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Südafrika: Waisenhaus im Armenviertel - Zuflucht für heimatlose Kinder

Elend der Townships - Teil 2

Teil 2 von 2

Im ersten Teil hast du etwas über das Apartheid-Regime und das Leben in den verarmten Townships in Südafrika erfahren. Nun erzähle ich dir von meinem Treffen mit der Lehrerin Thobile, die ihren Beruf aufgab, um heimatlosen Kindern zu helfen. Ich habe auch das Waisenhaus in Soshanguve besucht. In der Bildergalerie am Ende des Artikels zeige ich dir die Fotos, die ich in der Township gemacht habe.

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Thobile gab ihren Beruf als Lehrerin auf, um zwei Waisenhäuser zu leiten. (Quelle: Helles Köpfchen)

Ich habe hier in Soshanguve eine Frau kennen gelernt, die ihren Beruf als Lehrerin aufgab, um ihr Leben den vielen elternlosen Kindern zu widmen. "Als ich 2002 als Lehrerin arbeitete, wurden fünf meiner Schüler innerhalb von zwei Monaten zu Waisen. Ihre Eltern starben an Aids. Jeden Morgen kamen die Kinder hungrig in den Unterricht, waren ungewaschen, hatten verschmutzte Schuluniformen und konnten ihre Hausaufgaben nicht machen. Die Waisenkinder lebten bei armen Verwandten, die meistens arbeitslos waren", erzählt Thobile.

Weiter berichtet sie: "Ich begann damit, Lebensmittel mit in die Schule zu bringen und kümmerte mich um Kleidung für die Kinder. Es war wie ein Lauffeuer, die Zahl der Waisen wuchs immer schneller. Schon bald funktionierte ich meine Garage um, um dort den Kindern etwas zu Essen und Kleidung zu geben. Und ich half ihnen bei den Hausaufgaben." Thobile hat selbst zwei Kinder. "So gab ich meinen Beruf als Lehrerin auf, um für die bedürftigen Kinder sorgen zu können. Es war keine einfache Entscheidung, und die Menschen um mich herum hielten mich für verrückt, ich mich selbst manchmal auch." Doch heute ist sie sich sicher, das Richtige getan zu haben. Sie leitet mittlerweile die beiden Waisenhäuser "Inkaja Lenbulo - Home of Joy" ("Haus der Freude") in der Township Soshanguve. Immer mehr Kinder finden hier Zuflucht, Versorgung und Unterstützung.

"Haus der Freude" - eine Zuflucht für einsame Kinder

Die Kinder kommen gerne hierhin und sind froh, eine Zuflucht zu haben - und nicht den Tag auf der Straße verbringen zu müssen. (Quelle: Helles Köpfchen)

Durch die beiden Waisenhäuser haben die Kinder jetzt eine Anlaufstelle und treffen Menschen, die sich für sie interessieren und die ihnen helfen. Die Kinder kommen gerne hierhin und sind froh, eine Zuflucht zu haben - und nicht den Tag auf der Straße verbringen zu müssen. Hier hilft man ihnen bei den Hausaufgaben, ihre Wäsche wird gewaschen, sie treffen ihre Freunde und zum Teil auch ihre Familie.

Derzeit finden täglich ungefähr 250 Kinder Schutz und Nahrung im Waisenhaus - und es werden immer mehr. Die meisten von ihnen kommen tagsüber ins Waisenhaus und gehen abends zu ihrer Unterkunft zurück. Nur wenige der Kinder schlafen auch in den Häusern. Viele von ihnen sind in Familien untergebracht, denen es nicht möglich ist, die Kinder ausreichend mit Nahrung und anderen Dingen zu versorgen. Meistens steht den Familien nicht genügend Geld zur Verfügung, um die Kinder zu ernähren. Manchmal liegt es aber auch daran, dass sie sich durch ihre eigenen Probleme nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern können und sie vernachlässigen. Viele Kinder wurden zu Waisen, weil ihre Eltern an Aids starben, einige Kinder sind selbst mit HIV infiziert.

Kartons verkaufen - für eine Scheibe Brot am Tag

Der zehnjährige Wanda verkaufte Kartons, um wenigstens genug Geld für etwas zu essen zu verdienen. Jetzt lebt er im Waisenhaus und besucht dort die Schule. (Quelle: Helles Köpfchen)

Der zehnjährige Wanda wohnt im Waisenhaus "Ikhaya Lenjabulo". Seine Mutter starb bei der Geburt und er wuchs mit seinen Vater in einer der Wellblechhütten auf, die hier "Shack" genannt werden. Wie viele Menschen hier war Wandas Vater arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit beträgt im Land etwa 28 Prozent, das bedeutet, ungefähr drei von zehn Menschen haben keine Arbeit. In den verarmten Townships ist die Zahl der Arbeitslosen noch sehr viel höher.

Wanda war meistens auf sich alleine gestellt. Da er kein Geld besaß und keine Schuluniform hatte, die hier in diesem Land Pflicht ist, gab es für ihn keine andere Wahl: Er musste arbeiten gehen und konnte nicht, wie einige andere Kinder in seinem Alter, die Schule besuchen. Er sammelte von morgens bis abends Kartons und verkaufte sie, damit er wenigstens genug Geld hatte, um sich etwas zu essen zu kaufen und nicht stehlen zu müssen. Vor etwa vier Jahren nahmen ihn seine Nachbarn an der Hand und brachten ihn in das Waisenhaus Ikhaya Lenjabulo. Seitdem wohnt und geht er dort zur Schule - und hat neue Freunde gefunden.

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Von beiden Eltern verlassen und ein neues Zuhause gefunden

Die beiden Brüder Pride (links) und Tshepo (rechts) entkamen nur knapp den Flammen. Im Haus von Soshanguve fanden sie ein neues Zuhause. (Quelle: Helles Köpfchen)

Pride und Tshepo sind Brüder. Sie wurden zusammen von ihrer Großmutter in das Waisenhaus gebracht. Ihr Vater hatte die Familie bereits vor einiger Zeit verlassen. Ihre Mutter war zu diesem Zeitpunkt schwer krank und wusste sich in ihrer Verzweiflung nicht anders zu helfen, als sich und ihren Kindern das Leben zu nehmen. Sie schloss sich mit ihnen in ihrem Shack ein und legte ein Feuer.

Glücklicherweise bemerkten die Nachbarn den Brand rechtzeitig und konnten sie und die Kinder aus den Flammen retten. Pride erlitt jedoch schwere Brandverletzungen am Arm und an der Hand. Die Familie stand nun vor dem Nichts. Kurz darauf war die Mutter der beiden spurlos verschwunden. Die Brüder leben seitdem im Waisenhaus. Sie leiden noch immer sehr unter diesen schicksalhaften Ereignissen. Die Narben beeinträchtigen Pride aber nicht mehr allzu sehr. Wenn er viel Glück hat, wird sein Arm sogar wieder komplett verheilen.

Eine kleine Freude für die Waisenkinder

Die Kinder haben sich über die kleinen Mitbringsel aus Deutschland gefreut. (Quelle: Helles Köpfchen)

Meine Kollegen vom Hellen Köpfchen haben gesammelt, um den Kindern im Waisenhaus eine Freude zu machen. Wir haben den Waisenkindern Schildkappen, T-Shirts und Bälle geschenkt - und sie haben damit sichtlich ihren Spaß, auch wenn es nur ein kleines Mitbringsel war. Bei Ausflügen werden jetzt die Schildkappen und T-Shirts getragen - ein Dankeschön an alle Sponsoren.

Vor allem benötigt das Waisenhaus natürlich finanzielle Unterstützung. Wenn du (deine Eltern) den Kindern des "Home of Joy" mit einer Spende willst (wollen): Wir freuen uns über eine Mail an das Helle Köpfchen (unten verlinkt "E-Mail an das Helle Köpfchen").

Sieh dir nun in meiner Bildergalerie die Fotos an, die ich in der Township und während meines Besuches im Waisenhaus von Soshanguve gemacht habe:

letzte Aktualisierung: 16.06.2010

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