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Lexikon: Episches Theater

von Tanja Lindauer

Proben zu Mutter Courage im Berliner Ensemble, 1978 (Quelle: Deutsches Bundesarchiv / Rehfeld, Katja)

Das Epische Theater wurde von dem berühmten Schriftsteller und Dramatiker Bertolt Brecht (1898 - 1956) entwickelt. Brecht setzte bei seinen Theaterstücken ungewohnte Mittel ein, um den Zuschauer daran zu hindern, sich einfach unterhalten oder von der Geschichte mitreißen zu lassen: Schrille Musik, verzerrte Bühnenbilder oder direkte Ansprache des Publikums - die Möglichkeiten, den Zuschauer wachzurütteln, sind vielfältig. Bei Brechts "Trommeln der Nacht" hing beispielweise ein Plakat im Raum: "Glotzt nicht so romantisch!" Brecht nannte das "Verfremdungseffekt" (abgekürzt "V-Effekt").

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Die Theaterbesucher sollen sich dadurch nicht mehr in die Figuren einfühlen, sondern sie kritisch betrachten und über ihre Handlung nachdenken. Menschen sollten nach Brecht im Theater nicht der Wirklichkeit entfliehen und in fantastische Welten entführt werden, sondern über die Probleme der "wirklichen Welt" nachdenken. Oftmals erreichte er das durch die direkte Ansprache des Publikums. Ein anderes beliebtes Mittel war auch das Weglassen von Vorhängen - der Zuschauer konnte so beispielweise die Umbauarbeiten während einer Aufführung beobachten und ist sich die ganze Zeit bewusst, dass er sich nur in einem Theater befindet.

Mit seinen Stücken wollte Brecht aber keine einfachen Antworten liefern, die dem Zuschauer aufzeigen, wie er sich zu verhalten habe. Vielmehr stellte er durch seine Theaterstücke Fragen in den Raum und am Ende blieb das Publikum mit diesen Fragen ohne Antworten zurück. Die Theaterbesucher sollten selbst über die politischen Verhältnisse und gesellschaftlichen Probleme nachdenken. Bekannte Werke von Brecht, die man zum epischen Theater zählt, sind zum Beispiel "Der gute Mensch von Sezuan", "Die Mutter Courage" und "Die Dreigroschenoper".

Co-Autorin: Britta Pawlak
letzte Aktualisierung: 18.10.2011

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