Gleiche Rechte für Frauen? Die Situation heute

Teil 3: Frauenrechte aktuell

Teil 3 von 4

von Silvia Hähnel und Britta Pawlak

In Deutschland sind Männer und Frauen vor dem Gesetz gleich - sie haben also dieselben Rechte und Pflichten. Mädchen und Frauen besuchen heute die Schule, sie studieren und gehen arbeiten - und dass Frauen wahlberechtigt sind, kommt uns ganz selbstverständlich vor. Auch politische Posten sind heute oft von Frauen besetzt. Aber sind Frauen in Deutschland wirklich in allen Bereichen gleichberechtigt oder gibt es für sie doch noch Nachteile in der heutigen Gesellschaft? Und wie steht es in anderen Ländern dieser Welt um die Rechte von Mädchen und Frauen?

Mädchen und Frauen besuchen heute ebenso wie Jungen und Männer die Schule, studieren und gehen arbeiten - doch sind sie wirklich in allen Bereichen gleichberechtigt? (Quelle: p0psicle | sxc.hu)

Es ist gerade einmal knapp 100 Jahre her, dass Frauen in Deutschland das Recht zu wählen erhielten, und erst vor knapp 60 Jahren wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen. In der Schweiz sind Frauen sogar erst seit dem Jahr 1971 wahlberechtigt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die rechtliche Situation von Frauen wesentlich verbessert. Trotzdem gibt es nach wie vor Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen - besonders im Beruf sind Frauen oft benachteiligt, und das nicht nur, wenn sich ein Kind ankündigt.

Es ist normal für die meisten von uns, dass Frauen ebenso ihrem Beruf nachgehen wie Männer. Sehr viele Frauen können es sich heute nicht mehr vorstellen, nicht arbeiten zu gehen. Schließlich ist der Beruf auch eine Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit zu entfalten, seine Interessen zu verwirklichen - und vor allem, finanziell von anderen Menschen unabhängig zu sein und damit freier über sein Leben bestimmen zu können.

Frauen sind mittlerweile in so gut wie allen Bereichen der Berufswelt tätig, auch dort, wo einst nur Männer arbeiteten: Zunehmend gibt es bei der Bundeswehr auch Soldatinnen und immer mehr Frauen überzeugen in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen oder in der Wirtschaft, wo früher so gut wie keine Frauen anzutreffen waren. In diesen Berufszweigen ist der Anteil an Frauen jedoch noch immer gering, und allgemein sind Frauen seltener in Führungspositionen anzutreffen.

Beruf: Schlechtere Bezahlung und Benachteiligung

Immer mehr Frauen arbeiten heute erfolgreich in Bereichen, in denen Männer stets die Überhand hatten. (Quelle: connor212 / piqs.com)

Frauen leisten in allen möglichen Berufsfeldern ebenso viel wie ihre männlichen Kollegen, doch sie verdienen in Deutschland bis zu ein Viertel weniger Geld! In anderen europäischen Ländern fällt der Unterschied nicht so hoch aus. Vernünftige Erklärungen gibt es hierfür eigentlich nicht, denn es ist erwiesen, dass Frauen im Allgemeinen hoch motiviert sind und im Durchschnitt sogar bessere Hochschulabschlüsse als die männlichen Mitarbeiter vorweisen können.

Gründe für die schlechtere Bezahlung sind zum einen Vorurteile, zum anderen ist es schlicht die Tatsache, dass Frauen Kinder bekommen: Viele denken noch immer, dass Frauen weniger produktiv sind als Männer, sich nicht durchsetzen können und sich deshalb für Führungspositionen nicht "eignen" - oder eben, dass sie ohnehin irgendwann ausfallen oder kürzer treten, weil sie Mutter werden. Deshalb werden junge Frauen oft gar nicht erst eingestellt oder müssen sich in vielen Firmen von vorneherein mit einem niedrigeren Gehalt zufriedengeben - unabhängig davon, ob sie bereits Mutter sind oder überhaupt Kinder bekommen möchten.

Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland eine so genannte Frauenquote - das bedeutet, dass in bestimmten Bereichen Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt werden sollen, damit der Anteil von Frauen und Männern angeglichen wird. Das gilt allerdings nur für Stellen im öffentlichen Dienst - private Unternehmen können nach wie vor selbst darüber entscheiden, ob sie die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben berücksichtigen und fördern oder nicht.

Job und Familie: Für viele Frauen schwierig zu vereinbaren

Generell werden Männer im Berufsleben oftmals bevorzugt - insbesondere, weil Frauen Kinder bekommen und deshalb beruflich ausfallen könnten. Berufstätige Frauen stoßen auf Probleme, wenn sie schwanger werden. (Quelle: Alexandra Bucurescu | Pixelio.de)

Tatsächlich ist es insgesamt noch immer schwierig für Frauen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Für die meisten Paare ist es heute ganz normal, dass sie eine gleichberechtigte Partnerschaft führen - der Kampf der Geschlechter aus früheren Tagen ist zumindest in der jüngeren Generation nicht mehr aktuell. Mann und Frau planen ihre Zukunft gemeinsam und in den meisten Beziehungen wird es als normal und wichtig erachtet, dass man finanziell nicht voneinander abhängig ist.

Deshalb machen sich besonders junge Frauen oft nicht mehr so viele Gedanken über das Thema Gleichberechtigung - das ändert sich meist, wenn Kinder geplant sind oder ein Kind unterwegs ist. Es ist nämlich noch immer die Frau, die zumindest für eine gewisse Zeit aus dem Berufsleben ausscheidet - auch wenn es zunehmend Männer gibt, die nach der Geburt einen Teil der Kinderbetreuung übernehmen. Möchten Mütter schon bald nach der Geburt wieder anfangen zu arbeiten, ist es gar nicht so leicht, die richtige Betreuung für das Kind zu finden. Es gibt viel zu wenige freie Plätze in Krippen, wo sich auch um kleinere Kinder gekümmert wird. Wer nicht auf die Hilfe von Großeltern oder anderen zählen kann, steht vor einem großen Problem.

Vorurteile und zu wenig Unterstützung in der Gesellschaft

Noch immer sind Frauen gesellschaftlich in einigen Bereichen nicht gleichberechtigt, weil sie als Mütter zu wenig Unterstützung bekommen. (Quelle: AD-Passion | sxc.hu)

Viele Menschen denken weiterhin, dass die Kindererziehung allein die Aufgabe der Mutter sei - und manche bezeichnen Mütter, denen ihr Beruf wichtig ist, sogar als "Rabenmütter". Das ist natürlich eine zusätzliche Belastung für Frauen, schließlich wird es doch bei Vätern als ganz normal angesehen, wenn sie sich um ihren Beruf kümmern!

Weil aber auch viele moderne Männer gern mehr für ihre Kinder da sein wollen, bemühen sich nicht wenige Paare darum, die Kindererziehung möglichst gleichmäßig aufzuteilen. Mittlerweile können auch Väter Erziehungsurlaub beantragen, um ihre Kinder zu betreuen. Eine solche "Elternzeit" kann von Müttern und Vätern für maximal drei Jahre in Anspruch genommen werden - sie setzen dann für einige Zeit aus und können später ihre berufliche Arbeit wieder aufnehmen. Eltern, die sich nach der Geburt um ihr Baby kümmern und deshalb nicht arbeiten gehen können, erhalten vom Staat für maximal 14 Monate ein "Elterngeld". Bei Berufstätigen bemisst sich dies nach der Höhe des vorherigen Einkommens (im Allgemeinen entspricht das Elterngeld 67 Prozent des Gehalts). In manchen Familien arbeiten Mann und Frau in Teilzeit weiter, damit sich immer jemand um das Kind oder die Kinder kümmern kann. Leider ist das in vielen Fällen schwer umzusetzen, weil geeignete Teilzeitstellen fehlen oder es nicht möglich ist, sich die Arbeitszeit flexibel einzuteilen.

In der Praxis bedeutet dies: Obwohl Frauen und Männer heute dem Gesetz nach gleichberechtigt sind, ist die Gesellschaft in wichtigen Lebensbereichen weiterhin nicht darauf eingestellt, Frauen auch tatsächlich dieselben Rechte und Freiheiten zu ermöglichen, die für Männer ganz selbstverständlich sind. Denn dass eine Frau zumindest für eine Zeit beruflich ausfällt, wenn sie ein Kind bekommt, ist normal. Jedoch gibt es noch immer viel zu wenig Unterstützung für Mütter, die nach einiger Zeit (wieder) arbeiten gehen, sich weiterbilden und nicht "nur" Mutter und Hausfrau sein möchten. Gerade alleinerziehende Mütter sind besonders häufig von Armut betroffen, weil sie nicht oder nur eingeschränkt arbeiten gehen können. Das heißt, viele Frauen sind weiterhin von den Gehältern der Männer abhängig, da ihnen als Mütter oftmals zu wenig Geld zur Verfügung steht.

Bemängelt wird von vielen, dass das Großziehen von Kindern, was viel Arbeit und Verantwortung mit sich bringt und ein wichtiger Beitrag für unsere Gesellschaft ist, viel zu wenig Anerkennung findet. So bekommen Frauen, die aufgrund ihrer Kinder lange Zeit nicht gearbeitet haben, im Alter eine geringe Rente, weil Hausfrau- und Muttersein von der Gesellschaft nicht als "Arbeit" anerkannt wird - im Gegensatz zu einem Beruf, bei dem man offiziell Geld verdient. Viele Frauenrechtler/innen fordern deshalb, dass die Leistung von Frauen, die Kinder bekommen und großziehen, als Arbeit anerkannt und auch finanziell berücksichtigt werden müsse.

Frauenrechte weltweit

In China herrscht auf dem Papier Gleichberechtigung, aber die Meinung, dass Frauen und Mädchen weniger wert seien als Männer und Jungen, ist noch immer tief verwurzelt. Bild: Chinesische Schüler (Quelle: mforman | sxc.hu)

In Deutschland gibt es also besonders in den Bereichen Beruf und Familie noch immer Probleme, die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau umzusetzen. In manch anderem Land haben Frauen jedoch weiterhin nicht einmal auf dem Papier die gleichen Rechte wie Männer. Es gibt noch immer Länder, in denen Frauen nicht wählen dürfen. Sie werden von ihren Männern als Eigentum betrachtet und auch dementsprechend behandelt.

Oftmals liegen der Benachteiligung und Unterdrückung von Mädchen und Frauen religiöse Überzeugungen und kulturelle Traditionen zugrunde. Gerade in streng islamischen Ländern steht es um die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau meist noch ausgesprochen schlecht. So wird von vielen Frauen erwartet, dass sie sich dem Willen der Männer in ihrer Familie beugen. Sie haben kaum Freiheiten und müssen beispielsweise in der Öffentlichkeit ihren Körper - teilweise sogar ihr ganzes Gesicht - verhüllen, weil keine anderen Männer sie sehen dürfen. In einigen Ländern der Welt haben Männer und Frauen zwar laut Gesetz die gleichen Rechte, aber in den Köpfen der Menschen ist das noch lange nicht angekommen.

Das ist zum Beispiel in China der Fall. Dort herrscht auf dem Papier Gleichberechtigung, aber dennoch ist die Meinung, dass Frauen und Mädchen weniger wert seien als Männer und Jungen, tief verwurzelt - das ist besonders in ländlichen Gebieten der Fall. Da es in China gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Ehepaare nur ein Kind haben dürfen, sind viele Paare darauf aus, einen Jungen großzuziehen. Das geht so weit, dass ungeborene Kinder weiblichen Geschlechts immer wieder abgetrieben oder weibliche Säuglinge ausgesetzt werden. Mittlerweile befürchtet man, dass es schon bald einen Frauenmangel in China geben wird - deshalb wird mittlerweile seitens des Staates sogar Werbung für Mädchengeburten und die Gleichwertigkeit von Männern und Frauen gemacht.

Unterdrückung und Misshandlung von Mädchen und Frauen

Nicht nur in einigen streng islamischen Ländern sind die Frauen noch weit von der Gleichberechtigung entfernt. (Quelle: Wikipedia)

An einigen Orten der Welt steht es um die Frauenrechte besonders schlecht: So dürfen Mädchen im Iran schon ab einem Alter von nur 13 Jahren verheiratet werden, und der Ehemann darf völlig über seine Frau verfügen. Möchte eine Frau sich von ihrem Mann trennen, ist das nicht so einfach möglich, denn ihr Recht auf Scheidung ist stark eingeschränkt. Dasselbe gilt für das Sorgerecht für ihre Kinder - nach einer Scheidung würden die Kinder automatisch dem Mann zugesprochen werden. Wenn der Frau Ehebruch vorgeworfen wird, kann sie dafür zu Tode verurteilt und gesteinigt werden - es kam sogar immer wieder vor, dass Frauen des Ehebruchs beschuldigt wurden, weil sie Opfer von Vergewaltigungen wurden!

Steinigungen von Ehebrecherinnen gibt es auch in Afghanistan. Dort hat der Ehemann auch das Recht, seiner Frau "unnötige" Beschäftigungen außerhalb des Hauses zu verbieten. Befindet er es zum Beispiel für überflüssig, dass sie allein spazieren geht, kann er ihr dies ohne Weiteres verbieten. Auch Schläge und Misshandlungen sind keine Seltenheit. Außerdem regelt ein Gesetz, wie häufig ein Mann das Recht auf Geschlechtsverkehr mit seiner Frau hat - der Wille der Frau tut dabei nichts zur Sache.

In zahlreichen afrikanischen und asiatischen Ländern haben Frauen kaum Rechte, Gewalt und Verstümmelungen sind weit verbreitet. So hat die "Beschneidung" von Mädchen und Frauen weiterhin grausame Tradition: Insbesondere in afrikanischen Ländern, aber auch in asiatischen Staaten, werden heute noch viele weibliche Babys, Mädchen und junge Frauen an den Genitalien (Geschlechtsorganen) "beschnitten" - oft bis zur völligen Verstümmelung, sodass die Frauen ihr Leben lang Schmerzen und gesundheitliche Probleme haben. In vielen Fällen geschieht dies unter schlechten Hygienebedingungen und es kommt zusätzlich zu Entzündungen bis hin zu gefährlichen Komplikationen. Mit diesem Ritual soll oft der "Übergang zur Frau" betont werden - der Eingriff dient vor allem dazu, dass Frauen keine sexuelle Lust empfinden und entweder keinen oder nur eingeschränkt und unter Schmerzen Geschlechtsverkehr mit Männern haben können. Insgesamt sind weltweit etwa 150 Millionen Mädchen und Frauen im Genitalbereich beschnitten, jährlich fallen ungefähr weitere drei Millionen Mädchen dieser Praktik zum Opfer.

In anderen Ländern wie zum Beispiel der Türkei hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt. Die Türkei präsentiert sich zunehmend als offenes und modernes Land. Gerade in den städtischen Gebieten gibt es viele selbstbewusste junge Frauen, die studieren oder arbeiten gehen und ihr Leben selbst bestimmen. Türkische Migranten, die in Deutschland und anderen Ländern leben, legen hingegen oft besonders großen Wert auf ihre Traditionen. Nicht selten werden bei uns lebende Türkinnen von männlichen Verwandten stark unterdrückt. In türkischen Vierteln deutscher Städte sieht man meist sogar mehr verhüllte Frauen auf den Straßen als in den größeren Städten der Türkei. Auch in der Türkei konnte eine Frau noch bis zum Jahr 1999 gerichtlich verurteilt werden, wenn sie ihrem Ehemann untreu geworden war. Und weil es noch sehr viele Menschen gibt, die an ihren traditionellen Vorstellungen festhalten, ist es bis zur tatsächlichen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wohl noch ein weiter Weg.

Klicke auf den Weiter-Pfeil, um zum viertel Teil unserer Reihe über das Thema Gleichberechtigung zu gelangen. Dort erfährst du mehr über Rollenbilder von Männern und Frauen und Vorurteilen in der Gesellschaft. Die meisten Menschen haben bestimmte Vorstellungen davon, welche Verhaltensweisen typisch für Männer sind und welche Eigenschaften besonders Frauen auszeichnen. Sind Männer und Frauen oder Jungen und Mädchen wirklich so verschieden?

letzte Aktualisierung: 22.10.2011

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