Geflügelpest: Hühner unter "Hausarrest"

von Kai Hirschmann - 21.09.2005

In einigen Regionen der drei deutschen Bundesländer Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens und Mecklenburg-Vorpommerns steht Geflügel seit Mitte September unter "Hausarrest". Hühner, Puten, Gänse und Enten dürfen dort ihren Stall nicht mehr verlassen. So sollen die Tiere vor der gefährlichen Vogelgrippe geschützt werden, die mit Zugvögeln aus Südostasien über Russland nach Europa gelangen könnte.

Die gelben Pfeile markieren die Flugbahn der Zugvögel von Südostasien nach Europa. (Quelle: Wikipedia)

Die Krankheit ist so gefährlich, weil sie sich rasend schnell unter Vögeln ausbreitet, aber auch auf Menschen übertragbar ist. In Hongkong, Vietnam, Thailand, Kambodscha und Indonesien mussten schon über 60 Menschen sterben.

Daraufhin haben die betroffenen Länder in Südostasien beschlossen, den Virus zu bekämpfen. Leider geht das nur, indem man alle Vögel in der ganzen Region tötet. Viele arme Familien haben sich gewehrt und versucht, ihre Vögel zu verstecken. Obwohl schon viele Millionen Tiere getötet und anschließend verbrannt wurden, konnte die asiatische Vogelgrippe bisher nicht aufgehalten werden.

Auch Menschen in Gefahr

Auch Puten dürfen bis November in mehreren Bundesländern ihren Stall nicht mehr verlassen. (Quelle: Schulbauernhof Ummeln)

Die Vogelgrippe ist eigentlich keine neue Krankheit. Auch in Europa gibt es schon seit Jahrhunderten immer wieder Fälle der Seuche. Doch die europäischen Behörden haben in den vergangenen Jahren immer sehr schnell und sehr hart reagiert, wenn es diese Bedrohung gab. So trat die Geflügelpest 2003 in den Niederlanden auf, doch wie durch ein Wunder breitete sie sich nicht in ganz Europa aus.

Vorsorglich wurden damals tausende Hühner geschlachtet und verbrannt. Die Grenzen zwischen den Niederlanden und Deutschland wurden für Geflügeltransporte absolut dicht gemacht. Alle Autos und LKW, die sich Hühnerfarmen näherten oder diese verließen, wurden damals bei jeder Durchfahrt gründlich desinfiziert.

Zu lange gewartet

In Südostasien haben die Regierungen dagegen viel zu lange abgewartet, ob sich das Problem nicht von selbst in den Griff bekommen lässt. Doch der gefährliche Virus tat ihnen diesen Gefallen natürlich nicht. Im Gegenteil, er breitete sich sogar immer weiter aus. Besonders schlimm daran ist, dass der Virus sich so verändert hatte, dass er zum ersten Mal sogar Menschen anstecken kann.

Bevor die Massentötungen von gezüchteten Hühnern endlich anfingen, hatten sich längst viele wild lebende Vögel mit der Krankheit infiziert. Diese Zugvögel verbreiten den Virus nun in benachbarten Ländern, und sogar weit entfernte Kontinente wie Europa sind nun bedroht. Im Sommer wurde bekannt, dass die Vogelgrippe im Osten Russlands und in Kasachstan ausgebrochen ist. Es muss angenommen werden, dass die Seuche demnächst wohl auch Europa erreichen wird.

Auf der anderen Seite bezweifeln einige Experten, dass es kranke Zugvögel schaffen können, einen tausende Kilometer langen Flug von Südostasien bis Europa zurückzulegen. Ein solch langer Flug kostet die Tiere ihrer Meinung nach nämlich viel mehr Kraft, als infizierte Vögel aufbringen können. Doch die Wissenschaftler sind wachsam. In der Schweiz wollen sie zum Beispiel in den kommenden Wochen über 1.000 Zugvögel untersuchen, ob sie den Krankheitserreger in sich tragen. Sollte nur ein einziger Vogel infiziert sein, werden die Forscher sofort Alarm schlagen. Dann wird alles unternommen, um die weitere Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern.

Sicher ist sicher

Die Höfe, auf denen Hähne und Hühner sonst im Freien leben dürfen, haben nun ein Problem. (Quelle: Julia Eisenberg (Wikipedia))

Schon seit längerer Zeit darf kein Geflügel mehr aus Südostasien nach Europa gebracht werden. Du brauchst also keine Angst zu haben, dich mit dem asiatischen Vogelgrippenvirus anzustecken. Dieser gefährliche Krankheitserreger ist bei uns noch kein einziges Mal aufgetreten.

"Aber sicher ist sicher", haben sich die Gesundheitsminister in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gedacht. Zumindest in einigen Regionen dieser drei deutschen Bundesländer muss das Geflügel bis mindestens Ende November in den Ställen bleiben. So können sie nicht mit infizierten Zugvögeln in Kontakt kommen, die in diesen Gebieten einen Zwischenstopp auf ihrer Reise einlegen. Das stellt insbesondere die (Bio-) Bauern vor ein Problem, da auf deren Höfen die Hühner sonst im Freien leben dürfen. Denn sie haben zum Teil nicht genug Ställe, in die sie das Geflügel einsperren können.

Das ist auch einer der Gründe, weshalb die übrigen 13 deutschen Bundesländer sowie Österreich und die Schweiz bislang noch darauf verzichten, die Vögel unter "Hausarrest" (oder besser "Sicherungsverwahrung") zu stellen.

letzte Aktualisierung: 28.10.2009

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