Lexikon: Fairer Handel / Fairtrade

von Tanja Lindauer und Andreas Fischer

Produzenten von fair gehandeltem Inkareis aus Ecuador (Quelle: Dider Gentilhomme - Fairtrade Labelling Organizations International (CC BY 2.5))

"Fairtrade" oder "Fair trade" ist die englische Bezeichnung für fairen Handel. Wie das Wort schon sagt, soll es beim Handel gerecht zugehen. Vielleicht hast du dich ja schon einmal gefragt, wie zum Beispiel der Preis einer Tafel Schokolode oder von einem Pfund Kaffee zustande kommt und warum es da so große Unterschiede gibt. Sicherlich ist ein Grund die unterschiedliche Qualität der Produkte, doch es gibt noch andere Gründe. Ein sehr wichtiger Grund ist, unter welchen Umständen und Arbeitsbedingungen das Produkt hergestellt wurde.

Bleiben wir bei dem Beispiel mit der Tafel Schokolade. Dafür braucht man Kakao, der hauptsächlich in den Tropen angebaut wird. Die Tropen befinden sich nördlich und südlich des Äquators und sie sind durch ein gleichmäßiges, warmes Klima gekennzeichnet. Neben Kakao werden hier auch beispielweise Kaffee, Tee oder Bananen angebaut. In den Tropen, wie etwa Indonesien oder Mittelamerika, gibt es daher viele Bauern, die diese Produkte kultivieren und verkaufen. Viele dieser Länder sind aber zugleich ärmere "Schwellen-" oder gar "Entwicklungsländer". Das bedeutet, sehr viele dort lebende Menschen befinden sich trotz harter Arbeit in großer Armut, leben in einfachen Verhältnissen oder sind mangelernährt. Ihre Situation wurde und wird in der globalen Wirtschaft leider oftmals ausgenutzt und sie erhalten für ihre Produkte nur sehr wenig Geld. Somit können Käufer aus Europa Schokolade oder Kaffee sehr günstig erwerben. Was aber unsere Geldbörse schont, ist für die Menschen, die diese Produkte anbauen, verheerend. Meist bekommen die dortigen Bauern nur ein Bruchteil von dem, was andere - wie etwa der Supermarkt in Deutschland oder der Händler der Kakaobohnen - an einer Tafel Schokolade verdienen.

Gerade in Ländern wie Deutschland wird sehr viel Schokolade gegessen. Traurig, aber leider wahr: Nur etwa ein Prozent der hier konsumierten Schokolade (das entspricht einer von hundert Schokoladentafeln) ist fair gehandelt, also - für den Käufer ersichtlich - unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt worden. Es ist für die Menschen in ärmeren Ländern, die auf den Plantagen arbeiten, auf denen Kaffee, Kakao, Tee, Bananen, Reis und viele andere Produkte angebaut werden, ein Teufelskreis: In den meisten Fällen bekommen die Bauern noch nicht einmal genug Geld für ihre Arbeit, um ihre Familien von ihrem Lohn ernähren zu können. Das bedeutet meist, dass alle Familiemitglieder hart anpacken müssen und auch die Kinder arbeiten, während die Schule auf der Strecke bleibt. Dennoch lebt die Familie in armen Verhältnissen, die Kinder haben schlechte Zukunftschanchen und es ist kaum möglich, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen. Besonders viel Kakao wird an der Elfenbeinküste angebaut, dort müssen unzählige Kindersklaven auf den Plantagen schuften, die sich bei der schweren körperlichen Arbeit oft schwer verletzen, Rückenleiden haben oder unter Vergiftungserscheinungen durch Pflanzenschutzmittel leiden.

Ein fairer Handel soll dieser schlimmen Entwicklung entgegenwirken - ganz bewusst soll der Käufer einen angemessenen Preis für Kaffee, Kakao oder Bananen zahlen, damit die Arbeiter einen gerechten Lohn erhalten und ihre Familien versorgen können. Das Siegel für fairen Handel soll dabei garantieren, dass die Waren auch wirklich unter gerechten Arbeitsbedingungen hergestellt wurden. Alle Produkte, die fair gehandelt werden, sind auch ohne Kinderarbeit hergestellt worden. Zudem wird auf diesen Plantagen kein Pflanzenschutzmittel verwendet, somit sind die Produkte zugleich gesünder und umweltschonender. Beim fairen Handel spielt der Umweltschutz aber nur zum Teil eine Rolle, das "Hand in Hand-Siegel" vereint hingegen ökologisch angebaute und fair gehandelte Produkte (siehe unten). Außerdem werden von dem Geld, das man für fair gehandelte Produkte zahlt, auch bessere Bedingungen für die dortigen Menschen geschaffen und etwa Schulen oder Brunnen errichtet.

Die GEPA ist der größte Importeur für fair gehandelte Produkte in Europa. Sie wurde 1975 gegründet und steht als Abkürzung für "Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt". Aber wie erkenne ich denn nun, ob die Tafel Schokolade fair gehandelt wurde und wo kann ich sie kaufen? Um die Produkte zu erkennen, wurde das FairTrade-Gütesiegel eingeführt, das garantiert, dass die Menschen, die an der Herstellung beteiligt waren, nicht ausgebeutet wurden. Oftmals gibt es diese Produkte im Bio-Laden oder in Eine-Welt-Läden. Auch im Supermarkt kann man Fair-Trade-Produkte kaufen, die Auswahl ist dort aber kleiner. Am besten schaust du nach einem der Symbole, die das Produkt als Fairtrade kennzeichnen. Hier ist ein Überblick der Siegel für fairen Handel:

(Quelle: TransFair)

Fairtrade: Mit diesem Label sind Waren gekennzeichnet, die unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt wurden.

(Quelle: Flower Label)

Flower Label: Blumen ja, aber bitte nicht auf Kosten anderer: Dieses Label kennzeichnet Blumen, die unter guten Arbeitsbedingungen und umweltfreundlich angebaut, geschnitten und verpackt wurden.

(Quelle: GEPA)

GEPA: Dieses Siegel findet man auf verschiedenen Lebensmitteln, wie zum Beispiel Kaffee, Kakao, Schokolade, Honig, Zucker und Getränken.

(Quelle: Hand in Hand )

Hand in Hand: Dieses Siegel steht für öko-faire Partnerschaft. Es kennzeichnet fair gehandelte Produkte aus Bio-Landwirtschaft. Dazu gehören Lebensmittel wie Kaffee, Kakao, Zucker, Nüsse und Getreide.

(Quelle: Care&Fair )

Care&Fair: Teppiche, die nicht durch ausbeuterische Kinderarbeit, sondern zu fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden, tragen dieses Siegel.

(Quelle: Rugmark Label)

Rugmark: Teppiche und Textilien ohne illegale Kinderarbeit zeichnet seit zehn Jahren das Rugmark-Label aus.

letzte Aktualisierung: 20.07.2014

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