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Rembrandts 400. Geburtstag: Der ruinierte Meister

15.07.2006

Am 15. Juli 1606 wurde Rembrandt Harmenszoon van Rijn geboren. Ganz Holland feiert seit Monaten seinen berühmtesten Maler, doch jetzt ist mit dessen 400. Geburtstag der Höhepunkt erreicht. Rembrandt hatte genialer als jeder Künstler vor ihm mit Licht und Schatten in seinen Bildern gespielt. Auch als Zeichner ist er unübertroffen.

Rembrandt hat sich sehr oft selbst gemalt. So sah er als 34-jähriger Mann aus. (Quelle: Rembrandt Harmensz. van Rijn: Selbstporträt 1640)

Rembrandt Harmenszoon van Rijn war das achte von neun Kindern seiner Eltern und wurde in der niederländischen Stadt Leiden geboren. Sein Vater war Müller. Mit seiner Mühle verdiente er so viel Geld, dass er Rembrandt sogar in die Lateinschule schicken konnte. Damals war es noch nicht üblich, dass das "einfache Volk" zur Schule ging. Und Rembrandt war sogar auf einer sehr angesehenen Schule. Der Unterricht fand ausschließlich in lateinischer Sprache statt und auch untereinander sprachen die Schüler nur Latein statt niederländisch.

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Die Stadt Leiden, in der er aufwuchs, war zu jener Zeit sehr reich, da dort viel Handel getrieben wurde. Schon im 16. Jahrhundert gab es in Leiden eine Universität mit einer berühmten Malerschule, die Rembrandt seit seinem 15. Lebensjahr besuchte. Dort machten die Bilder von Lucas van Leyden (1494 bis1533) einen sehr großen Eindruck auf ihn. Von Leyden war ein Zeitgenosse des berühmtesten deutschen Zeichners Albrecht Dürer (1471 bis 1528). Gemeinsam haben diese beiden Künstler den Stil der "Feinmalerei" geprägt, bei der jedes Detail - zum Beispiel jedes einzelne Haar - deutlich dargestellt wird.

Spiel mit Licht und Dunkel

"Die Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp" zählt zu Rembrandts bekanntesten Werken. (Quelle: Rembrandt Harmensz. van Rijn: Die Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp)

Doch neben der genauen Darstellung hatte es Rembrand auch darauf abgesehen, mit Licht- und Schatten zu arbeiten. Die Teile seines Bildes, die ihm besonders wichtig waren, hob er durch helle Farben hervor. Für die anderen Teile wählte er dunklere Farbtöne, sodass sie weniger auffallen. Mit den Hell-Dunkel-Gegensätzen erreichte es Rembrandt, dass der Betrachter genau auf die entscheidenden Aussagen des Bildes gelenkt wird. Außerdem verstärkt der Wechsel zwischen Hell und Dunkel den Eindruck, dass sich die Personen auf seinen Bildern tatsächlich bewegen.

Als 19-jähriger Mann gründet er gemeinsam mit Jan Lievens eine Maler-Werkstatt. Die zwei jungen Künstler bevorzugten den gleichen Malstil. Sie wählten oft dasselbe Motiv aus, um es in ganz verschiedenen Farbtönen zu malen. Die Bilder der beiden jungen Männer ähnelten sich in dieser Zeit so sehr, dass sie sogar oft verwechselt wurden, wenn der jeweilige Künstler vergessen hatte, sein Werk zu signieren. Rembrandt unterzeichnete seine Bilder stets mit seinem Vornamen und nicht mit "van Rijn". Rembrandt war auch damals ein sehr ungewöhnlicher Taufname, den kein anderer Künstler trug. Dadurch waren Verwechslungen ausgeschlossen, sofern der Maler seine Signatur nicht vergaß.

Auf dem Weg zu Ruhm und Reichtum

Auf vielen Bildern hat sich Rembrandt selbst im Hintergrund gemalt - auch in der "Nachtwache" (hinten rechts). (Quelle: Rembrandt Harmensz. van Rijn: Die Nachtwache)

Bereits mit 22 Jahren hatte sich Rembrandt einen so ausgezeichneten Ruf erworben, dass er selber zum Lehrmeister werden konnte. Er nahm den 15-jährigen Gerrit Dou als Schüler auf, der später ebenfalls ein berühmter Maler wurde. Einige Jahre später ließ sich Rembrandt in der niederländischen Stadt Amsterdam nieder und wurde reich. Über den Kunsthändler Hendrik van Uylenburgh gelang es ihm, Kontakte zu den wohlhabenden Amsterdamer Kaufleuten zu knüpfen.

Obwohl Rembrandt eigentlich viel lieber geschichtliche Ereignisse malte, nahm er die vielen Aufträge seiner Kunden an, da sie ihm sehr viel Geld einbrachten. In Amsterdam gab es nicht nur viele Auftraggeber, sondern auch zahlreiche Kunstsammler und Kunsthändler. Die Stadt war ideal für den begabten Künstler aus Leiden, der reich und berühmt werden wollte. Auch sein Jugendfreund Jan Lievens verließ Leiden, allerdings ging er nach England. Dadurch trennten sich die Wege dieser beiden herausragenden Künstler.

Der König wird auf Rembrandt aufmerksam

Die "Kreuzabnahme" malte Rembrandt im Auftrag des Königs. (Quelle: Rembrandt Harmensz. van Rijn: Die Kreuzabnahme)

Rembrandt verliebte sich in Saskia van Uylenburgh, die Nichte seines Amsterdamer Kunsthändlers. Saskia war die Tochter eines angesehenen, wohlhabenden Juristen. Die beiden heirateten im Jahre 1634, Rembrandt war damals 28 Jahre alt. Weder seine Mutter noch sein Geschäfts-Partner Hendrik van Uylenburgh waren mit dieser Ehe einverstanden. Davon unbeeindruckt zog das Hochzeits-Paar in ein gemeinsames Haus. Rembrandt mietete zudem ein großes Atelier, in dem er seine Bilder malen konnte, und nahm mehrerer Schüler auf. Kurz danach wurde der königliche Hof in Den Haag auf den Maler aufmerksam und erteilte ihm mehrere Aufträge. Er sollte zum Beispiel die "Kreuzabnahme" malen.

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Rembrandts Werke waren sehr gefragt und er verdiente viel Geld. Er zog mit seiner Frau in ein prächtiges Haus im Amsterdamer Judenviertel um, in dem heute das "Rembrandthaus-Museum" untergebracht ist. Zu dieser Zeit entstanden viele bedeutende Gemälde wie die berühmte "Nachtwache", "Die Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp" und "Der Vorsteher der Tuchmachergilde".

Der Ruf wird ruiniert

Der Maler liebte seine Frau Saskia. Ihr Tod war ein schwerer Schlag für ihn. (Quelle: Rembrandt Harmensz. van Rijn: Saskia van Uhlenburgh)

Allerdings musste Rembrandt parallel zu seinem Aufstieg als Künstler auch einige schwere Schicksalsschläge verkraften. Drei seiner Kinder starben kurz nach der Geburt. Als Rembrandt 35 Jahre alt war, bekam seine Frau Saskia ein weiteres Kind: seinen Sohn Titus. Doch von der schweren Geburt erholte sich seine Frau nicht mehr, sodass sie krank wurde und ein Jahr später an Tuberkulose starb. Saskias Tod stürzte Rembrandt in eine schwere Krise.

Er stellte Geertje Dircx ein, die sich um seinen kleinen Sohn Titus und den Haushalt kümmern sollte. Es ist wahrscheinlich, dass er mit dieser Dame eine kleine "Affäre" anfing, die ihm jedoch nicht viel bedeutete. Dircx behauptete später, dass Rembrandt ihr versprochen habe, sie zu heiraten. Damit wollte sie den berühmten Maler zwingen, sie tatsächlich vor den Traualtar zu führen. Doch daraus wurde nichts. Als er 40 Jahre alt war, feuerte er Geertje Dircx. Sie war darüber so empört, dass sie versuchte, seinen Ruf zu zerstören.

Rembrandt verliebte sich in seine neue Haushälterin Hendrickje Stoffels. Die beiden führten eine glückliche Beziehung, ohne jedoch zu heiraten. In der damaligen Zeit war dies ein Skandal. Als das Paar 1654 - Rembrand war 49 Jahre, Hendrickje 27 Jahre alt - eine gemeinsame Tochter, Cornelia, bekam, war die Liebensbeziehung nicht mehr zu verheimlichen. Rembrandt musste aus der Kirche austreten, was damals den Ausschluss aus der Gesellschaft bedeutete. Zwar hätte Rembrandt dies leicht verhindern können, indem er Hendrickje Stoffels geheiratet hätte. Aber das Paar wollte sich dem gesellschaftlichen Druck nicht beugen und lebte weiterhin unverheiratet zusammen.

Bankrott, Schicksalsschläge und Tod

Erst als er Hendrickje Stoffels kennen lernte, wurde Rembrandt wieder glücklich. Doch es folgte ein Skandal und der Ruin. (Quelle: Rembrandt Harmensz. van Rijn: Hendrickje Stofells)

Rembrandt entwickelte eine neue malerische Technik bei der die Farbflächen mit breiten Pinselstrichen oder dem Spachtel aufgetragen werden. Er bildete auch seine Radiertechnik weiter aus. Doch seine wirtschaftliche Lage verschlechterte sich immer weiter. Die reichen Kaufleute wollten nach den "Liebes-Skandalen" vermutlich nichts mehr mit Rembrandt zu tun haben - jedenfalls erteilten sie ihm keine Aufträge mehr, sodass er kein Geld mehr verdienen konnte. Schließlich ging der Künstler Bankrott - er war völlig pleite und musste nach und nach seine bedeutende Kunstsammlung und schließlich sein Haus verkaufen. Gemeinsam mit Hendrickje, Sohn Titus und Tochter Cornelia musste er in ein bescheidenes Haus umziehen, das er mietete.

1663 - Rembrandt war 58 Jahre alt - starb Hendrickje und fünf Jahre später verlor er auch noch seinen Sohn, der nur 28 Jahre alt geworden ist. Titus war seinem Vater bei allen Schicksalsschlägen immer eine große Stütze gewesen. Nun hatte er niemanden mehr, an den er sich klammern konnte, um seine Trauer zu verarbeiten. Er zog sich völlig von der Außenwelt zurück.

In den letzten Jahren seines Lebens malte Rembrandt einige seiner besten Selbstporträts. Schonungslos mit sich selbst, zeigte er genau, welche Spuren das Alter und die Trauer in seinem Gesicht hinterlassen hatten. Am 4. Oktober 1669 starb Rembrandt Harmenszoon van Rijn verarmt in Amsterdam. Er wurde 63 Jahre alt. Heute gilt Rembrandt mit seinen über 300 Gemälden, 300 Radierungen und etwa 1.000 Zeichnungen als wichtigster Maler des 17. Jahrhunderts.

letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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