Benjamin Franklin - 300. Geburtstag des Ur-Amerikaners

von Kai Hirschmann - 16.01.2006

Die USA haben den 300. Geburtstag eines ihrer größten Staatsmänner gefeiert. Benjamin Franklin wurde am 17. Januar 1706 in Boston geboren. Er kämpfte später gegen die Sklavenhaltung und für die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika. Außerdem hat er "nebenbei" den Golfstrom entdeckt und den Blitzableiter erfunden. Heute ziert sein schlauer Kopf die 100-Dollar-Banknote.


Benjamin Franklin verkörpert den Geist des freien Amerikas. (Quelle: Jean-Baptiste Greuze (1777))

Benjamin Franklin gilt noch immer sehr vielen US-Amerikanern als leuchtendes Vorbild. Aus dem 15. Kind eines Seifen- und Kerzenmachers, das nur bis seinem zehnten Lebensjahr zur Schule ging, ist ein kluger Wissenschaftler, erfolgreicher Geschäftsmann und bedeutender Politiker geworden.

Benjamin Franklin hatte keinen leichten Start ins Leben. Nach seiner kurzen Schulausbildung musste er schon mit zwölf Jahren in der Druckerei seines Halbbruders James schuften. Doch nach der Arbeit lernte er fleißig weiter und sog das Wissen aus Büchern in sich auf. Er war davon überzeugt, in seinem Leben sehr viel erreichen zu können.

Als er 17 Jahren alt war, bekam Benjamin Franklin einen so großen Streit mit seinem Halbbruder, dass er Boston verließ und nach Philadelphia ging. Dort verdiente er sich sein Geld ein Jahr lang als Drucker. Als er genug gespart hatte, reiste er für zwei Jahre nach London, um dort ins Zeitungsgeschäft einzusteigen. Nach seiner Rückkehr nach Amerika hatte er genug Erfahrungen gesammelt, um die Leitung einer eher kleinen Zeitung, der "Pennsylvania Gazette", zu übernehmen. Schnell wurde das Blatt zu einem der meist gelesenen Zeitungen in Philadelphia. Außerdem schrieb Franklin Gedichte und Bücher, die er ebenfalls mit großem Erfolg drucken ließ. Aus dem Sohn eines mittellosen Kerzenmachers war ein einflussreicher Geschäftsmann geworden.

Einsatz für seine Mitbürger

Franklin setzte sich für die Freiheit und Unabhängigkeit seiner Mitbürger ein. (Quelle: J.A. Duplessis (1783))

Benjamin Franklin dachte jedoch nicht nur an sich und seine eigene Karriere. Er wollte, dass auch andere fleißige Menschen die Chance bekommen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Und so schrieb er das Buch "Vorschläge zur Erziehung der Jugend in Pennsylvania" und richtete die erste Leihbücherei Amerikas ein. Er kümmerte sich um die Straßenreinigung und Straßenbeleuchtung und setzte sich dafür ein, dass eine freiwillige Feuerwehr gegründet und Krankenhäuser ausgebaut werden konnten. Er organisierte das Schulwesen und gründete eine Lehr-Akademie, aus der später die Universität von Pennsylvania hervorging.

Kein Wunder, dass Franklin sehr beliebt war und von den Menschen in Pennsylvania 1751 ins Abgeordnetenhaus gewählt wurde. Zuerst arbeitete er mit den Briten zusammen, die damals noch die Kolonialherren waren. Das bedeutet, dass das Land in Amerika von England aus regiert wurde. Im Jahr 1775 kam es jedoch zum Streit mit den englischen Kolonialherren. Seitdem setzte sich Benjamin Franklin für die Unabhängigkeit seines Landes ein.

Franklin und die Unabhängigkeit der USA

Am 4. Juli 1776 erklärten Vertreter der 13 englischen Kolonien in Nordamerika ihre Unabhängikeit. (Quelle: John Trumbull)

Am 4. Juli 1776 unterzeichnete Benjamin Franklin gemeinsam mit 54 weiteren Abgeordneten die Unabhängigkeitserklärung der USA. Er gehörte zu einer vierköpfigen Gruppe, die dieses bedeutende Dokument mit ausgearbeitet hatte. Die 13 ehemaligen britischen Kolonien in Nordamerika erklärten darin, dass sie sich von England loslösen. Noch heute feiern die US-Amerikaner jedes Jahr am 4. Juli den Tag, an dem ihr Land unabhängig geworden ist.

Die Engländer erkannten damals natürlich nicht an, dass sich "ihr" Land einfach von ihnen abspalten wollte. Deshalb war bereits einige Jahre zuvor ein heftiger Krieg ausgebrochen. Benjamin Franklin gelang es, mit Frankreich einen mächtigen Verbündeten zu gewinnen. Das amerikanisch-französische Militär- und Handelsbündnis war so erfolgreich, dass Großbritannien den Krieg verlor und 1783 die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anerkennen musste.

Nun brauchte der junge Staat noch ein Grundgesetz. Benjamin Franklin gehörte zu den Menschen, die die freiheitliche Verfassung entwarfen. Als sich die 13 Bundes-Staaten nicht einigen konnten, wie sie im Staatenbund noch ihre eigenen Interessen durchsetzen können, hatte Franklin die rettende Idee. Die Volksvertretung wurde zweigeteilt. Seitdem vertritt der Senat die Interessen der einzelnen Bundesstaaten und das Repräsentantenhaus die Interessen des gesamten Staates.

Ein Universal-Genie

Eine Marmorstatue erinnert an den berühmtesten Einwohner der Stadt Pennsylvania. (Quelle: National Park Service USA)

Benjamin Franklin war jedoch nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann und einer der wichtigsten Politiker der USA, sondern er war auch ein bedeutender Forscher. Als er noch für die britische Krone arbeitete, war er für die Postzustellung zwischen England und Amerika verantwortlich. Es fiel ihm auf, dass die Post-Schiffe auf dem Weg über den Atlantischen Ozean in der einen Richtung viel schneller waren als in der anderen Richtung. Franklin forschte nach der Ursache und entdeckte eine der stärksten Meeresströmungen der Erde: den Golfstrom. Natürlich sind die Schiffe, die nach Europa segeln und vom Strom angetrieben werden, deutlich schneller als Schiffe, die gegen ihn ankämpfen müssen.

Außerdem war Franklin von den Naturgewalten fasziniert. Immer wieder schlugen Blitze in Häuser ein, die damals zumeist nicht aus Stein, sondern aus Holz gebaut waren. Oft kam es deshalb zu schlimmen Bränden, bei denen ganze Stadtviertel zerstört wurden. Benjamin Franklin stellte fest, dass Blitze starke elektrische Entladungen sind und erfand im Jahr 1752 den ersten Blitzableiter, um Häuser zu schützen.

Bis kurz vor seinem Tod kämpfte Franklin außerdem als Präsident der "Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei" dafür, dass die USA nicht nur für die Weißen, sondern für alle Menschen das Land der Freiheit werden. Viele Amerikaner halten ihn - neben George Washington - für den wichtigsten Gründervater. In ihren Augen ist er der erste echte US-Amerikaner. Ein Sprichwort über ihn besagt: "Er entriss dem Himmel den Blitz und den Tyrannen das Zepter." Der entrissene Blitz spielt natürlich auf den Blitzableiter an, und mit den "Tyrannen" sind die englischen Kolonialherren gemeint, die Amerika bis zu seiner Unabhängigkeitserklärung regiert hatten. Benjamin Franklin starb am 17. April 1790 im Alter von 84 Jahren in Pennsylvania.

letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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