Franz Liszt - Komponist und Popstar der Romantik

Zum 200. Geburtstag des berühmten Musikers aus Ungarn

von Antje Leser - 09.10.2011

Eine Zigeunerin prophezeite der Bäckerstochter Maria Anna Liszt, dass ihr ungeborener Sohn eine bedeutende Zukunft vor sich habe. Sie sollte recht behalten. Noch heute gilt Franz Liszt als einer der größten Musiker der Romantik. Am 22. Oktober 2011 wäre der ungarische Pianist, Komponist und Dirigent 200 Jahre alt geworden, weshalb man für ihn das Jubiläumsjahr Lisztomania 2011 inszenierte. Doch wer steckt eigentlich hinter der schillernden Persönlichkeit mit dem markanten Gesicht und dem wallenden Haar?

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Der Ungare Franz Liszt (Bild von 1858) war einer der größten Musiker der Romantik und erfolgreichsten Komponisten des 19. Jahrhunderts. (Quelle: Wikimedia Commons)

Geboren in Raiding im Burgenland, das heute zu Österreich und damals zu Ungarn gehörte, erhielt Franz Liszt bereits mit sechs Jahren von seinem Vater Musikunterricht. Früh hatte Adam Liszt das musikalische Talent seines Sohnes erkannt. Er war genau wie Mozart ein Wunderkind und sollte gefördert werden. Mit neun Jahren beeindruckte Franz bei einem Konzert des Grafen Michael Esterházy in Pressburg das Publikum so sehr, dass einige Adlige ihm ein mehrjähriges Stipendium finanzierten (ein Stipendium ist eine finanzielle Unterstützung für begabte Künstler, Schüler, Studenten oder junge Wissenschaftler).

Die Familie zog nach Wien, wo Franz von den Komponisten und Musikpädagogen Carl Czerny und Antonio Salieri unterrichtet wurde. Bei seinem ersten öffentlichen Konzert 1822 beeindruckte er sogar Beethoven. 1823 nahm Adam Liszt seinen Sohn mit auf Konzertreise, um sein Wunderkind in den europäischen Salons und Theatern zu präsentieren. Hätte man Franz damals gefragt, ob ihm die Reise gefalle, hätte er sich sicher über den Stress und das ständige zur Schau stellen beklagt.

Schon in jungen Jahren ein Meisterpianist

Dieses Bild zeigt Franz Liszt um 1853 als Dirigent. (Quelle: Wikimedia Commons)

Große Pläne führten die Familie schließlich nach Paris, wo Franz am Konservatorium studieren sollte. Doch trotz eines Empfehlungsschreibens wurde der junge Meisterpianist nicht aufgenommen, da er kein Franzose war. Er nahm Unterricht bei Fernando Paër und Antonín Reicha und machte sich mit selbst komponierten Musikstücken in privaten Kreisen einen Namen. Mit 13 Jahren gab er in London ein Konzert, das ihm den internationalen Durchbruch brachte.

Von nun an waren die Konzertsäle bei seinen Auftritten stets gefüllt. Adlige Damen rissen sich um seinen Klavierunterricht, sodass er bald ausgebucht war. Er schloss Bekanntschaft mit Frédéric Chopin und anderen Musikern der "Romantik" - sie war im 19. Jahrhundert die vorherrschende musikalische Stilrichtung und zeichnete sich vor allem durch gefühlsbetonte Klänge aus. 1831 besuchte Liszt ein Konzert des berüchtigten Teufelsgeigers Niccolò Paganini, bei dessen Auftritten die Damen reihenweise ohnmächtig geworden sein sollen. Fasziniert von Paganinis Technik, musikalischem Können und Leidenschaft beschloss er, dessen technisches Niveau sowie die beeindruckende Darbietung auf sein Klavierspiel zu übertragen. In seinen "Paganini-Etüden" begeisterte er sein Publikum durch temporeiches Ineinandergreifen und Ablösen der Hände, bei dem er die gesamte Tastatur des Klaviers ausnutzte.

"Lisztomania": Popstar am Klavier

Karikatur von 1842: Liszt galt als Frauenschwarm, und das weibliche Publikum soll bei seinen Auftritten mitunter fast außer Kontrolle geraten sein. (Quelle: Wikimedia Commons)

Etwa zehn Jahre später trat Franz Liszt in Berlin auf und löste mit seinen Klavierabenden (Piano Recital) wahre Begeisterungsstürme unter den Zuhörern aus. Der Dichter Heinrich Heine sprach von einer "Lisztomanie" und zielte damit auf die Reaktion des (weiblichen) Publikums ab, das bei Liszts Auftritten aufgeregt kreischte und nahezu außer Kontrolle geriet. Die Bezeichnung "Lisztomanie" oder "Lisztomania" wird auch noch heute verwendet - gemeint ist die ausgesprochen große Begeisterung für Liszt (darin steckt das griechische Wort "mania", das "Raserei" bedeutet). Mittlerweile wurden in den ausgebuchten Sälen nur noch Stehplätze angeboten.

Franz Liszt bestand bei seinen Konzerten stets auf einen Ersatzflügel, falls der erste durch sein temperamentvolles Gehämmer zu Bruch gehen sollte. Er trug weiße Handschuhe, die er unmittelbar vor dem Auftritt in einer aufreizenden Bewegung von sich schleuderte. Mit seinen Noten verfuhr er ebenso, um sein außergewöhnliches Gedächtnis und sein Talent zur Improvisation (damit ist die unvorbereitete Darstellung "aus dem Stegreif" gemeint) unter Beweis zu stellen. Da ihn seine Fans ständig um eine Haarlocke baten, schaffte er sich angeblich sogar einen Hund an. Diesem soll er bei Bedarf etwas Fell abgeschnitten und seinen gutgläubigen Verehrerinnen überreicht haben.

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Liszt und die Damen

Porträt von Marie D´Agoult: Franz Liszt lernte die Gräfin 1833 kennen - sie arbeitete unter einem Pseudonym als Autorin. (Quelle: Wikimedia Commons)

Franz Liszt war ein Frauenschwarm. Seine zahlreichen Tourneen und Erfolge machten aus ihm einen weltgewandten Charmeur, dem viele Damen zu Füßen lagen. 1833 lernte er die Gräfin Marie D'Agoult kennen, die unter dem Pseudonym Daniel Stern als Schriftstellerin arbeitete (ein Pseudonym ist also ein erfundener Name, hinter dem sich ein Autor "versteckt"). Da sie verheiratet war und die Beziehung zu Franz Liszt in der Pariser Gesellschaft Aufsehen erregte, zogen die beiden in die Schweiz und nach Italien. Dort bekam das Paar drei Kinder.

Tochter Cosima heiratete später nach ihrer Trennung von dem deutschen Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow den Komponisten Richard Wagner, mit dem Liszt eng befreundet war. Nach der Geburt des dritten Kindes trennte Liszt sich von Marie. Er unternahm mehrere Konzertreisen und verliebte sich 1847 in die ebenfalls verheiratete russische Fürstin Carolyne Sayn-Wittgenstein, mit der er einige Jahre in Weimar zusammenlebte.

Hofkapellmeister in Weimar

Franz Liszt gibt ein Konzert für Kaiser Franz Joseph I. (Quelle: Wikimedia Commons)

Mit 37 Jahren begann Liszts Karriere als Dirigent und Hofkapellmeister des Großherzogs Sachsen-Weimar-Eisenach. Zu dieser Zeit galt Weimar als kulturelles Zentrum Deutschlands und zog bekannte Musiker aus aller Welt an. Liszt dirigierte zahlreiche Konzerte zeitgenössischer Musiker, wie Schumann, Berlioz oder Wagner. Neben der Uraufführung seiner beiden Klavierkonzerte 1855 (Konzert in Es-Dur) und 1857 (Konzert in A-Dur) entstand die "Ungarische Rhapsodie", eines seiner größten Werke.

Außerdem engagierte Liszt sich für die Neudeutsche Schule, die sich für zeitgenössische Musik und das Ansehen des Musikerstandes einsetzte. Er entwickelte die Gattung der "Sinfonischen Dichtung" (Programmmusik) - das war eine Weiterentwicklung der klassischen Sinfonie, bei der ein Orchesterstück mit einer Sage, einem Märchen oder einem bestimmten literarischen Thema verknüpft wurde (zum Beispiel "Orpheus", "Faust-Sinfonie" und "Les Préludes"). Unter seiner Regie wurden mehrere Opern von Richard Wagner, seinem zukünftigen Schwiegersohn, uraufgeführt - so wie "Tannhäuser", "Lohengrin" und "Der Fliegende Holländer".

Die letzten Jahre

Foto von Franz Liszt um 1880 (Quelle: Wikimedia Commons)

Ursprünglich um Carolyne zu heiraten, zog Liszt 1861 nach Rom. Doch seine Geliebte erteilte ihm eine Absage, da sie von Liszts zahlreichen Liebeaffären genug hatte. In den folgenden zehn Jahren studierte Liszt Theologie und empfing schließlich die Weihen eines Abbé (so nennt man katholische Weltgeistliche). In dieser Zeit entstanden auch geistliche Werke - so genannte "Oratorien" (zum Beispiel "Die Legende von der Heiligen Elisabeth") - und über 80 Lieder.

1871 wurde Franz Liszt ungarischer Hofrat, 1875 ernannte man ihn zum Präsidenten der ungarischen Musikakademie. Neben seinen zahlreichen Reisen gab er weiterhin Unterricht, dirigierte und komponierte unermüdlich. Er starb am 31. Juli 1886 während der Wagner-Festspiele in Bayreuth an einer Lungenentzündung. Noch heute gilt Franz Liszt als musikalisches Universalgenie, dessen Ideenreichtum und Schöpferkraft als Komponist, Dirigent und Pianist einzigartig ist.

Übrigens gibt es eine Affenart, die den Namen des berühmten Komponisten aufgreift: das Liszt-Äffchen. Ganz sicher war es die ungewöhnliche Frisur der Äffchen, die die Forscher veranlasste, ihnen diesen Namen zu geben.


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