Lexikon: Assimilation

von Lars Borgschulze

Die australische Regierung entschuldigt sich im Jahre 2008 für ihre Assimilationspolitik bis zum Jahre 1969 bei den Aborigines. (Quelle: Wikimedia Commons, Borofkin, gemeinfrei.)

Mit dem Begriff "Assimilation" bezeichnet man unterschiedliche Vorgänge. Meist meint er einen Prozess, bei dem sich Menschen an eine neue Umgebung angleichen, ihre alte Identität zum Teil oder komplett aufgeben und sich vollständig an eine neue Gesellschaft anpassen. Dies schließt beispielsweise ein, dass die Menschen die Sprache der einheimischen Bevölkerung lernen und ihre Traditionen und moralischen Werte übernehmen. Der Begriff stammt aus der Soziologie und leitet sich vom lateinischen Wort "similis" für "ähnlich" ab. Die Soziologie beschäftigt sich mit dem gesellschaftlichen Zusammenleben und dem sozialen Verhalten des Menschen.

Die Assimilation eines Menschen oder einer ganzen Gruppe findet durch direkten Kontakt mit einer Bevölkerung einer anderen Kultur und oft auch einer anderen Sprache ab. Meist sind die Menschen, die sich "assimilieren", in ein neues Land gezogen. Sie bringen aus ihrer Heimat ihre eigene Kultur, ihre eigenen Vorstellungen und Gebräuche und ihre Sprache mit. Diese Faktoren nennt man auch "kulturelle Identität". Wandern Menschen nun in ein neues Land aus, nehmen sie ihre kulturelle Identität mit. Vor Ort gibt es bei der Bevölkerung natürlich andere Gebräuche und Sprachen und somit auch eine andere kulturelle Identität. Beim Vorgang der Assimilation verliert bei den eingewanderten Menschen ihre eigene kulturelle Identität immer mehr an Wichtigkeit, während die Identität ihrer neuen Heimat ihren Platz einnimmt. Die fremden Gepflogenheiten und Sprachen werden angenommen, die eigenen zurückgelassen. Vor allem für Menschen, die gerade in ein anderes Land ausgewandert sind, ist die eigene kulturelle Identität aber von großer Wichtigkeit. Spätere Generationen von Auswanderern haben sich nun immer mehr der Kultur der neuen Heimat angepasst, so dass die kulturelle Identität ihrer Eltern und Großeltern immer weiter in den Hintergrund rückt.

Zu unterscheiden von der Assimilation ist die Integration. Während bei der Assimilation die Menschen gänzlich ihre eigene Kultur zugunsten einer anderen aufgeben, meint der Begriff der Integration das aktive Einbeziehen von Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ausgeschlossen werden. Dazu zählen zum einen Menschen aus anderen Ländern mit eigener kultureller Identität, aber auch andere Bevölkerungsgruppen wie Menschen mit Behinderung. Im Gegensatz zur Assimilation soll bei der Integration die kulturelle Identität der Menschen nicht aufgegeben werden.

Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund setzt in Deutschland sowohl von den Einwanderern als auch von der Heimatbevölkerung unterschiedliche Dinge voraus. Während die Deutschen zum einen offen und aufgeschlossen sein und Vorurteile fallen lassen müssen, sollen Einwanderer die deutsche Sprache lernen und sich an die Rechtsordnung im Land halten. Zudem haben sie die Möglichkeit, sich die deutsche Staatsbürgerschaft anzueignen.

Assimilationsprozesse haben schon seit Anbeginn der Menschheit stattgefunden. Schon als die Römer ihr riesiges Reich immer mehr erweiterten und Provinz um Provinz eroberten, begann sich die Bevölkerung in den neuen Gebieten zu assimilieren. Als die Römer beispielsweise Gallien und Germanien eroberten, übernahm die einheimische Bevölkerung die lateinische Sprache und die römische Kultur. Sie bauten Städte, Siedlungen und Villen nach römischen Vorbild, übernahmen die römische Rituale wie zum Beispiel im Grabkult oder in der Religion und begannen auch ihre Kunst der römischen anzupassen. So vermischte sich die eigene Kultur der Gallier und Germanen immer weiter mit der römischen. Diesen Vorgang nennt man auch "Romanisierung".

Es gibt auch einige Beispiele in der Geschichte dafür, dass eine Assimilation von einer politischen Führung erzwungen werden wollte. Beispielsweise wurden bestimmte Sprachen in Schule verboten oder andere Verbote gesetzlich festgelegt. In den Jahren 1909 bis 1969 wurden von der Regierung in Australien zum Beispiel unzählige Kinder der Ureinwohner der Aborigines aus ihren Familien entnommen und gezwungen, die Kultur der weißen Australier zu übernehmen. So sollten sie auf den Arbeitsmarkt der Weißen geführt werden. Die Kinder, die in dieser Zeit entführt wurden, nannte man später "Stolen Generation", was auf Deutsch "gestohlene Generation" bedeutet.

Assimilation gibt es auch in anderen Wissenschaftsgebieten. In der Lernpsychologie bezeichnet der Begriff beispielsweise die Verbindung der Wahrnehmung eines Menschen zu einer anderen, bereits erlebten Wahrnehmung. In der Biologie findet eine Assimilation bei Stoffen statt, die fremde Stoffe in sich selbst umwandeln. In der Lautlehre, einem Teilgebiet der Sprachwissenschaften, meint die Assimilation eine Angleichung von unterschiedlichen stimmlichen Lauten.

letzte Aktualisierung: 08.07.2015

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