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Warum bekommen wir Schnupfen?

Kinderuni: Wie unser Körper mit Erkältungen umgeht

von Kai Hirschmann und Sandra Müller - 12.12.2005
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Mit keiner anderen Krankheit haben wir so oft zu kämpfen wie mit Schnupfen. Jeder Mensch erkältet sich bei uns durchschnittlich sechs Mal pro Jahr. Warum das so ist, haben drei Ärzte den Besuchern der Kinderuni Mainz erklärt.

Ärztin Wilma Mannhardt untersucht diesen "Freiwilligen" live auf der Bühne. (Quelle: Helles Köpfchen)Schnupfen kann ganz verschiedene Ursachen haben. Darunter auch ganz ungewöhnliche. "Vergangenen Monat kam zum Beispiel ein Mädchen zu mir in die Kinderklinik", erzählte Arzt Jo Schmitt den Kinderuni-Teilnehmern, "das sich eine Erdnuss in die Nase gesteckt hatte und sie nicht mehr heraus bekam". Der Körper habe sich mit einem starken Schnupfen gegen den Eindringling gewehrt. Da die Nuss allerdings zu groß war, um ausgenießt werden zu können, mussten die Ärzte etwas nachhelfen. Nun ist die Nuss draußen und der Schnupfen verschwunden.

Erdnüsse sind jedoch nur in sehr, sehr seltenen Fällen der Grund für einen Schnupfen. Meist reizen sehr viel kleinere Teichchen die Nasenschleimhäute. So können winzige Blütenpollen von Blumen, Bäumen oder Gräsern bei Allergikern jedes Jahr im Frühjahr und Sommer Heuschnupfen auslösen. Andere Menschen sind gegen die Hautschuppen von Tieren, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze allergisch. Diese Stoffe lösen in der Nase eine Entzündung aus - den allergischen Schnupfen. Auch Tabakqualm ist oft für starken Schnupfen verantwortlich. Die Giftstoffe im Zigarettenrauch reizen nämlich die Nasenschleimhaut.

Kamerafahrt durch die Nase

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Die mit Abstand häufigste Ursache für Schnupfen ist aber ein Angriff von Mikroben. Das sind winzig kleine Bakterien oder Viren, die man mit dem bloßen Auge gar nicht sehen kann. Sie kriechen ständig auf deinem Körper entlang und suchen einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen. Er sollte warm und feucht sein - so wie deine Nase, deine Ohren oder dein Mund.

Dass diese Sinnesorgane alle miteinender verbunden sind, bewies eine weitere Ärztin, Wilma Mannhardt, den jungen Studenten mit einer Kamera-Fahrt in die Nase ihrer Tochter Marie. Haben sich Krankheitserreger erst einmal an einer Stelle eingenistet, dann können sie sich deshalb schnell ausbreiten. Das ist der Grund dafür, dass wir bei einer Erkältung neben einer triefenden Nase oft auch mit Ohren- und Halsschmerzen zu tun bekommen.

Blumen aus Milliarden Bakterien

Die Bakterien-Bilder hat Professor Fred Zepp in Petrischalen gezüchtet. (Quelle: Helles Köpfchen)Um Mikroben zu erkennen, braucht man eigentlich ein Mikroskop. Doch Professor Fred Zepp hat den Kindern gezeigt, dass man mit einem Trick winzige Bakterien sichtbar machen kann. Man muss dafür eine Bakterienprobe nehmen, indem man mit einem kleinen Schaber über die Haut fährt. Die Bakterien werden dann auf einen durchsichtigen Nährboden in eine Schale gegeben. Der Nährboden muss nicht den ganzen Boden bedecken. Professor Zepp hatte für die Vorlesung zum Beispiel "Petrischalen-Bilder" gemalt, die Hände, Gesichter und Blumen darstellen.

Über Nacht hatten sich auf dem Nährboden der Petrischale die Bakterien bei 37 Grad Celsius milliardenfach vermehrt, so dass sie bei der Vorlesung mit bloßem Auge zu erkennen waren. "Diese Bakterien hier sind alle ungefährlich", versicherte der Medizin-Professor und ließ sie durch den Hörsaal wandern. Man kann aber auch andere, aggressive Bakterien auf diese Weise züchten.

Millionen Viren greifen an

Die runden Pneumokokken-Bakterien sehen schön aus. Doch für unseren Körper sind sie gefährlich. (Quelle: CDC/Dr. Richard Facklam)"Nur die wenigsten Bakterien sind schädlich für den Menschen", erklärte Jo Schmitt den Kinderuni-Teilnehmern. In der Tat besteht unser ganzer Körper sogar zu 95 Prozent aus Bakterien. Nur fünf von 100 Zellen tragen menschliches Erbgut. Ohne Bakterien würde es den Menschen gar nicht geben.

Dann präsentierte Doktor Schmitt den Kindern riesig vergrößerte Aufnahmen von weniger freundlichen Bakterien. Wenn die millionenfach unseren Körper angreifen, dann werden wir krank. Als Jo Schmitt den Kindern Nahaufnahmen von Stäbchenbakterien und runden Kokken-Bakterien zeigte, geriet er ins Schwärmen: "Sind die nicht wunderschön?" Die Besucher im Hörsaal waren sich da allerdings nicht so sicher.

Ein gesunder Körper kann sich selbst verteidigen

Wenn feindliche Mikroben die Schleimhäute angreifen, dann bekommt der Körper das meist ganz alleine in den Griff. Unsere Abwehrkräfte (auch Immunsystem genannt) wehren jeden Tag Millionen von feindlichen Viren und Bakterien ab. Drei Arten von Zellen in unserem Blut verrichten dabei fleißig ihre Arbeit, ohne dass wir es bemerken.

Als erstes stellt Wilma Mannhardt die Weißen Blutkörperchen vor, die auch Fresszellen genannt werden. Sie wandern durch die Adern und halten dabei ständig Ausschau nach großen Krankheitserregern. Sobald sie ein schädliches Bakterium entdecken, fressen sie es auf.

Die fleißigen Helfer der Fresszellen

Antikörper schwimmen im Blut und setzten sich auf gefährliche Krankheitserreger. (Quelle: Handzeichen gegen Krebs (medical relations GmbH))Manche Bakterien überfallen den Körper aber in riesiger Zahl und bewegen sich wahnsinnig schnell durch die Blutbahn. Dann bekommen die weißen Blutkörperchen Unterstützung durch Antikörper. Diese besonderen Bestandteile in unserem Blut sind auf fiese Bakterien spezialisiert. Sobald solch ein Bakterium vorbeischwimmt, setzen sie sich darauf. Mit seinem Rucksack ist das Bakterium nun langsamer. Außerdem kann es von den weißen Blutkörperchen nun ganz leicht erkannt und gefressen werden.

Wenn du Schnupfen hast, wird dein Körper aber meistens nicht von Bakterien angegriffen, sondern von sehr viel kleineren Viren. Gegen sie sind die Fresszellen machtlos, denn sie entwischen ihnen immer. Doch unser Blut hält auch eine Geheimwaffe gegen Viren bereit: die Lymphozyten. Sie können die Krankheitserreger gezielt angreifen und abschießen.

Kinder bekommen häufiger Schnupfen als Erwachsene

Je öfter der Körper im Laufe des Lebens angegriffen wird, desto besser lernt er, sich zu schützen. Denn wenn er einmal eine Abwehrmethode gegen einen Krankheitserreger herausgefunden hat, dann kann er sie immer wieder hervorholen und einsetzen. Das ist auch der Grund, warum Kinder häufiger krank werden als ihre Eltern. Ihr Körper hat noch nicht alle Abwehrtricks gelernt.

Trotzdem bekommen auch Erwachsene immer wieder Schnupfen. Das liegt daran, dass es über 200 verschiedene Erreger gibt, die diese Krankheit auslösen können. Wenn du jedes Jahr sechsmal Schnupfen bekommst, dann hat dein Körper erst nach über 30 Jahren einen Schutz gegen jeden dieser Erreger aufgebaut. Und dann ist er so alt, dass er die ersten schon wieder vergisst.

Es gibt kaum Medikamente gegen Viren

Fred Zepp erklärt, dass man sich beim Niesen nie die Hand vor den Mund halten sollte. (Quelle: Helles Köpfchen)Gegen Viren haben Mediziner bisher kaum Medikamente entwickeln können. Da Schnupfen meistens von Viren ausgelöst wird, können Ärzte hier nur die Heilkräfte des Körpers unterstützen. Professor Fred Zepp riet: "Ihr solltet viel Wasser trinken und euch gesund ernähren."

Kinder, die ein Schnupfen erwischt hat, sollten auf keinen Fall Hustensaft trinken. Denn so bleiben alle Bakterien im Körper und können weiter Unheil anrichten. Nasentropfen können manchmal helfen - nicht nur zum Atmen, sondern sogar gegen Ohrenschmerzen. Ein normaler Schnupfen sollte nach sechs Tagen wieder verschwunden sein. "Wenn nicht, solltet ihr den Arzt aufsuchen", sagte der Leiter der Mainzer Kinderklinik.

"Haltet beim Niesen nicht die Hand vor den Mund!"

Jo Schmitt impft seine tapfere Kollegin Wilma mit einer Spritze gegen Grippe. (Quelle: Helles Köpfchen)Der nächste Tipp von Fred Zepp widersprach dem, was viele Eltern ihren Kindern beibringen: "Ihr solltet niemals beim Niesen die Hand vor den Mund halten!" Dadurch fliegen die Krankheitserreger nicht nach vorne weg, sondern werden überall in der Umgebung verteilt. "Außerdem sitzen sie dann auf deinen Händen. Wenn du das nächste Mal jemandem die Hand schüttelst, dann gibst du die Krankheitserreger weiter", erklärte der Arzt. "In diesem Fall solltet ihr also ausnahmsweise mal nicht auf eure Eltern hören."

Zum Schluss demonstrierten die Mediziner den Kindern noch den wirksamsten Schutz vor Krankheiten: das Impfen. Viele Kinder im Hörsaal murrten, weil sie Angst vor Spitzen hatten. Um zu zeigen, dass das gar nicht nötig ist, ging Wilma Mannhardt mit gutem Beispiel voran. Sie ließ sich auf der Bühne von einem ihrer Ärzte-Kollegen eine Grippeimpfung in den Oberarm geben. Das überzeugte die meisten Kinder, obwohl die meisten kurz darauf trotzdem mit einem flauen Gefühl im Magen die Vorlesung verließen. Doch das lag vielleicht auch daran, dass längst das Mittagessen zu Hause wartete.

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