Hart schuften statt lernen: Kinderarbeit

In vielen Ländern arbeiten Kinder unter unerträglichen Bedingungen

von Carola Beck - aktualisiert - 11.06.2014

Statt zur Schule zu gehen, müssen viele Kinder arbeiten. Vor allem in den armen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas schuften Kinder für gar keinen oder einen nur sehr geringen Lohn. Aber auch in Europa arbeiten einige Kinder unter schlechten Bedingungen. Um auf die weltweite Ausbeutung aufmerksam zu machen, ist seit 2002 der 12. Juni internationaler Tag gegen Kinderarbeit. Auch die Menschen in den wohlhabenderen Ländern können ihren Beitrag leisten: Viele Billig-Produkte werden durch harte Arbeit von armen Menschen hergestellt - für einem Hungerlohn. Nicht selten handelt es sich um Kinder. Entscheidend ist, auf Siegel für fairen Handel zu achten.

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Schuften auf Kosten der Gesundheit: Viele Kinder müssen unter Bedingungen arbeiten, die eine gesunde Entwicklung verhindern. (Quelle: Unicef)

Weltweit etwa 215 Millionen Kinder zwi­schen fünf und 14 Jahren müssen als "Kinderarbeiter" hart schuften und Millionen Kinder können keine Schule besuchen. Besonders in Afrika südlich der Sahara, in Asien und im Pazifikraum ist Kinderarbeit weit verbreitet. Die Kinder müssen in der Landwirtschaft, zur Produktion von Gütern in Werkstätten, in Steinbrüchen und Bergwerken, als Dienstmädchen oder Straßenverkäufer sowie im Tourismus hart schuften. Sie werden oft sogar sexuell ausgebeutet und gezwungen, als "Prostituierte" zu arbeiten, also ihren Körper an Erwachsene zu verkaufen und ihnen gegen Geld sexuelle Dienste zu leisten. Der internationale Tag gegen Kinderarbeit macht auf diese schlimme Situation aufmerksam und erinnert uns daran, dass dringend etwas gegen die Missstände unternommen werden muss.

Paco zum Beispiel ist acht Jahre alt und arbeitet jeden Tag in einem Kohlebergwerk in Kolumbien. Gebückt kriecht er durch den Stollen und verpackt ein paar Kohlestücke in die Taschen eines Maultieres. Acht Stunden und mehr verbringt Paco pro Tag in der stickigen Luft ohne Tageslicht - obwohl in Kolumbien per Gesetz Kinderarbeit verboten ist. Aber niemand kümmert sich darum, ob die Regelungen tatsächlich eingehalten werden. Dadurch sparen sich die Grubenbesitzer die Mühe, die Bergwerksstollen so auszubauen, dass auch Erwachsene dort arbeiten können. Außerdem bekommen die Kinder weniger Geld als Erwachsene. Wenn sie sich beschweren, sind sie leichter "mundtot" zu kriegen. Pacos Knochen sind schief gewachsen, sein Körper ist in der Entwicklung zwei Jahre hinterher. Viele Gefahren drohen im Stollen: Erdrutsche, Überflutungen, Explosionen und Gasunglücke bedrohen Leib und Leben der Kinder. Zwar gibt es auch eine Schule, in die Paco gehen könnte. Aber er muss in der Mine arbeiten, um für sich und seine Familie genug zu essen zu haben.

Weltweite Ausbeutung

In manchen Ländern arbeiten Kinder acht bis 14 Stunden am Tag als Teppichknüpfer. Der Lohn reicht nicht mal für die Unterkunft. (Quelle: Unicef)

Wie Paco in Kolumbien, arbeitet Priya mit ihren neun Jahren auf indischen Baumwollfeldern. Neun bis 14 Stunden steht sie bei sengender Hitze im Dunst der stinkenden und giftigen Pflanzenschutzmittel. Kopfschmerzen, Orientierungslosigkeit und Schwächeanfälle sind die Folge.

Als Lohn erhält Priya 18 Rupien pro Tag, das sind 0,42 Euro. Zeit, um in die Schule zu gehen, hat sie nicht. Wie Paco und Priya geht es weltweit über 211 Millionen Kindern. Sie arbeiten als Teppichknüpfer in Nepal, nähen in Pakistan Fußbälle zusammen, pflücken in Brasilien Orangen, schuften im Steinbruch in Indien, lösen mit giftigem Zyanid in Ecuador Gold aus dem Gestein, schälen in Kambodscha Krabben, helfen bei der Ernte in Portugal oder ernten in Simbabwe Tabak.

Viele von ihnen arbeiten in der Landwirtschaft. Kinder in China, Indonesien oder Indien stellen zu niedrigsten Löhnen Spielzeug her, das in unserer Wohlstandsgesellschaft verkauft wird - viele Waren für Kinder wie etwa Barbie-Puppen, Matchbox und Fisher Price sollen mithilfe von harter Kinderarbeit hergestellt worden sein. Würden die Kinder selbst eine einzige Plastikpuppe kaufen wollen, müssten sie zwei Jahre lang arbeiten. Überall sind die Kinder Bedingungen ausgesetzt, die ihrer Gesundheit und ihrer Entwicklung schaden und ihnen einen Schulbesuch unmöglich machen.

Sklaven der Armut

Weil viele Kinder und ihre Familien sehr arm sind, können sie nicht zur Schule gehen und haben keine andere Möglichkeit, als hart zu arbeiten.

Viele Kinder arbeiten faktisch als Sklaven. Manche Familien sind so arm, dass sie ihre Kinder an Fabriken abgeben und dafür Geld bezahlen. Die Familien sehen das als einzigen Ausweg, damit ihre Kinder Essen bekommen. Da sie aber kein Geld haben, müssen die Kinder die "Schulden" zuerst abarbeiten. Das heißt, sie bekommen über Monate gar keinen Lohn. Da sie selbst und ihre Eltern nur schlecht lesen und rechnen können, sind sie nicht in der Lage, wirklich zu überprüfen, wann die Schuld abgearbeitet ist oder was genau im Vertrag steht. Viele Kinder werden eingesperrt, geschlagen und haben kaum Zeit, sich auszuruhen. Jahrelang leben sie so und können nicht fliehen.

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Einige Länder haben sich darauf geeinigt, dass Kinderarbeit verboten ist und Produkte, die mit der Hilfe von Kindern hergestellt worden sind, nicht verkauft werden dürfen. Dazu zählen auch Länder, in denen Kinderarbeit stattfindet. Mangelnde Kontrollen und extreme Armut machen es sehr schwer, die Kinderarbeit zu unterbinden. Mit dem Prozess der Globalisierung arbeiten gerade auch in Ländern, in denen die Wirtschaft boomt - wie zum Beispiel in China - nicht weniger, sondern immer mehr Kinder. Durch harte menschliche Arbeit gegen Billig-Löhne werden hohe Gewinne erzielt - viele der Produkte werden ins Ausland verkauft. Bekleidungs- und Spielwarenhersteller bekennen sich zwar offiziell zu einer gerechten Herstellung ihrer Produkte. Aber es gibt viele Lücken. Auch bei uns wird immer wieder bekannt, dass bestimmte Discounter und Kleider-Geschäfte Produkte aus Kinderarbeit verkaufen.

Arbeit ist nicht gleich Arbeit

Hilfe in Sicht: Hilfsorganisationen, aber auch manche Hersteller, setzen sich für bessere Arbeitsbedingungen und fairen Handel ein. (Quelle: Child-care-Afrika)

Kinderarbeit einfach zu verbieten, davor warnen auch Hilfsorganisationen, die die Lage der Kinder verbessern wollen. Das Einkommen der Kinder ist für viele arme Menschen nämlich leider lebensnotwendig. Sie wollen aber helfen, Kinder aus den unwürdigen Arbeitsbedingungen herauszuholen. Auf einer Kamillenplantage in Ägypten können Kinder zum Beispiel arbeiten und zur Schule gehen. In den ländlichen Gegenden Ägyptens ist Kinderarbeit an der Tagesordnung.

Die Sekem-Farm dort lässt aber nur Kinder bei sich arbeiten, deren Eltern sie auch in die Schule schicken. Denn oftmals ist das Problem, dass viele Eltern in den armen Regionen wenig Wert auf die Bildung ihrer Kinder legen. Sie wollen lieber, dass diese früh Geld verdienen und kümmern sich nicht um einen Schulbesuch. Die brasilianische Regierung zahlt Eltern, die ihre Kinder in die Schule schicken, ein Unterhaltsgeld. Das ist an strenge Auflagen geknüpft, eben daran, dass ihre Kinder regelmäßig in die Schule gehen und die Eltern Bildungsveranstaltungen besuchen. Auch für Paco besteht Hoffnung. In Kolumbien gibt es ein Hilfsprojekt, das ehemalige Grubenkinder aufnimmt und ihnen einen Schulbesuch ermöglicht.

Keine Unterstützung von Kinderarbeit: Wir entscheiden mit

Entscheidung im Supermarkt: In fast jedem Geschäft gibt es Produkte mit einem Siegel für fairen Handel (siehe unten). Es gibt auch spezielle Läden, die nur fair gehandelte Produkte anbieten. Sie sind etwas teurer, aber dafür unter gerechten Arbeitsbedingungen hergestellt. (Quelle: Ralf Roletschek (User:Marcela)/ Wikipedia)

Auch du kannst beim Einkaufen mitentscheiden, ob Waren, mit denen skrupellose Hersteller auf Kosten von Kindern viel Geld verdienen, bei uns verkauft werden. Leider handeln viele Menschen wohlhabender Industrieländer wie Deutschland hier nach der Devise "Geiz ist geil" und wollen besonders bei Nahrung so wenig Geld wie möglich ausgeben. Nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Kleidung und vielen Alltags- und Gebrauchsgegenständen wird oft gespart und auf Billig-Artikel zurückgegriffen.

Will man Ausbeutung, schlechte Löhne und harte Kinderarbeit nicht unterstützen, sollte man auf das Fair-Trade-Siegel achten. Produkte, die mit diesem Siegel gekennzeichnet sind, wurden unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt. So können schon die Eltern ein Einkommen erzielen, das ihnen erlaubt, ihre Kinder in die Schule statt zur Arbeit zu schicken. In Dorfgemeinschaften können dann auch mehr Schulen und Gesundheitsstationen gebaut werden. Ebenso ein Siegel der Gepa zeichnet fair gehandelte Produkte aus. Das Hand-in-Hand-Siegel kennzeichnet Lebensmittel, die fair gehandelt und biologisch angebaut wurden.

Teppiche, die ohne verbotene Kinderarbeit hergestellt wurden, erhalten das Rugmark- oder das Care&Fair-Siegel. Blumen aus menschen- und umweltfreundlichem Anbau tragen das Siegel des Flower-Label-Programms. Für Kleidung gibt es leider kein einheitliches und verbindliches Siegel, das eine faire Herstellung kennzeichnet. Vor allem billige Klamotten, aber manchmal eben auch teure Marken-Sachen, können unter sehr schlechten Bedingungen und mithilfe von Kinderarbeit angefertigt worden sein. Es gibt aber immer mehr Angebote von fair und umweltfreundlich hergestellter Kleidung - unter ihnen finden sich verschiedene Firmen und Internetseiten wie zum Beispiel "Fairtragen.de" oder "Gluecksstoff.de". In unserem Artikel "Wo kommt unsere Kleidung her?" findest du weitere Informationen dazu.

(Quelle: TransFair)

Fairtrade: Mit diesem Label sind Waren gekennzeichnet, die unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt wurden.

(Quelle: Flower Label)

Flower Label: Blumen ja, aber bitte nicht auf Kosten anderer: Dieses Label kennzeichnet Blumen, die unter guten Arbeitsbedingungen und umweltfreundlich angebaut, geschnitten und verpackt wurden.

(Quelle: GEPA)

GEPA: Dieses Siegel findet man auf verschiedenen Lebensmitteln, wie zum Beispiel Kaffee, Kakao, Schokolade, Honig, Zucker und Getränken.

(Quelle: Hand in Hand )

Hand in Hand: Dieses Siegel steht für öko-faire Partnerschaft. Es kennzeichnet fair gehandelte Produkte aus Bio-Landwirtschaft. Dazu gehören Lebensmittel wie Kaffee, Kakao, Zucker, Nüsse und Getreide.

(Quelle: Care&Fair )

Care&Fair: Teppiche, die nicht durch ausbeuterische Kinderarbeit, sondern zu fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden, tragen dieses Siegel.

(Quelle: Rugmark Label)

Rugmark: Teppiche und Textilien ohne illegale Kinderarbeit zeichnet seit zehn Jahren das Rugmark-Label aus.


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