Welt-Aids-Tag am 1. Dezember

Warnung und Gedenken: "Positiv zusammenleben - aber sicher"

von Andreas Fischer - aktualisiert - 01.12.2016

Der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember steht unter dem Motto: "Positiv zusammenleben - aber sicher". Gegen die Krankheit Aids gibt es bisher keinen Impfstoff. Die Zahl der HIV-Kranken steigt weiter an. Nicht nur Erwachsene sind von Aids betroffen, sondern auch immer mehr Jugendliche und sogar Kinder. Überall sieht man Menschen, die sich am Welt-Aids-Tag das Symbol der roten Schleife an ihre Kleidung stecken. Damit bringen sie ihr Mitgefühl für die Betroffenen zum Ausdruck.

Zurzeit leben nach Schätzungen weltweit etwa 36,7 Millionen Menschen mit HIV oder Aids. Darunter sind 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren - viele von ihnen kommen bereits HIV-positiv auf die Welt. Bild: Eine ehrenamtliche Helferin in Port-au-Prince/ Haiti hält ein HIV-krankes Kind auf dem Arm
UN Photo/Armando Waak, Flickr.com (CC BY-NC-ND 2.0)

In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Menschen mit dem HI-Virus infiziert. "HIV" ist die Abkürzung für "Humanes Immundefizienz-Virus". Es bezeichnet ein bestimmtes Virus, das bei Ausbruch der Erkrankung das menschliche Immunsystem, das uns vor allen möglichen Krankheitserregern schützt, stark schwächt. Menschen, die dieses Virus in sich tragen, können jahrelang ohne Beschwerden leben und dennoch andere damit anstecken. Ist die Erkrankung ausgebrochen, spricht man von AIDS - die Abkürzung steht für die englische Bezeichnung "Acquired immunodeficiency syndrome", das heißt übersetzt etwa "erworbene Schwächung der körpereigenen Abwehrkräfte".

Zurzeit leben nach Schätzungen weltweit etwa 36,9 Millionen Menschen mit HIV oder Aids. Allein in Deutschland soll es über 86.100 Menschen geben, die an einer HIV-Erkrankung leiden. Laut UNAIDS - das "Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen (UN) zu HIV/AIDS" - infizieren sich jährlich ungefähr 3.200 Menschen neu mit dem Virus. Von den Menschen, die an AIDS erkrankt sind, sollen deutlich über die Hälfte (58,8 Prozent) keinen Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten haben, die die Krankheit aufhalten oder verlangsamen und die Leiden erträglicher machen. Rund 50 Prozent der weltweit Betroffenen sind nach Schätzungen zwischen 15 und 24 Jahre alt und es sollen weltweit etwa 1,8 Millionen Kinder zwischen 0 und 15 Jahren infiziert sein.

Deshalb ist eine Aufklärung über die tödliche Immunerkrankung sehr wichtig. Viele Menschen - vor allem auch Jugendliche - gehen mit der Gefahr einer Ansteckung zu leichtfertig um. Bei ihren ersten sexuellen Kontakten verwenden sie oft kein Kondom, das nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft, sondern auch vor der Übertragung ernster Krankheiten schützt. Einige haben immer wieder ungeschützten Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern und sind daher besonders gefährdet. Doch die Gefahr Aids geht jeden von uns etwas an und betrifft längst nicht nur Menschen, die ungeschützt sexuelle Kontakte haben.

Besonders in den so genannten armen "Entwicklungsländern" wird die Ausbreitung der Krankheit als Besorgnis erregend eingestuft. Die Menschen sind sich der Gefahr oft nicht bewusst oder wissen nicht, wie sie sich vor der Krankheit schützen können. Die Verwendung von Kondomen ist dort teilweise unbekannt oder geächtet. Ihre Religion verbietet vielen Menschen sogar ausdrücklich, Verhütungsmittel wie Kondome zu benutzen. Auch die Katholische Kirche hat immer wieder vermittelt, dass Kondome - ebenso wie andere Verhütungsmittel - nicht "gottgewollt" seien. Hinzu kommt, dass viele Menschen in den Ländern, die von Armut und Hunger betroffen sind, in ihrer Not als Prostituierte arbeiten und sich auf diesem Weg infizieren und andere anstecken. Sogar Kinder-Prostitution ist in armen Ländern weit verbreitet. In einigen Gebieten Afrikas und Asiens soll laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogar die Mehrheit der Bevölkerung HIV-positiv sein. Da die medizinische Versorgung in den ärmeren Ländern äußerst schlecht ist, sterben Betroffene früh und qualvoll an ihrer Krankheit. Viele ihrer Kinder kommen bereits mit HIV auf die Welt und müssen ohne Eltern aufwachsen.

"Aids wird zur immer größeren Bedrohung"

Rate der HIV-Erkrankungen in Afrika: Besonders hoch - teilweise bei weit über 30 Prozent - ist sie nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation im Süden.
Wikipedia

Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation wird befürchtet, dass Aids in weniger als zwei Jahrzehnten die schlimmste Infektionskrankheit für die Menschheit darstellen wird. Zudem wären die "Entwicklungsziele" der Vereinten Nationen sehr gefährdet. Es wird vermutet, dass im Jahr 2030 bereits ungefähr 6,5 Millionen Menschen an Aids gestorben sein werden. Ohne einen wirkungsvollen Kampf gegen HIV könnte das genannte Ziel der UN, weltweit Armut, Hunger, Kindertod und Bildungsnot zu vermindern, nicht erreicht werden.

Viele Kritiker geben allerdings zu Bedenken, dass auf dem afrikanischen Kontinent mangels Geld oft keine genauen Krankheitsdiagnosen gestellt und Todesursachen nicht wirklich geklärt werden können - Aids-Tests werden in vielen Fällen überhaupt nicht durchgeführt. Deshalb bezweifeln einige Experten, darunter auch Ärzte, die hohe Zahl der Aidserkrankungen in Afrika, die die Weltgesundheitsorganisation angibt. So würden in den "Entwicklungsländern" viele Menschen für AIDS-krank erklärt, wenn sie beispielsweise unter anhaltendem Durchfall, starker Gewichtsabnahme und ständigem Juckreiz oder Husten leiden und sich mit den dort vorhandenen medizinischen Möglichkeiten keine andere Ursache dafür nachweisen lässt. Tatsächlich stünden aber oft ganz andere Gründe dahinter, wie Infektionskrankheiten durch verseuchtes Trinkwasser und schlechte hygienische Bedingungen sowie Krankheiten aufgrund von Mangelernährung und Hunger.

In den reicheren Ländern hat es in den letzten Jahren zwar einige medizinische Fortschritte gegeben, aber man konnte bisher kein Heilmittel gegen Aids finden. Mit starken Medikamenten kann man lediglich die Beschwerden der Betroffenen lindern, den Verlauf der Krankheit verzögern und damit ihre Lebenserwartung erhöhen. Sobald man sich infiziert hat, trägt man das HI-Virus ein Leben lang in sich und kann andere Menschen damit anstecken.

"Safety first" - Schutz ist wichtig

Viele Menschen - vor allem Jugendliche -unterschätzen die Gefahr Aids. Einen sicheren Schutz beim Geschlechtsverkehr bietet nur das Kondom.
Deutsche AIDS-Stiftung

HIV wird ausschließlich über Körperflüssigkeiten übertragen. Am häufigsten passiert dies, wenn sich der Mann bei sexuellen Kontakten kein Kondom verwendet. Wichtig dabei ist, nur qualitativ gute Kondome zu benutzen, die das Gebrauchsdatum nicht überschritten haben. Auch auf ein richtiges Anwenden, das in der Packungsbeilage beschrieben wird, muss geachtet werden. Sichere Kondome erhält man vor allem in Drogerien und Apotheken.

Einige Menschen haben sich aber auch durch infizierte Bluttransfusionen angesteckt. Zumindest in den reichen Ländern wird inzwischen jede Blutkonserve überprüft. Auch viele Drogenabhängige, die gemeinsame Spritzen benutzen, sind in großer Gefahr, sich den tödlichen Virus einzufangen. Wer das HI-Virus in sich trägt, ist "HIV-positiv". Viele infizierte Menschen wissen im Anfangsstadium nicht, dass sie betroffen sind, und ste.

Die Erkrankung kann mit Medikamenten verzögert aber nicht geheilt werden. Wer sich die teuren Medikamente jedoch nicht leisten kann - das trifft vor allem auf viele Millionen Menschen in Asien und Afrika zu - der stirbt erheblich schneller und schmerzvoller an der Krankheit. Doch viele Patienten sterben auch an den Nebenwirkungen der starken Aids-Medikamente. Obwohl seit vielen Jahren intensiv daran geforscht wird, gibt es bislang keinen Impfstoff gegen das HI-Virus.

Woher stammt das Aids-Virus?

Man vermutet, dass HIV durch Affen übertragen wurde. Das ähnliche SI-Virus ist eine Kombination aus zwei Virusstämmen, welche man auch bei Meerkatzen entdeckt hat. Diese wurden vermutlich auf Schimpansen übertragen, die wiederum Menschen infizierten.
Wikipedia

Im Jahr 1981 stellte man in den Vereinigten Staaten bei einigen Menschen eine bis dahin unbekannte Immunschwäche-Erkrankung fest, an der sie kurze Zeit später starben. Man vermutete schon bald, dass der Krankheitserreger durch Geschlechtsverkehr übertragen wurde.

Heute geht man davon aus, dass zunächst Affen von diesem Virus befallen waren. Das ähnliche SI-Virus ist eine Kombination aus zwei Virusstämmen, welche man auch bei Meerkatzen nachgewiesen hat. Durch diese Affenart haben sich vermutlich Schimpansen infiziert. In den 1930er Jahren soll das Virus auf Menschen übertragen worden sein, die das Fleisch der Affen gegessen hatten - dies ist allerdings nicht mit Sicherheit belegt.

Erst ungefähr 50 Jahre später erkannten Mediziner die Gefahr des tödlichen Virus für die Menschheit, welches das Immunsystem nach und nach ausschaltet. Normalerweise schützen unsere Abwehrzellen uns vor zahlreichen Krankheiten. Bei einem Grippe-Virus zum Beispiel werden im Körper nach einiger Zeit Antikörper gebildet, die den Krankheitserreger bekämpfen.

Ist das HI-Virus erst einmal in den menschlichen Blutkreislauf gelangt, ist unser Immunsystem machtlos. Das Virus nutzt sogar die körpereigenen Abwehrkräfte, um sich weiter auszubreiten. Ist die Krankheit Aids ausgebrochen, beginnt die Zerstörung der Abwehrzellen und allmählich kann sich der Körper nicht mehr ausreichend gegen sonst harmlos verlaufende Infektionskrankheiten wehren. Ist die Krankheit fortgeschritten, ist das Immunsystem so geschwächt, dass selbst eine einfache Erkältung tödlich verlaufen kann. Der Zeitraum zwischen einer Ansteckung mit HIV und dem Ausbruch der Krankheit Aids kann bei wenigen Monaten liegen oder sogar mehr als 15 Jahre betragen.

Kinder, die schon HIV-krank auf die Welt kommen

Seit 1988 erinnern am 1. Dezember verschiedene Organisationen auf der ganzen Welt an das Thema Aids.
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Frauen, die das HI-Virus in ihrem Körper tragen, können die Krankheit während der Schwangerschaft, der Geburt oder beim Stillen auf ihr Baby übertragen. Das passiert bei uns nur selten, da schwangere Frauen meist auf Aids getestet werden. Sollte das Virus in ihrem Körper festgestellt werden, dann sind die Ärzte ganz besonders vorsichtig, damit es sich nicht auf das Baby überträgt.

Dennoch gibt es auch bei uns Kinder, die HIV-positiv sind. Sie haben sehr darunter zu leiden. Meist müssen sie täglich starke Medikamente nehmen und von anderen Menschen werden sie aus übersteigerter Angst vor einer Ansteckung oft gemieden. Es gibt auch Eltern, die ihren Kindern nicht erzählen, dass sie HIV-positiv sind. Oftmals schämen sie sich, weil ihre Kinder durch sie infiziert wurden, oder sie wissen nicht, wie sie ihren Kindern diese schlimme Nachricht beibringen sollen. Viele der Eltern haben auch Angst, dass ihre Kinder aus dem Kindergarten oder der Schule ausgeschlossen werden, keine Freunde finden oder ihre Freunde verlieren.

Die Rote Schleife - Symbol des Mitgefühls

Viele Menschen stecken sich am Welt-Aids-Tag eine rote Schleife an ihre Kleidung. Sie ist ein Symbol des Mitgefühls für die Betroffenen.

Die Betroffenen werden von vielen Menschen gemieden, die panische Angst vor Ansteckung haben. Dabei ist eine Übertragung des HI-Virus nicht ohne Weiteres möglich. Es ist zum Beispiel absolut ungefährlich, sich die Hände zu schütteln, miteinander zu spielen oder zu raufen (solange man sich natürlich nicht heftig prügelt, dabei schwere Wunden zufügt und diese in Kontakt kommen). Am Welt-Aids-Tag machen viele Organisationen darauf aufmerksam, dass man HIV-kranke Menschen nicht ausgrenzen darf.

Es wird aber auch davor gewarnt, die Gefahr der Ansteckung zu unterschätzen. Viele glauben, dass man es einem Sexualparter ansehen kann, ob er das Virus in sich trägt oder nicht. Doch diese Ansicht ist falsch und gefährlich. Die Rote Schleife soll übrigens zeigen, dass man Mitgefühl mit den Betroffenen hat und bereit ist, ihnen zu helfen. Und sie warnt davor, die Gefahren von Aids zu unterschätzen. Kondome können Leben retten. Nicht nur Jungen und Männer, sondern auch Frauen und junge Mädchen sollten beim Geschlechtsverkehr auf die Verwendung von sicheren Kondomen achten.

letzte Aktualisierung: 02.12.2018

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