An meiner alten Schule wurden vier Züge angeboten:
Der Kunstzug, der jetzt abgeschafft wurde; der Sportzug, bei dem die Schüler einen Notendurchschnitt in den Hauptfächern von 3,0 haben mussten, um teilnehmen zu dürfen, was sie jedoch erst kurz vor der Wahl erfuhren; der Sprachliche Zug, der den Lateinlernenden vorbehalten war und der Naturwissenschaftliche Zug, für alldiejenigen, die keinen der anderen Züge wählen können.
Die meisten der Jungen meiner alten Klasse gingen überhaupt nur auf das Gymnasium, weil sie den Sportzug als Notenausgleich zu anderen Fächern sahen, in denen sie Schwächen haben. Nun wurden sie gezwungen in den Natuwissenschaftlichen Zug zu gehen. Was aber, so frage ich mich, haben Schüler mit Notenschwächen in diesem Zug zu suchen?
Das deutsche Schulsystem, so fern man es denn überhaupt so nennen kann, weil jedes Bundesland seine eigenen Vorstellungen davon hat, ist dafür ausgelegt eine Elite-Generation heranzuzüchten. Ein Kunstzug hat da nichts zu suchen und wird so kurzerhand, sogar ohne Wissen der agierenden Lehrer, abgeschafft. Es gibt schlimmere Schulsystememe als unseres, aber man könnte so vieles verbessern:
-Extra Schulen für Kinder und Jugendliche mit Sprachproblemen, oder zumindest eine Förderung, anstatt den Schülern das Beweisen ihrer Fähigkeiten vorzuenthalten
-Nachhilfeangebote während der Mittagspause
-Kürzung des Stoffes, da die G8-Zügler den selben Stoff wie die G9-Zügler lernen müssen
-Lehrerkonferenzen zwischen den Lehrern einer Klasse
-Ein Großteil der Lehrer ist nicht bereit dazu, den Unterricht auf das neue System anzupassen; Umschulungen sollten angeboten werden. Wenn die Schüler erst um 18 Uhr Unterrichtsende haben, sollten, wenn überhaupt, weniger Hausaufgaben gegeben werden, was nicht unbedingt das Vorankommen im Unterrichtsstoff beeinschränken muss, wenn nur die richtigen Aufgaben gestellt werden (dazu meine eigene Erfahrung: Unser Mathelehrer gibt uns meist um die 40 - 50 Aufgaben über einen Zeitraum von 2 Tagen auf. Stundenlang sitzte ich an diesen Aufgaben, und oft schreibe ich nur noch irgendwelche Zahlen auf, damit ich etwas dastehen habe. Effektiver währe das Aufgeben der a) und b) Aufgaben. Die schwierigen Aufgaben können im Unterricht gelöst werden). Oft habe ich das Gefühl, die Lehrer unterrichten nicht, damit die Schüler etwas lernen, sondern um sich oder anderen etwas zu beweisen
-Die Lehrer sollten jedes Jahr geprüft werden und nicht nur am Ende ihrer Zeit als Refrendare
-Die Schüler sollten die Möglichkeit haben, beispielsweise durch Meinungsumfragen, ihre Meinung zu äußern und Verbesserungsvorschläge vorzubringen. Auch Kritik sollte erhört und die Probleme, falls möglich, beseitigt werden
-Rückzugsorte für die Schüler sollten zum Angebot stehen
-Die Schule sollte von den Schülern nicht als Ort der Verausgabung und des Stresses empfunden werden, sondern als Förderung. Denn das ist schließlich der Zweck einer Schule: Dem Schüler ein Fundament für das spätere Leben bauen und nicht ihn zu zerstören
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Ich sehe schon den Zeitungsartikel vor mir: Die Zahl der Gymasiasten hat sich in den letzten Jahren rapide verringert. Erst dann werden sich die Politiker, die doch selbst noch so eine bequeme Schulzeit hatten (damals konnte man sogar Mathematik als Abifach abwählen) fragen was sie falsch gemacht haben. Doch hatten wir das nicht schon einmal, nach dem "katastrophalen" Ergebnis des Pisatests? Und was ist herausgekommen? Der G8-Zug auf den weder die Schulen, die Lehrer noch die Schüler vorbereitet sind.