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Der Fall Litwinenko: Rätselhafter Giftmord

Familie in Hamburg ist nicht mit Polonium verseucht

von Anna Schäfer - 12.12.2006

Nach dem Mord an dem ehemaligen russischen Spion Alexander Litwinenko steht die Welt noch immer vor einem Rätsel. Ob tatsächlich der russische Geheimdienst hinter seinem Tod steckt, ist bislang nicht bewiesen. Die Familie in Hamburg, die mit dem radioaktiven Stoff "Polonium 210" in Kontakt gekommen war, wurde offenbar nicht verstrahlt. Vorsichtshalber waren die vier Personen in einem Krankenhaus untersucht worden. Spezialisten hatten in einer Wohnung, in einem Auto und an Kleidungsstücken Spuren der gefährlichen Substanz entdeckt, mit der Litwinenko in London getötet wurde.

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Der ehemalige russische Spion Alexander Litwinenko ist an den Folgen einer Vergiftung mit Polonium gestorben. (Quelle: Wikipedia)

Viele Länder haben einen Geheimdienst, zum Beispiel die CIA in den Vereinigten Staaten und der Bundesnachrichtendienst (BND) in Deutschland. Zu dessen Aufgaben gehört es, Spionage im In- und Ausland zu betreiben, Informationen weiterzuleiten und mögliche Gefahren für den Staat und die Regierung abzuwehren. Die Geheimdienste mancher Länder sind dafür berüchtigt, auf besonders skrupellose Weise ihre Zwecke zu erfüllen. Sie arbeiten dabei oft am Rande der Legalität (der Gesetzgebung) und immer wieder werden politische Gegner mit kriminellen Mitteln bekämpft oder sogar ausgeschaltet.

Der ehemalige Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes Litwinenko war am 23. November in einem Londoner Krankenhaus gestorben. In seinem Körper fanden die Ärzte den hochgiftigen radioaktiven Stoff "Polonium 210". Bislang ist unklar, wer hinter dem Mord steckt und was die Gründe dafür sind, dass Litwinenko aus dem Weg geräumt werden sollte.

Wer könnte für den Mord verantwortlich sein?

Polonium 210 kann nur in Atomkraftwerken hergestellt werden. Nur wenige Menschen haben Zugang zu dieser Substanz. Auch deshalb vermuten viele, dass der russische Geheimdienst etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. Litwinenko galt als scharfer Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem er vor allem sein Verhalten im Krieg gegen Tschetschenien vorwarf. Putin war früher selbst Offizier des KGB, dem damaligen russischen Geheimdienst. In einem Abschiedsbrief, den Litwinenko verfasst hatte, als er bereits schwerkrank war, machte er den russischen Präsidenten für seinen Tod verantwortlich.

Nach den derzeitigen Erkenntnissen wurde Litwinenko am 1. November vergiftet. An diesem Tag traf er sich in London mit drei russischen Geschäftsleuten und Ex-Geheimagenten sowie mit einem italienischen Geheimdienstexperten. Kurz darauf erkrankte er. Derzeit wird untersucht, ob eine dieser Personen an dem Anschlag beteiligt war.

Spuren in Deutschland

In Hamburg fand die Polizei Spuren der gefährlichen Substanz.

Mehrere der Personen, mit denen sich Litwinenko am 1. November traf, befinden sich mittlerweile allerdings selbst im Krankenhaus. So wurde auch im Körper des italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella das Gift nachgewiesen, allerdings in schwächerer Konzentration als bei Litwinenko. Die beiden russischen Geschäftsleute Kowtun und Lugowoj werden zurzeit laut Medienberichten ebenfalls wegen einer radioaktiven Verseuchung behandelt.

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Ende November fanden Ermittler in zwei Passagiermaschinen der Fluggesellschaft British Airways radioaktive Rückstände. Kurz darauf stellte sich heraus, dass der ehemalige Spion und Geschäftsmann Andrej Lugowoj in einer der beiden Maschinen von London nach Moskau geflogen war.

Am 9. Dezember wurden auch in Deutschland Spuren der radioaktiven Substanz gefunden. In der Wohnung der Ex-Frau des russischen Geschäftsmannes Dimitri Kowtun konnten Spezialisten des Bundeskriminalamtes winzige Mengen von Polonium 210 nachweisen. Der aus Moskau kommende Kowtun hatte dort übernachtet, bevor er nach London weiter reiste. Auch in dem Auto, das er fuhr, sowie in dem Haus seiner früheren Schwiegermutter fand man diese Spuren. Das bedeutet, dass Kowtun entweder äußerlich mit der Substanz Kontakt gehabt haben musste, oder aber dass sein Körper selbst mit Polonium belastet ist.

Opfer oder Täter?

Britische, russische und deutsche Beamte arbeiten an der Aufklärung des mysteriösen Giftmordes.

Polonium 210 ist zwar sehr giftig, es kann Menschen jedoch nur dann gefährlich werden, wenn es in den Körper gelangt. Das kann zum Beispiel über Nahrung, eingeatmeten Rauch oder eine offene Wunde geschehen. Der Vergiftete stirbt aber nicht sofort - es kann mehrere Tage oder Wochen dauern, bis die Substanz dazu führt, dass die Organe versagen. Bis jetzt ist nicht klar, ob Kowtun auch vergiftete wurde, ob er also ebenfalls ein Opfer ist, oder ob er die Substanz bei sich getragen hat, um Litwinenko zu töten.

Die Ex-Frau Kowtuns, ihre beiden Kinder und ihr Lebensgefährte waren vorsichtshalber in ein Krankenhaus gebracht worden, da sie mit radioaktiv belasteten Kleidungsstücken und Möbeln in Berührung gekommen waren. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass die giftige Substanz nicht von ihren Körpern aufgenommen wurde.

Ob tatsächlich der russische Geheimdienst hinter dem Mord steckt, ist bislang nicht bewiesen. Es könnte auch sein, dass der oder die Attentäter es nur so aussehen lassen wollten, als habe der Geheimdienst etwas damit zu tun. Deutsche, britische und russische Ermittler arbeiten jetzt daran, den geheimnisvollen Mordfall aufzuklären.

letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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