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Neue PISA-Studie: Was sagen uns die Ergebnisse?

15-jährige Schüler aus 72 Ländern wurden im Vergleich getestet

06.12.2016

Die Ergebnisse der neuen PISA-Studie liegen vor und erstmals seit 2006 waren die Naturwissenschaften Schwerpunkt der Studie. Etwa 540.000 Schüler im Alter von 15 Jahren aus 72 Ländern und Regionen nahmen an dem PISA-Test teil. Singapur schnitt am besten ab, gefolgt von Japan, Estland, Finnland und Kanada. Deutschland liegt mit Rang 16 im oberen Mittelfeld. Politiker zeigen sich zufrieden über das Abschneiden der deutschen Schüler. Auch aus der neuen Studie geht allerdings hervor, dass Schüler aus sozial schwächeren Familien und insbesondere Migranten-Kinder benachteiligt sind und schlechtere Bildungschancen haben. Und es gibt auch kritische Stimmen zur PISA-Studie, die einen solchen Länder-Vergleich problematisch finden.

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Die Ergebnisse der neuen PISA-Studie liegen vor - Schwerpunkt waren diesmal Naturwissenschaften. Etwa 540.000 Schüler im Alter von 15 Jahren aus 72 Ländern und Regionen nahmen teil. (Quelle: Engineering at Cambridge, Flickr.com (CC BY-NC-ND 2.0))

Erstmals seit 2006 waren die Naturwissenschaften Schwerpunkt im neuesten PISA-Test von 2015, dessen Ergebnisse nun veröffentlicht wurden. Getestet wurden darüber hinaus auch Mathematik und das Leseverständnis. Bei den regelmäßigen Studien untersucht man den Leistungsstand von 15-jährigen Schülern aus vielen verschiedenen Ländern weltweit. Die PISA-Studie wurde im Jahr 2000 von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gestartet. Bei der ersten PISA-Erhebung schnitten die deutschen Schüler relativ schlecht ab. Die Reaktionen darauf waren heftige Diskussionen und viel Kritik zum deutschen Schulsystem.

Der aus Deutschland stammende OECD-Direktor, Andreas Schleicher, zeigte sich diesmal recht zufrieden über das Abschneiden der deutschen Schüler und lobte, dass sie sich auf einem "überdurchschnittlichen Niveau" halten konnten. Denn auch bei der letzten PISA-Studie 2012 landete Deutschland auf Platz 16. Zwar zeigen sich immer noch deutliche Unterschiede zwischen Kindern aus sozial starken und sozial benachteiligten Familien. Die PISA-Studie zeige aber, dass diese Kluft in Deutschland geringer sei als noch vor einigen Jahren. Damals reagierte die Bildungspolitik besorgt auf die Ergebnisse und es folgten einige Reformen (Neuerungen) im Schulsystem - wie etwa die Einführung der Ganztagsschule, mehr Unterstützung für sozial benachteiligte Schüler oder neue Regelungen in der Lehrer-Ausbildung.

Länder-Vergleich der Schüler - sinnvoll oder nicht?

In der PISA-Studie werden Schüler aus vielen Ländern und Regionen im Vergleich getestet. Daran können Stärken und Schwächen der einzelnen Schulsysteme erkannt werden. Es gibt aber auch Kritiker, die den Länder-Vergleich problematisch sehen. (Quelle: Pixelio )

Deshalb sind viele Bildungspolitiker überzeugt davon, dass die PISA-Studie sehr wichtig und aussagekräftig ist und Schwachstellen im Bildungssystem aufzeigen kann. So könne die Ausbildung an Schulen weiter verbessert werden und man wisse, wo die Schüler im internationalen Vergleich stünden. Es gibt aber auch kritische Stimmen zur PISA-Studie.

Der deutsche Bildungswissenschaftler Hans-Dieter Meyer warnt davor, dass solche Vergleichstests wie die PISA-Studie problematisch seien. Die Bedeutung solcher Tests habe mit Beginn der PISA-Studien und ihrer großen Aufmerksamkeit immer weiter zugenommen. Deshalb müssten sich die Lehrer in ihrem Unterricht mittlerweile viel stärker auf genau die Inhalte konzentrieren, die für solche Tests entscheidend sind. Die Vermittlung von "nicht messbarem Wissen" würde dabei aber viel zu kurz kommen. So würden die Schüler auf bestimmte Formeln und Inhalte "gedrillt", es mangle ihnen aber stark an der Fähigkeit, kreative Lösungen zu erarbeiten sowie eigenständig und kritisch zu denken.

Meyer kritisiert den Ansatz, dass sich Bildung und Wissen auf einfache Weise "messen lässt" und es in den Schulen in erster Linie um "Wettbewerbsfähigkeit" geht. Er fordert, dass Schulen und Bildungseinrichtungen ebenso ein Ort sein sollten, "an dem Menschen wachsen, ihren eigenen Weg finden und ihre Persönlichkeit entwickeln". Auch würde ein Länder-Vergleich wie die PISA-Studie die kulturellen und nationalen Voraussetzungen in den einzelnen Ländern überhaupt nicht berücksichtigen.

Im PISA-Test werden auch stets nur bestimmte Bereiche abgefragt und bei den Ergebnissen wird alles darauf verkürzt. Die OECD entscheide also, was ein 15-jähriger Schüler wissen müsse und was nicht. Wenn man schon Tests durchführe, um den Leistungs- und Wissensstand der Schüler zu ermitteln, sollten diese viel umfassender sein, möglichst viele Bereiche abdecken und viele Blickwinkel berücksichtigen, findet Bildungswissenschaftler Meyer. Doch solche Tests sind schwieriger zu erstellen und erst recht schwieriger auszuwerten - es könne dann keine derartig leicht zu erfassende Rangliste erstellt werden, in dem die "Sieger-" und "Verlierer-Länder" aufgelistet werden.

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Vieles zu verbessern

Während die Jungen in Deutschland und den meisten anderen Ländern bessere Ergebnisse in Mathematik und Naturwissenschaften, schnitten die Mädchen im Bereich Leseverständnis besser ab. (Quelle: stock.xchng )

Ein direkter Vergleich der verschiedenen PISA-Studien ist schon deshalb problematisch, da stets nur bestimmte Bereiche getestet werden. Ob und inwieweit sich zum Beispiel die Schulen Deutschlands seit den letzten PISA-Tests nun wirklich verbessert haben, kann auf diese Weise schwer gemessen werden. Fest steht, dass im deutschen Schulsystem noch vieles verbessert werden kann und sollte. Allgemein mangelt es in den Schulen oft an der Förderung von individuellen Fähigkeiten der Schüler und daran, auch auf den Einzelnen eingehen zu können. Ganz entscheidend wäre es, Schüler aus armen Familien und Migranten-Kinder besser zu fördern und zu unterstützen.

Noch immer haben Schüler aus wohlhabenden Familien, deren Eltern oft selbst einen recht guten Bildungsgrad haben, bessere Chancen als andere - auch wenn sich das Abschneiden der Schüler aus sozial benachteiligten Familien laut PISA-Studie in Deutschland verbessert hat. Insbesondere aber Kinder aus Einwanderer-Familien stehen deutlich schlechter da als andere Schüler. Besonders die Leistungen ausländischer Kinder, die in ihrem Elternhaus nicht Deutsch sprechen, waren erheblich unter dem Durchschnitt.

Im PISA-Test zeigt sich auch, dass Mädchen sich in Mathematik und den Naturwissenschaften weiterhin weniger zutrauen als Jungen. Während sie in diesen Fächern schlechter abschnitten als die Jungen, waren ihre Leistungen im Bereich der Lesekompetenz besser. Anders sah das Ergebnis nur in Finnland aus: Hier hatten die Mädchen unter den "besonders leistungsstarken" Schülern im Bereich Naturwissenschaften sogar die Nase vorn. Ingesamt können sich in Deutschland viel weniger Schüler vorstellen, später einmal in einem naturwissenschaftlich-technischen Beruf zu arbeiten, als der Durchschnitt aller Schüler im internationalen Vergleich. Unter den deutschen Schülern sind es auffallend wenige Mädchen, die ihre berufliche Karriere in diesem Bereich sehen - auch unter den in den Naturwissenschaften besonders leistungsstarken Schülerinnen.

Welches Schulsystem ist das beste?

Welches ist das beste Schulsystem? Viele Kritiker bemängeln die Art der Benotung und das frühe Trennen der Kinder nach der Grundschule in Deutschland. (Quelle: Helles Köpfchen )

Welches Schulsystem optimal ist und wie Kinder am besten lernen, ist umstritten. In den Schulen Englands zum Beispiel werden Konkurrenzdenken und Wettbewerb zwischen den Schülern noch viel mehr gestärkt. Damit sollen die jungen Menschen zu besseren Leistungen angetrieben und auf das spätere Berufsleben vorbereitet werden. Lernt es sich unter Druck aber wirklich besser? Oder sollte man mehr auf die Besonderheiten der einzelnen Kinder eingehen? Da gehen die Ansichten weit auseinander. Sowohl das gängige Notensystem als auch die frühe Trennung der Kinder nach der Grundschule werden in Deutschland von vielen kritisiert. Einige fordern sogar, das Sitzenbleiben abzuschaffen.

Auch in Deutschland gibt es einige private Schulen und Gesamtschulen, in denen die Kinder bis zur 10. Klasse - also der Abschlussklasse zur Mittleren Reife - nur in Ausnahmefällen eine Stufe wiederholen. Bei Schwierigkeiten bekommen die Schüler persönliche Hilfestellungen. Die Klassen sind üblicherweise kleiner als im Durchschnitt. Um im Anschluss die gymnasiale Oberstufe zu besuchen, müssen bestimmte Anforderungen erfüllt worden sein. In den USA können die Schüler in der Sommerschule den Stoff nachlernen, bei dem ihre Leistungen mangelhaft waren. Wenn sie am Ende die Prüfungen bestehen, können auch sie die nächste Klassenstufe besuchen. Diese Kinder und Jugendlichen müssen dann allerdings auf ihre Ferien verzichten. Viele sind der Ansicht, dass auch längere Auszeiten für junge Menschen wichtig sind, um sich zu erholen, Zeit für andere Dinge zu haben und den Schulstress für eine Zeit hinter sich lassen zu können.

In Finnland dagegen bleibt so gut wie kein Schüler sitzen. Und es findet auch keine frühe Trennung statt, wie wir sie in Deutschland nach der Grundschule kennen. Ebenso werden behinderte Kinder nicht abgesondert, sondern eingegliedert. Sie können mit den anderen gemeinsam auf dieselbe Schule gehen. Richtige Noten bekommen die finnischen Schüler erst ab der 7. Klassenstufe. "Keiner darf zurückbleiben", lautet das Motto der Schulen in Finnland. Bis zu neun Jahre bleiben die Kinder zusammen, bis diejenigen, die gute Noten haben, das weiterführende Gymnasium besuchen können. Das finnische System hat auch bei den PISA-Studien Erfolg: Finnland erzielte bei den ersten PISA-Tests Platz eins und ist auch bei den darauf folgenden Studien stets weit oben gelandet.

Vorbildlich an finnischen Schulen ist die individuelle Betreuung der einzelnen Schüler. Wer bei etwas Probleme hat, bekommt viele persönliche Hilfestellungen. Es gibt auch die Möglichkeit, im Anschluss an den regulären Unterricht spezielle Nachhilfe zu nehmen - einzeln oder auch in kleineren Gruppen. An deutschen Schulen sind die Klassen oft sehr groß, so dass die Lehrer nicht wirklich auf einzelne Schüler und ihre Talente oder Schwierigkeiten eingehen können. Im finnischen System haben deshalb auch Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien bessere Chancen als die sozial benachteiligten Schüler in Deutschland und im internationalen Vergleich.

letzte Aktualisierung: 07.12.2016

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