Faszinierende und wichtige Tiere: Die Insekten

von Silvia Hähnel

Sehr viele Menschen haben ein gespaltenes Verhältnis zu Insekten. Sie ekeln sich oder haben sogar Angst vor ihnen. Nicht selten werden auch harmlose Krabbeltiere mit Fliegenklatsche oder Zeitung erledigt, sollten sie den Fehler machen, sich in menschliche Behausungen zu verirren. Dabei können nur verhältnismäßig wenige Insekten dem Menschen überhaupt schaden - die Anzahl der Insekten, die uns wirklich gefährlich werden können, ist verschwindend klein. Die Tierklasse ist also vor allem missverstanden durch den Menschen. Insekten sind wichtige und faszinierende Tiere, über die es viel zu erfahren gibt!

Die Honigbiene teilt ihren Artgenossen durch Tänze mit, wo sie Nahrung finden können. (Quelle: Wikipedia)

Erstaunlich ist zunächst einmal, wie viele verschiedene Insekten es auf der Welt gibt. Von allen bekannten Tierarten dieses Planeten gehören über 80 Prozent zu den Insekten, nämlich etwa eine Million Arten. Doch wahrscheinlich gibt es noch sehr viele mehr, denn Wissenschaftler vermuten, dass sich vor allem in den tropischen Regenwäldern noch ein paar Millionen unentdeckter Insektenarten tummeln.

Insekten, die neben verschiedenen anderen Tierklassen wie Tausendfüßern, Spinnen- und Krebstieren zu dem Stamm der Gliederfüßer gehören, weilen auch schon sehr lange auf der Erde - nämlich seit mindestens 400 Millionen Jahren! Sie gibt es überall: In der Nähe des Äquator, in eiskalten Polargebieten und auch in den Höhen des Himalaya-Gebirges.

Merkmale der Insekten

Mit ihren Facettenaugen können Insekten Farben sehen, die dem Menschen verborgen bleiben. (Quelle: Wikipedia)

Das Wort "Insekt" ist die eingedeutschte Form von der lateinischen Bezeichnung "insectum". Dieser Begriff leitet sich von "insecare" ab, was so viel wie "einschneiden" bedeutet. Ein Insekt ist also sozusagen ein eingeschnittenes Tier. Alle Insekten haben nämlich eines gemeinsam: Ihr Körper ist ganz deutlich in drei Abschnitte gegliedert: Kopf, Brust und Hinterleib. Diese drei Teile des Insektenkörpers bestehen jeweils auch aus mehreren Segmenten (Abschnitten).

Am Kopf befinden sich die so genannten Komplex- oder Facettenaugen. Diese heißen so, weil sie aus vielen Einzelaugen zusammengesetzt sind. Ebenfalls am Kopf sitzen die Mundwerkzeuge der Insekten sowie ihre Antennen, die sie zum Fühlen und Riechen benötigen. Der Brustabschnitt hat alles, was ein Insekt zur Fortbewegung benötigt, nämlich drei Beinpaare und dazu ein bis zwei Flügelpaare. Der hintere Teil des Körpers enthält die Eingeweide und die Fortpflanzungsorgane des Insekts.

Eine weitere Sache, die alle Insekten gemeinsam haben, ist ein fester Panzer aus einem Material namens Chitin. Er ist sozusagen das Skelett des Insektes. Er wächst nicht mit, was dazu führt, dass sich Insekten ab und zu häuten müssen. Auch die Atmung funktioniert anders als bei uns: Der Körper eines Insektes ist von vielen kleinen Röhren durchzogen, den Tracheen. Sie sind durch kleine Löcher im Chitinpanzer mit der Außenwelt verbunden und ermöglichen, dass der Körper mit Sauerstoff versorgt wird.

Spinnen gehören, wie schon erwähnt, nicht zu den Insekten. Sie bilden mit einigen anderen Arten die Klasse der Spinnentiere. Im Gegensatz zu den Insekten sind sie "Kopfläufer", denn Kopf- und Brustteil ist bei Spinnentieren miteinander verwachsen, sodass die vier Beinpaare am Kopf platziert sind.

Insekten sind wichtig

Schmetterlinge gehören zu den wenigen Insektenarten, die von den meisten Menschen als schön angesehen werden. (Quelle: Wikipedia)

Nur ganz wenige Insekten gelten allgemein als schöne Tiere. Schmetterlinge sind so ein Beispiel. Mit ihren häufig gemusterten Flügeln sehen sie ein bisschen aus wie bunte Blumen - und die Tatsache, dass sich eine dicke kleine Raupe verpuppt und nach einer Weile zu einem hübschen Schmetterling wird, beflügelt die Fantasie. Niedlich finden wir auch den Marienkäfer, weil er so schön gefärbt ist und interessante Punkte hat. Die meisten anderen Insekten sind aus Menschensicht aber hässlich oder zumindest fremdartig, vor allem aber schlecht einzuordnen.

Dabei sind Insekten äußerst nützliche Tiere! Bei manchen Insekten ist das auch hinreichend bekannt, zum Beispiel fressen Marienkäfer Blattläuse - klar, dass sie das bei Pflanzenfreunden beliebt macht. Wie man weiß, stellen Bienen und Hummeln Honig her und tragen außerdem Blütenstaub von einem Ort zu anderen, sodass sie Pflanzen bei der Fortpflanzung helfen. Aber das tun nicht nur die Bienen! Ein Großteil aller Wildpflanzen wird mit der Hilfe verschiedener Insektenarten bestäubt. Ohne die Insekten gäbe es also bei Weitem nicht so viele verschiedene Pflanzenarten und damit auch nicht so viele Wirbeltierarten, denn schließlich ernähren sich viele Tiere ausschließlich von Pflanzen.

Doch Insekten können auch auf andere Arten nützlich sein. Sie sind zum Beispiel daran beteiligt, dass Laub und andere Bio-Abfälle kompostiert werden und sich letztlich wieder in neue Erde verwandeln. Es gibt also Insekten, die für die "Müllverwertung" verantwortlich sind - und es gibt auch Käfer, die nicht nur Totengräber sind, sondern auch so heißen. Die kleinen Käfer sorgen nämlich dafür, dass verstorbene Kleintiere in der freien Wildbahn unter die Erde kommen und dort zersetzt werden.

Erstaunliches aus der Welt der Insekten

Der Totengräber macht seinem Namen alle Ehre und kümmert sich um die Überreste verstorbener Kleintiere. (Quelle: Wikipedia)

Im Reich der Insekten gibt es viel Spannendes zu entdecken. Viele Insekten verfügen über ganz erstaunliche Fähigkeiten. Zum Beispiel sind Insektenkörper vollkommen mit feinen Härchen überzogen, mit denen sie die kleinsten Veränderungen im Luftwiderstand spüren können. Das hilft ihnen, herannahende Feinde schnell zu bemerken. Mit ihren Facettenaugen können Insekten sogar Farben sehen, die uns Menschen völlig verborgen bleiben!

Die verschiedenen Arten von Termiten, Ameisen und Bienen leben in riesigen Insektenstaaten zusammen. In diesen Staaten sind alle Aufgaben ganz genau verteilt und die Mitglieder unterliegen einer strikten Rangordnung. Zum Beispiel gibt es eine Königin, die für das Eier legen zuständig ist, einige Drohnen, die die Königin befruchten, kämpferische "Soldaten" und viele Arbeitertiere. Damit das Zusammenleben so vieler Tiere funktioniert, haben die Insekten interessante Arten entwickelt, miteinander zu kommunizieren. Das geschieht nämlich zum Teil durch Düfte, aber auch mit Hilfe einer Zeichensprache. Honig sammelnde Bienen teilen zum Beispiel ihren "Kolleginnen" durch Tänze in der Luft mit, wo sie Nahrung finden können.

Da es Insekten in ganz unterschiedlichen Lebensräumen gibt, haben sie alle einzigartige Wege gefunden, möglichst gut in ihrer Umgebung zurechtzukommen. Das gilt auch für ihre Art, sich vor Feinden zu verteidigen - und da sind manche Insekten sehr erfinderisch. Wird der Bombardierkäfer bedroht, entzünden sich Gase in seinem Hinterleib und er kann seinem Feind eine ätzende Flüssigkeit ins Gesicht sprühen, um sich zu verteidigen. Der Gelbrandkäfer spielt seinen Trumpf aus, wenn es für andere schon viel zu spät wäre. Wenn er von einem Fisch oder Frosch gefressen wird, stößt er ein Hormon aus, dass auf seine Feinde lähmend wirkt und kann so doch noch entkommen.

Erlernte Ekel vor Insekten?

Der Gelbrandkäfer kann seine Feinde lähmen, wenn sie ihn fressen wollen. (Quelle: Wikipedia)

Der Mensch hat aber zunächst keinen Grund, vor Insekten Angst zu haben, zumindest nicht in unseren Breitengraden. Den meisten Menschen ist das schon bewusst, aber trotzdem gruselt sie der Anblick der sechsbeinigen Krabbler. Die Angst vor Insekten ist aber nicht unbedingt angeboren. Der Ekel vor diesen Tieren wird zum großen Teil erlernt.

Viele Menschen sehen als Kind schon, wie Erwachsene angewidert auf Käfer reagieren oder panisch nach Wespen schlagen. Da ist es nur logisch, dass sie später das gleiche Verhalten an den Tag legen. Aber warum haben so viele Menschen Angst vor allem was krabbelt? Im Grunde genommen ist es einfach die Angst vor dem Unbekannten. Die Welt der Insekten mit ihrer Artenvielfalt ist den meisten Menschen völlig fremd, obwohl es überall um uns herum summt und krabbelt. Wenn man die eigene Scheu überwindet und sich ein bisschen mehr mit ihr beschäftigt, kann man unglaublich viel Neues entdecken.

Mitarbeit: Britta Pawlak
letzte Aktualisierung: 09.11.2017

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