Fastnacht, Fasching, Karneval: Die Wurzeln des Kostümfestes

Das Kostümfest weltweit - Teil 1

von Kai Hirschmann
Teil 1 von 3
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Ob Karneval, Fasching, Fassenacht, Fasnet oder Fastnacht - egal wie das ausgelassene Kostümfest in deiner Region heißt: Die närrische Zeit feiert man nicht nur bei uns, sondern in vielen Teilen der Welt. Auch in Brasilien und auf Kuba verkleiden sich die Menschen, tanzen auf den Straßen und veranstalten kilometerlange "närrische" Umzüge. Hier kannst du genau nachlesen, wo dieses Fest eigentlich seinen Ursprung hat.

Das farbenfrohe Kostümfest gibt es schon seit mehr als 1000 Jahren - damals wurde es allerdings ganz anders gefeiert als heute. (Quelle: Mar N (stock-xchng))Das Karnevalsfest hat nicht nur eine, sondern gleich drei Wurzeln. Seine Ursprünge liegen im Frühlingsfest der alten Germanen, auf dem unsere Ur-Ur-Ur.....Urgroßeltern sich schaurig verkleideten, um den Winter auszutreiben.

Karneval geht ebenfalls zurück auf das römische Saturnalienfest, bei dem die vornehmen Herren einen Tag lang ihre Sklaven bedienten. Und schließlich gibt es noch den christlichen Ursprung: Bevor am Aschermittwoch die lange, harte Fastenzeit beginnt, die erst am Ostersonntag endet, wollen die Christen noch einmal so richtig ausgelassen feiern. Hier erklären wir dir alle drei Ursprünge des Kostümfestes.

Die alemannische Fastnacht

Der "Federhannes" will bei der "Rottweiler Fasnet" die Wintergeister vertreiben. (Quelle: www.rottweil.de)Die alten Germanen glaubten an Dämonen. Jeden Frühling feierten sie ein wildes Fest, bei dem die bösen Wintergeister vertrieben werden sollten. Nach so viel Frieren, Frost und Schnupfen hatten die Germanen einfach keine Lust mehr auf die kalte Jahreszeit. Die Bauern wollten endlich wieder ihre Felder bestellen können. Das Fest selbst war ein lautes und buntes Treiben. Die Dorfbewohner setzten sich grauenvolle Masken auf ihre Gesichter. Außerdem machten sie mit Schellen, Rasseln und Trommeln einen Höllenkrach, um die Wintergeister in die Flucht zu schlagen.

Der katholischen Kirche war das fröhliche, nicht-christliche (also heidnische) Fest im Mittelalter ein Dorn im Auge. Daher versuchte sie, das germanische Frühlingsfest abzuschaffen. Doch damit hatten sie keinen Erfolg, da sich die Menschen das Feiern nicht einfach verbieten lassen wollten. Deshalb kam die Kirche auf die Idee, das Fest einfach umzudeuten. Statt böse Geister galt es fortan, den Teufel zu vertreiben. Denn vom Teufel ist - im Gegensatz zu Geistern - wenigstens in der Bibel die Rede.

Im Mittelalter ersetzten Teufelsmasken die germanischen Geister- und Hexenfratzen. (Quelle: Pixelquelle )Teufelsmasken statt Geisterfratzen

Die Teufelsmasken ersetzten nach und nach die germanischen Geister- und Hexenfratzen. Auch Tiermasken sah man oft bei den Feiern. Die Tiere standen dabei für bestimmte Sünden, die ebenfalls vertrieben werden sollten. Der Esel bedeutete zum Beispiel Trägheit und der Fuchs Geiz.

In der fränkisch-alemannischen Fastnacht in Bayern sowie in der Schweiz in der Baseler und Luzerner Fastnacht sind diese alten Formen der Fastnacht noch heute lebendig. Dort laufen jedes Jahr im Februar Menschen mit gruseligen Holzmasken und lauten Schellen durch die Straßen, um symbolisch den Winter zu vertreiben.

Lebe wohl, Fleisch

Damals waren die Leute sehr gläubig und beachteten die Regeln, die die Kirche vorgab. (Quelle: Marcelo Gerpe (stock-xchng))Auch bei der zweiten Wurzel des Kostümfestes hat die Kirche ihre Hand im Spiel. Im zwölften Jahrhundert hatte der Papst eine jährliche Fastenzeit vor dem Osterfest ausgerufen. Zwischen Aschermittwoch und Karsamstag sollten die Christen weniger essen und dafür mehr beten. Fleisch zu verzehren war in diesen Wochen absolut verboten. Daher kommt auch die Bezeichnung Karneval. Man sagt dem Fleisch - lateinisch "carne" - lebe wohl - lateinisch "vale".

Das traditionelle Fasten vor Ostern gibt es auch heute noch, obwohl sich nicht mehr viele Menschen daran halten. Im Mittelalter hatten die Gläubigen jedoch große Angst, in die Hölle zu kommen, wenn sie sich nicht an die Vorschriften der Kirche hielten. Deshalb fastete fast jeder. Doch bevor die Menschen auf so einige Essens-Genüsse verzichten mussten, wollten sie sich noch einmal so richtig "austoben". Die sechs Tage von Altweiberfastnacht bis Fastnachtsdienstag sind der Höhepunkt der Fastnachtszeit.

Die "kleinen Leute" übernehmen die Macht

Im Altertum feierten die Römer das Saturnalienfest. An diesem Tag durften die Einwohner sich verkleiden und die Rollen tauschen: Vornehme Herren mussten ihre Sklaven bedienen. (Quelle: Photocase )Seinen dritten Ursprung hat die Fastnacht im alten Rom. Im Altertum feierten die Römer dort das Saturnalienfest. Für einen Tag durften die Einwohner die Rollen tauschen: Die vornehmen Herren mussten ihre Sklaven bedienen. Die Diener durften auch Witze erzählen und Kritik äußern, wofür sie an anderen Tagen hart bestraft worden wären.

Aus dieser Tradition heraus haben sich unsere heutigen "Büttenreden" entwickelt. Leute "aus dem Volk" steigen auf die Bühne und schwingen mehr oder weniger lustige Reden, in denen sie mit allem abrechnen, was sie stört: mit hohen Politikern, mit den Bewohnern des Nachbarortes oder mit ihrem Bürgermeister. Auch die Übernahme des Rathauses durch die Narren an den "tollen Tagen" hat seinen Ursprung im römischen Saturnalienfest.

Drei Feste verschmelzen zur "Fastnacht"

Nicht nur wie hier in Mainz, sondern auch in vielen anderen Städten wie Köln und Düsseldorf ziehen die Menschen in Massen auf die Straße, um die närrische Zeit zu feiern. (Quelle: Mainzer Fastnacht)Selbst der Untergang ihres Weltreichs hielt die Einwohner Roms nicht davon ab, auch weiterhin ihr Saturnalienfest zu feiern. Einige Jahrhunderte später verknüpfte der Papst, der bekanntlich ebenfalls in Rom wohnt, den alten römischen Brauch mit dem christlichen Fastenfest.

Die katholische Kirche hatte im Mittelalter fast überall auf dem Kontinent einen sehr großen Einfluss. Ausgehend von Rom erreichte Karneval immer weiter entlegene katholisch geprägte Regionen, auch die in Mainz, Köln und Düsseldorf. So kam es, dass das Kostümfest bald in fast ganz Europa gefeiert wurde. Die Mainzer nutzen die Tradition der Fastnacht, um sich Anfang des 19. Jahrhunderts ungestraft über die französischen Besatzungstruppen - Napoleon hatte Mainz erobert - lustig machen zu dürfen. Deswegen sieht man dort auch so viele Garden in Fantasie-Uniformen aus dieser Zeit.

Die Idee des Rosenmontags-Umzugs stammt aus Köln. Die Stadtväter versuchten auf diese Weise, das wilde Treiben in geordnete Bahnen zu lenken. Ob sie damit Erfolg hatten, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall haben kurz darauf auch andere Städte wie Düsseldorf und Mainz damit begonnen, Karnevalsvereine zu gründen und Rosenmontagszüge zu veranstalten.

Im zweiten Teil des Artikels, Karneval in anderen Ländern Europas, erfährst du, wie die Menschen das Kostümfest in Venedig, auf Teneriffa, in England, Dänemark und in der Schweiz feiern.

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