Gute Freunde sind wichtiger als der Fernseher

Gastbeitrag - SCHAU HIN!

Wenn du Nachrichten über Kinder in Deutschland liest oder hörst, dann kommen sie meistens ziemlich schlecht weg. Da wird berichtet, dass Kinder ständig fernsehen oder vor dem Computer hängen und dabei immer dicker werden.

Jetzt haben Forscher in einer Studie für die ARD und das ZDF herausbekommen, was du sicher schon geahnt hast: das schlechte Bild ist falsch! Sie haben die Eltern von Vorschulkindern gefragt, was ihre Kinder denn in ihrer Freizeit gerne tun. Herausgekommen ist, dass sie immer noch am liebsten spielen - drinnen wie draußen - und sich mit Freunden treffen.

Die Forscher haben aber auch festgestellt, dass Fernsehen und Computer für Kinder immer wichtiger und selbstverständlicher werden. Mehr als die Hälfte der Kleinkinder finden es normal, täglich fernzusehen. Je älter die Kinder werden, desto mehr sehen regelmäßig fern. Das TV ist schon für unsere Kleinen das wichtigste Medium. Die meisten Kleinkinder schauen übrigens nicht alleine fern, sondern mit den Eltern, manchmal auch mit Freunden oder Geschwistern. Das ist für sie auch wichtig, damit sie sich über das Gesehene unterhalten können. Nur so können sie alles gut verarbeiten und verstehen.

Der Fernseher im Kinderzimmer

Insgesamt verbringen Zwei- bis Fünfjährige über zweieinhalb Stunden (162 Minuten) täglich mit Medien. Sie sehen aber natürlich nicht die ganze Zeit fern. Das wichtigste Medium nach dem Fernsehen ist immer noch das Buch. Jedes dritte Kind liest regelmäßig. Es folgen das Radio (30 Prozent), das Hören von Hörspielen (16 Prozent) und dann Musik-CDs oder -Kassetten (15 Prozent). Den Kindern fällt aber immer wieder auch etwas Besseres als Fernsehen ein. Mit Spielen und Malen verbringen sie immerhin über dreieinhalb Stunden (229 Minuten) am Tag.

Die Medienforscherin und Jugendschutzbeauftragte des RBB, Inge Mohr, findet noch etwas sehr bemerkenswert: "immer mehr Kinder haben die Verfügungsgewalt über die Medien". Das heißt nichts anderes, als dass schon fast die Hälfte aller Kleinkinder (40 Prozent) einen eigenen Kassettenrekorder oder CD-Spieler besitzen und fast jedes zehnte Kleinkind (sieben Prozent) sogar einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer stehen hat.

Mädchen hören Radio, Jungen machen den Fernseher an

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass für Kleinkinder Spielkonsolen, Handys und Computer noch nicht so wichtig sind. Bei Schulkindern ändert sich das dann sehr stark. Schon bei Kleinkindern gibt es übrigens große Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen bei der Mediennutzung: Mädchen hören häufiger und länger Radio und CDs oder lesen Bücher, während Jungen lieber fernsehen.

Einzelkinder schauen weniger fern

Überraschend ist die Erkenntnis, dass Einzelkinder nicht häufiger vor dem Fernseher hocken als Kinder mit Geschwistern – im Gegenteil. Einzelkinder nutzen alle Medien (außer Comics) deutlich weniger als Kinder mit Geschwistern. Die Forscher vermuten, dass das daran liegt, dass Eltern nur eine bestimmte Menge Zeit am Tag für ihre Kinder haben. Einzelkindern müssen die nicht mit ihren Geschwistern teilen - sie bekommen dadurch mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Medien werden nämlich vor allem genutzt, wenn ein Kind sonst nichts zu tun hat.

Der Fernseher als Babysitter

Leider ist es offenbar weder in kleinen noch großen Familien zu vermeiden, dass das TV-Gerät zuweilen als Babysitter herhalten muss. Fast jeder Zweite der Befragten räumte ein, sein Kind fernsehen zu lassen, wenn man Zeit für etwas anderes brauche. Jedes zehnte Elternteil sagte sogar, dass sein Kind soviel schauen darf, wie es möchte.

Die Ergebnisse der ARD/ZDF-Untersuchung zeigen, dass das Aufwachsen der Kinder heutzutage von Beginn an von Medien begleitet wird. Medien wie Fernsehen, Radio und Bücher sind einfach normal für die meisten Kinder. Die Kinder lernen nicht mehr nur von ihren Eltern, sondern auch immer mehr aus den Medien. Besonders wichtig sind daher kindgerechte Angebote im TV.