Erste/ Zweite/ Dritte/ Vierte Welt

von Matthias Wetzel

Immer wieder hören wir, dass von Staaten aus der Dritten Welt gesprochen wird. Was aber bedeutet das genau und wenn von einer Dritten Welt gesprochen wird, gibt es auch eine Erste, Zweite oder gar Vierte Welt? Warum sind die Begriffe umstritten und weshalb treten immer mehr Menschen dafür ein, die Einteilung abzuschaffen und von der "Einen Welt" zu sprechen?

Der Begriff "Dritte Welt" geht auf die Zeit des Kalten Krieges in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zurück. Damals bezeichneten die USA und ihre Verbündeten in Westeuropa die sogenannten Blockfreien Staaten als Dritte Welt. Der kapitalistische Westen sah sich selbst als Erste Welt und die sozialistischen Staaten des Ostblocks als Zweite Welt an. Diese Einordnung war aber schon damals nicht korrekt, da zum Teil völlig unterschiedliche Staaten in einen Topf geworfen wurden. In erster Linie war die Bezeichnung politisch. Mit der Wirtschaftskraft oder dem allgemeinen Lebensstandard hatte sie nichts zu tun. Die Ostblockstaaten akzeptierten diese willkürliche Einteilung in "drei Welten" ohnehin nicht, da sie sich dem Westen gegenüber gleichwertig wenn nicht sogar überlegen fühlten.

Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Länder mit der Sowjetunion an der Spitze am Ende der 1980er Jahre gab es plötzlich nur noch die "Erste" und die "Dritte Welt". In den darauffolgenden Jahren wurde der Begriff Dritte Welt immer mehr mit den "armen Ländern" gleichgesetzt und begegnet uns heute meist im Zusammenhang mit Hungerkatastrophen oder Bürgerkriegen. Zwar gibt es noch immer blockfreie Staaten, das heißt Länder, die nicht zu den Verbündeten des Westens mit den USA an der Spitze gehören. Doch dieses Merkmal ist in der Gegenwart nicht mehr das Entscheidende. "Dritte Welt" werden heute meist "Entwicklungsländer" oder auch so genannte "Schwellenländer" genannt. Etwa zwei Drittel der gesamten Weltbevölkerung leben heute in der so genannten Dritten Welt.

Der Begriff ist seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion jedoch stark umstritten und in der Entwicklungspolitik gibt es viele Vertreter, die für die Abschaffung der Einteilung sind und sich statt dessen für den Begriff "Eine Welt" aussprechen, der die Gemeinsamkeiten hervorhebt und sich für ein neues Verständnis der Entwicklungszusammenarbeit einsetzt.

Da zu den "Drittweltstaaten" sowohl bettelarme Länder als auch Diktaturen oder aufstrebende Schwellenländer wie China oder Brasilien gehören, wurde in den letzten Jahren trotz Kritik sogar der Begriff der "Vierten Welt" eingeführt. Damit sollen die Länder der bisherigen "Dritten Welt", also der armen "Entwicklungsländer", nochmals unterteilt werden. Das soll heißen, dass die Länder der "Vierten Welt" zu den ärmsten des Planeten gehören, wohingegen die "Dritte Welt" die Staaten umfassen soll, die auf dem Sprung nach vorn sind. Staaten der so genannten "Vierten Welt" sind wirtschaftlich extrem schwach und auf Hilfe angewiesen. In diesen Ländern soll mit Entwicklungshilfeprojekten oder dem Erlass von Schulden den Menschen geholfen werden, selbst für sich zu sorgen. Die meisten Staaten der "Vierten Welt" befinden sich in Afrika. Aber auch asiatische Länder wie Afghanistan, Bangladesch oder Laos sind unter den ärmsten Ländern, in denen zu allem Übel oft auch noch Bürgerkriege wüten.

Durch die Entwicklung in den letzten Jahren hat sich eine neue Staatengruppe herausgebildet. Sie gehört zwar nicht zur G8-Gruppe, also der Gruppe der 8 stärksten Industriestaaten der Welt. Einige ihrer Mitglieder waren vor ein paar Jahren noch "Entwicklungsländer", haben jedoch inzwischen eine größere Wirtschaftskraft als einzelne G8-Staaten. Diese Gruppe nennt sich "BRICS-Staaten". Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Mitgliedsländer zusammen: Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Diese Staaten sind die wirtschaftlich stärksten Schwellenländer.

Die BRICS-Staaten stellen fast drei Viertel der Weltbevölkerung. In den fünf Ländern werden etwa 20 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung erbracht. Sie sind in den letzten Jahren immer stärker geworden und haben mittlerweile eine solche Wirtschaftskraft, dass sie viele Milliarden Euro bereitstellen konnten, um Euro-Länder mit Krediten zu unterstützen. Für diese Hilfe wollen sie aber auch mehr Entscheidungsbefugnisse in internationalen Organisationen wie zum Beispiel dem Internationalen Währungsfonds. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass diese ehemaligen "Entwicklungsländer" schon in ein paar Jahren die einst reichen westlichen Industrienationen überholen könnten.

letzte Aktualisierung: 20.09.2017

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