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Der Mensch und das Erdöl - Teil 1

Erdöl als Triebkraft der Industrialisierung

Teil 1 von 2

von Björn Pawlak

Erdöl und auch Erdgas gehören zu den bedeutendsten vom Menschen genutzten natürlichen Rohstoffen. Ohne das "schwarze Gold" wäre es nicht möglich gewesen, den materiellen Wohlstand der modernen Industriegesellschaften aufzubauen. Es gibt aber auch viele Schattenseiten - um Erdöl wurden und werden Kriege geführt, auf Natur und Menschen nahm man bei der Erdölförderung selten Rücksicht. Oft ging es der Bevölkerung solcher Regionen, in denen Öl gefunden wurde, besonders schlecht.

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Mit riesigen Pumpen befördert man das "schwarze Gold" an die Oberfläche - man muss teilweise mehrere Kilometer in die Tiefe bohren, um an den Rohstoff zu gelangen. (Quelle: Flcelloguy/ Wikipedia)

Viele alltägliche Produkte werden mithilfe des Erdöls hergestellt, außerdem dient es als Treibstoff, zur Erzeugung von Elektrizität und als Brennmaterial. Die Erdölförderung ist äußerst kompliziert, denn der einst aus organischem Material entstandene Rohstoff liegt meist tief unter der Erde.

An der Erdoberfläche austretendes Erdöl - durch den Kontakt mit Sauerstoff ändert es seine Beschaffenheit und wird zu einer zähflüssigen Masse - ist den Menschen schon lange bekannt. Bereits vor Jahrtausenden benutzten es die frühen Hochkulturen im "Zweistromland" zwischen den beiden Flüssen Euphrat und Tigris, "Mesopotamien" genannt (heute liegen in diesem Gebiet die beiden Staaten Syrien und Irak) beim Bootsbau (Abdichtung) und zu Beleuchtungszwecken. Die Hochkultur der Babylonier kannte für das Öl den Namen "naptu" (von "nabatu", das bedeutet "leuchten"). In alten Kriegen wurden mit Erdöl betriebene Flammenwerfer eingesetzt. Bei den alten Römern benutzte man es auch als Schmierstoff für Achsen und Räder.

Erst im 19. Jahrhundert entdeckte man jedoch, dass in den Tiefen der Erde Unmengen dieses Brennstoffs lagern. Bald startete man zahlreiche Expeditionen, um weltweit nach Ölquellen zu suchen. Nur wenige Konzerne teilten das Geschäft mit dem Öl unter sich auf und erlangten dadurch großen Einfluss. Der erste "Boom" fand in den USA statt - der US-amerikanische Geschäftsmann John D. Rockefeller gründete die "Standard Oil Company" und wurde dank des Erdöls zum reichsten Mann der Welt. Europa und Russland zogen aber bald nach. In den bald folgenden beiden Weltkriegen spielte das Erdöl eine entscheidende Rolle.

Die Theorie über die Entstehung des Erdöls

Erdöl und Erdgas treten nur deswegen nicht an die Oberfläche, weil sie durch ein "Deckgestein" in der Tiefe eingeschlossen sind. (Quelle: US Energy Information Administration || Wikipedia)

Nach gängiger Theorie ist Erdöl im Laufe von etlichen Jahrtausenden oder sogar Jahrmillionen aus abgestorbenen Meeresorganismen entstanden. Demnach hat sich das organische Material am Meeresboden abgelagert, um im Laufe der Zeit von anderen sich ablagernden Teilchen ("Sediment") zugedeckt zu werden und immer tiefer zu wandern. Druck und Temperaturverhältnisse werden schließlich so groß, dass die organischen Überreste in Erdölvorläufer (sogenannte "Kerogene") umgewandelt werden. Wichtig ist dabei die Abwesenheit von Sauerstoff, da sich organisches Material andernfalls ganz zersetzen würde.

Den Ort, an dem die Kerogene entstehen, nennt man "Muttergestein". Anschließend wandern die Kerogene wieder nach oben - im durchlässigeren "Speichergestein" wandeln sie sich zum Erdöl um. Über dem Speichergestein muss sich ein undurchlässiges "Deckgestein" befinden - andernfalls sickert das Erdöl aufgrund seiner Dichte bis an die Erdoberfläche nach oben. Durch das wie eine "Falle" wirkende undurchlässige Deckgestein hingegen kann kein Erdöl austreten, so dass hier eine Erdölquelle entsteht. Ebenfalls entstehendes Erdgas lagert sich meist über dem Erdöl und unmittelbar unter dem Deckgestein an. Da Erdgas beweglicher ist, kann es allerdings auch gut sein, dass es irgendwo entweicht und sich woanders ablagert oder an die Erdoberfläche gelangt.

Die moderne Geschichte des Erdöls

Die ersten erfolgreichen Bohrungen nach Erdöl fanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Pennsylvania in den USA statt. (Quelle: Pennsylvania Historical & Museum Commission || Wikipedia)

1859 fanden in den USA die ersten erfolgreichen Ölbohrungen statt, und zwar in Titusville/Pennsylvania. Das hier im Auftrag von der "Pennsylvania Rock Oil Company" geförderte Öl wurde durch "Destillation" zu "Petroleum" weiterverarbeitet und als Lampenöl verkauft - damals war es noch üblich, andere Materialien wie Walöl als Brennstoff für Lampen zu benutzen.

Die Bohrungen in Pennsylvania lösten bald einen Ölboom im ganzen Land aus. Am mächtigsten wurde die von John D. Rockefeller gegründete Standard Oil Company, die sowohl "Raffinerien" (Anlagen, in denen das Rohöl weiterverarbeitet wird) betrieb als auch in die Ölförderung einstieg.

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Durch die Industrialisierung ging die Nachfrage nach Erdöl in Europa und Amerika stark nach oben, so dass ein internationaler Markt entstand. Durch die Erfindung von Tankschiffen konnte Erdöl auch über den Ozean transportiert werden. Auch in Russland am Kaspischen Meer fand man riesige Ölvorkommen - russisches Öl wurde zunächst mit der Eisenbahn nach Europa gebracht, später baute man Pipelines.

Mit der Erfindung der Glühbirne war Erdöl als Brennstoff für Lampen bald nicht mehr gefragt. Dafür entstand durch eine andere Erfindung ein noch viel größerer Absatzmarkt: Carl Benz hatte in Deutschland 1882 den mit aus Erdöl hergestelltem "Benzin" angetriebenen Verbrennungsmotor erfunden - mehrere Jahrzehnte später gab es bereits über eine Million Automobile. Die Nachfrage nach Benzin überstieg die nach Petroleum bald um ein Vielfaches.

Erdöl und der Erste Weltkrieg

Deutsche Mobilmachung: Der Erste Weltkrieg war der erste "motorisierte" Krieg - Erdöl spielte eine entscheidende Rolle. (Quelle: Deutsches Bundesarchiv || Wikipedia)

Großbritannien aber auch die Niederlande nutzten ihre Kolonien in Übersee, um dort nach Öl zu bohren. Die niederländische "Royal Dutch/Shell" förderte Öl auf Sumatra im niederländischen Ostindien. In Persien (dem heutigen Iran) sicherte sich die britische Regierung mittels der "Anglo-Persian Oil Company" (später "BP"/"British Petroleum") den Zugang zum Öl. Großbritannien bot sich um 1900 ein militärisches Wettrüsten mit dem Deutschen Reich unter Kaiser Wilhelm II. - Winston Churchill (damals Marineminister) trieb im Rahmen dieses Wettrüstens die Entwicklung von mit Öl angetriebenen Großkampfschiffen voran.

Ab 1914 kam es dann tatsächlich zum Ersten Weltkrieg - dessen zerstörerisches Ausmaß mit zehn Millionen Toten war so groß, weil die Errungenschaften der Industrialisierung zur Kriegsführung eingesetzt worden waren. Der Erste Weltkrieg war der erste "motorisierte" Krieg, bei dem Kriegsfahrzeuge, Panzer und Flugzeuge im großen Stil zum Einsatz kamen. Die deutschen U-Boote griffen die Tankschiffe der "Alliierten" an, um deren Nachschub abzuschneiden ("U-Boot-Krieg"). Das Deutsche Reich scheiterte bei seinem Versuch, Zugang zu den Ölfeldern in Russland zu erlangen. Der Kriegseintritt der USA war entscheidend - als Sieger des Ersten Weltkriegs kontrollierten die Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und Italien gemeinsam über die weltweite Erdölförderung.

Nach dem Ersten Weltkrieg: Der Ölboom geht weiter

Einsatz der Technik: Durch "seismographische" Aufzeichnungen wurde es möglich, Ölfelder auch ohne Bohrungen zu orten. (Quelle: Yamaguchi/ Wikipedia)

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs stieg die Nachfrage weiter - das Automobil wurde immer mehr zu einer Massenware, Tankstellen schossen wie Pilze aus dem Boden. Großbritannien und die USA arbeiteten eng zusammen, um neue Fördergebiete für Erdöl zu erschließen - vorzugsweise im Nahen Osten im Gebiet des heutigen Iraks, wo einige der ergiebigsten Ölquellen der Welt zu finden sind. Damals hatte man darüber allerdings noch keine Gewissheit, die ersten Bohrungen waren erfolglos geblieben.

Mit der Zeit entwickelte man aber neue Methoden, um Erdöl auch ohne Bohrungen aufzuspüren - mithilfe von "Seismographen" lassen sich künstlich erzeugte Bodenerschütterungen analysieren, die Rückschlüsse über mögliche Ölvorkommen erlaubten. Man konnte vor einer Bohrung durch den Einsatz der Technik mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit vorhersagen, ob man fündig werden würde.

Auch in Mexiko und in Venezuela wurden große Mengen Erdöl gefunden. Durch die neu erschlossenen Ölfelder und ein Überangebot sank der Preis für Rohöl erstmals auf einen Tiefstand - 1930 kostete ein "Barrel" Öl in den USA ungefähr 10 Cent. (Ölmengen werden gewöhnlich nicht in Litern, sondern in Barrel (Englisch für "Fass") angegeben - 1 Barrel entspricht ungefähr 159 Litern). In den 1930ern wurden auch auf der Insel Bahrain und im Königreich Saudi-Arabien große Mengen Erdöl gefunden und von US-amerikanischen Konzernen gefördert - daher rührt auch der große Einfluss, den die USA noch heute in dieser Region besitzen.

Erfahre im nächsten Teil, welche Rolle das Erdöl für die weltpolitischen Entwicklungen seit dem Zweiten Weltkrieg gespielt hat. Ganze Volkswirtschaften waren in den 1970ern in der Krise, weil der Ölpreis plötzlich in die Höhe schoss. Heute fragt man sich, wie man die Abhängigkeit vom Erdöl beenden könnte, denn die weltweiten Reserven werden knapp. Klicke auf weiter!

letzte Aktualisierung: 12.10.2010

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