Der tropische Regenwald - Die "grüne Lunge" der Erde

Die massive Zerstörung hat verheerende Folgen für Mensch und Natur

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Der tropische Regenwald wird häufig auch die "grüne Lunge" der Erde genannt. Er beheimatet zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die sonst nirgendwo auf der Welt zu finden sind. Nur ein geringer Teil des dortigen Lebens ist bisher überhaupt erforscht worden. Viele Tiere und Pflanzen der Regenwälder sind uns also noch unbekannt. Doch wegen der massiven Vernichtung großer Waldflächen ist der Regenwald stark bedroht. Dies hat nicht nur verheerende Folgen für seine Bewohner, sondern auch für das gesamte Erdklima. Wie funktioniert das faszinierende "Ökosystem Regenwald" überhaupt?

Die tropischen Regenwälder Asiens, Afrikas und Südamerikas beheimaten zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und sind bedeutend für das Klima der Erde. (Quelle: Wikipedia)Tropische Regenwälder erstrecken sich über Regionen in Süd- und Mittelamerika, Südasien, Afrika und Australien. Sie wachsen in den "immerfeuchten Klimazonen" der Tropen mit neuneinhalb bis zwölf feuchten Monaten im Jahr. Die tropischen Regenwälder zeichnen sich durch eine große Artenvielfalt aus - viele Tier- und Pflanzenarten gibt es sonst nirgendwo auf der Welt.

Typisch ist hier der so genannte "Stockwerkbau": Er besteht aus sehr hohen Regenwaldbäumen, Baumgräsern und Pflanzen von mittlerer Höhe sowie den "Aufsitzerpflanzen", den "Epiphyten". Diese wachsen auf anderen Pflanzen und können so das Licht besser nutzen, als es am dicht bewachsenen Waldboden möglich wäre. Und Sonnenlicht ist sehr entscheidend für das Pflanzenwachstum. Epiphyten haben verschiedene Methoden entwickelt, um an Nährstoffe zu gelangen. Einige nehmen durch spezielle Öffnungen Regenwasser sowie darin gelöste Nährstoffe auf. Andere ernähren sich von herabfallenden Pflanzenteilen und verendeten Tieren.

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Ein einzigartiger Kreislauf

Typischer Baumwuchs der tropischen Regenwälder. Einige Baumriesen können bis in etwa 60 Metern Höhe über das Hauptkronendach ragen. (Quelle: Kretamaris | stock.xchng)Die Roterden der Regenwälder sind alles andere als fruchtbar, sondern eigentlich recht nährstoffarm. Dies scheint zunächst erstaunlich und widersprüchlich, denn gerade die Regenwälder beheimaten eine Fülle von Tier- und Pflanzenarten. Er bildet ein eigenes Ökosystem, also ein geschlossenes System, in welchem jedem Tier und jeder Pflanze eine wichtige Aufgabe zukommt, damit dieses funktionieren kann.

Wie ist dies möglich und wie erhält der tropische Regenwald sich am Leben? Der Wald nährt sich selbst in einem faszinierenden und einzigartigen Kreislauf. Die Bedingungen für ein schnelles Pflanzenwachstum sind hier ideal: Durch das feuchte und warme Klima wachsen die Pflanzen der tropischen Regenwälder im ganzen Jahr. Dadurch fallen auch ständig Blätter, Äste und andere Pflanzenteile hinab - und diese so genannte "Biomasse" verwittert aufgrund der Wärme sehr schnell. Sie wird von Pilzen, Bakterien und kleinsten Tierchen zersetzt.

Die "grüne Lunge"

Der Paradiesvogel lebt in den Regenwäldern Neuguineas. (Quelle: Roderick Eime/ Rodeime / Wikimedia Commons)Die Wurzeln der Pflanzen liegen sehr flach im Boden und berühren eine bestimmte Pilzart, die entscheidend für den Nährstoffkreislauf des Regenwaldes ist. Diese "Mykorrhiza"-Pilze können Mineralstoffe und Wasser viel besser aus dem Boden lösen als Pflanzen. Sie liefern den Pflanzen die wichtigen Nährsalze und Wasser - und erhalten im Gegenzug Stoffe, die bei der Photosynthese der Pflanzen entstanden sind. Pilze und Pflanzen leben also in einer "Symbiose" - das ist ein Zusammenleben zweier Arten, das für beide vorteilhaft ist.

Die Photosynthese ist entscheidend für das Wachstum einer Pflanze. Dabei wandelt sie mithilfe des Sonnenlichtes aus der Luft aufgenommenes Kohlendioxid (CO2) und Wasser um - und zwar in Sauerstoff und Traubenzucker. Den Traubenzucker benötigt die Pflanze zum Aufbau und Wachstum, der Sauerstoff wird in die Luft abgegeben. Deshalb sind Bäume und Pflanzen auch so wichtig für Mensch und Tier sowie das Klima auf der gesamten Erde: Sie nehmen Kohlenstoffdioxid auf und produzieren Sauerstoff, der für uns lebensnotwendig ist. Allerdings verbrauchen auch Pflanzen bei Atmungs- und Zersetzungsprozessen eine gewisse Menge an Sauerstoff. Nach den Meeresalgen ist der Regenwald der größte Sauerstoffproduzent.

Bedeutend für unsere Erdatmosphäre

Pflanzen wandeln CO2 in Sauerstoff um. Durch die Regenwaldzerstörung kann weniger CO2 abgebaut werden. Die Abgase steigen in die Atmosphäre und verhindern, dass Wärme von der Erde ins All abstrahlen kann. (Quelle: NASA)Laut einiger Studien werden in zwei Jahrzehnten voraussichtlich etwa 55 Prozent der heutigen Regenwälder verschwunden sein. Nur wenn endlich wirkungsvolle Maßnahmen gegen die massive Regenwaldzerstörung ergriffen würden, könnte man diese Entwicklung noch aufhalten. Dies hat verheerende Folgen für die vielen dort lebenden Arten, von denen zahlreiche vermutlich aussterben werden, bevor sie jemals entdeckt werden konnten. Die Vernichtung tropischer Regenwälder bringt daher ein Artensterben von unbekanntem Ausmaß mit sich.

Auch die globale Klimaerwärmung wird verstärkt: Bis zum Jahr 2030 sollen durch die Zerstörung der tropischen Waldflächen voraussichtlich zwischen 56 und 97 Milliarden Tonnen an zusätzlichem CO2 freigesetzt werden. CO2 - das Gas Kohlenstoffdioxid - trägt laut Klimaforschern zum Treibhauseffekt bei. Viele Forscher schätzen, dass sich der Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Erdatmosphäre um mehr als ein Viertel erhöhen würde, wenn alle tropischen Regenwälder der Erde vernichtet wären.

Die Bäume der Regenwälder tragen auch erheblich zur Kühlung der Erdatmosphäre bei. Denn über dem feuchtwarmen Dschungel befindet sich eine riesige Wolkendecke, die Sonnenstrahlen abhält. In den Tropen steht die Sonne beinahe senkrecht, die Einstrahlung ist also sehr stark. Zur Kühlung lassen die Pflanzen deshalb Wasser über der Blattoberfläche verdunsten. Diese Feuchtigkeit steigt auf und es kommt zur Wolkenbildung über den Wäldern. In regelmäßigen Abständen fällt das Wasser über den tropischen Wäldern dann wieder als Regen hinab. Etwa ein Viertel seines gesamten Wasserhaushaltes erhält der Regenwald auf diese Art.

Bedroht durch massive Zerstörung

Jedes Jahr werden nach Schätzungen weltweit 16 Millionen Hektar des tropischen Regenwaldes zerstört. Das entspricht der halben Fläche Deutschlands. (Quelle: WWF)Schon vor hunderten von Jahren Begann die Abholzung und Zerstörung der tropischen Regenwälder durch den Menschen. Doch niemals ist sie so schnell vorangeschritten wie heute. Seit 1950 hat sich die Fläche der tropischen Regenwälder nach Schätzungen fast halbiert! Es gibt verschiedene Gründe für diese massive Zerstörung der tropischen Waldflächen. Zum einen sind Edelhölzer wie Mahagoni und Teakholz sehr begehrt und können teuer verkauft werden. Dabei werden auch die weniger Gewinn bringenden Bäume abgeholzt und als Bauholz oder für die Papierverarbeitung verwendet.

Weiterhin werden die Wälder gerodet, um Land zu gewinnen. Daraus entstehen Plantagen und Weideflächen für die Landwirtschaft. Immer größere Regenwaldflächen werden für den Anbau von Soja zerstört. Dieses wird hauptsächlich als Futtermittel für die Massentierhaltung der Industrieländer verwendet. Für relativ wenig Geld werden große Mengen Soja aus ärmeren Ländern wie Brasilien eingeführt. Dort wurde die Produktion von Sojabohnen für die Viehzucht in den letzten Jahren auf über 51 Millionen Tonnen gesteigert. Die Anbauflächen mussten seit Mitte der 70er Jahre verdreifacht werden - von zwölf Millionen auf nahezu 40 Millionen Quadratmeter. Weltweit größter Abnehmer von brasilianischem Soja ist übrigens Deutschland - fast ausschließlich für die Fütterung der "Nutztiere". Brasilien ist eines der führenden Länder im Tierfutterexport. Gleichzeitig leiden etwa 60 Prozent der Bevölkerung an Mangelerscheinungen und 42 Millionen Brasilianer müssen hungern.

Viele gefährdete Tierarten

Der Orang-Utan zählt zu den bedrohten Tierarten, die in den tropischen Regenwäldern leben. (Quelle: User:Jalo/ Wikimedia Commons)Weltweit sind mehr als 16.000 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Gefährdet sind laut der "Roten Liste" der Weltnaturschutzunion IUCN über 41.000 Arten - etwa jedes vierte Säugetier, jeder achte Vogel und fast 70 Prozent aller Pflanzen! Zahlreiche der bedrohten Arten sind in den tropischen Regenwäldern beheimatet.

Stark bedroht sind zum Beispiel die Orang-Utans, deren Lebensraum immer weiter schwindet. Auch der Westliche Gorilla steht auf der Roten Liste. In vielen Regionen hat sich die Anzahl der Tiere in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 60 Prozent verringert. Neben der Zerstörung ihres Lebensraumes sind die Westlichen Gorillas auch durch Wilderer bedroht - denn mit dem Fleisch der Tiere kann man viel Geld verdienen. Ebenso hunderte von Schildkröten- und Schlangenarten sind bedroht, und viele weitere Reptilien, die in den tropischen Regenwäldern leben. Weiterhin stehen zahlreiche Vogelarten auf der Roten Liste - vor allem in den Tropen Asiens und Afrikas.

Indigene Völker in Gefahr

Ureinwohner des südamerikanischen Regenwaldes. (Quelle: stock.xchng (superelvis))Der tropische Regenwald ist auch der Lebensraum zahlreicher indigener Völker in Südamerika, Afrika und Asien - wie die Yanomami und die Penan. Sie nutzen viele der dort wachsenden Pflanzen, um Hütten zu bauen sowie Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände anzufertigen. Andere Pflanzenarten dienen ihnen als Nahrung. Zahlreiche Pflanzenstoffe werden auch als Heilmittel, als Gifte für die Jagd oder zur Körperbemalung genutzt.

Die indigenen Völker leben von der Jagd, vom Fischfang und vom Anbau von Feldfrüchten. Bei der Bewirtschaftung achten sie darauf, dass die Regenwälder nicht zerstört werden. Sie betreiben einen so genannten Etagenanbau. Das bedeutet, dass neben den wild wachsenden Bäumen ganz verschiede Pflanzenarten angebaut werden - und zwar fast über die gesamte Höhe der Wälder, und nicht nur dicht über den Böden. Durch die fortschreitende Vernichtung der Wälder ist auch ihre Lebensgrundlage in Gefahr.

Die Regionen, die von den indigenen Völkern besiedelt werden, sind häufig reich an Rohstoffen. Unternehmen, die es zum Beispiel auf Öl und wertvolle Hölzer abgesehen haben, sowie Goldsucher dringen zunehmend in ihre Gebiete ein. Sie roden große Waldflächen, verseuchen die Flüsse, hinterlassen Bohrlöcher und eine zerstörte Natur. Auch Krankheiten, die die Eindringlinge einschleppen, stellen eine Gefahr für die Ureinwohner dar. Oft sind sie gegen diese nicht immun (ihr Körper hat noch keine Abwehrstoffe gebildet), sodass Erkrankungen, die für andere Menschen relativ harmlos sind, bei ihnen sogar tödlich verlaufen können.

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