Sherlock Holmes - Der weltberühmte Meisterdetektiv

Vor 125 Jahren löste Sherlock Holmes seinen ersten Fall

von Tanja Lindauer - 02.12.2012

Fast jeder kennt den weltberühmten Detektiv aus London: Mit Schirmmütze, Umhang, Pfeife und seinem treuen Gehilfen Dr. Watson deckt er ebenso spannende wie knifflige Verbrechen auf und fesselt die Leser und Zuschauer. Vor 125 Jahren, im Dezember 1887, löste die Krimifigur ihren ersten Fall. Holmes ist ein Meisterdetektiv, und zwar der erfolgreichste seiner Zunft. Seit jeher ist er Vorbild für zahlreiche Detektivfiguren und sein Erfinder, der britische Autor und Mediziner Arthur Conan Doyle, erlangte dank ihm Weltruhm und Reichtum.

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Dank seines äußerst scharfen Verstandes und seinem treuen Freund Dr. Watson kann Sherlock Holmes knifflige Kriminalfälle aufklären. Manchmal verstößt er dafür sogar gegen Gesetze. (Quelle: Sidney Paget, Wikipedia)

Erfinder des Meisterdetektivs war der britische Schriftsteller Arthur Conan Doyle (1859-1930), der eigentlich von Beruf Mediziner war. Doch in seiner Freizeit widmete er sich gerne der Literatur und dem Verfassen von eigenen Geschichten. So kam es, dass Doyle 1886 eines Tages die Erzählung eines Detektivs niederschrieb. In der Geschichte "Eine Studie in Scharlachrot" ermittelt ein Detektiv namens Sherrinford Holmes gemeinsam mit seinem Freund Ormond Sacker. Aus diesen Figuren sollten sich dann später Sherlock Holmes und Dr. John Watson entwickeln. Und bereits in dieser Geschichte fasziniert der Detektiv seine Leser mit seinem scharfen Verstand und seinen damals bahnbrechenden Methoden zur Ermittlung, die zu einem seiner Markenzeichen wurden.

So beschäftigt sich Sherlock Holmes in seinem ersten Kriminalfall mit einem Mord, den er unter anderem mit Untersuchungen in seinem Chemielabor lösen kann. Was heute als selbstverständlich gilt, war damals äußerst fortschrittlich. Die "Forensik" - das ist die Wissenschaft, die dazu dient, Kriminalfälle zu lösen - war damals längst nicht so weit fortgeschritten wie heute. Und Fälle mithilfe von beispielsweise chemischen und biologischen Forschungen zu lösen, galt im 19. Jahrhundert noch als völlig neuartig. Arthur Conan Doyle wollte mit seiner Detektivfigur eine ganz neue Richtung einschlagen. Ein Mensch sollte durch genaue Beobachtung, wissenschaftliche Methoden und mittels seines scharfen Verstandes zur Lösung eines Kriminalfalls kommen. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden und auch die scheinbar rätselhaftesten und übernatürlichsten Vorgänge sollten genau zurückverfolgt werden können und erklärbar sein.

Der Schriftsteller sagte einmal: "In meiner Freizeit las ich Detektivgeschichten. Mich störte sehr, wie altmodisch sie geschrieben waren. Der Detektiv kam scheinbar immer zu einer Lösung. Entweder durch Zufall oder es wurde überhaupt nicht erwähnt, wie. Das stimmte mich nachdenklich. Ich fand, man will eine Erklärung, wie er zu seinen Schlussfolgerungen kommt. So hatte ich die Idee, wissenschaftliche Methoden in die Detektivarbeit mit einzubeziehen."

Arthur Conan Doyle: Arzt und Erfinder von Sherlock Holmes

Arthur Conan Doyle ist der Erfinder des schlauen und berühmten Detektivs Sherlock Holmes. (Quelle: Arnold Genthe/ http://www.sru.edu)

Der schreibende Mediziner wurde dabei von dem US-amerikanischen Großmeister der Horror- und Krimigeschichten, Edgar Allan Poe, beeinflusst, der auch schon in "Der Doppelmord in der Rue Morgue" oder in "Der entwendete Brief" einen klugen Detektiv namens Dupin beschrieben hat. Die Ähnlichkeiten zwischen Dupin und Holmes hat Doyle dabei nie verleugnet. Aber auch ein Professor namens Joseph Bell, den Doyle von der Universität kannte, stand seiner Detektivfigur Pate.

Ein Verleger interessierte sich sehr für die erste Holmes-Geschichte und bot Doyle dafür umgerechnet etwa 150 Euro an. Das war damals sehr viel Geld und so erschien im Dezember 1887 in einem Weihnachtsalmanach die erste Sherlock-Holmes-Erzählung, in welcher Doyle die Figuren schon umbenannt hatte. Der Schriftsteller freute sich zwar über seinen kleinen Erfolg, verschwendete aber weiter keine großen Gedanken an seinen Detektiv. Zwei Jahre später wurde der Mediziner dann von einem US-amerikanischen Verleger namens John Marshall Stoddart angesprochen, der die Geschichte des Detektivs gelesen hatte und sehr begeistert war. Er wollte, dass Doyle weitere Geschichten über Holmes schreiben sollte.

Ein Verlagsvertreter traf sich daher mit Arthur Conan Doyle zum Essen, bei dem auch ein anderer Schriftsteller anwesend war - und zwar kein geringerer als der Ire Oscar Wilde, der kurze Zeit später sehr berühmt werden sollte. Beide Schriftsteller stimmten dem Vertrag des Verlegers zu und Doyle schrieb den zweiten Fall des Sherlock Holmes, "Das Zeichen der Vier". Zunächst aber blieb das Interesse an Holmes aus, erst die Kurzgeschichte namens "Ein Skandal in Böhmen" in der Zeitschrift "The Strand Magazine" sorgte dafür, dass man auf Doyle und seine Krimierzählungen aufmerksam wurde. Insgesamt wurden vier lange Geschichten um den Meisterdetektiv verfasst, doch das Publikum liebte besonders die kurzen Geschichten, von denen es 56 gab, die in verschiedenen Magazinen als Fortsetzungen erschienen.

Tod und Auferstehung des Helden

Mit diesen Gegenständen aus dem Londoner Holmes-Museum verbindet man den berühmtesten Detektiv der Literaturgeschichte: Pfeife, Hut und Lupe gehören zu seiner Grundausstattung. (Quelle: Alterego, Wikimedia Commons)

Doyles Detektivgeschichten wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt und beeinflussten viele Autoren. Doch obwohl der Schriftsteller damit Berühmtheit erlangte, verfasste er die Kriminalgeschichten immer widerwilliger. Sechs Jahre nach seinem ersten Holmes-Fall war er der Figur überdrüssig, aber die Verleger und die vielen Fans saßen ihm im Nacken. Der Schriftsteller hätte gerne historische Romane geschrieben, doch dafür blieb ihm keine Zeit mehr. Daher beschloss Doyle, sich seiner Detektivfigur zu entledigen: In "Der letzte Fall" (1893) stirbt Holmes, als er in der Schweiz bei einem Kampf mit seinem Widersacher Professor Moriarty in die Tiefen eines Wasserfalls stürzt. Doyle dachte, dass Sherlock Holmes so endgültig von der Bildfläche verschwunden sei. Allerdings hatte er sich da getäuscht.

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Als die Leser den letzten Fall des Meisterdetektivs lasen, waren sie entsetzt. Wie konnte Arthur Conan Doyle seinen Helden einfach sterben lassen! Der Schriftsteller erhielt etliche Protestbriefe mit wüsten Beschimpfungen. Damit hatte er nicht gerechnet. Aber nicht nur das: In vielen Städten trugen die Menschen zum Zeichen der Trauer nun eine schwarze Binde am Arm und einige weinten sogar bittere Tränen. Dem Schriftsteller blieb beinahe nichts anderes übrig, als seinen Helden wieder auferstehen zu lassen. Die hohe Geldsumme, die er vom Verlag erhielt, hatte sicherlich den entscheidenden Anstoß geliefert, die Krimireihe fortzusetzen.

Nun musste der Schriftsteller erst recht seine Fantasie spielen lassen, denn der todgeglaubte Sherlock Holmes konnte den Sturz also doch überleben. In "Das leere Haus" erzählt Holmes, wie er dem eigentlich sicheren Tod entgehen konnte: Dank einer japanischen Kampfsportart war es ihm möglich, sich aus Moriartys Griff in letzter Sekunde zu befreien und an den Klippen hochzuklettern. So hatte Doyle eine erklärbare Möglichkeit gefunden, Sherlock von den Toten auferstehen zu lassen. 1902 wurde die Gruselerzählung "Der Hund von Baskerville" veröffentlicht, welche der berühmteste aller Holmes-Fälle werden sollte. 1927 erschien dann der letzte Sammelband "Das Buch der Fälle" mit Holmes' Geschichten.

Worum geht es bei den Krimigeschichten?

Professor Moriarty war lange Zeit Holmes' Widersacher, der ihm von Verstand ebenbürtig war. Der Detektiv nannte ihn "Napoleon des Verbrechens". Als der Bösewicht bei einem Kampf mit Holmes die Reichenbachfälle in der Schweiz hinunterstürzt, kam er ums Leben. (Quelle: Sidney Paget, The Strand Magazine)

Viele Krimigeschichten um Sherlock Holmes und Dr. Watson beginnen damit, dass jemand wegen eines mysteriösen Falls Rat bei den Detektiven sucht, denn ihre Aufklärungsrate und ihr guter Ruf eilen ihnen voraus. Auch die Londoner Polizei und Scotland Yard bitten nicht selten um ihre Hilfe. Aber ein waschechter Detektiv braucht natürlich keinen Auftrag, um ein Verbrechen aufzuklären. So kommt es auch vor, dass Sherlock Holmes sich einfach von selbst aufmacht, um einen Fall zu lösen, von dem er zum Beispiel durch die Zeitungen erfahren hat. Dann mischt er sich ungefragt in die Polizeiarbeit ein und liegt am Ende natürlich mit seinem Verdacht richtig. Die spannenden Geschichten werden meist von dem treuen Dr. Watson erzählt - in nur vier Erzählungen berichtet Holmes aus seiner Perspektive von den Geschehnissen.

Die Fälle, die Sherlock Holmes und sein Gefährte lösen, umfassen ganz unterschiedliche Themen: Diebstähle, Morde, verschwundene Personen und viele weiteren spannenden Vorfälle. Doch eines haben sie alle gemein: Nur ein außerordentlich scharfer Verstand, wie Sherlock Holmes ihn besitzt, kann derart verzwickte Fälle auflösen. Auch wenn der Detektiv als sehr schlau beschrieben wird, so hat er durchaus eine dunkle Seite. In manchen Erzählungen berichtet Watson, dass Holmes aus reiner Langeweile Drogen, nämlich Kokain und Morphium, nehmen würde. Im 19. Jahrhundert hielt man es mit diesen gefährlichen Rauschmitteln allerdings noch etwas anders: Morphine konnten damals in einer Apotheke erworben werden und Kokain zählte noch nicht zu den eigentlichen Drogen.

Dr. Watson billigt in den Geschichten dieses Verhalten von Holmes keineswegs und wirft dem Meisterkopf immer wieder vor, wie schädlich diese Stoffe seien. Als man im Laufe der Zeit immer mehr über diese Drogen herausfand, reagierte der Schöpfer der Figuren und Holmes griff von nun an nicht mehr zu den in Verruf geratenen Rauschmitteln. Nur das Laster des Rauchens behält das Superhirn weiterhin bei. Daneben hat der Meisterdetektiv ein ganz eigenes Moralempfinden und lässt manchmal sogar den Täter entkommen, wenn er etwa der Meinung ist, dass dieser im Leben schon genug bestraft sei. Holmes begeht selbst ab und zu kleinere Straftaten: Ist er zum Beispiel überzeugt, dass ein Einbruch ihm zur Wahrheit führen könnte, macht er ihn einfach, ganz zum Leidwesen von Dr. Watson.

Gab es Sherlock Holmes wirklich?

Die Romanfigur Sherlock Holmes wohnt in der Londoner Baker Street 221b. Als Doyle die Geschichten um den Detektiv niederschrieb, gab es diese Adresse noch nicht. Erst später wurde sie zu Ehren der Figur eingerichtet und heute befindet sich dort ein Sherlock-Holmes-Museum. (Quelle: Jordan 1972, Wikimedia Commons)

Viele Menschen, die mit Holmes und seinen Erlebnissen mitfieberten, trauerten nach dessen Tod um ihn, als hätte es die literarische Figur wirklich gegeben. Könnte es sein, dass Doyle die Geschichten eines Menschen erzählt hat, der wirklich gelebt hat? Dafür sprechen würde, dass Watson scheinbar aus seinen Erinnerungen schildert und dass die Anschrift Holmes' - die Baker Street 221b - in London wirklich existiert. Doch wohnte der Detektiv nur in den Romanen hier, einen Meisterdetektiv namens Sherlock Holmes gab es dort in der Realität nicht. Zu Lebzeiten des Schriftstellers existierte nicht einmal diese Hausnummer, denn damals endeten die Nummern in der Baker Street bei der Zahl 100. Mit steigender Berühmtheit des Detektivs beschloss man aber, eine solche Hausnummer in der Straße einzurichten.

Seit 1990 findet man unter der Adresse ein Holmes-Museum, das die Wohnung des Detektivs genauso zeigt, wie der Schriftsteller sie in seinen etlichen Geschichten beschrieben hat. Das Wohnzimmer ist mit zahlreichen Details ausgestattet, viele stammen von den Reisen des Detektivs, und auch das Zimmer von Dr. Watson kann man in dem Museum bestaunen. Denn eine Zeitlang wohnten beide unter einem Dach, bis die Figur des Watson heiratete und auszog. Noch heute hat Sherlock Holmes zahlreiche Fans - und etliche Briefe erreichen die Adresse, in denen Holmes-Anhänger ihre Bewunderung für den Detektiv bekunden. Die Figur Sherlock Holmes gab es also immer nur in der Literatur, aber dort lebt sie ewig weiter. Denn nicht nur lesen immer noch viele Menschen die spannenden Geschichten, sondern auch viele Autoren und später Regisseure ließen sich von Holmes inspirieren. Und seit 1980 darf man nun auch wieder den Namen Sherlock Holmes verwenden, der bis dahin urheberrechtlich geschützt war.

Co-Autorin: Britta Pawlak
letzte Aktualisierung: 06.12.2012

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