Menschen mit Down-Syndrom

Entscheidend für behinderte Menschen: Eingliederung in die Gesellschaft

von Sebastian Schwalbach

"Sieger, alle waren Sieger" spielte die Band zur Siegerehrung - und bei keinem anderen Wettbewerb hätte der Titel besser gepasst. Beim diesjährigen Down-Sportfestival in Frankfurt durfte sich jeder der über 400 Teilnehmer als Sieger fühlen. Hier ging es um mehr als Bestleistungen bei Weitsprung, Weitwurf und 100-Meter-Lauf. Es zählte vielmehr ein gemeinsames Miteinander. Die Sportlerinnen und Sportler, die hier teilnehmen, haben alle eine Behinderung: das Down-Syndrom. Was bedeutet eine solche Behinderung? Wie leben die Betroffenen mit der Krankheit?

Durch ihre Erkrankung brauchen Menschen mit Down-Syndrom oft etwas länger, um sprechen oder schreiben zu lernen. (Quelle: Sebastian Schwalbach)

Bestimmt hast du schon einmal einen Menschen mit Down-Syndrom gesehen. Sie sind meist relativ klein und haben eine typische Gesichtsform, wie du sie auf den Bildern erkennen kannst. Durch ihre Erkrankung brauchen sie oft etwas länger, um sprechen oder schreiben zu lernen. Einige Menschen mit Down-Syndrom können aufgrund der Behinderung nicht richtig sprechen, andere hingegen sind weniger eingeschränkt und können nach dem Schulbesuch auch Berufe erlernen.

Das Wort "Syndrom" steht für ein allgemeines Krankheitsbild, das man anhand von mehreren Merkmalen erkennen kann. Eines dieser Merkmale bei Menschen mit Down-Syndrom ist das Aussehen. "Down" wird übrigens "Daun" ausgesprochen, Namensgeber ist der englische Forscher Langdon-Down.

Die meisten Kinder mit Down-Syndrom sehen sich durch das Vorhandensein eines gleichen überzähligen Chromosoms (die genaue Erklärung findest du unter "Ursachen des Down-Syndroms") mehr oder weniger ähnlich. Sie gleichen jedoch, genau wie andere Kinder, auch ihren Eltern. Eine Gemeinsamkeit der Menschen mit Down-Syndrom ist die Schrägstellung der Lidfalte an den Augen. Aufgrund dieser Schrägstellung und der damit verbundenen Ähnlichkeit mit Menschen aus Asien oder der Mongolei, sprach man früher von der Krankheit "Mongolismus".

Weltweit leben über fünf Millionen Menschen mit Down-Syndrom

Weltweit leben ungefähr fünf Millionen Menschen mit Down-Syndrom. (Quelle: Sebastian Schwalbach)

Dieser Begriff ist heute jedoch unzeitgemäß, man spricht allgemein von Menschen mit Down-Syndrom. Diese sind oft anfälliger für Infekte und neigen zu Fehlfunktionen der Schilddrüse, Herzfehlern, Sehbeeinträchtigungen oder Schädigungen des Knochenbaus.

Früher wurden Menschen mit Down-Syndrom aufgrund schlechter medizinischer Versorgung oft nicht älter als zehn Jahre, heute erreichen sie durchschnittlich ein Alter von 60 Jahren. Weltweit leben ungefähr fünf Millionen Menschen mit Down-Syndrom. Die Häufigkeit des Auftretens ist dabei mit etwa einer auf 800 bis 1000 Geburten überall gleich. In Deutschland werden jährlich circa 1200 Kinder mit dieser Behinderung geboren.

Geschichte des Down-Syndroms

Der Forscher John Langdon-Down beschrieb Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal eine genetische Veränderung. Nach ihm wurde schließlich das Down-Syndrom benannt.

Menschen mit Down-Syndrom gibt es schon sehr lange. Bereits auf frühen Höhlenmalereien entdeckten Forscher Bilder, die Menschen mit dieser Behinderung sehr ähnlich sehen. Auch auf späteren Gemälden der Künstler Mantegna oder Manet finden sich Menschen mit Down-Syndrom.

Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieb der englische Forscher John Langdon-Down zum ersten Mal eine genetische Veränderung aus Sicht der Wissenschaft. Nach ihm wurde schließlich die Krankheit benannt. Langdon-Down begründete nicht nur die wissenschaftliche Forschung des Down-Syndroms, er setzte sich auch für Menschen mit Behinderung ein.

So kaufte er ein altes Krankenhaus und machte daraus ein Institut, in dem Menschen mit Behinderung nicht nur leben konnten, sondern auch in eigenen Werkstätten, Wäschereien oder auf einem Bauernhof lernten, zu ihrer Versorgung beizutragen. Langdon-Down war mit seiner Idee ein Vorreiter, denn auch heute gibt es noch viele solcher Werkstätten, in denen Menschen mit Behinderung gemeinsam arbeiten und somit in die Gesellschaft eingegliedert werden.

Ursache des Down-Syndroms

Down-Syndrom gab es schon in früheren Zeiten. Eltern geben Erbinformationen an ihre Kinder weiter. Dreifache Chromosomen- paare verursachen die Krankheit.

Um zu verstehen, wie das Down-Syndrom zustande kommt, muss man einen Blick auf die Entstehung eines Kindes werfen. Bei der Befruchtung vereinigen sich die Keimzellen der Eltern. In der Keimzelle befinden sich 46 Träger von Erbinformationen und Genen, die so genannten Chromosomen: 23 Chromosomen in der Eizelle und 23 in der Samenzelle. Die 1. Zelle eines Kindes hat also 46 Chromosomen, in weiteren Schritten beginnt sie sich zu teilen und zu vermehren. Über die Chromosomen geben Eltern Erbinformationen an ihre Kinder weiter. Die Gene auf den Chromosomen bestimmen Wachstum, Aussehen und Funktionen des Körpers.

Dreifache Chromosomenpaare verursachen das Down-Syndrom. Du kannst dir vorstellen, dass die jeweils 23 Chromosomen der Ei- und Samenzelle gegenüberliegend ineinander greifen wie die Zacken eines Reißverschlusses. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das 21. Chromosomenpaar nicht doppelt, sondern dreifach vorhanden. Deshalb nennt man die Krankheit auch "Trisomie 21". Somit ist ein Chromosom in der Überzahl, und der "Reißverschluss" funktioniert nicht mehr reibungslos. Dieses überzählige Chromosom stört das natürliche Gleichgewicht. Dadurch treten bei Kindern mit Down-Syndrom häufig Verzögerungen in Wachstum oder bei verschiedenen Funktionen des Körpers auf.

Integration ist wichtig für die spätere Entwicklung

Beim Down-Sportfestival bleiben Sportler mit Down-Syndrom unter sich. Dies soll den Kontakt unter den behinderten Menschen stärken. (Quelle: Sebastian Schwalbach)

Beim Down-Sportfestival bleiben die Sportler unter sich, es dürfen nur Menschen mit Down-Syndrom teilnehmen. Diese Regelung wurde von den Veranstaltern bewusst vereinbart, um den Kontakt unter den Menschen mit Behinderung zu stärken.

Im täglichen Leben ist es jedoch sehr wichtig, dass behinderte Menschen Kontakte zu Menschen ohne Behinderung haben. Wenn ein Kind mit einer Behinderung eine Grundschule oder ein Gymnasium besucht, nennt man das eine Integrationsmaßnahme oder kurz Integration. Dabei lernen behinderte Kinder von Gleichaltrigen, aber auch umgekehrt können behinderte Kinder den anderen etwas beibringen.

Akzeptanz hilft die Leistung zu verbessern

Wichtig ist aber auch die Integration behinderter Menschen in die Gesellschaft. Menschen mit Down-Syndrom sind zu außerordentlichen Leistungen fähig, wenn sie eingegliedert und gefördert werden. (Quelle: Sebastian Schwalbach)

Es hat viele Jahre gedauert, bis der Gesellschaft klar wurde, dass schulische Integrationsmaßnahmen für alle Beteiligten wichtig und auch von Vorteil sind. So wurden Kinder mit Down-Syndrom und anderen Behinderungen früher oft von ihren Familien zu Hause versteckt und konnten teilweise keine Schulen besuchen.

Auch die Meinung über Lernfähigkeit von Menschen mit Down-Syndrom hat sich in den letzten Jahren geändert. Früher ging man davon aus, dass sie nur begrenzt förderbar sind und sehr schnell an ihre Grenzen stoßen. Jetzt weiß man, dass viele von ihnen zu außerordentlichen Leistungen fähig sind. Wenn ein Kind mit Down-Syndrom von seiner Klasse akzeptiert und von den Lehrern gefördert wird, kann es ständig Fortschritte machen und den Mitschülern zeigen, dass man große Erfolge erreichen kann, wenn man motiviert ist.

Ziel: Gleichstellung von behinderten und nicht-behinderten Menschen

Ob mit Behinderung oder nicht, jeder Mensch ist einzigartig. Es ist wichtig, Menschen mit Down-Syndrom genauso zu respektieren und zu achten wie andere Menschen. (Quelle: Sebastian Schwalbach)

Viele Menschen mit Down-Syndrom können radfahren, schwimmen oder selbstständig einkaufen - eben jene Sachen, die andere Kinder auch machen. Nur brauchen Menschen mit Down-Syndrom aufgrund ihrer Behinderung meist etwas länger, um die Tätigkeiten gut zu beherrschen. In vielen Bereichen hat sich das Leben für die behinderten Menschen verbessert.

Die Integration ist für eine gute Entwicklung dabei sehr wichtig. Jedoch haben Menschen mit Down-Syndrom noch lange nicht die gleichen Möglichkeiten und Rechte, die Menschen ohne Behinderung für sich als selbstverständlich betrachten. So werden sie oft von anderen gehänselt, ausgegrenzt oder nicht als vollwertige Menschen akzeptiert. Denn ob mit Behinderung oder nicht, jeder Mensch ist individuell und einzigartig. Deshalb ist es wichtig, Menschen mit Down-Syndrom genauso zu respektieren und ernst zu nehmen, wie andere Menschen auch. Nur so haben sie die Möglichkeit, sich frei zu entfalten.

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letzte Aktualisierung: 30.10.2009

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