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Ein Wellensittich als Haustier - was muss ich beachten?

Haustiere - Teil 6

Teil 6 von 6

von Katrin Schönfeld

Wellensittiche gelten als die wohl am häufigsten gehaltene Papageienart weltweit. Die bunten Ziervögel sind als Haustiere sehr beliebt und können sehr zahm werden. Wie leben Wellensittiche in freier Wildbahn und wie können die lebhaften Vögel zu Hause möglichst artgerecht gehalten werden? Warum müssen gezüchtete Wellensittiche einen Ring am Fuß tragen?

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Wellensittiche gehören zur Familie der Papageien und sind als Haustiere besonders beliebt. Neben der ursprünglich grün-gelben Färbung gibt es viele Farbvariationen in blau und weiß. (Quelle: Anna Saccheri)

Die als Haustiere sehr beliebten Wellensittiche gehören zur Familie der Papageien. Wie ihre größeren Verwandten, zum Beispiel die Aras, haben Wellensittiche einen kräftigen, leicht gebogenen und spitzen Oberschnabel, der den Unterschnabel überdeckt. Ursprünglich hat der Wellensittich eine grün-gelbe Färbung, es gibt aber viele Züchtungen in anderen Farbvariationen.

Der wissenschaftliche Name des Wellensittichs ist "Melopsittacus undulatus" und bedeutet singender Wellenpapagei. Er ist auf das wellenförmige Muster des Gefieders zurückzuführen, das kennzeichnend für Wellensittiche ist. So haben sie eine schwarze Wellenzeichnung am Hinterkopf, die sich von dort über den Nacken, zum Oberrücken und den Flügel zieht - bei einigen gezüchteten Arten ist diese Zeichnung allerdings nur noch schwach ausgeprägt und kaum sichtbar.

Von Australien nach Europa

Die Heimat der Wellensittiche ist Australien, wo sie in Grassteppen, Savannen und offenen Waldgebieten leben. (Quelle: Richard.Fisher/ Wikipedia)

Die ursprüngliche Heimat der Wellensittiche ist Australien. Dort leben sie in Grassteppen, Savannen und offenen Waldgebieten und ernähren sich von den Samen der Bodenpflanzen. Erstmals entdeckt wurden sie 1770 von dem englischen Naturforscher Sir Joseph Banks, der den berühmten britischen Seefahrer James Cook auf dessen Weltumsegelung (1768-1771) begleitete und mit ihm Australien "entdeckte". Der englische Wissenschaftler John Gould hat im Jahr 1840 die ersten wildlebenden Exemplare von dem entfernten Kontinent in seine Heimat gebracht. In Deutschland sollen die ersten dieser Ziervögel 1850 angekommen sein. Als Haustier wurden sie in Europa schnell beliebt, und somit wurden immer mehr dieser Tiere per Schiff aus Australien transportiert. Diese mehrere Monate langen Reisen überlebten jedoch viele Wellensittiche nicht.

Aufgrund der großen Nachfrage nach diesen gefiederten Tieren und zum Schutz derselben verhängte die Regierung von Australien ein Ausfuhrverbot für Wellensittiche, was bis heute noch in Kraft ist. Deshalb wurden die begehrten Tiere ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Europa gezüchtet. Die Wildform des Wellensittichs hat im Unterschied zu dem domestizierten (also gezüchteten) Wellensittich ein grasgrünes Gefieder, was ihm bei der Nahrungsaufnahme als Tarnung vor Feinden dient. Typisch ist weiterhin das hellgelbe Gesicht (Maske), das sich bis zur Kehle zieht und dort sechs schwarze, symmetrisch angeordnete Kehltupfen sowie violette Bartflecken hat. Die domestizierten Wellensittiche haben teilweise mehr Kehltupfen. Durch Züchtungen entstanden nach und nach verschiedene Farbvariationen - so wurden beispielsweise Wellensittiche mit blauem, weißem oder gelbem Gefieder gezüchtet.

Wellensittiche mögen es gesellig

Wellensittiche brauchen den ständigen Kontakt zu Artgenossen und leben in der Natur in Schwärmen, die bis zu 2.000 Tiere umfassen können. (Quelle: Himi / pixelio.de)

Die wildlebenden Wellensittiche sind regelrechte Wanderer und leben somit nicht in einer bestimmten Region, sondern wechseln regelmäßig ihren Standort. Deswegen werden sie auch als "Nomaden", also als Umherziehende, bezeichnet. Sie können pro Tag bis zu 25 Kilometer zurücklegen. Wellensittiche sind keine Einzelgänger, sondern ganz im Gegenteil sehr soziale Tiere.

In der Natur leben sie in Schwärmen, die sogar bis zu 2.000 Tiere umfassen können. Sie brauchen die Gemeinschaft und den ständigen Kontakt zu Artgenossen, um sich sicher zu fühlen. Um diesem Grundbedürfnis der Tiere gerecht zu werden, sollte man sich mindestens zwei Wellensittiche anschaffen. Ein Plastikvogel im Käfig ist ebenso wenig wie ein Spiegel ein passender Ersatz für natürliche Artgenossen. Einsamkeit kann beispielsweise zur Folge haben, dass die Vögel sich selbst Federn aus dem Gefieder rupfen und sich Verletzungen zufügen.

Auch Menschen, die sich mit dem Tier beschäftigen, können einen Artgenossen nicht ersetzen. Einige Wellensittiche werden ausgesprochen zahm und suchen von selbst den Kontakt zu ihrem Halter, während andere es überhaupt nicht mögen, wenn man ihnen zu nahe kommt oder sie von Menschen angefasst werden. Man sollte sich dem Tier langsam annähern und ihm Zeit geben, Vertrauen zu gewinnen. Und man kann nicht erwarten, dass der gefiederte Freund automatisch handzahm wird - jedes Tier sollte mit seinen Eigenheiten respektiert werden.

Ausdauernde Flugkünstler

Die Vögel benötigen einen großen Käfig und pro Tag mindestens eine Stunde Freiflug. (Quelle: I.Friedrich/ pixelio.de)

Da Wellensittiche in freier Natur täglich einige Kilometer zurücklegen, gehört Fliegen zu den Grundbedürfnissen der Vögel. Die Unterbringung in einem kleinen Käfig stellt also grundsätzlich eine extreme Einschränkung ihres Bewegungstriebes dar. Daher sollte der Käfig möglichst groß sein. Für ein Paar empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund einen mindestens 160 Zentimeter langen, 80 Zentimeter breiten und 80 Zentimeter hohen Käfig. Am besten eignet sich gleich eine Voliere - das ist eine den Freiflug ermöglichende Käfiganlage.

Doch ein großer Käfig oder eine Voliere allein reichen nicht aus, um dem Bewegungsdrang der Tiere gerecht zu werden. Pro Tag benötigt der Wellensittich mindestens eine Stunde Freiflug. Dafür müssen mögliche Gefahrenquellen wie offene Fenster, Türen oder Schubladen, giftige Pflanzen oder enge Spalten hinter Schränken beseitigt werden. Auch sollte das Zimmer groß genug sein und ausreichend Möglichkeiten zur Landung der Vögel bieten, da Wellensittiche nicht nur ausgesprochen gute, sondern auch schnelle Flieger sind - in freier Wildbahn können sie Spitzenfluggeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde erreichen.

Als Standort für den Käfig sollte niemals der Kühlschrank gewählt werden, denn Wellensittiche haben einen Vibrationssinn. Sinneskörperchen am Fuß, die dem Vogel kleinste Erschütterungen melden, sollen ihn in der Natur vor Fressfeinden wie beispielsweise Schlangen warnen. Ein vibrierender Kühlschrank bedeutet demnach für den Wellensittich dauerhafte Angstzustände und Stress.

Was muss der Vogelkäfig bieten?

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Neben Naturstangen sollten Beschäftigungsmöglichkeiten wie Klettergeräte und Messingglöckchen im Käfig vorhanden sein. (Quelle: Sebastian Karkus/ pixelio.de)

Der Käfig sollte auf dem Boden mit Vogelsand bedeckt sein, sowie mit einem Trinkwasserspender, mehreren Futterschälchen und einem Badehäuschen ausgestattet sein. Sitzstangen aus Plastik sollten vermieden werden, da sie Ballengeschwüre an den Füßen der Vögel verursachen können. Laut Angaben des Deutschen Tierschutzbundes sind gereinigte Zweige von ungiftigen, ungespritzten Gehölzen wie Weide, Ahorn, Pappel oder Obstbäumen besonders gut geeignet. Diese helfen auch beim Abnutzen der Krallen. Wasser- und Futterbehälter sollten am besten im oberen Bereich des Käfigs am Gitter angebracht werden - möglichst nicht in der Höhe von anderen Stangen, die sich darüber befinden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Wellensittiche ihr Futter oder Wasser mit Kot verunreinigen.

Gefüttert werden Wellensittiche mit einer speziellen, im Handel erhältlichen Körnermischung sowie Grünfutter, Obst und Kräutern. Außerdem freuen sich die lebhaften Vögel über Hirsestangen, die im Käfig aufgehängt werden. Zur Unterstützung der Verdauung ist es ratsam, regelmäßig so genannten Vogelgrit - eine Mischung aus kleinen Steinchen und gemahlenen Muschelschalen - zu füttern. In den meisten Vogelsandmischungen ist dieser bereits enthalten. Darüber hinaus sollten den Vögeln Beschäftigungsmöglichkeiten wie Klettergeräte und Messingglöckchen sowie ein Kalkstein oder Sepiaschalen zur Verfügung stehen. Sepiaschulp wird aus dem Skelett eines Tintenfisches gewonnen und enthält wichtigen Kalk. Daran können sich die Vögel den Schnabel wetzen und dessen übermäßiges Wachsen wird vermieden.

Die Sprache der Wellensittiche

Wellensittiche können sehr zahm werden. Ein leicht aufgeplustertes Gefieder ist oft ein Zeichen von Entspannung, während ein ängstlicher Vogel die Federn anlegt und sich "dünn" macht. (Quelle: tobabi/ pixelio.de)

Wellensittiche verständigen sich durch Körpersprache und Lautäußerungen. So geben sie schrille Pfiffe von sich, wenn sie erstaunt sind, ein kurzes und lautes Tschilpen, um über weitere Entfernungen Kontakt zu anderen Vögeln aufzunehmen und ein drohendes Gurren, wenn sie sich gestört fühlen - zum Beispiel, wenn einem Paar ein dritter Wellensittich zu nahe kommt. Streiten die Wellensittiche sich oder werden von anderen geärgert, geben sie keckernde Laute von sich. Werden sie von ihrem Partner gekrault und fühlen sich wohl, brummen die Tiere manchmal.

Mit Singlauten, bei denen sich liebliche Töne und lautes Krächzen und Zetern abwechseln, wird ein möglicher Partner umworben - die Wellensittiche tänzeln dabei auf und ab, wippen mit dem Kopf und schnäbeln miteinander. Außerdem ist es ein Zeichen von Wohlfühlen und Entspannen, wenn Wellensittiche vor sich hin singen oder zwitschern - oft plustern sie dabei das Gefieder auf und manchmal ziehen sie auch ein Bein unter die Federn. Die Laute der Wellensittiche sind aber sehr vielfältig und mitunter auch von Tier zu Tier verschieden, so dass es schwer ist, eine einheitliche Liste zu erstellen.

Das Knirschen mit dem Schnabel, also das Bewegen des Unterschnabels entlang der Innenseite des Oberschnabels, zeigt, dass sich der Vogel wohl fühlt und eventuell bald einschläft. Steckt ein Wellensittich seinen Kopf nach hinten in das Gefieder und steht dabei auf einem Bein, so schläft er meistens. Es gibt aber auch andere Schlafpositionen. Ein Zeichen von Angst ist es, wenn sich der Wellensittich klein und dünn macht und eine angespannte Körperhaltung einnimmt. Wenn sich zwei Wellensittiche streiten, beispielsweise um einen potentiellen Partner, richten sie sich auf, öffnen den Schnabel weit und werfen den Kopf in den Nacken. Zudem gilt das in der Regel nur angedeutete Hacken, also kleinere Gefechte mit dem Schnabel, als Warnung.

Geschlecht, Partnerschaft und Paarung

Da Wellensittiche so genannte Höhlenbrüter sind, steigt ihr Interesse an einer Paarung und Brut, wenn man ihnen einen Nistkasten in den Käfig stellt. (Quelle: Jürgen Nießen/ pixelio.de)

Die Geschlechter der beliebten Ziervögel kann man auf den ersten Blick nur schwer voneinander unterscheiden. Einzig die über dem Schnabel befindliche und dem Schutz der Nasenlöcher dienende Nasenhaut (auch Wachshaut genannt) deutet darauf hin, ob es sich um ein Weibchen (Henne) oder ein Männchen (Hahn) handelt: Die Wachshaut des Weibchens ist in der Regel braun, beige oder hellblau, während die des Männchens dunkelblau, violett oder rosa ist.

Interessant ist, dass sich auch Wellensittiche des gleichen Geschlechts gut verstehen können und in vielen Fällen ähnlich zusammenleben wie ein Pärchen aus Henne und Hahn: Auch sie umwerben sich und oft nimmt eines der Tiere dabei die Rolle des Männchens und das andere die des Weibchens ein. Während zwei Hähne in der Regel friedlich zusammenleben, kann das Halten von zwei Hennen allerdings problematisch sein. Will man sich zwei Vögel anschaffen, empfiehlt sich ein Wellensittich-Paar.

Hält man sich ein Paar aus Henne und Hahn, vermehren sich die Vögel nicht automatisch. Unter bestimmten Voraussetzungen kann es aber durchaus passieren, dass die Vögel sich paaren. Sie sind bereits im Alter von vier bis sechs Monaten paarungsbereit. Ein Gelege kann in der Regel zwischen vier und acht Eier umfassen, die jeweils im Abstand von zwei Tagen gelegt werden. Wellensittiche sind so genannte Höhlenbrüter, was bedeutet, dass sie sich zum Nisten und für die Brutaufzucht eine Höhle suchen. Stellt man also einen Nistkasten in den Käfig, wird das Interesse an der Paarung und dem Brüten gefördert.

Warum haben Wellensittiche einen Fußring?

In Deutschland ist die Registrierung eines Wellensittichs durch einen Ring Pflicht, um einer Ausbreitung der Papageienkrankheit vorzubeugen. (Quelle: Jen Smith/ Wikipedia)

Beobachtet man Wellensittiche, sieht man, dass sie in der Regel einen Ring am Fuß tragen. In Deutschland gibt es eine Beringungspflicht für alle Papageienvögel, also auch für Wellensittiche. Diese gesetzliche Bestimmung wurde zum Schutz gegen die Ausbreitung der Papageienkrankheit, der so genannten Psittakose, eingeführt. Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die auch auf den Menschen übertragen werden kann.

Es gibt verschiedene, jedoch bisher noch keine eindeutigen Symptome für diese Krankheit. Wenn das Tier beispielsweise angestrengt atmet, Durchfall oder verklebte, also entzündete Augen hat, können dies Anzeichen dafür sein, dass der Wellensittich die Papageienkrankheit hat. Dann sollte man unbedingt zu einem Tierarzt gehen, der das Tier auf Psittakose untersucht. Der Fußring zeigt an, aus welcher Zucht der Wellensittich stammt. Er darf nur entfernt werden, wenn sich das Tier verletzt hat. Darüber hinaus hat der Ring eine ähnliche Funktion wie die Hundemarke des Hundes. Anhand der darauf eingeprägten Nummer, die in der Datenbank eines Vogelsuchdienstes gespeichert ist, kann der Besitzer eines entflogenen Wellensittichs ausfindig gemacht und benachrichtigt werden.

Co-Autorin: Britta Pawlak
letzte Aktualisierung: 05.01.2017

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