Galapagos-Inseln: Feuer im "Garten Eden"

Vulkanausbruch auf Galapagos

von Lara Nina Weber - 08.11.2005

Seit der Vulkan "Sierra Negra" (Schwarzes Gebirge) am 22. Oktober auf den Galapagos-Inseln ausgebrochen ist, ergießen sich ständig glühende Lavaströme von seinen Hängen. Dabei zerstören sie alles, was ihnen im Weg ist. Ist eines der letzten Naturparadiese der Erde in Gefahr? Das Helle Köpfchen hat zwei Vulkanforscher befragt.


Der Vulkan "Sierra Negra" ist in einem einzigartigen Ökosystem ausgebruchen: auf den Galapagos-Inseln. (Quelle: Galapagos Conservation Trust (www.gct.org))

Galapagos ist die spanische Bezeichnung für Süßwasser-Schildkröten. Tatsächlich gibt es auf den Galapagos-Inseln einzigartige Riesenschildkröten, die man sonst nirgendwo auf der Welt finden kann. Die insgesamt 70 Inseln liegen im Pazifischen Ozean, direkt am Äquator, westlich des Landes Ecuador in Südamerika.

Es ist kein Wunder, dass gerade dort ein Berg Feuer speit, denn bei den Inseln handelt es sich um die Gipfel zum Teil erloschener, zum Teil aber noch immer aktiver Vulkane, die aus dem Meer ragen. Seitdem auf der größten Insel „Isabela“ der „Sierra Negra“ (Schwarzes Gebirge) ausgebrochen ist, ergießen sich gewaltige Lavaströme aus dem 1500 Metern hohem Krater, der einen Durchmesser von zehn Kilometern hat.

Einzigartiges Öko-System

"Galapagos" heißen die Riesenschildkröten, die auf den Galápagos-Inseln im Pazifischen Ozean leben. Die Inseln beheimaten viele Tiere und Pflanzen, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. (Quelle: Wikipedia)

Die Galapagos-Inseln sind ein einzigartiges Öko-System. Viele Tiere und Pflanzen leben dort, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Im 19. Jahrhundert hat Charles Darwin durch das Studium der dortigen Natur seine Evolutionstheorie (wissenschaftliche Vermutung, wie sich das Leben auf der Welt entwickelt hat) aufgestellt.

Wegen seines Artenreichtums werden die Galapagosinseln auch "Garten Eden" genannte - das ist der Paradies-Garten, in dem laut Bibel das Leben entstanden ist und die ersten Menschen, Adam und Eva, gewohnt haben. Das Helle Köpfchen hat die beiden bekannten Vulkanologen (Vulkanforscher) Ulrich Knittel und Hans Ulrich Schmincke über den Ausbruch und seine Folgen befragt.


Professor Hans Ulrich Schmincke kennt sich mit Vulkanausbrüchen sehr gut aus. (Quelle: Prof. Dr. Hans Ulrich Schmincke)

Helles Köpfchen: Ist der derzeitige Vulkanausbruch auf den Galapagos-Inseln eine Gefahr für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt, die es dort gibt?
Ulrich Knittel: Unter einem Vulkanausbruch stellt man sich oft eine gewaltige Explosion vor, so wie beim Ausbruch des Vesuvs in Pompeji. Dort sind innerhalb weniger Stunden riesige Gebiete verwüstet worden. Eine solche Natur-Katastrophe ist auf den Galapagos-Inseln zum Glück nicht zu erwarten. Dort setzt sich das Magma (geschmolzenes Gestein im Inneren des Vulkans) so zusammen, dass ein friedlicher Ausbruch zu erwarten ist. Dennoch kann man nicht völlig ausschließen, dass es noch zu einer Explosion kommt.

HK: Können Sie beschreiben, auf welche Art der Sierra Negra ausbricht?
Knittel: Dadurch dass er wenig explosiv ist, bilden sich Lavaströme, die die Hänge der Vulkans herunter laufen und wahrscheinlich das Meer erreichen werden, wo sie dann abkühlen.

HK: Auch wenn es nicht zu einer Explosion kommt - Sind diese glühend heißen Ströme nicht auch eine ernsthafte Bedrohung für die Natur?
Knittel: Ja, das ist richtig. Auf seinem Weg zum Meer vernichtet der Lavastrom die gesamte Pflanzenwelt, mit der er in Berührung kommt. Die meisten Tiere werden aber fliehen können. Allerdings ist die Fläche, die durch den Lavastrom verwüstet wird, im Vergleich zur Größe des Vulkans sehr klein. Kritisch wird es erst, wenn solch ein Ausbruch viele Jahre anhält und sehr große Flächen mit Lava bedeckt werden. So ist es zurzeit auf Hawaii. Dort wurden bereits ganze Dörfer zerstört.
Hans Ulrich Schmincke: Selbstverständlich zerstört ein Lavastrom, der über 1000 Grad Celsius heiß ist, alles, was sich ihm in den Weg stellt. Ein solches Naturereignis sieht auf den ersten Blick schrecklich aus, da erst einmal Leben vernichtet wird. Doch die Lavaströme haben auch ihre guten Seiten.

Die Galapagos-Inseln liegen etwa 1000 Kilometer westlich vor der Küste Ecuadors. (Quelle: Helles Köpfchen)

HK: Welche denn?
Schmincke: Das flüssige Gestein schafft neues Land. Man muss bedenken, dass die Galapagos-Inseln überhaupt erst bei Vulkanausbrüchen entstanden sind. Vulkane gehören zum Kreislauf der Natur. Leben entsteht und Leben wird zerstört. So ist das auf der Erde. Das muss man immer in einem Zusammenhang betrachten. Ohne Vulkane hätte sich überhaupt kein Leben auf den Inseln entwickeln können. Zumal die fruchtbarsten Böden der Erde aus Vulkangestein bestehen.

HK: Was ist mit den Riesen-Schildkröten, die ganz in der Nähe der Vulkankrater leben? Sind sie gefährdet?
Knittel: Nein. Den berühmten Schildkröten wird der Ausbruch sicherlich nicht schaden. Sie werden vermutlich sogar das etwas wärmere Wasser genießen können, wenn der Lavastrom das Meer erreichen wird.
Schmincke: Vielleicht entstehen durch die erkalteten Lavaströme neue Buchten, Sand wird angespült und die berühmten Schildkröten können dort ungestört ihre Eier ablegen. Dadurch würde sogar neues Leben geschaffen werden.

Nachtrag: Wenige Tage nach diesem Interview haben die Lava-Massen ein Feuer entfacht, das nun einen einzigartigen Wald bedroht. Dort wachsen die letzten 400 Scalesia-Cordata-Bäume, die es überhaupt noch auf der Welt gibt. Feuerwehrleute versuchen zu verhindern, dass das Feuer auf den Wald übergreift und die seltene Baumart ausrottet.

letzte Aktualisierung: 26.01.2010

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