Hallo Lulukas, ich versuche mal auf die Fragen, die du in deinem Beitrag aufgeworfen hast, einzugehen.
- Was passiert beim Schächten? (nach Wikipedia)
Im Judentum wird das lebendige Tier bei vollem Bewusstsein aufgeschnitten und blutet aus möglichst noch vor Eintritt des Todes. Da vor allem Säugetiere wie Ziegen und Schafe ein hoch entwickeltes Nervensystem haben, kann man davon ausgehen, dass sie bei mangelnder Blutversorgung Schmerz empfinden. Deshalb wäre eine Betäubung (Ohnmacht) "humaner". Und das wird wohl auch ein Grund dafür gewesen sein, dass man sich in Deutschland dazu entschlossen hat, so ein Vorgehen nicht zu gestatten. Da die Gesetze vom Parlament beschlossen werden und dies demokratisch gewählt wird um das Volk zu vertreten, gehe ich mal davon aus, dass das dem Willen einer Mehrheit entspricht und das sollte dann respektiert werden.
Früher war das Schächten durchaus sinnvoll. Man wollte Gott gefallen und seine Schöpfung (Tier und Mensch) ehren, indem man schnell (gut für das Tier) und sauber (gut für den Menschen) tötet. Für damalige Verhältnisse war das eine sehr fortschrittliche Methode. Heute gibt es aber moderne Betäubungsmittel. Der von dir angedeute Entzug der Atemluft ist davon nur eine Methode, die auch sehr umstritten ist. Es gibt heute Juden, die den Verzehr von unter Betäubung entbluteten Tieren erlauben. Veränderung und das Loslassen dieses alten Rituals ist also sinnvoll und möglich. Beim Verzicht aufs Schächten nützt es dem Tier und schadet den Menschen nicht. Aus religiöser Sicht könnte man sagen, dass der Tierschutz zur Wahrung der Schöpfung Gottes beiträgt und somit mit der Religionsausübung vereinbar sein sollte.
-Wieso macht der Glaube an eine Gottheit allein eine Religion aus?
So steht's im Duden: Religion: 1. Glaubensbekenntnis. 2a) Gottesverehrung b) innerliche Frömmigkeit
Es geht also zunächst allein um bekennen, verehren und fromm sein und nicht um Gotteshäuser bauen, Kerzen anzünden und Hexenverbrennung. Damit der Mensch ersteres ausdrücken kann, greift er oft auf Rituale zurück, wodurch sie materialsiert und auch für andere wahrnehmbar werden. Der Ausausch mit anderen Gläubigen, die Gemeinschaft ist dabei sehr wichtig. Aber auf welche Art und Weise das geschieht, das hat sich der Mensch ausgedacht und deshalb kann er das ändern, wenn es erforderlich werden sollte. Nur mal so als Beispiel. Als die Christen noch keine Kirchen bauen konnten, haben sie sich in Wohnhäusern getroffen. Als der christliche Glaube später in der europäischen Gesellschaft immer bedeutsamer wurde, haben die Menschen zu Ehren Gottes prunkvolle Kathedralen errichtet. In den letzten hundert Jahren wurden, wenn überhaupt, viel bescheidenere Kirchen errichtet. Man hat vielleicht auch erkannt, dass das Geld zur Unterstützung bedürftiger Menschen eher im Sinne eines christlichen Lebens ist und deshalb lieber soziale Einrichtungen gebaut. Wie auch immer, die Bedeutung von Gebäuden zur Religionsausübung hat sich gewandelt, weil sich die äußeren Umstände geändert haben.
Was ich hier versucht habe historisch darzustellen, kann man auch geografisch beobachten. Es ist nun mal ein Unterschied, ob man in der Schweiz oder in der Türkei ein Minarett bauen möchte. Dann muss man auch mal ein "Nein, geht hier gerade nicht" einer Mehrheit in Kauf nehmen und eine andere Lösung suchen. Vielleicht wird es zu einem späteren Zeitpunkt eher möglich sein. (Und damit komme ich wieder zum Thema zurück;-))