Der Universalgelehrte - Alexander von Humboldt

Berühmte Entdecker - Teil 3

Teil 4 von 7

von Katrin Schönfeld

Er gilt als deutscher Universalgelehrter: Alexander von Humboldt. Seine großen Forschungsreisen brachten zahlreiche Erkenntnisse auf vielen Gebieten der einzelnen Wissenschaften und machten ihn auf der ganzen Welt berühmt. Seine vielfältigen Erkenntnisse sind auch heute noch aktuell, denn sie gelten als die wichtigsten Grundlagen der Wissenschaften. Zum Beispiel erkannte er den Aufbau von Gebirgen und fand Ursachen für Wetter-Phänomene wie Passatwinde. Wichtig war Humboldt, alle seine Forschungen im Zusammenhang zu betrachten - also eine fachübergreifende und ganzheitliche Sicht auf die Dinge zu haben. Seine Vielfältigkeit macht es den Biographen schwer, sein Leben genau aufzuschreiben.

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Alexander von Humboldt, gemalt von Joseph Stieler 1843 (Quelle: Wikipedia)

Am 6. Mai 2009 jährt sich der 150. Todestag des Naturforschers Alexander von Humboldt. Am 6. Mai 1859 starb der weltbekannte Deutsche, der so ziemlich alles erforschte. Er begeisterte sich für die Naturwissenschaften wie Physik, Chemie und Biologie, aber auch für Astronomie, Geographie, für das Klima, die Meere, Mineralien, Vulkane, den Aufbau und die Entstehung der Erde und auch für die Gesellschaft.

Man kann ihn mit Recht als einen "Universalgelehrten" bezeichnen. Das ist eine Person, die viele Kenntnisse in den verschiedensten Gebieten der Wissenschaften hat. Humboldt hat in seinem ganzen Leben so vieles erforscht und erlebt, dass es für die Historiker schwer war, seine Biografie zu schreiben, also sein Leben in einem Buch darzustellen.

Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt, so heißt er mit vollem Namen, wurde im Jahre 1769 geboren und wuchs mit seinem Bruder Wilhelm von Humboldt auf Schloss Tegel in Berlin auf. Beide erhielten Privat-Unterricht. Dabei musste Alexander den gleichen Lernstoff schaffen wie sein zwei Jahre älterer Bruder. Schon in jungen Jahren zeigte er Interesse für die Natur, denn er sammelte zum Beispiel Insekten, Steine und Pilze. Auch konnte er sehr gut malen, was er der Welt in seinen späteren Reiseberichten anschaulich zeigte. Er hörte gerne Erzählungen von Abenteuern und Reisen in fremden Ländern und war begeistert von Karten, die die Umrisse von Ländern oder Seen zeigten.

Sehnsucht nach der großen Reise

Gemälde Humboldts von Friedrich Georg Weitsch, 1806 (Quelle: Wikipedia)

Alexander von Humboldt studierte die verschiedensten Fächer, zum Beispiel Medizin, Physik, Mathematik, Physik, Chemie, Wirtschaft, Fremdsprachen, Bergbau, Anatomie und Astronomie. Durch einige Menschen, die er während seines Studiums kennen lernte, steigerte sich sein Interesse an Botanik (Pflanzenkunde), Mineralien und auch an Weltreisen. Besonders der bekannte Weltumsegler und Reiseschriftsteller Georg Forster (ein Begleiter von James Cook auf dessen zweiter Weltumseglung) bekräftigte seinen Entschluss, Naturforscher zu werden und auf Weltreise zu gehen.

Da er aber dafür nicht genügend Geld hatte, konnte er die Reise noch nicht antreten. So arbeitete er zunächst im preußischen Staatsdienst - und vertiefte nebenbei weiterhin seine Kenntnisse in den unterschiedlichsten Wissenschaften. Sein Wissensdurst war so groß, dass er zum Beispiel auch nachts Experimente und Aufzeichnungen durchführte und selbst nur wenige Stunden schlief. Nach dem Tod seiner Mutter, von der er viel Geld erbte, konnte er seine Forschungs- und Reisepläne finanzieren und verwirklichen.

Die erste Forschungsreise

Route der amerikanischen Forschungsreise Alexander von Humboldts, 1799-1804 (Quelle: Wikipedia)

Seine erste große Forschungsreise führte ihn nach Lateinamerika, in den damaligen spanischen Kolonialbereich. Fünf Jahre dauerte diese Reise und insgesamt legte er etwa 9.650 Kilometer zurück, das ist ungefähr so weit wie von Deutschland nach China. Diese Reise gilt als eine der wichtigsten und außergewöhnlichsten Reisen der damaligen Zeit, weil sie erstmals aus rein wissenschaftlichen Gründen unternommen wurde - also als Forschungs- und nicht nur als Entdeckungsfahrt - und auch erstmals selbst finanziert wurde. Diese Reise machte ihn auch berühmt, weil er den damals noch ziemlich unbekannten Kontinent Südamerika durch seine Reise erschlossen hat. Der französische Arzt und Botaniker Aimé Bonpland begleitete ihn und half ihm auch bei der Durchführung seiner Forschungen.

Die Reise begann 1799 in Spanien und führte über die Kanarischen Inseln nach Venezuela im Norden Südamerikas. Dann fuhren die beiden Forscher über den Orinoko-Fluss und fanden heraus, dass es eine Verbindung zwischen dem Orinoko-Fluss und dem Amazonas gibt, was bis zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen wurde. Anschließend ging es weiter in die heutigen Staaten Kolumbien, Ecuador, Peru und schließlich über Mexiko, Kuba und die Vereinigten Staaten von Amerika zurück nach Frankreich. Auf der Reise überquerten sie als erste Forscher die Anden und waren die ersten Europäer, die die Gipfel mehrerer Vulkane erklommen und dabei auch eine lange Zeit den Höhenrekord hielten.

Viele Messungen und neue Entdeckungen

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Das Gemälde von Friedrich Georg Weitsch aus dem Jahr 1810 zeigt Humboldt und Aimé Bonpland am Vulkan Chimborazo in Ecuador. (Quelle: Wikipedia)

Während der Reise führte Humboldt stets verschiedene Messungen durch, für die er die zu diesem Zeitpunkt modernsten Messinstrumente mitnahm. So führte er zum Beispiel Höhen- und Breitenmessungen durch, erstellte Landschaftsprofile für spätere Landkarten und machte Bodenmessungen für die Untersuchung der Erdentstehung. Seine Messungen brachten ihn auch zu der Erkenntnis, dass das Magnetfeld der Erde von den Polen zum Äquator hin schwächer wird.

Er bestimmte und sammelte auch Pflanzen und beobachtete Tiere bei Tag und Nacht. Zu allem, was er beobachtete oder maß, machte er sich genaueste Aufzeichnungen und Skizzen. Seine selbst erstellten Landkarten waren für die damalige Zeit erstaunlich genau. Bei seinen Forschungen sammelte er zahlreiche geografische und geologische Erkenntnisse, mit denen er 1804 wieder nach Frankreich zurückkehrte. Im Gepäck hatte er aber auch 60.000 bereits bekannte Pflanzen und weitere etwa 6.300 Arten, die noch unbekannt waren. Er lieferte damit wichtige Erkenntnisse für die Botanik. Seine Entdeckungen ermöglichten es, eine Pflanzengeographie zu entwickeln, also die Verbreitung der verschiedenen Pflanzenarten der Erde auf einer Karte darzustellen.

Ganzheitliche Sicht: Alles im Zusammenhang

Das letzte Porträt von Alexander von Humboldt, 1859 (Quelle: Wikipedia)

Als er von seiner Amerika-Reise zurückkehrte, verbrachte er lange Zeit mit der wissenschaftlichen Auswertung der Reise. Diese Auswertungen wurden in einem Werk, das 30 Bände hat, veröffentlicht. Humboldts wichtigstes Ziel bei der Reiseauswertung war es, nicht nur einzelne Beobachtungen auszuwerten, sondern diese im Zusammenhang zu sehen. Er wollte einzelne Erkenntnisse im Zusammenhang verschiedener Wissenschaften erforschen.

Diesen Zugang nennt man "interdisziplinär" - man vereint mehrere Disziplinen (hier Wissenschaften). Diese ganzheitliche Sicht der Dinge machte ihn weltweit bekannt und deswegen gilt er bis heute noch als einer der wichtigsten Forscher. Auch lag es ihm am Herzen, dass alle Menschen sein Wissen verstehen. Er wollte also nicht nur für den Hof und hohe Gelehrte forschen, sondern seine Erkenntnisse dem ganzen Volk vermitteln. Durch seine sehr anschauliche Schreibweise der Reiseberichte machte er dies möglich.

Neue Erkenntnisse in Asien?

Tausende bisher noch unbekannte Pflanzenarten brachte Humboldt von seinen Forschungsreisen mit. (Quelle: Wikipedia)

Obwohl Humboldt seine Erkenntnisse immer im Zusammenhang mit anderen Dingen sah, arbeiteten seine Zeitgenossen oft isoliert an den Inhalten. Sie betrachteten also den Forschungsgegenstand aus einer bestimmten wissenschaftlichen Sicht - und nicht seinen Platz und seine Wirkung in der Welt. Es kam immer mehr zu einer Auftrennung der einzelnen Wissenschaften. Die große Idee Humboldts, alles im Zusammenhang zu sehen, wurde auch aufgrund seiner eigenen zahlreichen und vielfältigen Forschungen nicht voran getrieben. Dies frustrierte ihn und verleitete zu der Idee, nun Asien zu erforschen, um diesen Kontinent mit Südamerika zu vergleichen.

Nach seiner langen Reise lebte er zunächst 20 Jahre in Paris, und kehrte dann nach Berlin zurück, wo er an der Universität seines Bruders, an der heutigen Humboldt-Universität, unterrichtete. 1829 brach er aber wieder zu einer neuen Reise auf. Diesmal wollte er, wie schon lange geplant, Asien und Russland erforschen. Der Unterschied zu seiner Amerika-Reise war aber, dass er nun sehr berühmt war, vielfach unterstützt und gefördert wurde und somit nicht mehr als Privatmann fahren konnte. Zwar waren die Reisebedingungen deutlich besser, aber er konnte nicht alleine und in Ruhe forschen, weil er von vielen Leuten begleitet wurde. Insgesamt legte er auf dieser Reise 15.000 Kilometer zurück. Auch von dieser Reise brachte er wieder zahlreiche geologische, geografische und biologische Erkenntnisse mit, die er in einem Werk veröffentlichte.

Kosmos - Ein Buch über die Welt

Humboldt-Denkmal vor dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin (Quelle: wikipedia)

In seinem wissenschaftlichen Hauptwerk "Kosmos. Entwurf einer physikalischen Weltbeschreibung" schrieb er seine umfangreichen wissenschaftlichen Kenntnisse und auch die bisherigen Kenntnisse über Geographie und Geologie auf. Er wollte die vielfachen Erscheinungen in der Natur zusammenfassen. Es ging um die Natur, die Erde und auch um das Weltall - also um den gesamten Kosmos -, und deswegen nannte er dieses Buch so. "Kosmos" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Ordnung" oder auch "Weltordnung". Dieses Buch war das erste Lehrbuch der Geophysik und zu dem Zeitpunkt das meist gelesene Buch der Welt.

1859 starb Humboldt im Alter von 90 Jahren in seiner Geburtsstadt Berlin und hinterließ ein umfassendes, großes Lebenswerk, das kaum zu vergleichen ist. Neben seiner vielfältigen Erkenntnisse für die Wissenschaften wurde er auch als Mensch gewürdigt. Er soll sehr hilfsbereit und großmütig bis ins hohe Alter gewesen sein. Tausende von Briefen aus aller Welt hatte er zu Lebzeiten erhalten - und zahlreiche davon auch beantwortet. Alexander von Humboldt sah sich selbst als "Kosmopolit", also als Weltbürger, weil er sich sowohl in Deutschland als auch in Frankreich wohl fühlte. Alle Nationalitäten waren für ihn gleichberechtigt. Aufgrund seiner Persönlichkeit und seiner Verdienste für die Wissenschaft gilt er heute als einer der größten deutschen Berühmtheiten.


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