Lexikon: Spekulation (Wirtschaft)

von Lars Borgschulze

Menschenmassen vor der New Yorker Börse an der Wall Street kurz nach dem Börsenkrach von 1929 (Quelle: Wikimedia Commons)

Bei "Spekulation" im Allgemeinen handelt es sich um die Erwartung, dass jemand durch eine Entscheidung in der Gegenwart einen Vorteil in der Zukunft haben wird. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen ab, wo das Verb "speculare" spähen oder beobachten bedeutet. Damit ist auch bereits die Grundvoraussetzung für eine Spekulation beschrieben: Will man eine Spekulation durchführen, so muss man zunächst den Markt oder das Gebiet, auf dem man spekuliert, genau beobachten und abschätzen. Meist bezieht sich der Begriff auf die Wirtschaft, in der er häufig in Verbindung mit der "Börse" oder "Finanzmärkten" genannt wird. In der Marktwirtschaft hofft man beispielsweise, durch Veränderung eines Preises einen höheren finanziellen Gewinn zu erzielen - es ist also eine Art "Finanz-Wette".

Spekulationen versuchen, die Unterschiede in Preisen von Aktien oder sonstigen Waren - sogar Nahrungsmitteln - zwischen zwei unterschiedlichen Zeitpunkten zu nutzen, um dann einen finanziellen Vorteil herauszuschlagen. Aktien sind übrigens Wertpapiere - wer bestimmte Aktien kauft, erwirbt damit Anteile an der jeweiligen Firma und wird auch am Gewinn beteiligt. Gewinne erzielt man natürlich nur, wenn der Verkaufspreis höher als der Kaufpreis eines Marktgegenstandes liegt, das heißt, dass man etwas teurer verkaufen muss, als man es vorher eingekauft hat. Stelle dir vor, du würdest zum Beispiel ein Fahrrad kaufen und einem Bekannten für mehr Geld, als du selbst bezahlt hast, wieder verkaufen. Somit hättest du einen Gewinn gemacht - ob dies deinem Käufer gegenüber fair wäre, ist natürlich eine andere Frage. Allerdings spielt bei der Spekulation stets eine Unsicherheit mit, ob die "Wette" funktioniert und die erwarteten Preisveränderungen, die schließlich am Ende für Gewinne sorgen sollen, wirklich eintreten.

Menschen, die in der Wirtschaft Spekulationen durchführen, nennt man auch "Spekulanten". Die Auswirkungen von Wirtschaftsspekulationen sind vielseitig: Da sie ja im besten Fall die zukünftigen, preislichen Entwicklungen voraussagen, können sie den Markt regeln und das Risiko von Fehleinschätzungen der Geldanlagen (man spricht von "Investitionen") senken. Gehen die Spekulationen allerdings schief, dann können sie den Markt gehörig durcheinander bringen und im schlimmsten Fall der Auslöser für einen Zusammenbruch ("Börsencrash") sein. Dies kann schlimme Folgen für die Wirtschaft und die Menschen in einem Land oder sogar weltweit haben und etwa zu Geldentwertung, Wirtschaftskrisen und Armut führen.

Ein Beispiel für Spekulationen, die zu einem Zusammenbruch des weltweiten Handels führten, fand bereits im 17. Jahrhundert statt: In den Niederlanden begannen in den 1630er Jahren die Menschen zu erkennen, dass der Markt für Tulpenzwiebeln sehr groß war. Die Blume war noch nicht so verbreitet wie heute und zu Beginn konnten hohe Preise mit dem Verkauf von Tulpen erzielt werden. Dann begannen einige Leute zu spekulieren, weil sie auf das große Geld aus waren: Sie dachten sich, dass sie Tulpenzwiebeln einkaufen, anpflanzen und später als Blumen zu hohen Preisen verkaufen könnten. Jedermann begann also in Blumenzwiebeln zu investieren, so dass deren Preis immer höher stieg. Zeitgenossen berichteten, dass der Preis einer einzigen Zwiebel im Jahre 1636 so hoch war, dass man sich stattdessen auch einen Pferdewagen samt Geschirr und zwei Pferden hätte kaufen können. Dennoch stiegen noch immer mehr Menschen in die Spekulation ein. Die Preise stiegen weiterhin, doch die Menschen fingen an, kein Geld mehr für die Blumen ausgeben zu wollen. Dies versetzte die Spekulanten in Panik und alle versuchten auf einmal, ihre Zwiebeln so schnell wie möglich zu verkaufen. Diese so genannte "Spekulationblase" begann zu platzen und der Warenhandel der damaligen Zeit fiel in eine Krise.

Auch der Börsencrash von 1929 hatte einen ähnlichen Ursprung. Am Aktienmarkt an der Wall Street in New York begannen in den 1920er Jahren immer mehr Firmen und Privatpersonen, Geld in Aktien anzulegen. Teilweise nahmen sie dafür hohe Kredite auf. Das bedeutet, man leiht sich Geld, das man dann in kleineren Summen wieder zurückzahlt, dafür fallen aber auch "Zinsen" an - man muss also als Gegenleistung mehr Geld zurückzahlen, als man sich geliehen hat. Die Spekulanten hofften, durch spätere Gewinne ihren Kredit wieder zurückzahlen zu können. Doch irgendwann hörten die Aktienkurse an der Wall Street auf zu steigen. Die Aktienhändler verfielen in Panik und verkauften ihre Wertpapier zu sehr niedrigen Preisen, aus Angst, die Aktien könnten später noch weniger wert sein. Dieses Ereignis, das am 24. Oktober 1929 stattfand, sollte als "Black Thursday", also "Schwarzer Donnerstag", in die Geschichte eingehen.

Wie diese Beispiele belegen, haben Spekulanten, die im Welthandel tätig sind, eine große Verantwortung und es gibt viele "Börsenzocker", die mit ihren Spekulationen eine Menge Unheil anrichten können. Mit ihren Handelstätigkeiten und ihrer Hoffnung auf den größtmöglichen Gewinn haben sie großen Einfluss - nicht nur auf den Gewinn ihrer Firma, sondern oft sogar auf die Wirtschaft der ganzen Welt. Besonders deutlich wird das am Beispiel der Nahrungsmittelspekulationen - an der Börse wird also auch mit dem Wert landwirtschaftlicher Rohstoffe wie Mais oder Weizen spekuliert, was zur Folge hat, dass die Preise für viele Grundnahrungsmittel stark schwanken oder weiter gestiegen sind. Dies hat besonders für die Menschen in den armen Ländern schlimme Folgen und vergrößert das Welthunger-Problem. Einige fordern deshalb das Verbot von "Geschäften mit dem Hunger", also Spekulationen mit Nahrungsmittelpreisen.

letzte Aktualisierung: 21.07.2014

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