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Großer Streik bei der Deutschen Bahn

Deutschlandweit fielen unzählige Züge aus oder verspäteten sich

17.11.2007

Anfang November wurde gerichtlich entschieden, dass Bahn-Streiks auch im Fern- und Güterverkehr erlaubt sind. Nun endete der größte Streik, den es jemals bei der Deutschen Bahn gegeben hat: Sowohl der Güterverkehr als auch Züge im Nah- und Fernverkehr waren betroffen. Viele Menschen saßen an den Bahnhöfen fest. Immer wieder kam es in den vergangenen Wochen und Monaten zu Streiks bei der Bahn. Weiterhin scheint keine Einigung in Sicht zu sein - und somit auch kein Ende der Streiks. Worum geht es bei dem Konflikt und warum streiken die Lokführer?

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Viele Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen sich in Geduld üben: Immer wieder kommen Züge mit Verspätung an oder fallen ganz aus. (Quelle: Pixelio)

Chaos herrschte auf den Bahnhöfen, Reisende mussten sich auf viele Ausfälle und Verspätungen einstellen. Der große Streik betraf diesmal Nah-, Fern- und Güterverkehr und dauerte bis heute um 2:00 Uhr morgens an. In Ostdeutschland war der Zugverkehr fast lahmgelegt. Die Bahn erlebt dadurch hohe Verluste und es gab große wirtschaftliche Einbußen.

Am 2. November wurde gerichtlich entschieden, dass Bahn-Streiks nun auch im Fern- und Güterverkehr erlaubt sind. Eine Arbeitsniederlegung habe schließlich den Sinn, auf etwas aufmerksam zu machen und Druck auszuüben - und dabei müssten eben auch negative Folgen für die Wirtschaft und den Umsatz in Kauf genommen werden.

Bei dem Streik der Bahnangestellten handelt es sich mittlerweile um eine "unendliche Geschichte". Schon länger gehen die Meinungen des Bahnvorstands und der Gewerkschaften auseinander. Gewerkschaften gibt es für viele verschiedene Berufsgruppen. Sie setzen sich für die Rechte von Angestellten ein - zum Beispiel für mehr Lohn, bessere Arbeitszeiten und mehr Mitbestimmung in den Betrieben.

Verärgerte Lokführer und Bahnangestellte

Die Lokführer der Deutschen Bahn sind verärgert: Sie finden, dass ihr Arbeitgeber ihnen für ihren Arbeitsaufwand viel zu wenig Gehalt zahlt - auf der anderen Seite aber gute Gewinne erzielt. (Quelle: Pixelio (Lena) )

Einige Menschen sind wütend über die Streiks, weil viele Züge ausfallen oder erst mit extremer Verspätung ankommen. Viele haben aber auch Verständnis für das Anliegen der Lokführer. Diese fordern mehr Gehalt, während die Manager der Bahn versuchen, an allen Ecken und Enden zu sparen - allem voran bei den Personalkosten. Die Lokführer streiken, um Druck auf ihren Arbeitgeber auszuüben. Die Deutsche Bahn gerät in Bedrängnis: Es entstehen hohe Verluste, denn sie muss den Fahrgäste das Geld zurückerstatten, wenn Züge ausfallen - und immer mehr Kunden sind verärgert über die Unverlässlichkeit und das Chaos bei der Deutschen Bahn.

Die Lokführer sind der Ansicht, dass sie für ihre Qualifikation und ihren Arbeitsaufwand viel zu wenig Geld bekommen. Zum Beispiel haben sie anstrengende Arbeitszeiten und machen viele Überstunden. Sie sehen nicht ein, dass ihr Arbeitgeber - die Deutsche Bahn - gute Gewinne erzielt, aber nicht bereit ist, ihnen deutlich mehr Gehalt zu zahlen. Bei einem solchen Konflikt schalten sich die Gewerkschaften ein. Diese Zusammenschlüsse von Arbeitnehmern organisieren sich und kontrollieren, ob die Arbeitsbedingungen fair sind, die Arbeitgeber ihren Pflichten nachkommen und sich an vorhandene Verträge halten. Dank der Gewerkschaften sind Arbeitnehmer nicht der Willkür ihrer Chefs ausgeliefert.

Keine Einigung in Sicht

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Manfred Schell, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokführer, ist mit den bisherigen Angeboten der Deutschen Bahn nicht zufrieden. Er fordert deutlich mehr Gehalt und einen eigenen Tarifvertrag für Lokführer. (Quelle: GDL)

Zwei der drei "Bahn-Gewerkschaften", die Transnet und die GDBA, einigten sich schon nach dem ersten Streik am 9.Juli dieses Jahres mit dem Bahnvorstand. Ausgehandelt wurde eine Tariferhöhung von 4,5 Prozent zum 1. Januar 2008 sowie 600 Euro als Einmalzahlung. Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) fordert dagegen einen eigenen Tarifvertrag für das Fahrpersonal. Darunter fallen die Lokführer, die Zugbegleiter und Bordservicekräfte.

Ein solcher Vertrag regelt die Höhe des Gehalts einer bestimmten Berufsgruppe, die Menge der freien Tage und viele weitere Dinge. Der eigenständige Tarifvertrag soll garantieren, dass die Lokführer künftig alleine Arbeitszeiten und Löhne verhandeln können - ohne die anderen Gewerkschaften GDBA und Transnet. Außerdem fordert die Gewerkschaft Deutscher Lokführer, dass das Einstiegsgehalt von 1.970 Euro auf 2.500 Euro pro Monat erhöht wird.

Nachdem die Bahn, allen voran Bahnchef Hartmut Mehdorn, nicht auf die Forderungen der GDL eingegangen war, wurde ein zweiter bundesweiter Streik angesetzt. Diesen konnte die Deutsche Bahn jedoch durch einen vorläufigen Gerichtsbeschluss verhindern - und so fuhren die Züge weiter nach Plan. Die Bahnführung aber verlor an Zuspruch, und Unmut macht sich unter den Angestellten breit. Auch bei den darauf folgenden Verhandlungen kam es zu keiner Einigung. Nach einer internen Abstimmung über eine Arbeitsniederlegung bei der GDL wurde am 9. August der S-Bahn-Verkehr in den beiden Großstädten Berlin und Hamburg lahmgelegt.

Stundenlanges Warten auf den Bahnhöfen

Leere Bahnsteige: Bei dem bisher größten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn fielen unzählige Züge im Nah-, Fern- und Güterverkehr aus. (Quelle: Pixelio)

Auch Politiker kamen ins Spiel, um zwischen dem Bahnvorstand und der Gewerkschaft GDL zu vermitteln. Sie einigten sich, dass bis zum 20. September kein Streik mehr organisiert würde. Die beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA, die sich schon im Juli mit der Bahn geeinigt hatten, saßen mit am Verhandlungstisch. Die drei Gewerkschaften fanden aber weiterhin keinen gemeinsamen Nenner.

Ebenso das Treffen der beiden Chefs selbst - Bahnchef Hartmut Mehdorn und GDL-Chef Manfred Schell - brachte kein Ergebnis. Die Angebote seitens der Deutschen Bahn, die zu einer gewissen Lohnerhöhung bereit ist, sah die Gewerkschaft als ungenügend an. Sie begann damit, die Arbeitsniederlegung vorzubereiten. Schon am 5. Oktober brach wieder Chaos aus.

Der jüngste Streik der GDL betraf nicht mehr nur S-Bahnen und Nahverkehrslinien in Deutschland. Neben Schülern, Auszubildenden, Studenten und Bahnpendlern - Menschen, die mit dem Zug zur Arbeitsstelle fahren - saßen auch andere Reisende an Bahnhöfen fest. Viele Bereiche in der Wirtschaft waren durch die Ausfälle im Güterverkehr lahmgelegt. Die Meinungen der Fahrgäste sind geteilt. Manche zeigen Verständnis für die Streiks, andere wiederum sind verärgert, da sie auf die Bahn angewiesen sind. Einige Wirtschaftsverbände waren empört und bezeichneten die Arbeitsniederlegung als verantwortlungslos. Die Fronten verhärten sich weiter - und eine Einigung scheint unter diesen Voraussetzungen nicht möglich zu sein. Der Druck auf die Deutsche Bahn wächst.

letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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