Lexikon: konservativ / Konservatismus

von Britta Pawlak

Edmund Burke (1729 - 1797) gilt als geistiger Vater des politischen Konservatismus. (Quelle: Studio of Sir Joshua Reynolds)

Der Begriff "konservativ" kommt von dem lateinischen Wort "conservare", was übersetzt "bewahren" bedeutet. Wenn man jemanden als konservativ bezeichnet, meint man damit, dass der- oder diejenige eher an alten Traditionen, Werten und Überzeugungen festhält und neuen Entwicklungen kritischer gegenüber steht. Konservativ eingestellte Menschen sind häufig der Ansicht, dass es Grundsätze und Ordnungen aus früheren Zeiten gibt, die bewahrt werden sollten und in der modernen Gesellschaft möglicherweise in Gefahr sind.

Der Begriff wird in verschiedenen Bereichen verwendet und kann in religiösen, politischen oder gesellschaftlichen Zusammenhängen unterschiedliche Bedeutungen haben. So sagt man auch von einigen Gruppierungen und Parteien, dass sie "konservativ" ausgerichtet seien. Der so genannte "Konservatismus" (auch: "Konservativismus") ist neben dem "Sozialismus" und dem freiheitlich orientierten "Liberalismus" eine der wichtigen politischen Grundrichtungen, die sich ab dem 19. Jahrhundert entwickelt haben. Anhänger des Konservatismus wollen altbewährte Grundwerte und Gesellschaftsstrukturen schützen und stehen Revolutionen und gewaltsamen Umstürzen ablehnend gegenüber. Neue Trends und modische Denkströmungen werden oft kritisch betrachtet. Das heißt aber nicht, dass sich politisch Konservative grundsätzlich gegen Neuerungen aussprechen und jede Veränderung für schlecht halten.

Heutige konservative Parteien sind oft von religiösen Werten geprägt und haben häufig den Ruf, nicht besonders "weltoffen" zu sein. Zum Beispiel halten die Republikaner, eine konservativ gerichtete Partei in den USA, weiterhin an der Todesstrafe fest und sprechen sich gegen die Ehe von homosexuellen Menschen aus. Die Todesstrafe, die in früheren Zeiten als angemessene Sühne für bestimmte Verbrechen galt, ist aber sehr umstritten und wurde in vielen Ländern der modernen Welt längst abgeschafft, weil sie nach Ansicht vieler Menschen gegen heutige ethische Grundwerte verstößt. Auch die Ausgrenzung und Benachteiligung von Homosexuellen gilt in modernen Gesellschaften überwiegend als überholt, falsch und unmenschlich. Manche Menschen denken jedoch weiterhin, dass nur Mann und Frau eine Partnerschaft eingehen sollten und eine Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen "nicht gottgewollt" oder "unnatürlich" sei. Manche konservativen Gruppierungen wollen zum Beispiel auch Frauen weniger Rechte zusprechen oder bevorzugen eine traditionelle Rollenverteilung der Geschlechter, bei der die Frau in erster Linie den Haushalt und die Kinder hütet und die Familie umsorgt, während der Mann sich um den Broterwerb kümmert.

Kritiker werfen konservativen Parteien und Gruppen also oft vor, dass sie zu sehr an alten Denkmustern, Überzeugungen und Strukturen festhalten, selbst wenn diese sich nicht bewährt haben oder zweifelhaft sind. Man kann aber nicht verallgemeinernd sagen, dass konservative Werte sich grundsätzlich gegen die moderne Gesellschaft richten, mit Benachteiligungen verbunden sind und allgemein als überholt, rückschrittlich oder negativ gewertet werden können. Schließlich kann man umgekehrt auch sicher nicht sagen, dass die Welt immer "besser" werde und moderne Weltanschauungen oder neue Entwicklungen stets positiv zu sehen sind. Sehr viele Menschen halten bestimmte Traditionen und Überzeugungen für wichtig und schützenswert und möchten daran festhalten - es kommt also immer ganz darauf an, was diese beinhalten. Wichtig ist es aber, Normen und Gebräuche auch immer wieder zu überprüfen und zu hinterfragen und nicht automatisch als gut zu erachten, weil man es nicht anders kennt. Das Wort "konservativ" wird zwar oft wertend gebraucht, hat aber grundsätzlich erst einmal eine neutrale Bedeutung.

letzte Aktualisierung: 04.03.2012

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