Ein Paradies für Raupen

Umweltkindertag 2005

von Kai Hirschmann - 09.06.2005

Es gibt immer weniger Schmetterlinge in unseren Städten. Das liegt daran, dass sie in gepflegten Gärten und Parks keine Nahrung mehr finden. Am Umweltkindertag haben 17 Kinder in Mainz "Unkraut" ausgesät. Auf diese Weise sollen bald wieder mehr bunte Falter fliegen.


Der Rapsweißling sammelt Blütennektar. Leider ist das ein immer selteneres Bild in modernen Städten. (Quelle: Wikipedia (Darkone))

Eigentlich mag sie jeder, die bunten Schmetterlinge, die auf Blüten sitzen oder durch die Luft flattern. Da gibt es Zitronenfalter, Tagpfauenauge, Widderchen, Ochsenauge, Kohlweißling, Schwalbenschwanz oder den Kleinen Fuchs. All diese Schmetterlinge brauchen einheimische Pflanzen als Nahrung. Ihre Raupen knabbern am liebsten an "Unkräutern" wie Brennnesseln, Spitzwegerich oder Klee.

Wenn du in die hübsch angelegten Blumenbeete in deinem Ort schaust, dann siehst du sofort das Problem: lauter exotische Pflanzen mit besonders großen Blüten. Die sehen zwar recht schön aus, für Schmetterlingsraupen sind sie jedoch meist ungenießbar.

Wildkräuter oder Unkraut?

Max und Benjamin haben unterschiedliche Ideen, was man mit den Pflanztöpfen anstellen soll. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Viele Gartenbesitzer rupfen alle einheimischen Wildkräuter aus. Auch zwischen dem Gras darf kein Gänseblümchen oder Klee blühen, weil es sich in ihren Augen um lästiges "Unkraut" handelt. Viele Hobbygärtner rupfen diese Pflanzen aus oder bekämpfen sie sogar mit Gift. Auch am Rand von Feldern und in städtischen Parkanlagen wachsen immer weniger Wildpflanzen. Doch mit ihnen verschwinden auch die bunten Schmetterlinge.

Am Donnerstag fand deshalb der Kinder-Umwelttag vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) statt. Nach dem Motto "Macht eure Welt , wie sie euch gefällt“ waren junge Naturschützer in Mainz aufgerufen, etwas für die Schmetterlinge zu tun.

17 Kids zwischen sechs und elf Jahren waren bei der Schmetterlings-Aktion dabei. Zuerst haben sie eine Löwenzahn-Folge über Schmetterlinge gesehen. Anschließend war ihnen klar, weshalb im Hof der Werkstattgalerie Niemand die vielen Wildkräuter ausgerupft hatte.

Kinder pflanzen "Unkraut"

Julia ist voll bei der Sache. Ihr Wildkräutertopf soll für viele Raupen zur Heimat werden. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Jedes Kind durfte sich nun einen Pflanztopf aus Pappe nehmen, ihn mit Erde füllen und dann Wildkräuter einpflanzen. Damit die Schmetterlinge auch wissen, dass sie hier ihre Eier ablegen können, wurden in die Töpfe noch bunte Schmetterlingsbilder gesteckt. Na ja, eigentlich sind die Bild nur eine Verzierung, damit die Töpfe schöner aussehen. Aber die Erklärung von Kursleiterin Anne Böschen klingt netter.

Den Topf durfte jedes Kind am Ende des Tages mit nach Hause nehmen. Mit ein wenig Geduld werden so auf vielen Balkonen und Gärten bald Schmetterlinge eine Heimat finden. Und die Kinder können das beobachten.

Nachdem sich die Teilnehmer mit einem Glas leckerer, selbst gemachter Holunderblütenlimonade gestärkt hatten, ging es hinaus in die Natur.

Ein verstecktes Schmetterlingsparadies entsteht

Ein umgegrabener Acker im Naturschutzgebiet wird zum Schmetterlings-Paradies. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Wer die Augen offen hält, der sieht, dass zum Glück doch noch viele Wildkräuter dem "Unkraut-Vernichtungs-Wahn" entgangen sind. Sie sollen nun zur Grundlage für ein verstecktes Schmetterlingsparadies werden. Die Kinder ziehen mit den sieben Betreuern zur "Zitadelle", einem nahe gelegenen Naturschutzgebiet.

Dort wartet ein umgegrabenes Feld zwischen Brombeerranken und Brennnessel-Feldern. Mit viel Energie pflanzen die Teilnehmer ein Pflänzchen nach dem anderen ein, darunter Spitzwegerich, Hornklee und zwölf weitere heimische Kräuter.

Max und Nina, die gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren, laden die Kids anschließend zu ihrer BUND-Kindergruppe ein. Dann geht's zurück zur Werkstattgalerie und mit den Wildkräuter-Töpfen ab nach Hause.

Gute Aussichten für Raupen

Der Umweltkindertag des BUND war in Mainz ein voller Erfolg - für die Kinder und die Schmetterlinge. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Alle Beteiligten hatten am Kinder-Umwelttag viel Spaß. Nun heißt es warten, was aus dem Feld wird. Für die jetzigen Raupen kommt das künftige Paradies zu spät, da die Pflanzen noch gar nicht gewachsen sind. Sie werden sich jedoch schon in wenigen Wochen verpuppen und als bunte Schmetterlinge schlüpfen.

Ein paar Falter werden aber vielleicht schon bald den Nektar der nützlichen "Unkräuter" in den Blumentöpfen der Kinder entdecken. Und bis zum nächsten Jahr sind die Wildkräuter in der Zitadelle so kräftig gewachsen, dass sich die Schmetterlingsraupen dann wie im Paradies fühlen werden.

letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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