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Letzte Rettung für verstoßene Haustiere

Zu Besuch im Tierheim - Teil 1

Teil 1 von 2

03.08.2005

Constanze deutet auf einen der zahlreichen Zwinger. 18 Hunde laufen darin herum. "Dort sind die netten, unproblematischen Tiere drin", erklärt sie. Jetzt, in der Ferienzeit, haben Constanze und ihre Kollegen alle Hände voll zu tun. Denn wenn Menschen Urlaub machen wollen, dann ist für viele Haustiere plötzlich kein Platz mehr da. Einige gewissenlose Hundebesitzer binden ihr Tier an der Autobahn-Raststätte an die Leitplanke und suchen dann das Weite. Diese Hunde landen dann hier, im Tierheim.

Holger und Constanze spielen mit dem großen Hunderudel im Mainzer Tierheim. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Kaum hat Constanze die "braven" Tiere gelobt, kommt es im Zwinger zu einem Tumult. Zwei Hunde haben sich ineinander verbissen. Sofort herrscht helle Aufregung und Gebell aus 18 Kehlen, denn das ganze Rudel will plötzlich mitmischen. Mittendrin steht eine mutige Tierpflegerin und versucht die beiden kämpfenden Rüden voneinander zu trennen.

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Doch vergebens. Erst als ihr Kollege Holger das Gehege betritt und aus Leibeskräften "Aus!" ruft, erstarren die Hunde. Vor Holger haben die Tiere gehörigen Respekt, denn er ist der Chef im Ring. Genauso schnell, wie vor knapp einer Minute der Tumult losgebrochen ist, herrscht plötzlich wieder Ruhe. Constanze zuckt mit den Schultern. "Das habe ich in diesem Zwinger der friedlichen Hunde noch nie erlebt", sagt sie.

Dabei ist es ganz normal, dass die Hunde gereizt sind. Denn zur Ferienzeit ist das Mainzer Tierheim absolut überbelegt - wie jedes Jahr im Sommer. Momentan sind hier doppelt so viele Tiere untergebracht wie sonst. Statt 40 Katzen leben zurzeit 87 hier. Und statt 50 Hunden sind es 82. Auch bei den Kaninchen, Meerschweinchen und Papageien sieht es ähnlich aus. Zu viele Tiere auf zu engem Raum bedeutet Stress - und Stress macht die Tiere aggressiv.

66.000 Tiere ausgesetzt

"Unsere Plätze sind eigentlich alle belegt", berichtet Constanze. Trotzdem kommen jeden Tag neue Tiere an. Viele Familien, die jetzt in Urlaub fahren, haben sich gar keine Gedanken gemacht, was aus ihrem Haustier werden soll.

Sie hätten natürlich einen Freund bitten können, sich um "Waldi", "Hasso" oder "Fiffi" zu kümmern - oder das Tier in eine Hundepension geben können. Doch das haben - wie üblich - nicht alle Familien getan. Auf diese Weise werden allein in Deutschland 66.000 Tiere während der Sommerferien ausgesetzt.

Außerdem werden immer wieder besonders schlimme Fälle bekannt, bei denen die Tiere ohne ausreichend Wasser und Nahrung in den Wohnungen zurückgelassen werden. Diese Tiere müssen qualvoll verdursten. Zum Glück passen einige Nachbarn auf und verständigen die Polizei oder die Feuerwehr. "Auch diese geretteten Tiere landen dann bei uns", sagt Constanze.

Nicht lebensfähig in der Natur

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Dieses Katzenbaby hat Constanze samt Mutter und zwei Geschwistern selbst eingefangen. Die Katzenfamilie streunte durch die Stadt und jagte Jungvögel. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Doch dann muss sie ihren Vortrag unterbrechen, da ein Feuerwehrauto vorgefahren ist. Es bringt das nächste Ferien-Opfer: Hund Nummer 83. Denn zu den Aufgaben der Feuerwehr gehört es, umherstreunende Hunde und Katzen einzufangen und sie anschließend ins Tierheim zu bringen.

Die "geschnappten" Haustiere haben großes Glück, da die meisten von ihnen in Freiheit gar nicht überleben könnten. Denn sie haben nicht gelernt, ihr Futter selbst zu suchen. Deshalb verhungern viele Tiere mitten in den Großstädten, wenn ihnen kein Mensch hilft.

Nachdem Hund Nummer 83 versorgt ist, erzählt Constanze, dass sich einige Haustiere in freier Natur noch nicht einmal bewegen können. So purzelt manch ausgesetztes Meerschweinchen Böschungen hinunter und bricht sich dabei die Knochen, weil es in seinem Käfig keine so großen Schrägen kennen gelernt hat.

Papageien in deutschen Parks

Wenn ausgesetzte Tiere dennoch überleben, dann ist das auch nicht besonders erfreulich für die Tierwelt. Exotische Wasserschildkröten, tropische Fische, Nagetiere oder Zwergpapageien haben in unseren Seen und Parks eigentlich nichts zu suchen. Denn sie könnten einheimische Arten verdrängen und dadurch das ökologische Gleichgewicht völlig durcheinander bringen.

Eine mindestens genauso große Gefahr sind verwilderte Haustiere auf der Jagd. Ein trächtiges Reh oder ein junger Feldhase sind für Hunde leichte Beute. Streunende Katzen fressen vor allem Vögel und Kriechtiere. Jedes Jahr fallen schätzungsweise eine Million Wildtiere und viele Millionen Singvögel den jagenden (ehemaligen) Haustieren zum Opfer. Darunter sind auch viele streng geschützte und vom Aussterben bedrohte Arten.

Im zweiten Teil erfährst du, warum Haustiere ein denkbar schlechtes Überraschungs-Geschenk sind und welche exotischen Tiere schon im Tierheim abgegeben wurden (auf "Weiter" klicken).

letzte Aktualisierung: 14.03.2010

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