Aufatmen in Darfur

Im West-Sudan steigt die Hoffnung auf Frieden

12.07.2005

In der west-sudanesischen Region Darfur tobt seit 2003 ein schrecklicher Bürgerkrieg, bei dem schon 300.000 Menschen ihr Leben verloren haben. Die meisten von ihnen sind unschuldige Dorfbewohner, die von Reiterkriegern umgebracht wurden. Nun haben sich endlich Regierung und Rebellen zusammengesetzt und vereinbart, den Konflikt zu beenden.

Im Flüchtlingslager Kassab lernen die Frauen, sparsame Lehmöfen zu bauen, die weniger Feuerholz benötigen. So müssen sie seltener das sichere Lager verlassen. (Quelle: Deutsche Welthungerhilfe)

Im Westen des Sudan ist das Zusammenleben zwischen den Menschen sehr schwierig, weil sie so verschiedenen sind. Dort leben einerseits sesshafte, schwarz-afrikanische Bauern. Sie wohnen in festen Dorfgemeinschaften zusammen und können von der Landwirtschaft gerade so überleben, da der karge Boden nahe der Wüste nicht sehr fruchtbar ist. Andererseits leben in Darfur arabische Reiternomaden und Viehhirten.

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Zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen kommt es seit vielen Jahren immer wieder zu Streit um Wasser und Land. Außerdem wurden in Darfur Erdöl und Diamanten gefunden, was eigentlich viel Geld in die Region bringen müsste. Doch die Regierung will den Gewinn aus diesen Bodenschätzen nicht unter allen Stämmen gerecht aufteilen. Da die Herrscher des Sudan selbst arabisch-stämmig sind, unterstützen sie nur die arabischen Reiter- und Hirtenvölker. Die schwarz-afrikanischen Bauern gehen hingegen fast leer aus.

Araber gegen Schwarz-Afrikaner

Diese Frauen aus Darfur sprechen mit einer Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Welthungerhilfe. (Quelle: Deutsche Welthungerhilfe)

Deshalb haben im Jahr 2003 zwei schwarz-afrikanische Rebellengruppen der Regierung den Kampf angesagt. Die Herrscher ging mit Soldaten und Luftangriffen gegen die Siedlungen der Schwarz-Afrikaner in Darfur vor. Außerdem beauftragten sie bewaffneten Reitermilizen, die "Dschandschawid", damit, die Bauern zu bekämpfen.

Leider bekämpften die Dschandschawid alle schwarzafrikanischen Menschen in der Region Darfur, und nicht nur die Rebellen. Etwa 300.000 Schwarz-Afrikaner haben die arabischen Reitermilizen und das Militär bereits ermordet und etwa zwei Millionen Menschen aus ihren Dörfern vertrieben. Die Dschandschawid rissen anschließend deren Häuser ein und brannten sie nieder.

Mörder außer Kontrolle

Die Menschen flüchteten in das nahe gelegene Nachbarland Tschad oder in Flüchtlingslager in der Wüste. Um zu überleben, sind sie auf Hilfsorganisationen wie die "Ärzte ohne Grenzen" angewiesen. Doch sogar in den Flüchtlingslagern mussten die Sudanesen bislang Angst vor weiteren Angriffen haben. Die Regierung des Sudan hat mittlerweile erklärt, dass sie die Kontrolle über die Dschandschawid verloren habe. Das bedeutet: Diese Reiternomaden morden weiterhin und lassen sich auch von der Regierung nicht davon abhalten.

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Lange hat die Weltgemeinschaft vor dem Völkermord die Augen geschlossen. Erst seit Anfang des Jahres sind endlich Friedenstruppen der Afrikanischen Union in Darfur eingesetzt. Sie sollen die Einwohner der Flüchtlingscamps vor den Reiternomaden beschützen und die Rückkehr in ihre Dörfer vorbereiten.

Endlich Verhandlungen um eine friedliche Lösung

Viele Millionen West-Sudanesen mussten vor den Reitermilizen in die Wüste flüchten. Dort müssen sie in Flüchtlingslagern lange anstehen und warten, bis sie Essen bekommen. (Quelle: Deutsche Welthungerhilfe)

Vor wenigen Tagen haben Regierung und Rebellen endlich ein Abkommen getroffen. Das Morden soll aufhören, alle vertriebenen Menschen sollen wieder in ihre Dörfer zurückkehren dürfen. Die Regierung wird sie nicht mehr mit Soldaten verfolgen und auch den Reitermilizen verbieten, das zu tun. Die Friedenstruppen der Afrikanischen Union sollen dabei helfen, die außer Kontrolle geratenen Dschandschawid zu stoppen.

Außerdem sollen in Zukunft die Einnahmen aus den Bodenschätzen des Landes gerechter verteilt werden. Auch die schwarz-afrikanischen Bauern sollen künftig etwas von dem Geld abbekommen.

Ende August sollen abschließende Friedensgespräche stattfinden. Dabei muss noch geklärt werden, wie die Regierung die schwarz-afrikanischen Bauern beschützen kann. Außerdem ist noch nicht klar, welchen politischen Einfluss die schwarze Bevölkerung bekommen soll. Doch zumindest der erste Schritt ist endlich getan: Der Friede ist ein großes Stück näher gerückt.

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letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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