Doping-Skandal im Radsport

Teil 1 von 2

von Svenja Schumacher - 26.05.2007

Nach dem Geständnis von Ex-Radprofi Bert Dietz geben immer mehr Radprofis zu, mit unerlaubten Methoden ihre Leistung verbessert zu haben. Zunächst gestanden die Radsportler Christian Henn und Udo Bölts, und mehrere Sportmediziner gaben zu, Doping-Methoden unterstützt zu haben. Die Profisportler Erik Zabel und Rolf Aldag legten bei einer Pressekonferenz offen, dass sie leistungsfördernde Mittel genommen haben. Schließlich gab auch der Tour-de-France-Sieger Bjarne Riis zu, EPO genommen zu haben.


Der Radrennsport hat in den letzten Jahren wegen der immer wiederkehrenden Doping-Skandale stark an Ansehen verloren. (Quelle: Wikipedia)

Am 21. Mai gestand Ex-Radprofi Bert Dietz in einer Fernsehsendung, dass er in den 90er Jahren gedopt hat. Damit brach er eine ganze Lawine von Geständnissen los: Nach Dietz gaben auch seine früheren Teamkollegen Christian Henn und Udo Bölts zu, jahrelang das Blutdopingmittel EPO benutzt zu haben. EPO ist die Abkürzung für Erythropoietin, ein Hormon, das die Produktion roter Blutkörperchen anregt. Dadurch kann das Blut besser Sauerstoff aufnehmen, und die Ausdauer des Sportlers verbessert sich.

Auch die Freiburger Sportmediziner Andreas Schmid und Lothar Heinrich gestanden, dass sie Doping-Methoden beim "Team Telekom" unterstützt haben. Sie wurden daraufhin von der Universität Freiburg gefeuert. Zudem trennte sich der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) von seinem Freiburger Verbandsarzt Georg Huber, der ebenfalls in den Doping-Skandal verwickelt ist. Er soll in den achtziger Jahren einige seiner Fahrer im deutschen Amateur-Radsport mit Dopingmitteln versorgt haben.

Immer mehr Radprofis geben zu, gedopt zu haben

Unter Tränen legte der erfolgreichste deutsche Profiradrennfahrer, Erik Zabel, sein Doping-Geständnis ab. (Quelle: Wikipedia)

Auf einer Pressekonferenz legten dann auch Erik Zabel und Rolf Aldag, sportlicher Leiter des Teams T-Mobile, Doping-Geständnisse ab. Sie gaben zu, mit illegalen Mitteln ihre Leistungsfähigkeit verbessert zu haben. Zabel räumte ein, bei der Tour- de-France 1996 eine Woche lang Blutdoping (EPO) ausprobiert zu haben. Danach habe er aber aus Angst um seine Gesundheit darauf verzichtet. Mit Zabel bekannte sich zum ersten Mal ein noch aktiver Radprofi zum Doping. Er steht noch beim deutsch-italienischen Team "Milram" unter Vertrag.

Die beiden entschuldigten sich dafür, die Öffentlichkeit jahrelang belogen zu haben. Zabel legte sein Geständnis unter Tränen ab. Aldag bot an, seine Stelle als sportlicher Leiter aufzugeben. Das lehnte T-Mobile aber ab. Der Telekom-Konzern will den Radsport trotz der Enthüllungen weiter sponsern. Obwohl der Radsport derzeit einen schlechten Ruf hat, will sich das Unternehmen weiter dafür engagieren - allerdings nur unter der Bedingung, dass die Öffentlichkeit weiterhin ehrlich aufgeklärt wird.

Am 25. Mai gab dann auch der Tour-de-France-Sieger Bjarne Riis zu, EPO genommen zu haben. Der Radprofi des früheren Team Telekom hatte 1996 das wichtigste Radrennen der Welt gewonnen. Er gestand, seinen Sieg mit unerlaubten Mitteln erreicht zu haben. Den Titel darf er trotzdem behalten.

Jan Ullrich beharrt auf seine Unschuld und schweigt

Jan Ullrich beteuert seine Unschuld und schweigt nach einer Reihe von Geständnissen seiner ehemaligen Kollegen noch immer.

Deutschlands bekanntester Radprofi, Jan Ullrich, dem schon seit Monaten Doping vorgeworfen wird, beharrt weiterhin auf seiner Unschuld. Auch nach den Geständnissen seiner ehemaligen Kollegen hüllt sich der Sieger von 1997 und fünfmalige Zweitplatzierte der Tour-de-France in Schweigen.

Zur Begründung sagte sein Manager: "Es gibt für Jan keinen Grund, sich öffentlich zu äußern". Und das, obwohl die Beweise gegen Jan Ullrich immer erdrückender werden: Erst vor kurzem sagte der ehemalige Betreuer des Team Telekom, Jef d'Hont, aus, dass auch Ullrich zu den Doping-Konsumenten gehört habe. Zudem wurde bei einem spanischen Dopingarzt eine Blutkonserve sichergestellt, die durch einen DNA-Test dem Deutschen Radprofi zugeordnet werden konnte.

Zabel und Aldag machten bei ihrer Pressekonferenz klar, dass Doping im Radsport zum Alltag gehöre. Kontrollen seien sehr lückenhaft. "Jeder macht es", begründete Aldag sein damaliges Verhalten. Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren und weil der Druck, gute Leistungen zu bringen, so groß sei, würden viele Radsportler unerlaubte Mittel nehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte alle Betroffenen dazu auf, sich zum Doping zu bekennen. "Alle Doping-Sünder haben die Chance, sich ehrlich zu machen und das Schweige-Kartell zu brechen.", so Merkel.

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letzte Aktualisierung: 31.10.2009

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