Allerheiligen und Allerseelen: Feste zum Gedenken der Toten

von Lena Borgschulze

Der November wird auch der Monat der Toten genannt. Insgesamt gibt es nämlich vier Feiertage, die eng mit dem Thema Tod verbunden sind. Der Volkstrauertag wird jährlich zwei Wochen vor dem Adventssonntag gefeiert und erinnert an die Toten, die in den Weltkriegen gefallen sind. Der Totensonntag wird in der evangelischen Kirche begangen und fällt auf den letzten Sonntag vor dem 1. Advent - er ist also genau eine Woche nach dem Volkstrauertag. Am 1. November feiern die Katholiken Allerheiligen, einen Tag später das Allerseelenfest. Seit wann gibt es die beiden Feiertage? Wie und warum werden sie begangen?

Eine Opfergabe in einer mexikanischen Kirche, wie sie traditionell am "Dia de los Muertos", dem "Tag der Toten", dargebracht wird. (Quelle: Chuchomotas, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0))

Allerheiligen wird jährlich am 1. November gefeiert, Allerseelen am 2. November. In Österreich, Liechtenstein, einzelnen Kantonen der Schweiz, Luxemburg, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Polen, Ungarn, Kroatien, Slowenien, Slowakei, Litauen und auf den Philippinen ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag. In Deutschland gilt das nur für Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. In diesen Bundesländern ist Allerheiligen ein stiller Feiertag. Das heißt, am 1. November dürfen keine Tanzveranstaltungen stattfinden, sogar laute Musik ist verboten.

In Schweden und Finnland wird Allerheiligen immer an einem Samstag zwischen dem 31. Oktober und 6. November gefeiert. In Deutschland ist Allerseelen kein gesetzlicher Feiertag. Daher wurden kirchliche Traditionen wie Gottesdienste und Gräberbesuche schon lange auf Allerheiligen gelegt. Gleiches gilt für Österreich, mit der Ausnahme, dass an diesem Feiertag an Schulen kein Unterricht und auch an einigen Universitäten keine Vorlesungen stattfinden.

Was feiern wir an Allerheiligen, was an Allerseelen?

Ein Altargemälde aus dem 17. Jahrhundert nach Christus. Heute findet man es in der Stadtpfarrkirche Rohrbach. Dargestellt sind Arme Seelen im Fegefeuer. (Quelle: Wolfgang Sauber, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0) )

Es gibt einige Heilige, die im Kirchenjahr einzelne Gedenktage erhalten haben. Doch am 1. November erinnern sich Christen auch an diejenigen, die niemals von der Kirche heiliggesprochen wurden. Deswegen wird der Feiertag oft auch das Fest der unbekannten Heiligen genannt. Es soll keinen Anlass für Trauer geben, sondern ist ein Tag der Zuversicht und Geborgenheit. Denn eigentlich feiert man das neue Leben, das die verstorbenen Heiligen nach dem Tod betreten haben und was Christen nach ihrem Tod erreichen wollen - nämlich das Leben an "Gottes Seite".

Heutzutage ist Allerheiligen ein Fest, an dem sich Gläubige an die vorbildlichen Menschen erinnern, auch an diejenigen, die nicht offiziell zum Kreis der Heiligen gehören. Seit den Anfängen des Christentums werden alle Gläubigen, das heißt Männer, Frauen und Kinder, die einer Gemeinde angehören und getauft sind, Heilige genannt. So wird Allerheiligen auch als "Familienfest" der Katholiken bezeichnet. Auch in anderen katholisch geprägten Ländern ist der 1. November der Totengedenktag. In Mexiko feiert man den "Dia de los Muertos", auf den Philippinen den "Araw ng mag Patay" (aus der jeweiligen Sprache übersetzt: "Tag der Toten").

An Allerseelen gedenken Christen dem eigenen, noch bevorstehenden Tod und den Verstorbenen, insbesondere aber den Toten, deren Seelen ihrem Glauben zufolge nach dem Leben keine Ruhe gefunden haben. Der Festtag gilt jenen, die sich noch nicht im Himmel, sondern im "Fegefeuer" befinden, also jenem qualvollen Ort, an dem sie nach dem katholischen Glauben geläutert und für den Himmel gereinigt werden. Allerseelen ist eng mit Aberglauben verbunden. Einige Tote sollen als Seelengeister oder Irrlichter, manchmal auch als geheimnisvolle Tiere wie Kröten, Unken und Frösche, erscheinen und die Menschen um Seelenruhe bitten. Manchmal, so sagt man, sollen diese Geister auch die Menschen aufsuchen, die Schuld an ihrem Tod tragen, um sie an ihre Sünde zu erinnern.

Wie sind Allerheiligen und Allerseelen entstanden?

Der Petersdom in Rom wurde von Gregor III. für Heilige geweiht. (Quelle: Wikimedia Commons)

Der Kirche war es bereits in den ersten Jahrhunderten nach Entstehung des Christentums nicht mehr möglich, allen heiliggesprochenen Menschen einen eigenen Gedenktag zuzuteilen. Es gab sogar mehr Heiligenfeste, die einzelnen Menschen gedachten, als Christusfeste. Denn heilige Personen gab es für allerlei Anlässe - Katastrophen, besondere Lebenssituationen und sogar für Berufsgruppen.

Die Verehrung dieser Personen hat ihren Ursprung im "Märtyrerkult". Märtyrer sind Menschen, die aufgrund ihrer Überzeugung von anderen Menschen gewaltsam verfolgt wurden, aber trotzdem nicht von ihrem Glauben abgelassen haben. Bereits im zweiten Jahrhundert nach Christus begaben sich Menschen zu Abendmahlsfeiern an den Gräbern bekannter Märtyrer. Man sagte, Märtyrer hätten durch ihren Tod den Tod Christi erfahren, so dass die gläubigen Menschen während ihrer Feier gleichzeitig dem Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu gedachten.

Die Zahl der Märtyrer und Heiligen nahm immer mehr zu. Ein Sammelfest für alle Heiligen musste her. Erste Erwähnung fand das uns bekannte Allerheiligenfest bereits im vierten Jahrhundert nach Christus in der Ostkirche, wurde damals aber noch "Herrentag aller Heiligen" genannt und am ersten Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Dieser Tag galt allen Märtyrern, die als Vertreter des christlichen Glaubens vom römischen Staat umgebracht wurden. In der westlichen Kirche ernannte Papst Bonifatius IV. im Jahr 610 nach Christus den 13. Mai erstmals als jährlichen Gedenktag für verstorbene Heilige. Papst Bonifatius wurde von Kaiser Phokas das Pantheon, der Tempel der Götter, geschenkt. Der Papst weihte am 13. Mai den Tempel als christliche Kirche und gab ihr den Namen "Sancta Maria ad martyre", also Gedächtniskirche aller Märtyrer.

Erst im siebten Jahrhundert nach Christus liegen die Anfänge des Allerheiligenfests, das am 1. November jeden Jahres gefeiert wird. Es war Papst Gregor III., der am 1. November in Rom eine Kapelle in der Basilika St. Peter beziehungsweise dem Petersdom für die Heiligen weihte. Die Festlegung des Feiertags verbreitete sich in der Westkirche über die Jahrzehnte hinweg immer weiter. Schließlich legte Papst Gregor IV. im Jahr 835 nach Christus Allerheiligen für alle Christen verbindlich auf den 1. November.

Für das uns bekannte Allerseelenfest findet man Bereits bei Isidor von Sevilla erste Ansätze. Isidor, der von 560 bis 636 nach Christus lebte, feierte den Festtag allerdings noch am Tag nach Pfingsten. Die Festlegung auf den 2. November geht auf den heiligen Abt Odilo von Cluny zurück, der von 961 bis 1049 nach Christus lebte. Cluny legte für seine Klöster im Jahr 998 nach Christus fest, am Tag nach Allerheiligen den verstorbenen Gläubigen in Messen durch Psalmen und Spenden zu gedenken. Der Abt besaß zu seiner Zeit ein hohes Ansehen, so dass sich das Allerseelenfest schnell verbreitete.

Brauchtum zu Allerheiligen

Das Gemälde zeigt Isidor von Sevilla und wurde von Bartolomé Esteban Murillo angefertigt. Heute kann man es in der Kathedrale von Sevilla in Spanien finden. (Quelle: Wikimedia Commons)

Das Gedächtnis an Verstorbene ist in jeder Kultur zu finden. Wenn so genannte "Paläoanthropologen", also Wissenschaftler, die die Entstehung der Menschheit erforschen, auf Bestattungsriten stoßen, können sie automatisch auf die Ansiedlung von Menschen schließen.
In Deutschland ist die Furcht vor dem Tod und vor Toten weit verbreitet. In anderen Ländern der Welt wiederum, gerade in denen Religionen familiengeprägt sind, gehört der Umgang mit dem Tod zum Alltag. In China und Afrika beispielsweise sehen die Menschen Verstorbene als anwesend und allgegenwärtig an.

Allerheiligen hat nur wenig bekanntes Brauchtum. Am 1. November werden Brote gebacken, die auch Allerheiligenkücheln, Allerheiligenlaibl, Allerheiligenspitzl oder Allerheiligenstrietzel genannt und als Gedächtnisgaben für Verstorbene, insbesondere deren Seelen, angesehen werden. Der Allerheiligenstrietzel wird aus Hefeteig in Form von geflochtenen, mit Zuckerstreuseln verzierten Zöpfen gebacken. Am Abend von Allerheiligen begehen unverheiratete Jugendliche in der Nordeifel und im Raum Düren den Heischegang. Sie singen das Arme-Seelen-Lied und erhalten dafür Gaben, meist Geld, die für wohltätige Zwecke gespendet werden.

Am bekanntesten und meist verbreitetesten ist wohl der Gräbergang am 1. November. Diese Tradition geht bis ins 16. Jahrhundert nach Christus zurück, manche Wissenschaftler vermuten sogar, dass der Brauch noch viele Jahrhunderte früher entstand. Es werden nicht nur die Grabstätten der Verstorbenen besucht, sie werden außerdem mit Blumengestecken geschmückt, vor allem aber werden so genannte Seelenlichter aufgestellt. Diese Kerzen brennen den gesamten Allerheiligen- und Allerseelentag. In Nord- und Süddeutschland ist es mittlerweile Brauch, die Seelenlichter das gesamte Jahr über auf dem Grab eines Verstorbenen brennen zu lassen. Die Kerze stellt ein Symbol für das ewige Licht dar, das für den Toten als Wegweiser zur Ruhestätte leuchten soll.

An einem Mainzer Verkaufsstand werden Newwelings, die traditionellen Friedhofskerzen, angeboten. (Quelle: kandschwar, Wikimedia Commons (CC BY 3.0) )

In Mainz findet man auf den Friedhöfen die kegelförmigen Mainzer Kerzen, die auch Newweling, abgeleitet von Nebel, genannt werden. Hergestellt werden die Kerzen aus spiralförmig gedrehten Dochten, die zuvor mit Kerzenwachs überzogen wurden. Für das Wachs werden die Farben Rot, Weiß, Blau, Gelb oder Grün gewählt.

Zu Allerheiligen und Allerseelen findet ein Gottesdienst statt. Der Pfarrer, der sein Gewand zu Feiertagen farblich anpasst, trägt am 1. November eine weiße und am 2. November eine violette oder schwarze Stola. Mancherorts kommt es noch immer vor, dass während der Messe die Namen aller Toten der Gemeinde, die innerhalb des letzten Jahres verstorben sind, vorgetragen werden.

Der katholische Glaube beinhaltet die Sorge um die Verstorbenen, die sich noch im Fegefeuer und nicht im Himmel befinden. Genauso predigt die katholische Kirche, die Hinterbliebenen könnten ihren verstorbenen Angehörigen bei der Befreiung aus dem Fegefeuer unterstützen. Dafür sei die Messe an Allerheiligen unumgänglich. Deswegen werden in der Messe sechs Wochen nach dem Tod, am Jahrestag des Toten und an Allerheiligen und Allerseelen für die Verstorbenen Messen gelesen. In vielen Gemeinden findet der Gottesdienst in der Friedhofskappelle statt. Nach der Totenmesse zieht die Gemeinde gemeinsam mit dem Pastor in einer Lichterprozession über die Friedhofswege. Anschließend werden die Gräber vom Pastor mit Weihwasser gesegnet.

Brauchtum zu Allerseelen

Ein Friedhof in Cotacachi in Ecuador. Hinterbliebene feiern am Grab von Verstorbenen den Tag der Toten. (Quelle: Sylvain2803, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0))

Auch an Allerseelen wird gebacken - so genannte Seelenbrote oder Seelenzöpfe sollen zum einen an die Toten erinnern, andererseits aber auch an Kinder und arme Menschen verschenkt werden. Der Ursprung der Backwaren ist nicht sicher belegt, zwei Theorien sind verbreitet. Der ersten Annahme zufolge geht das Verschenken der Seelenbrote auf die "Synode von Mâcon" zurück. Sie ordnete 835 nach Christus an, Opfergaben wie Brote und Wein zum Kirchenaltar zu bringen. Die Kirchengemeinde nahm die Aufforderung sehr ernst, so dass mehr gespendet wurde als nötig. Ein Teil der Spenden konnte vom Pastor gesegnet und anschließend während der Abendmahlfeier in der Kirche an die Gemeinde verteilt werden.

Die zweite Theorie lässt vermuten, das Verteilen von Seelenzöpfen ginge auf heidnische (also nicht-christliche) Haar- und Totenopfer zurück. In manchen Ländern der Welt ist es auch heute noch üblich, am Allerseelentag Speisen zu den Gräbern der Verstorbenen zu tragen und anschließend auf dem Friedhof zu verspeisen. Die Menschen stellten sich vor, dass die Toten sich freudig und dankbar für das Mahl zeigten und die nicht verspeisten Lebensmittel mit der Kraft der Gesundheit und Fruchtbarkeit erfüllten. Dieses Essen wurde von den Hinterbliebenen nach der Totenfeier in der Familie verteilt und auf dem Friedhof verzehrt. Mit dieser Theorie könnte man erklären, warum auch heute noch Kinder von ihren Paten mit Broten beschenkt werden. In Tirol gibt es sogar Brote, die die Form von Hasen und Hähnen haben - Tiere, die Fruchtbarkeit darstellen.

Die Tradition der Mahlzeiten auf dem Friedhof ging darin über, dass man mancherorts an Allerseelen ein Gedeck für den Verstorbenen auf den Esstisch legte. So erinnerte man sich an ihn. Neben dem Seelenbrot gibt es noch weiteres Gebäck, das an Allerseelen hergestellt wird. In Süddeutschland backt man das verzierte Allerseelengebäck, das wegen seiner Form "Knaufgebäck", von den Bewohnern aber auch "Pupperl" genannt wird.

Ein zu Allerseelen geschmückter Friedhof in Auschwitz (Quelle: John Thaxter, Wikimedia Commons (CC0 1.0))

Einige Bräuche gehen auf den Glauben zurück, verstorbene, nicht zur Ruhe gekommene Seelen würden noch immer auf der Erde weilen. So war es in der Steiermark Tradition, an Allerseelen keine Tür mit Gewalt zu schließen, aus Angst, man könne eine arme Seele verletzen. Genauso ließ man kein Messer oder Rechen mit den Zinken nach oben liegen, damit keine Seele darüber stolperte oder sich schnitt. Auch der Umgang mit einer leeren Pfanne wurde streng überwacht. So ließ man das Kochutensil nicht über dem Feuer stehen, um verstorbene Seelen vor Verbrennungen zu bewahren, wenn sie sich in eine Pfanne hineinsetzten. Auch Frösche und Kröten wurden an Allerseelen besonders freundlich behandelt, schließlich könnte in ihnen eine verstorbene Seele stecken.

In Österreich war es lange Brauch, einen geizigen und unfreundlichen Nachbarn oder aber eine streitlustige Nachbarin bloßzustellen. Dafür stellte man einen Allerseelenstriezel aus Stroh an deren Tür. Meist sahen alle Bewohner des Dorfs das Zeichen und brachen in Gelächter aus, bevor die Person, der jener Striezel galt, diesen bemerkte.

In der katholischen Kirche ist auch der Allerseelenablass von großer Bedeutung. Vom 1. bis zum 8. November können Gläubige für Verstorbene einen Gnadenakt, auch Ablass genannt, erbitten, der den Toten von allen Sündenstrafen befreien soll. Die Sünden an sich betrifft die Gnade allerdings nicht. Um den Allerseelenablass zu erhalten, sind die Beichte, die Abkehr von Sünden, die heilige Kommunion sowie das Abendmahl und ein Gebet notwendig. Zusätzlich muss am Allerseelentag der Gottesdienst besucht werden, wo der Gläubige dann das Vater Unser und das Glaubensbekenntnis betet. Außerdem ist es dem katholischen Glauben zufolge wichtig, am Grab des Verstorbenen ein Gebet zu sprechen. Kann ein Gläubiger nicht alle Bedingungen erfüllen, so kann er um einen Teilablass bitten.

letzte Aktualisierung: 27.11.2016

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