@Sally: Mir erging es 4 Jahre so ähnlich wie dir, wobei die ersten 3 die schlimmsten waren.
In Kindergarten und Grundschule gab es nie Probleme mit Mobbing. Im Gegenteil: Ich war bei der Mädchen- wie bei der Jungsseite sehr beliebt.
In der 4. Klasse endete dann die lange Freundschaft mit einem Jungen, der sich im Lauf der Zeit zur Arroganz in Person entwickelt hatte, weshalb ich nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Als es dann aufs Gymnasium ging, kam er in die selbe Klasse wie ich und schon am ersten Tag machte er mich schlecht.
Tja, das war der Beginn einer langen Mobbingzeit.
Ich hatte das Pech in die schlimmste Klasse der Schule zu kommen. Viele in der Klasse haben mindestens einen Schulverweis bekommen; was geschah? Nichts. Die Lehrer versuchten es mit Drohungen aller Art, aber umgesetzt wurden sie nie.
Aber zurück zum Mobbing. Warum ich gemobbt wurde? Kann ich nicht genau sagen (nicht sehr groß, nicht sehr extrovertiert), jedenfalls muss ich das perfekte Opfer abgegeben haben, den sie verloren nie den Spaß daran. Gewalt war glücklicherweise kein großes Thema, auch wenn ich einige Schläge einstecken musste. Selbst als ich eine Knochenhautentzündung im Knie hatte und deutlich hinkte, traten sie mir von hinten auf die Schuhe, sodass ich ständig stolperte; später hieß es dann, sie hätten es nicht gewusst, was nicht stimmte, da es der Klassenlehrer einmal laut und deutlich vor der Klasse gesagt hatte. Gemobbt wurde ich von einer größeren Jungsschar, deren "Anführer" ganz besonders Spaß an der Sache hatte.
Hatte ich anfangs noch so etwas wie "Lasst das" gesagt, setzte ich später auf Ignorieren - geändert hat sich nichts. Außer mir hab es noch ein anderes Mobbingopfer - ein fülliges Mädchen, das dem irgendwann entging in dem es dem Anführer ständig hinterher lief, ihn bewunderte und alles mit sich geschehen ließ, was ihn wohl gnädig stimmte.
Wann genau ich etwas dagegen unternommen habe, kann ich nicht mehr sagen. Jedenfalls rief meine Mutter bei den zwei schlimmsten Mobbern an. Bei dem einen - nennen wir ihn "Markus" - hatten die Eltern keine Ahnung und meinten, zuhause sei er ein wahrer Engel, der andere - der Anführer - musste mich anschließend anrufen und sich entschuldigen, was ihm wohl so peinlich war, das er das Telefonat gegenüber seinen Kumpels nie erwähnte. Anschließend war es besser.
An den Klassenlehrer habe ich mich auch gewendet, auch wenn ich nicht mehr weiß, ob es nach oder vor dem Anruf war. Dieser berief eine "Krisensitzungen" ein, während der ich am liebsten im Boden versunken währe. Interessant war allerdings, das "Markus" mir anschließend seine Hilfe anbot, wenn ich jeh wieder gemobbt werden würde. Leider hatte er dieses Versprechen tags darauf wieder vergessen.
Im Lauf der Zeit hat auch meine Körperhaltung gelitten, was meine damals beste Freundinn ständig kritisierte. Zuhause war mein Selbstbewusstein völlig normal, aber sobald ich dann den Mobbern gegenüberstand, war es wie weggeblasen.
Weiter will ich das auch nicht vertiefen.
Die ultimative Lösung des ganzen, kam dann in der 8. Klasse.
Der neue Klassenlehrer, ebenso verzweifelt wie der alte (der in seiner Wut schon Tische uns Stühle zertrümmert hatte), hatte die Idee, eine neue Sitzordnung durchzusetzten: Junge, Mädchen, Junge, Mädchen. Ausgerechnet "Markus" setzte er neben mich.
Im Laufe der Zeit machte der dann die Entdeckung, dass ich gar nicht so "schlimm" war, wie er immer gedacht hatte und das war dann der Beginn einer "wunderbaren Freundschaft", wenn man es so nennen will. Auf jeden Fall kam die Mobberei so gut wie zum erliegen.
Meine Freundinn hat sich mal wegen einer Mobbinggeschichte an den Vertrauenslehrer gewendet, der damit aber völlig überfordert war.
Bei mir hat weder Ignorieren, noch das Nein-Das-Will-Ich-Nicht geholfen. Schlagfertigkeit hat mir damals leider auch gefehlt. Der Klassenlehrer war überfordert, der Vertrauenslehrer währe es ebenfalls gewesen.
Das Beste, mal abgesehen von der Sitzordnung, war der Anruf meiner Mutter bei den Eltern der Mobbenden!
Ich denke, die optimale Mobbinglösung, die bei jedem hinhaut, gibt es nicht. Aber ich verstehe nicht, warum die meisten meinen, Ignorieren würde das Mobbing zum Erliegen bringen. Ich kenne niemanden, bei dem das hingehauen hat. Die Mobbenden sehen es wahrscheinlich eher als ein Zeichen der Schwäche an.
Mary