ANZEIGE

Maria Stuart, die Königin von Schottland - Teil 2

Teil 2 von 2

von Tanja Lindauer - 18.02.2012

Die schottische Regentin Maria heiratet Lord Darnley

ANZEIGE
1565 heiratete die 23-jährige verwitwete Maria den vier Jahre jüngeren Cousin Lord Darnley. (Quelle: Wikimedia Commons)

Maria erhielt zahlreiche Heiratsangebote, wie etwa vom schwedischen und dänischen König, aber an keinem hatte sie wirkliches Interesse. Das änderte sich 1565: Die 23-jährige Maria Stuart verliebte sich in den vier Jahre jüngeren Cousin Lord Darnley, Henry Stuart. Die Hochzeit der beiden fand noch im selben Jahr statt, am 29. Juli 1565.

Ihrem Halbbruder missfiel die Heirat aber, da Maria einen Katholiken heiratete, und er zeigte seinen Unmut in aller Öffentlichkeit. James rebellierte gegen seine Schwester, wurde jedoch von Marias Truppen besiegt und musste in ein anderes Land flüchten. Auch Elisabeth I. war wenig angetan von der Hochzeit. Ihrer Meinung nach hätte die Eheschließung nur mit ihrem Einverständnis stattfinden dürfen, da Lord Darnley Engländer war. Mit dieser Verbindung war der englische Thron erneut in Gefahr, denn die Kinder von Maria und Lord Darnley hätten sowohl einen Anspruch auf die schottische als auch auf die englische Krone gehabt.

Aber auch zwischen dem jungvermählten Ehepaar kam es schnell zu Spannungen. Lord Darnley war jung und feierte viele Feste, er wollte aber auch die Rechte eines Königs für sich beanspruchen. Doch Maria räumte ihm keine Machtbefugnisse ein, nur den Titel als König gewährte sie ihrem Mann. Der Streit zwischen beiden wurde immer heftiger. Darnley war zudem extrem eifersüchtig und vermutete, dass seine Frau ihn mit dem Privatsekretär David Rizzio betrügen würde. Mit ein paar Männern stürmte er in das Esszimmer und ließ seine schwangere Frau festhalten, während im Nebenzimmer der vermeintliche Nebenbuhler getötet wurde. Die Situation spitzte sich zu und einige seiner Anhänger wollten sich nun gegen Maria richten. Doch er schützte sie und verhalf ihr zur Flucht, denn Maria versprach ihm, dass sie seine Wünsche nun erfüllen würde.

Das Volk lehnt sich gegen Maria auf

Der schottischen Königin Maria wurde vorgeworfen, gemeinsam mit James Hepburn (Bild) ihren Mann Lord Darnley ermordet zu haben. (Quelle: Wikimedia Commons)

Als sie in Sicherheit war, hielt sie sich ihren Mann fortan auf Abstand. Am 19. Juni 1566 wurde ihr Sohn Jakob geboren. Kurz darauf wurde Lord Darnley schwer krank und Maria holte ihn wieder zu sich, um ihn zu pflegen. Am 10. Februar 1567 kam es im Haus zu einer Explosion, bei der Darnley getötet wurde. Es war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mordanschlag, denn Darnley hatte sich viele Feinde gemacht. Inwieweit Maria Stuart in dem Mord verwickelt war, ist bis heute unklar. Man vermutet, dass der Kopf hinter dieser Aktion James Hepburn, 4. Earl of Bothwell, war, den Maria zuvor auf seiner Burg besucht hatte.

Maria wurde nach dem Anschlag von Lord Bothwell entführt und wurde einige Tage im Schloss Dunbar untergebracht. Kurz nach der Entführung ließ sich Lord Bothwell von seiner Frau scheiden und ging gemeinsam mit Maria nach Edinburgh. Maria Stuart ließ öffentlich verkünden, dass sie ihrem Entführer verziehen habe, und sie ernannte ihn zum Herzog von Orkney. Und schon drei Monate später, am 12. Mai 1567, heiratete sie Lord Bothwell. Doch Maria hatte die Rechnung ohne ihre Untertanen gemacht. Denn diese waren mit der Hochzeit alles andere als einverstanden, wie kann die Königin den Hauptverdächtigen im Mord ihres Mannes heiraten? Es kam zu einem Aufstand und auch Bothwells Heer war nun auf der Seite der Untertanen. Maria Stuart wurde gefangengenommen und im Loch Leven Castle eingesperrt. In der Gefangenschaft wurde sie von ihrem Halbbruder gezwungen, die schottische Krone niederzulegen und ihren Sohn zum König zu erklären. Und so ereilte ihren Sohn das gleiche Schicksal wie einst sie: Im Alter von einem Jahr wurde er zum König Jakob VI. gekrönt.

Ein Leben in jahrelanger Haft

ANZEIGE
Maria Stuarts Flucht aus Loch Leven Castle, gemalt 1805 von William Craig Shirreff (Quelle: Wikimedia Commons)

Mithilfe eines Gefängniswärters, der sich in Maria verliebt haben soll, gelang ihr ein Jahr nach ihrer Gefangennahme am 2. Mai 1568 die Flucht. Mit einer 6.000 starken Armee wollte sie ihre Macht zurück erlangen, doch sie wurde geschlagen. Maria floh nach England und bat Elisabeth um Hilfe gegen die schottischen Rebellen. Elisabeth zögerte, da Maria sich weiterhin weigerte, den Vertrag von Edinburgh anzuerkennen und somit auf den Anspruch des englischen Throns zu verzichten. Elisabeth gab an, dass sie den Mord an Lord Darnley untersuchen wolle, um Marias Rolle darin zu klären.

Im Hintergrund gab Elisabeth Anweisungen, dass sie nicht wünsche, dass Maria wegen Mordes verurteilt werden sollte, sie wollte aber auch keinen Freispruch. Maria berief sich auf ihre Rolle als Königin, in der sie nicht verurteilt werden könne. Doch in Schottland regierte nun ihr Halbbruder, bis ihr Sohn alt genug sein würde. Ihre Gegner präsentierten dem Gericht zudem Briefe, die sie Bothwell angeblich geschrieben haben soll, die so genannten "Kassettenbriefe". Vom Gericht wurden diese als echt eingestuft und bis heute streitet man über die Echtheit, denn die Originale wurden 1584 vernichtet. Eine Verurteilung wegen Mordes blieb dennoch, wie Elisabeth es angeordnet hatte, aus.

Die Folge war, dass Maria 18 Jahre lang in Haft verbrachte. Sie saß aber nicht in einem dunklen Verließ, sondern sie wurde in Schlössern und Burgen gefangen gehalten. Dabei führte sie ein vergleichsweise noch gutes Leben. Ihr Mann hatte weniger Glück, denn er wurde in Dänemark in einen Kerker gebracht, wo er langsam wahnsinnig wurde und 1578 starb. Karl IX. von Frankreich versuchte Elisabeth 1570 davon zu überzeugen, dass Maria wieder über Schottland regieren solle. Elisabeth gab nach und nannte als Bedingung, dass Maria den Vertrag von Edinburgh unterschreiben solle.

Maria Stuart wird hingerichtet

Darstellung der Hinrichtung Maria Stuarts im Februar 1587 (Quelle: Wikimedia Commons)

Natürlich weigerte sich Maria noch immer. Elisabeth zeigte sich zunächst noch gnädig und schickte William Cecil zu ihr, um mir ihr zu verhandeln. Als aber bekannt wurde, dass Elisabeth ermordet werden und Maria ihren Platz einnehmen sollte, überdachte Elisabeth ihre Pläne noch einmal. Denn sie war überzeugt, dass Maria in diese Verschwörung verwickelt sein musste. Und so wurde 1572 ein Gesetz verabschiedet, aus dem hervorging, dass Maria keinen Anspruch auf die englische Krone habe. Elisabeth zweifelte und stimmte dem Gesetz schließlich doch nicht zu. Maria versuchte in dieser Zeit weiter, Elisabeth zu stürzen. Sie wurde im September 1586 nach Fotheringhay gebracht und vor Gericht gestellt.

Am 25. Oktober wurde Maria Stuart wegen Hochverrats angeklagt. Das Parlament wollte sie hinrichten lassen und bat die Königin um Zustimmung. Maria erfuhr von ihrer drohenden Hinrichtung am 16. November 1586, doch Elisabeth willigte erst am 1. Februar 1587 ein. Elisabeth versuchte nämlich, den Gefängniswärter dazu zu bringen, Maria vorher zu ermorden. Ein König oder eine Königin, der oder die vom Gericht zum Tode verurteilt wurde, galt als große Schande. Im Februar 1587 wurde Maria Stuart hingerichtet. Bis heute ist Maria Stuart eine umstrittene Herrscherin, die ebenso als Märtyrerin wie als Mörderin gilt. Ihre Lebensgeschichte lieferte auch den Stoff für Kunstwerke und literarische Erzählungen - so ist ihr etwa das berühmte Trauerspiel "Maria Stuart" von Friedrich Schiller gewidmet.

Maria Stuart, die Königin von Schottland - Teil 1

letzte Aktualisierung: 20.02.2012

Wenn dir ein Fehler im Artikel auffällt, schreib' uns eine E-Mail an redaktion@helles-koepfchen.de. Hat dir der Artikel gefallen? Unten kannst du eine Bewertung abgeben.
ANZEIGE

19 Bewertungen für diesen Artikel

Teil 2 von 2

Hinweis zum Copyright für Schüler und Lehrer: Die Texte von Helles-Koepfchen.de dürfen für den Schulunterricht (z.B. zur Unterrichtsvorbereitung, als Unterrichtsmaterialien, für Hausaufgaben oder Referate) auch für die ganze Schulklasse kostenlos ausgedruckt und vervielfältigt werden. Einzige Voraussetzung ist eine korrekte Quellenangabe, die wie folgt aussieht: Quelle: Helles-Koepfchen.de, [Link zum Artikel]. Die Druckversionen aller unserer Artikel beinhalten in der Fußzeile bereits die passende Quellenangabe - diese muss auf den Ausdrucken sichtbar sein.

ANZEIGE