Milchskandal in China: Geschäft mit dem Tod

Vier Babys sind gestorben, unzählige Kinder erkrankt

von Marlen Schott - 23.09.2008

China ist nach den Olympischen Spielen wieder in den Schlagzeilen. An den Folgen eines "Milchskandals", der immer größere Ausmaße annimmt, sind laut offiziellen Angaben vier Babys gestorben und bereits über 50.000 Kleinkinder erkrankt. Es ist erschreckend, dass Geschäftsleute für ihren Gewinn das Leben von Menschen gefährden und die Regierung wegen ihres Ansehens zunächst versucht, alles zu vertuschen.

Verseuchtes Milchpulver: Vier Babys sind gestorben und bereits über 50.000 Kleinkinder sollen in China erkrankt sein. (Quelle: stock.xchng (ugaldew))

Die aufstrebende Wirtschaftsnation China ist nicht das erste Mal in der Presse aufgrund von Pfusch an dort hergestellten Produkten. Immer wieder kommen Schlagzeilen aus China, die weltweit Panik auslösen. Frostschutzmittel in Zahnpasta, giftige Kinderspielzeuge und noch weitere Hiobsbotschaften haben uns bereits aus China erreicht. Da das Land eine Exportnation ist - das bedeutet, es werden viele Produkte ins Ausland verkauft - ist das Entsetzen weltweit jedes Mal groß.

Geschäft mit dem Tod

Melamin ist eine Chemikalie, die vor allem verwendet wird, um Plastik, Düngemittel und Klebstoff herzustellen. Gefährlich ist sie vor allem für Kleinkinder.

Im neuesten Fall, der als "Milchskandal" für Schlagzeilen sorgt, sind vor allem Babys und Kleinkinder aus China die Betroffenen. Geschäftsleute Chinas haben mit der Chemikalie Melamin einen höheren Proteingehalt ihrer Milchprodukte vorgetäuscht und somit den Tod von vier Babys und Erkrankungen unzähliger Kleinkinder zu verantworten.

Melamin ist eine Chemikalie, die hitzebeständig ist, das bedeutet, auch wenn die Produkte abgekocht werden, bleibt es erhalten. Normalerweise wird der Stoff verwendet, um Klebstoff, Plastik oder Düngemittel herzustellen. Wie aber kommt solch eine Chemikalie in Milchprodukte? Es scheint sich um vorsätzlichen Betrug zu handeln, denn der Stoff wurde bewusst mit in die Lebensmittel gegeben, um sie "gesünder" erscheinen zu lassen.

Der Eiweißgehalt eines Milchprodukts wird anhand des Stickstoffgehalts gemessen. Melamin ist äußerst stickstoffhaltig und dazu günstig. Um die Tests zu manipulieren und das Produkt auf dem Markt als eiweißhaltiger anzupreisen, haben die Verantwortlichen trotz der Nebenwirkungen ihren Produkten den Stoff untergemischt. Auf diese Weise konnte die Milch zur Herstellung von Milchpulver zuvor verdünnt und das Pulver mit dem preisgünstigen und geschmacksneutralen Melamin "gestreckt" werden, um ihm wieder Eiweiß zuzufügen. Auch haltbare Milch und andere Milchprodukte sollen in China mit Melamin verseucht worden sein.

Die Gefahr wurde vertuscht

Hersteller haben Milchpulver für Babys Melamin beigemischt, um den Eiweißgehalt zu erhöhen. Bei regelmäßigem Verzehr bilden sich in Leber und Niere Kristalle, die die Funktion der Organe stören. (Quelle: stock.xchng (amdavis))

Bereits im vergangenen Jahr wurde Tiernahrung aus China vielen Hunden und Katzen in den USA zum Verhängnis. Auch hier wurde die Chemikalie gefunden und war der Grund für das Sterben der Tiere. Bei regelmäßigem Verzehr des Stoffes bilden sich in Leber und Niere kleine Kristalle, die die Funktion der Organe stören. Diese können, wenn sie unbemerkt bleiben, im fortgeschrittenen Stadium zum Tod führen. Babys und Kleinkinder reagieren sehr sensibel und viel schneller als Erwachsene auf dieses Gift. Da viele Kinder Babymilch bekommen, die aus Milchpulver angerührt wird, hat der Skandal riesige Ausmaße angenommen.

Der Regierung war die Tatsache, dass Unternehmen Melamin auch Lebensmitteln für Menschen beimischten, nicht neu - auch wenn sie das nun Glauben machen möchten. Bereits im März traten Fälle in einem Unternehmen auf, bei denen die Chemikalie in Milchprodukten nachgewiesen wurde. Wie so oft wurde dies von den verantwortlichen Regierenden vertuscht und Krankheitsfälle verleugnet. Eine erneute Welle brach noch während der Zeit der Olympischen Spiele los und wurde von der Regierung einfach verschwiegen. Das Gastgeberland wollte wohl sein Image während Olympia nicht beschädigen. Jetzt, da sich die Krankheitsfälle häufen, ist ein Leugnen nicht mehr möglich. Der Ministerpräsident Chinas, Wen Jiabao, muss sich diesem Problem stellen.

Auch in deutschen Produkten Melamin nachgewiesen

Ob auch bei uns Lebensmittel durch Melamin verseucht sind, wird geprüft. Das Bundesinstitut für Verbraucherschutz schätzt die Gefahr jedoch als gering ein.

Schon seit bekannt wurde, dass auch in verschiedenen Produkten der Nestlé-Reihe Melamin nachgewiesen wurde, schien der Skandal nicht mehr so weit entfernt von uns zu sein. Zwar dürfen bereits seit über sechs Jahren keine Milchprodukte aus China in Europa eingeführt werden. Allerdings können auch andere Lebensmittel, die aus China kommen, betroffen sein - und zwar, wenn sie Milchpulver enthalten.

Das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) schätzte die Gefahr für uns zunächst als gering ein. Jedoch sollen Spuren von Melamin nun tatsächlich auch in deutschen Produkten nachgewiesen worden sein: und zwar in Sahnebonbons der Marke "White-Rabbit". Auch andere EU-Länder sind betroffen. In Belgien wurde der giftige Stoff in Keksen, die in Asia-Shops verkauft wurden, nachgewiesen. Nun heißt es, dass auch nach Deutschland Kekse der Marke "Koala" geliefert wurden. Ob diese tatsächlich mit Melamin verseucht und ob noch weitere Nahrungsmittel betroffen sind, wird geprüft.

letzte Aktualisierung: 22.03.2010

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