Kamele beim Zahnarzt

Helles-Köpfchen-Reporter Kai war wieder einmal im Frankfurter Zoo unterwegs

22.09.2005

Bert Geyer fühlt jede Woche den Kamelen, die auch Trampeltiere genannt werden, im Frankfurter Zoo auf den Zahn. Er prüft, ob im Gebiss der Wüstentiere alle Zähne gesund sind. Diesmal darf ich ihn zusammen mit anderen neugierigen Reportern begleiten. Mal sehen, was die "gefährlichen Wildtiere" von meinem Besuch halten.

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Trampeltiere sind ganz schön neugierig und beschnuppern jeden Besucher ausführlich. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Ein Dutzend Reporter stehen mit Bert Geyer um 10 Uhr vor dem Trampeltiergehege - darunter auch ich. Noch trennt uns ein Wassergraben von sechs ausgewachsenen Kamelen. Doch zu meiner Überraschung lädt der Zootierarzt alle Reporter, Fotografen und Fernsehteams dazu ein, sich mit ihm am Wassergraben entlang ins Gehege zu mogeln. "Eigentlich werden die Kamele bei uns als gefährliche Wildtiere eingestuft", erklärt Bert Geyer. Bei diesen Worten durchfährt mich ein kalter Schauer. "Aber unsere Tiere sind sehr friedlich, zumindest jetzt", fährt Tierarzt Geyer fort, "denn noch ist keine Brunftzeit." "Was ein Glück", denke ich erleichtert.

Wir Reporter freuen uns über die Einladung und folgen dem Tierarzt ins Gehege. Raschelnde Tüten und Rucksäcke haben wir sicherheitshalber draußen gelassen. Denn die Kamele haben gelernt, dass sich darin meist allerlei Leckerbissen befinden. Wenn also jemand mit einer raschelnden Tüte ins Gehege ginge, dann würden sich die neugierigen Trampeltiere wahrscheinlich sofort auf ihn stürzen.

"Schnupperkurs" für Reporter

Der SAT1-Reporter möchte einen Blick in den Mund des Kamels erhaschen. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Doch auch ohne Tüte hören die Kamele sofort auf zu frühstücken und kommen neugierig auf uns zu. Komisch ist das schon, als Ephra und Kasi anfangen, mich zu beschnuppern. "Die mögen total gerne Fisherman's Friends und wollen schnuppern, ob sie welche bei dir bekommen können", sagt Tierpfleger Jürgen, der uns ins Gehege gefolgt ist, mit einem Augenzwinkern. Doch da muss ich die Tiere leider enttäuschen. Nach etwa einer Minute versuchen die beiden Kamele beim nächsten Reporter ihr Glück.

Der Kameramann von Sat1 ist besonders mutig. Er hält seine Kamera direkt auf Kasis Mund, während das Trampeltier auf ihn zukommt. Klar, dass Kasi da nicht widerstehen kann. Er schnüffelt nicht nur am Reporter, sondern auch an dem komischen schwarzen Ding, das er auf der Schulter trägt. Schade, schmeckt nicht. Während der Kameramann sein teures Gerät noch von der Kamelspucke befreien muss, wende ich meine Aufmerksamkeit wieder dem Tierarzt zu.

Schön gesunde, braune Zähne

Danach muss er die Kamera von Kamelspucke befreien. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Bert Geyer hat bereits mit der Untersuchung von Hiras Zähnen begonnen. Trampeltiere haben oben im Mund eine Kauleiste und nur unten nachwachsende Zähne. Damit sie unten nicht zu lang werden und am Ende schräg aus dem Mund ragen, bekommen die Trampeltiere im Zoo Holz zum Knabbern. So werden die Zähne abgeschliffen.

Doch oh Schreck - die sind ja alle braun und schwarz. Wenn dein Zahnarzt solche Zähne bei dir entdecken würde, dann hättest du große Probleme. Doch Bert Geyer winkt ab: "Das ist völlig normal. Gesunde Zähne bei Trampeltieren sind braun gefärbt. Das liegt an der Gerbsäure in den Pflanzen. Es ist alles okay."

Der Zootierarzt schmust noch ein bisschen mit Hira, dann wendet er sich dem nächsten Schützling zu. "Es ist wichtig, dass mir die Tiere vertrauen", sagt er in meine Richtung. "Wir üben bei solchen regelmäßigen Kontrolluntersuchungen aber auch spielerisch den Ernstfall, wenn ein Zahn wirklich einmal faul sein sollte."

Kamele haben Angst vor Spritzen

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Zootierarzt Bert Geyer sieht Kamel Hira in den Mund. Alle Zähne sind braun und gesund. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Wenn ein Trampeltier tatsächlich einmal ärztliche Hilfe braucht, dann ist das gar nicht lustig. Während der Behandlung können sie nicht längere Zeit ruhig stehen bleiben. Außerdem haben Kamele Angst vor Spritzen - da geht es ihnen nicht anders als mir. Wenn so ein Tier in Panik gerät, kann man es natürlich nicht untersuchen - dann wird es sogar richtig gefährlich. Sein Tritt kann Menschen schwer verletzen. Daher müssen Kamele vor einer echten Behandlung immer betäubt und von den anderen Tieren der Herde getrennt werden.

Jetzt will ich auch einmal etwas vom Tierarzt wissen und frage: "Was würde passieren, wenn sich ein Kamel ein Bein bricht?" "Das wäre ganz schlimm", antwortet Bert Geyer. "Denn ein so schweres Tier kann man kaum für längere Zeit ruhig in einem Tragegurt aufhängen, damit sein Knochen heilen kann." Daher wäre ein Beinbruch wohl das Ende für ein Kamel. Zum Glück ist so etwas im Frankfurter Zoo noch nie vorgekommen.

Achtung Baum!

Nach der Untersuchung wird geschmust, damit Kameldame Hira keine Ängste vor dem Arzt entwickelt. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Schwere Verletzungen sind im Zoo überhaupt sehr selten. Aber eines der Kamele ist während eines starken Gewitters schon einmal in Panik geraten und gegen einen Baum gerannt. Danach hatte es eine Beule und eine dicke Lippe. "Doch das war schnell wieder verheilt", berichtet Bert Geyer.

In der freien Wildbahn werden Trampeltiere dagegen oft schwer verletzt. Klar, denn dort greifen ihre Fressfeinde wie zum Beispiel Wölfe sie häufig an. Außerdem müssen sie mit Naturkatastrophen wie wochenlanger Dürre und reißenden Fluten nach starken Regenfällen klarkommen. All diese Gefahren gibt es im Zoo natürlich nicht.

Alle 4.500 Patienten-Namen im Kopf

Trotzdem hat Bert Geyer mit den Bewohnern des Frankfurter Zoos alle Hände voll zu tun. Er muss kleine Biss- und Risswunden nähen, Tiere markieren und sie gegen Krankheiten impfen. Außerdem behält er alle seine 4.500 Patienten im Auge und macht regelmäßig Kontrolluntersuchungen. Dabei kennt er fast alle Tiere mit Namen.

Sein verblüffendes Gedächtnis stellt der Zoodoktor unter Beweis, während wir Reporter das Trampeltier-Gehege wieder verlassen. Er zeigt noch einmal auf alle Kamele und erklärt, wann sie geboren wurden: Laila (1994), Ephra (1998), Faida (2000), Hira (2001), Kasi (2003) und Jingi (2003). Tierpfleger Jürgen hat schnell eine Liste geholt, auf der die Geburtsdaten notiert sind. "Es hat alles gestimmt", bestätigt er und nickt anerkennend.

Anmerkung: Übrigens hat Tierpfleger Jürgen nur einen Scherz gemacht, als er sagte, dass Kamele gerne Fisherman's lutschen. Nicht, dass du ihnen jetzt welche ins Gehege wirfst. Zootiere dürfen schließlich nur von den Tierpflegern gefüttert werden.

letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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