laut Verfassung sollen alle Menschen gleichbehandelt werden, dies ist aber leider nicht der Fall. Es gibt immer wieder Vorfälle, in denen berichtet wird, dass die türkische Behörde andere Personen foltert, misshandelt oder sexuell belästigt. Kritisch wird der Artikel 301 in der Türkei gesehen. Hierin steht, dass „die Beleidigung der türkischen Nation, der türkischen Republik und der Institutionen und Organe des Staates“ bestraft wird. Dies ist sehr problematisch, denn es kann bedeuten, dass, wenn man eine andere Meinung als der Präsident hat, vielleicht betraft werden könnte. Ein anderes Gesetz wird ebenfalls kritisch beäugt, denn es erlaubt den Staat Zeitungen vorübergehend zu verbieten. Dies ist in dem Gesetz zur Bekämpfung des Terrorismus geschrieben. Das würde aber eine Einschränkung der Meinungsäußerung und der Pressefreiheit bedeuten.

Der Umgang mit religiösen Minderheiten ist in der Türkei zwar anders als in anderen muslimischen Ländern, aber auch in der Türkei ist dieser alles andere als gut. So haben Christen und die Kirchen etwa keinen Rechtsstatus.

Auch im Kurdenkonflikt wurden Zusammenhänge mit Folter immer wieder bekannt. Und auch Kinder, die an Protesten teilnehmen, werden verhaftet und teilweise misshandelt. Die Türkei hat in puncto Menschenrechte also noch einiges zu verbessern.

Kultur

In der Türkei sind viele verschiedene Kulturen im Laufe der Jahrhunderte zu einer einzigen zusammengeschmolzen. So kann man neben europäischen Einflüssen und die des Osmanischen Reiches, auch kurdische und arabische Einflüsse erkennen.

Literatur

Atatürks Reformen hatten auch Einfluss auf die Literatur. Er beschloss beispielsweise, die lateinische Schrift, so wir wie sie kennen, einzuführen. Auch die Sprachreformen haben die türkische Literatur verändert. Dadurch änderten sich auch die Themen in der Literatur. Immer öfters wurden die Politik und die Regierung in den Werken kritisiert. Der Staat verhing daraufhin eine Zensur. Viele Autoren mussten ins Gefängnis.

Heutige bekannte Autoren sind zum Beispiel Ahmet Hamdi Tanipar oder Orhan Pamuk, der 2006 den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Musik

Die Volksmusik in der Türkei wird meistens auf einer Saz gespielt, das ist ein Musikinstrument, das so ähnlich aussieht wie eine Laute. Zwei weitere beliebte Musikinstrumente sind die Zurnas, sie ähneln einer Oboe, und Davuls, das sind Trommeln. Natürlich gibt es aber auch moderne Musik, wie wir sie beispielweise in Deutschland hören.

Essen und Trinken

Auch in der Nahrung schlägt sich die Vermischung der Kulturen nieder, und so sind viele Gerichte durch arabische, indische, persische oder kurdische Einflüsse geprägt. Aber auch die Türken haben ihre Spuren in anderen Ländern hinterlassen, der griechische Zaziki stammt zum Beispiel eigentlich aus der Türkei. Das wohl bekannteste Gericht, das aus der Türkei stammt, ist der Döner.

Das Nationalgetränk der Türken ist der Tee. Er wird in kleinen Gläschen serviert, und meistens ist es Apfeltee. Jeder trinkt Tee den ganzen Tag lang und überall. Auch beim Metzger, wenn man wartet, dass man an der reihe ist oder in der Bank.

Es gibt auch viele Kaffeehäuser, die dürfen aber nur von Männernbesucht werden. Sie spielen dort Backgammon, trinken Tee oder Mokka und diskutieren über Gott und die Welt.

Das blaue Auge

Eigentlich kennt jeder so ein blaues Auge. Man hat es irgendwie schon irgendwo einmal gesehen. In der Türkei ist der Aberglaube stark verbreitet, viele lesen beispielweise auch aus dem Kaffeesatz. Das blaue Auge (man nennt es Boncuk) dient dazu, sich vor dem bösen Blick zu schützen.


Größe des Landes
814.578 qkm
Landessprachen
  • Türkisch (Amtssprache)
  • Kurdisch (im Südosten)
  • Arabisch
  • Griechisch
  • Armenisch
Hauptstadt
Ankara
Einwohner
73,7 Mio.

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