Essen für arme Menschen: Die Münchner Tafel

von Birgit Kinateder - 24.10.2011

Die "Tafel" ist eine Hilfsorganisation, die in Deutschland Nahrung an bedürftige Menschen verteilt. Wir berichten dir von der Münchner Tafel e.V. und beschreiben, wie sie arbeitet, welche Menschen sie unterstützt und wie so ein Tag an der Essensausgabe aussieht.

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Die Münchner Tafel gibt einmal wöchentlich Lebensmittel an bedürftige Menschen aus. (Quelle: Münchner Tafel e.V.)

Freitag 12.15 Uhr, hinter der Kirche von St. Anton in München. 150 Menschen stellen sich in einer Schlange an, mit leeren Trollis oder Taschen bepackt, die Berechtigungsscheine sichtbar umgehängt - "damit alles zügig geht, wenn es dann losgeht." Pünktlich um 13 Uhr beginnt sie dann, die kostenlose Essensausgabe der Münchner Tafel.

Kostenloses Essen mitten in der Stadt? Das mag paradiesisch klingen, ist es aber ganz und gar nicht. Denn die Menschen, die zu dieser Essensausgabe kommen, sind arm. Sie haben nicht genug Geld, um sich jeden Tag eine Mahlzeit kochen zu können. Hier hilft die Münchner Tafel, indem sie an Bedürftige Lebensmittel verteilt - derzeit an etwa 18.000 Menschen in München.

Einmal pro Woche können sie sich an einer der 24 Essensausgabestationen der Stadt kostenlos Lebensmittel abholen. Die Tafel beliefert aber auch Obdachlosenküchen, Aufenthaltsräume für Drogenkranke oder Mutter-und-Kind-Häuser mit kostenlosen Speisen. Auch einige Schulen bekommen Essen gestellt, damit Kinder aus ärmeren Familien, die zu Hause oft kein warmes Mittagessen bekommen, versorgt werden können.

Wen unterstützt die Tafel?

Die Essensausgabe ist gut organisiert, damit alle ausreichend Lebensmittel bekommen. (Quelle: Münchner Tafel e.V.)

An den Ausgabestellen bekommt nicht jeder einfach Lebensmittel, man muss nachweisen, dass man wirklich nicht genug Geld hat. Dann bekommt man einen "Berechtigungsschein", auf dem auch steht, wie viele Personen im Haushalt versorgt werden müssen. Eine vierköpfige Familie bekommt natürlich mehr Essen ausgegeben, als eine alleinstehende Person.

Die Menschen, die auf das Essen der Tafel angewiesen sind, sind häufig alleinerziehende Elternteile, kinderreiche oder ausländische Familien, arbeitslose, suchtkranke oder alte Menschen. Der Weg zur Tafel ist für viele Betroffene schwer, denn es bedeutet, sich einzugestehen, dass man für sich und seine Familie nicht ausreichend sorgen kann.

Wie ist die Tafel organisiert?

Auch Schulen werden von der Tafel mit warmem Essen versorgt. (Quelle: Münchner Tafel e.V.)

Das Motto der Tafel ist "verteilen statt vernichten!" Das heißt, die Tafel sammelt gute, aber nicht verkaufte Lebensmittel von Münchner Geschäften und Herstellern ein, die sonst auf dem Müll landen würden. Oft haben sie nur "Schönheitsfehler" wie zerknickte Packungen, tragen ein falsches Etikett oder wurden einfach zu viel produziert.

Die Tafel ist aber auch auf Geldspenden angewiesen, damit Lebensmittel zugekauft und die Lieferwagen und Organisationskosten bezahlt werden können. Beim Einsammeln der Lebensmittel und an den Verteilstationen packen über 400 ehrenamtliche Helfer mit an. Ehrenamtlich zu arbeiten heißt, dass man sich für etwas einsetzt, für die Tätigkeit aber kein Geld bekommt. Ohne die ehrenamtlichen Helfer könnte die Münchner Tafel nicht bestehen. Peter Poertzel ist einer dieser ehrenamtlichen Helfer. Er ist seit elf Jahren bei der Münchner Tafel und leitet die Station bei der Kirche St. Anton.

Wie sieht ein Tag an der Essensausgabe aus?

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Peter Poertzel leitet eine Station der Münchner Tafel. (Quelle: Birgit Kinateder)

Herr Poertzel erzählt uns, wie ein Tag an seiner Ausgabestation genau abläuft: "Jeden Morgen um 7.30 Uhr fahren unsere Fahrer mit Transportern zu den Sponsoren und sammeln Lebensmittel ein. Unsere Sponsoren sind zum Beispiel Molkereien, Babykosthersteller, Gemüsehändler am Großmarkt, Supermärkte oder Bäckereien. In unserer Zentrale werden die Spenden dann sortiert, auf die Stationen aufgeteilt und zu den Ausgabestellen gefahren. Wir sammeln pro Woche etwa 100 Tonnen Lebensmittel ein - die wiegen ungefähr so viel wie 100 Autos. Da kannst du dir sicherlich vorstellen, wie viel da zu transportieren ist!

Ab neun Uhr richten meine Mithelfer und ich unsere Station hinter der Kirche St. Anton her. Das bedeutet: Tische und Bänke aufbauen, Schirme aufstellen oder auch Schneeräumen. Wir sind nämlich bei jedem Wetter, Sommer wie Winter an unseren Stationen - da muss man schon oft mal die Zähne zusammenbeißen!

Wenn dann die Transporter ankommen, packen wir die Kisten aus und verteilen die Lebensmittel auf die Tische. Um 13 Uhr startet dann die Ausgabe. An unserer Station versorgen wir etwa 400 Gäste. Wir müssen also immer gut rechnen, wie viel wir an jede Person ausgeben - nicht dass es am Ende nicht für alle reicht oder etwas übrig bleibt. Nach der Ausgabe räumen wir dann wieder auf: Die leeren Kisten müssen weggeräumt, die Tische abgebaut werden, und natürlich müssen wir den Bürgersteig wieder "besenrein" hinterlassen."

Kennen Sie die Menschen Ihrer Station?

Die Münchner Tafel sieht Herr Poertzel auch als eine Art Treffpunkt, an dem man sich austauscht. (Quelle: Münchner Tafel e.V.)

"Nachdem ich schon seit einigen Jahren an meiner Station bin, kenne ich viele unserer Gäste persönlich - und sie kennen mich. Wir sind nicht nur eine Essensausgabe, sondern auch eine Art Treffpunkt, an dem man miteinander plaudert und sich austauscht: wir mit unseren Gästen und die Betroffenen untereinander.

Hinter jedem, der zu uns kommt, steckt eine Geschichte, stecken Probleme und Sorgen. Da müssen wir oft mit Ratschlägen aushelfen und Tipps geben, sei es in Sachen Schulden, Gesundheit oder bei anderen Dingen. So manchem unserer Schützlinge können wir einen Weg aus den Problemen zeigen, den Weg gehen muss aber jeder selbst. Ein Mann an unserer Station war zum Beispiel obdachlos. Wir haben ihm dann Tipps gegeben, wie er sein Leben umkrempeln kann. Und er hat es aus eigener Kraft geschafft: Jetzt hat er eine Wohnung und eine Arbeit! Solche Erfolgsgeschichten bereichern natürlich die Arbeit für die Tafel und geben mir das Gefühl, dass ich etwas Sinnvolles tue."

Die Tafel in anderen Orten

Auch in vielen anderen deutschen Städten gibt es Tafeln - wie zum Beispiel in Hamburg. (Quelle: GeorgHH/ Wikimedia Commons)

Arme Menschen gibt es nicht nur in München. Darum gibt es die Tafel mittlerweile in über 870 deutschen Städten - wie zum Beispiel die Berliner Tafel oder die Hamburger Tafel. Momentan sind über eine Million Menschen auf Lebensmittelspenden der Tafeln angewiesen, viele davon sind Kinder und Jugendliche.

Die deutsche Tafel ist nun schon seit 1993 tätig - die erste Tafel wurde damals in Berlin von der Gruppe "Berliner Frauen e.V." gegründet. Daraufhin wurden zuerst in den deutschen Großstädten weitere Tafeln eingerichtet und schließlich sind in immer mehr Städten Tafeln entstanden. Auch in anderen Ländern gibt es ähnliche Einrichtungen, die Nahrungsmittel an arme Menschen verteilen - so gibt es zum Beispiel in Österreich die "Wiener Tafel" und die "Salzburger Tafel", die über Sozialeinrichtungen Lebensmittel an Hilfsbedürftige ausgeben.

Mehr Infos erhältst du unter www.muenchner-tafel.de

Hinweis zum Copyright: Die private Nutzung unserer Webseite und Texte ist kostenlos. Schulen und Lehrkräfte benötigen eine Lizenz. Weitere Informationen zur SCHUL-LIZENZ finden Sie hier.

letzte Aktualisierung: 24.10.2011

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