Lexikon: Biometrie

von Katharina Hahn

Iris-Erkennung mit einem Handgerät: Auch anhand der Regenbogenhaut des Auges kann ein Mensch identifiziert werden. (Quelle: Cpl. Spencer M. Murphy)

Der Begriff "Biometrie" leitet sich von den griechischen Wörtern "bios" (Leben) und "metron" (Maß) ab. In der Erforschung von Biometrie arbeiten viele Wissenschaften zusammen - Biologen, Statistiker, Mathematiker und Informatiker werden benötigt, um biometrische Fragestellungen zu untersuchen. Unter dem Begriff der Biometrie werden auf Daten gestützte (so genannte "empirische") Untersuchungen in den verschiedensten Gebieten, die Lebewesen betreffen, zusammengefasst.

Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter Biometrie aber vor allem Technologien, die es ermöglichen, Menschen automatisch zu erkennen - so zum Beispiel durch Erbinformationen oder den Fingerabdruck. Deshalb benötigt man dafür Merkmale im Verhalten oder am menschlichen Körper, die bestimmte Eigenschaften aufweisen, damit sie sich für solche Erkennungsverfahren eignen. Sie müssen durch Geräte und Techniken, die uns zur Verfügung stehen, messbar sein, möglichst bei allen Menschen vorhanden sein, aber sich bei den einzelnen Menschen voneinander unterscheiden, um Verwechslungen möglichst auszuschließen. Und sie müssen über die Zeit hinweg unverändert bleiben.

Das bekannteste Beispiel dafür ist natürlich der Fingerabdruck. Jeder Mensch hat sie und sie lassen sich leicht messen - am einfachsten, indem man einen Fingerabdruck mit Farbe nimmt und mit einer Lupe untersucht. Außerdem unterscheiden sie sich von Mensch zu Mensch, bleiben aber ein Leben lang unverändert. Weitere, gut untersuchte biometrische Merkmale, die sich zur Identifikation einer Person eignen, findet man zum Beispiel im menschlichen Auge: die Iris (die Regenbogenhaut im Auge) und die Retina (der Augenhintergrund) sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Auch durch die Form des Gesichts und der Hände (man spricht auch von der Gesichts- und Handgeometrie), durch Handlinienmuster, durch die Handvenenstruktur, den Körpergeruch, den Zahnabdruck oder das Muster des Nagelbetts kann man Menschen auf diese Weise voneinander unterscheiden.

Und ganz besonders die Erbinformation des Menschen, die DNA, lässt eine eindeutige Identifikation zu - es reichen schon kleinste Mengen von Zellen, zum Beispiel aus einem Haar, von Hautschuppen oder von der Mundschleimhaut, aus. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einem "genetischen Fingerabdruck". Zu den Merkmalen im Verhalten, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden, gehören Stimme, Handschrift, Gangstil und das Tippverhalten an einer Tastatur.

Die Untersuchung von Fingerabdrücken an Tatorten, um damit Straftäter zu überführen, wird schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgreich angewendet. Seit den 1980er Jahren werden in den USA Datenbanken mit digitalen Scans von Fingerabdrücken geführt, die neue Fingerabdrücke automatisch mit gespeicherten abgleichen. In Deutschland findet eine solche Speicherung seit 1993 statt - über drei Millionen Fingerabdrücke sind mittlerweile beim BKA gespeichert. Dazu kommen seit 1998 über hunderttausend DNA-Datensätze von Sexualstraftätern, die ebenso automatisch abgeglichen werden können. Fingerabadrücke können an Laptops und PCs auch die Passwörter ersetzen. Dafür werden kleine Sensoren in das Gehäuse mit eingesetzt, über die sich der Besitzer identifizieren kann, indem er seinen Finger darauf legt oder darüber streift.

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO hat zu Beginn des Jahrtausends Standards verabschiedet, die verlangen, dass Reisepässe einen Chip enthalten, auf dem ein digitales Lichtbild mit biometrischen Daten gespeichert ist. Deshalb sind alle Reisepässe, die nach dem 1. November 2005 ausgegeben wurden, mit einem solchen Chip versehen. Seit dem 1. November 2010 gilt dies auch für Personalausweise. Vor allem beim Reisepass erhofft man sich schnellere Abfertigungen der Reisenden und eine leichtere Identifikation.

Bedenken bestehen nicht nur wegen der hohen Kosten, die damit verbunden sind, sondern vor allem auch, weil Kritiker darin die persönliche Freiheit und den Schutz der einzelnen Person stark gefährdet sehen. So liegen solche biometrischen Daten durch die neuen Regelungen auch gleich anderen Staaten vor. Um in einigen Einrichtungen und Gebäuden nur dem verantwortlichen Personal den Zutritt zu gewähren, werden manche Bereiche, zum Beispiel in Entwicklerbereichen in der Forschung oder in Firmen, Sicherheitsbereiche in Atomkraftwerken, aber auch in einer Babystation in einer Klinik in Berchtesgaden, durch biometrische Erkennungssysteme geschützt. Dafür werden meist Finger oder Iris verwendet. Auch in der freien Markwirtschaft werden solche Methoden zunehmend durchgesetzt. Der Zoo in Hannover nutzt ein Gesichtserkennungssystem für Inhaber von Dauerkarten, so dass diese keine Karte aus Papier mehr benötigen. Auch weitere Pilotprojekte zur Gesichtserkennung oder dem Irisscan sind an den Flughäfen in Nürnberg und in Frankfurt am Main durchgeführt worden.

Besonders, wenn biometrische Daten zur Identifikation von Menschen verwendet werden, sind besondere Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen. Denn ein biometrisches Merkmal kann nicht einfach wie ein Passwort ausgetauscht werden. Die meisten biometrischen Sicherheitssysteme können noch nicht erkennen, ob eine gute Kopie (so genannte "Faksimile") oder zum Beispiel ein lebendiger Finger versucht, Zutritt zu bekommen. Deshalb sind solche Systeme bisher nur bedingt für hohe Sicherheitsanforderungen geeignet. Wenn biometrische Merkmale einfach auf einem Chip gespeichert sind, können sie ebenso wie gestohlene Passwörter oder Kreditkarten missbraucht werden - damit sind große Gefahren verbunden.

Viele dieser Fragen zum Datenschutz der neuen Techniken werden immer wieder gestellt und öffentlich diskutiert. Um zu zeigen, dass biometrische Systeme nicht ganz so sicher sind, wie es Hersteller dieser Systeme anpreisen, hat zum Beispiel der Caos Computer Club (CCC) 2005 in seiner Vereinszeitschrift einen Fingerabdruck des damaligen Innenministers Wolfgang Schäuble, den sie von einem Wasserglas bei einer öffentlichen Diskussionsrunde mit ihm sichergestellt haben, als Beilage veröffentlicht. Auch eine Anleitung zum Kopieren von Fingerabdrücken stellte der Club zur Verfügung.

letzte Aktualisierung: 04.03.2012

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