Graffitis - Writings on the Wall

von Kai Hirschmann

Graffiti bezeichnet ursprünglich einen an eine Wand geschriebenen Text nach dem Motto „ich war da“. Solche Graffitis haben schon römische Soldaten in Ägypten hinterlassen. Heute meint aber jeder unter dem Begriff Graffiti etwas anderes, nämlich Bilder und Schriftzüge, die Jugendlichen mit Sprühdosen auf grauen Wänden hinterlassen.

(Quelle: Graffiti.org)

Es gibt verschiedene Arten von Graffitis: Street-Art sind großflächige Wandgemälde. Tags sind schnell dahin gesprayte Kürzel eines Sprayers. Pieces sind kleine Figuren, die ebenfalls dazu dienen, sich möglichst schnell überall zu verewigen. Schablonengraffiti werden nicht frei Hand sondern mit einer Schablone aufgesprüht.

Das Sprayen von Graffitis an Wände ist in Deutschland nur erlaubt, wenn der Besitzer der Wand seine Zustimmung gegeben hat. Ansonsten ist das Sprayen Sachbeschädigung und wird von der Polizei verfolgt. Die meisten Graffitis werden von Jugendlichen, oft aus der Hip-Hop-Szene, auf Wände gesprayt. In der Werbung werden Graffitimalereien oft eingesetzt, um Jugendliche anzusprechen. In der Mode gibt es mittlerweile T-Shirts mit Graffiti-Kunst zu kaufen. Und einige Museen haben Graffitis als moderne Kunst entdeckt und stellen sie aus.

Warum besprühen Jugendliche Wände?

(Quelle: Graffiti.org)

Die meist jugendlichen Sprayer haben verschiedene Gründe, warum sie Brückenpfeiler, Unterführungen, Mauern und Züge besprühen.

Ein Grund ist, dass Sprayer ihre Werke als Protest sehen. Sie protestieren gegen diejenigen, die Städte so planen, dass die Bewohner sich in Häuserschluchten aus Beton und Stahl verloren vorkommen und nicht mehr wohl fühlen. Die Sprayer sind also der Meinung, dass alles schöner und freundlicher aussieht als dieses einheitliche, lebensfeindliche Grau.

(Quelle: Graffiti.org)

Ein zweiter Grund ist, dass sich Graffiti-Sprayer als Künstler sehen und einfach malen wollen. Die großflächigen Gemälde auf Wänden sind daher auch lange vorher genau geplant worden. Und es gibt auch schon Museen, in denen Graffitis als moderne Kunstwerke ausgestellt werden. Doch das widerspricht der Idee des Graffitis. Das ist nämlich nicht für die Ewigkeit gedacht, sondern Ausdruck eines Momentes.

Ein weiterer Grund zum Sprayen ist außerdem, dass sich Sprayer in ihrer Jugendszene einen Namen machen können. Es gibt nicht nur einen Wettbewerb um das schönste und größte Gemälde, sondern auch um die meisten Graffitis und die Graffitis an den gefährlichsten Plätzen, auf denen sich die Sprayer verewigt haben. Graffiti-Sprayen ist also auch oft nichts weiter als eine Mutprobe.

(Quelle: Graffiti.org)

Warum stören Graffitis?


Einige Menschen finden gerade graue Betonwände und riesige Glasfassaden schön, denn die sind sauber. Und außerdem wurden sie von Architekten so geplant, also sollen sie so sein.

Andere finden zwar die grauen Mauern und Wände auch nicht besonders schön, aber ihnen gefallen die meisten schnell dahin gesprühten Graffitis noch weniger. Vor allem die Takes regen viele Menschen auf, also dieses „Gekritzel“ nach dem Motto „ich war da“.

Interessant ist der Unterschied der Bewertung von Graffitis nach Alter: Forscher haben herausgefunden, dass Graffiti-Gemälde von den meisten Jugendkulturen akzeptieren werden, während für die meisten Erwachsenen Graffitis nichts weiter als ärgerliche Sachbeschädigung sind.

Was tun?


Die meisten Städte hoffen, mit harten Strafen gegen die Sprayer etwas zu erreichen. Die Polizei soll die Jugendlichen verhaften und diese müssen dann das Reinigen der Wände bezahlen – damit diese wieder schön grau aussehen. Alle Bürger werden aufgerufen, sofort zu melden, wenn sie verdächtige Jugendliche sehen. Und viele Erwachsene finden das auch gut so.

Doch es geht auch ganz anders: Die Stadt Wiesbaden zum Beispiel hat Graffiti-Sprayern offiziell bestimmte Flächen zur Verfügung gestellt. Sie hat also beschlossen, dass besonders hässliche Mauern entlang von Straßen und Bahntrassen besprüht werden dürfen. Die meisten Sprayer haben sich darauf eingelassen und es im Gegenzug gelassen, andere Wände zu besprayen.

Da die Graffitis nicht mehr so schnell gesprayt werden mussten und auch fertig gestellt werden konnten, sahen die Graffitis in Wiesbaden daraufhin schöner aus, als in den meisten anderen Städten.

Dazu trug auch das Jugendzentrum Schlachthof bei. Es hat internationale Sprayerfestivals ausgerichtet, bei denen die Wände einer alten Fabrik jedes Jahr mit neuen Graffitis bemalt wurden. Interessierte Jugendliche konnten ihren Idolen über die Schulter schauen und lernen, wie man gute Graffitis plant & sprayt.

Es ist also möglich, mit der Graffiti-Kultur zu leben, wenn beide Seiten, die Sprayer und die Gegner, sich arrangieren und dem anderen auch seinen Platz lassen.

Das haben auch viele Schulen erkannt: immer mehr Kunstlehrer nehmen im Unterricht Graffitis durch. Und selbst in Kindergärten ist das Bemalen von Wänden nicht mehr tabu. Denn für Kinder und Jugendliche ist das Bemalen von Wänden eine tolle Möglichkeit, sich auszudrücken und wahrgenommen zu werden. Erwachsene hören zwar oft nicht auf Kinder, aber die großen Graffitis können sie einfach nicht übersehen.

(Quelle: Graffiticreator.net)

letzte Aktualisierung: 09.01.2010

Wenn dir ein Fehler im Artikel auffällt, schreib' uns eine E-Mail an redaktion@helles-koepfchen.de. Hat dir der Artikel gefallen? Unten kannst du eine Bewertung abgeben.

46 Bewertungen für diesen Artikel

Hinweis zum Copyright für Schüler und Lehrer: Die Texte von Helles-Koepfchen.de dürfen für den Schulunterricht (z.B. zur Unterrichtsvorbereitung, als Unterrichtsmaterialien, für Hausaufgaben oder Referate) auch für die ganze Schulklasse kostenlos ausgedruckt und vervielfältigt werden. Einzige Voraussetzung ist eine korrekte Quellenangabe, die wie folgt aussieht: Quelle: Helles-Koepfchen.de, [Link zum Artikel]. Die Druckversionen aller unserer Artikel beinhalten in der Fußzeile bereits die passende Quellenangabe - diese muss auf den Ausdrucken sichtbar sein.