Gregorianischer Kalender: Wie ist unser Kalendersystem enstanden?

Die verschiedenen Kalender auf der Welt - Teil 1

Teil 1 von 2

von Daniela Mahr - aktualisiert - 01.01.2018

Wieder ist ein neues Jahr angebrochen. Wusstest du, dass die Zeitrechnung auf die Beobachtung von Himmelskörpern zurückgeht? Der Gregorianische Kalender als Sonnenkalender ist heute weltweit im Gebrauch - dennoch gibt es Kulturen, die ein ganz anderes Kalendersystem besitzen. So befinden wir uns 2018 nach dem jüdischen Kalender bereits im Jahr 5778/ 79 und nach dem islamischen Kalender erst im Jahr 1439/ 40. Wie funktioniert der Gregorianische Kalender? Wie unterscheiden sich die verschiedenen Kalender auf der Welt?

Der Gregorianische Kalender orientiert sich an der Sonne und wird heute weltweit angewendet - dennoch gibt es Kulturen, die ein ganz anderes Kalendersystem besitzen. (Quelle: JMG | Pixelio.de)

Es ist kein Zufall, dass die Erde zwischen 365 und 366 Tage benötigt, um die Sonne zu umkreisen, und etwa 24 Stunden, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen - denn unser Kalendersystem orientiert sich an der Sonne. Zwar hat sich der Gregorianische Kalender im Laufe der Zeit weltweit durchgesetzt, dennoch sind auch die heutigen Kalender nicht überall auf der Erde gleich. Sie lassen sich in vier größere Gruppen zusammenfassen: Sonnen- und Mondkalender, Lunisolarkalender als Mischform und stellare Kalender.

Vorab ist zu erwähnen, dass sich die verschiedenen Kulturen gegenseitig beeinflussten. Die ersten bekannten Kalender sind etwa 5.000 Jahre alt und stammen von den ägyptischen und mesopotamischen Hochkulturen. Später fügten die Babylonier die siebentägige Woche hinzu. Bereits hier richteten sich die Menschen nach Sonne, Mond und anderen Himmelskörpern.

Orientierung an Mond, Sonne und Sternen

Mondkalender berechnen den Monat und das Jahr anhand der Mondphasen und gehören zu den ältesten existierenden Kalendern der Menschheit. (Quelle: Juana Kreßner | Pixelio.de)

Die Sonnenkalender orientieren sich am Lauf der Erde um die Sonne. Dass sie Sonnen- und nicht Erdkalender heißen, liegt an unserer "verfälschten" Wahrnehmung, die Sonne bewege sich am Himmel, obwohl sich tatsächlich die Erde um die Sonne dreht.

Mondkalender berechnen den Monat und das Jahr anhand der Mondphasen und gehören zu den ältesten existierenden Kalendern der Menschheit. Das ist einleuchtend, da der Mond die einfachste und eindeutigste Orientierungshilfe für die Kalenderrechnung war. Der neue Monat begann, wenn das "neue Licht", also der neue Mond, wieder am Himmel erschien. Das Mondjahr besteht aus zwölf Monaten, ist jedoch elf Tage kürzer als das Sonnenjahr, das schwieriger zu berechnen ist.

Der Lunisolarkalender stellt eine Mischform dar - man kann ihn mit den lateinischen Wörtern "Luna" (Mond) und "Sol" (Sonne) übersetzen. Seine Monate richten sich nach dem Mond, das Jahr wird allerdings anhand der Sonne festgelegt. Das bedeutet, es wird zum Beispiel von einem Frühlingsanfang bis zum nächsten oder von einer Sonnenwende bis zur nächsten gerechnet. Es gibt zwei Sonnenwenden innerhalb eines Jahres: Die Wintersonnenwende am 21. oder 22. Dezember (Winteranfang) und die Sommersonnenwende am 21. Juni (Sommeranfang). An diesen Tagen erreicht die Sonne ihren größten Abstand zum Himmelsäquator, von da an ändert sie ihre Bewegungsrichtung und nähert sich wieder dem Äquator an.

Jahresverlauf der Erde um die Sonne: Ganz links ist die Ausrichtung der Erde zur Sonne dargestellt, wenn es Sommer auf der Nordhalbkugel ist, ganz rechts, wenn es auf der Nordhalbkugel Winter ist. (Quelle: tau'olunga/ Wikipedia)

Bei der Wintersonnenwende passiert Folgendes: Nachdem die Sonne den Winterpunkt erreicht hat, nimmt die Sonnenhöhe mittags am Himmel nicht mehr weiter ab, sondern die Sonne steigt anschließend wieder langsam empor - von nun an werden die Tage also wieder länger. Alte Völker überall auf der Welt feierten zu diesem Zeitpunkt den "Tod" und die "Wiedergeburt" der Sonne und des Jahres. Auch wird vermutet, dass das Datum des Weihnachtsfestes, an welchem die Christen die Geburt Jesu feiern, in Verbindung mit der Wintersonnenwende steht.

Der Stellare Kalender orientiert sich an dem jeweiligen Stand verschiedener Sterne, wobei die Sonne und auch der Mond eine untergeordnete Rolle spielen. Ein Jahr beginnt hier also zum Beispiel nicht mit dem Wiedererscheinen des Mondes, sondern eines bestimmten Sternes. Solche Kalendersysteme verwendeten die alten Ägypter, die Maya und einige andere alte Kulturen (siehe auch: Schrift und Kalender - Rätsel der Maya-Kultur).

Der Gregorianische Kalender

Unter Julius Cäsar wurde im Jahr 46 vor Christus das Jahr auf 365,25 Tage (also 365 Tage und sechs Stunden) festgelegt. Das war ein Versuch, sich den 365,2422 Erdumdrehungen eines Sonnenjahres rechnerisch anzunähern. Das Julianische Jahr (benannt nach Julius Cäsar) ist aber damit gegenüber dem Sonnenjahr um elf Minuten und 14 Sekunden zu lang, sodass die Abweichung im 14. Jahrhundert schon mehr als sieben Tage betrug.

Der Gregorianische Kalender geht auf Papst Gregor XIII. zurück, der das Kalendersystem 1582 reformierte. (Quelle: Wikipedia)

Deshalb führte im Jahr 1582 Papst Gregor XIII. eine Reform ("Erneuerung") des Kalendersystems durch. Um die Abweichung zum Sonnenjahr auszugleichen, wurden vom 4. Oktober 1582 einfach zehn Tage übersprungen und direkt beim 15. Oktober 1582 weitergezählt. Zudem wurden verbesserte Schaltregeln eingeführt, um den Abweichungen entgegen zu wirken: Nur noch diejenigen Jahre am Ende eines Jahrhunderts sollten Schaltjahre sein, die sich durch 400 teilen ließen (wie 1600, 2000 und so weiter), sodass 400 Jahre im Gregorianischen Kalender um drei Tage kürzer sind als im Julianischen.

Auf diese Entwicklung geht unser heutiger Kalender zurück. In etwa der gleichen Zeit wurde auch der Jahresbeginn reformiert. Noch im Mittelalter begann das Jahr zu unterschiedlichen Zeiten. Nun wurde der Beginn des neuen Jahres offiziell auf den ersten Januar verlegt. Der Name des Monats stammt von dem lateinischen Wort "ianua", was in etwa Tür, Eingang oder Durchgang bedeutet. Die Wahl des ersten Januar als Jahresbeginn hat vermutlich etwas mit der Wintersonnenwende sowie der Geburt von Jesus Christus zu tun.

Diese Zeitrechnung wurde nach und nach von einem Großteil der Welt übernommen, zuletzt von der Türkei im Jahr 1926 und von China im Jahr 1949. Die orthodoxe Kirche machte diese Reform allerdings nicht mit. Orthodox bedeutet übersetzt "geradlinig" - und somit blieben sie bei ihrer Linie, weshalb sie auch heute noch Weihnachten am 6. Januar feiern.

Klicke auf den "Weiter-Pfeil", um zum zweiten Teil der Artikelreihe zu gelangen. Darin erfährst du mehr über die Kalendersysteme auf der Welt: Wie zählt der islamische, jüdische, indische oder chinesische Kalender und worin unterscheiden sich die Systeme?

letzte Aktualisierung: 08.01.2018

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