Lexikon: Ethnie / Ethnische Minderheit

von Britta Pawlak

Die Xavante (Bild) leben wie viele andere indigene Völker als ethnische Minderheit auf dem amerikanischen Kontinent, hier in einem Reservat in Brasilien. (Quelle: Agencia Brasil, Wilson Dias/Abr./ Creative Commons (CC BY 3.0 BR))

Das Wort Ethnie kommt vom griechischen Begriff "éthnos", was "Volk" bedeutet. Es bezeichnet eine Volks- oder Menschengruppe, die sich aufgrund ihrer gemeinsamen Herkunft, Kultur, Sprache, Religion, Geschichte und/ oder Wirtschaftsweise zusammengehörig fühlt und eine Gemeinschaft bildet. Oft wird "Ethnie" auch einfach gleichbedeutend mit dem Wort "Volk" verwendet.

Eine Ethnie kann man aber nicht automatisch mit einer bestimmten Staatsbürgerschaft oder Nationalität (wie deutsch, brasilianisch oder chinesisch) gleichsetzen. Denn auch innerhalb eines Landes können verschiedene ethnische Gruppen leben, die sich durch ihre je eigene Kultur voneinander abgrenzen. Manchmal sprechen sie dabei auch ihre eigene Sprache oder gehören einer unterschiedlichen Glaubensrichtung an, das muss aber nicht der Fall sein. Ethnien können sich auch herausbilden, weil sich ein bestimmtes Gemeinschaftsgefühl und Selbstverständnis zwischen den "Mitgliedern" entwickelt, die sich dadurch kulturell von anderen Gruppen abgrenzen.

Oft ist in den Nachrichten von "ethnischen Minderheiten" die Rede, dann geht es um Bevölkerungsgruppen, die in einem Land oder Gebiet in der Minderzahl sind und deshalb oft mit Diskriminierung, Unterdrückung und Ausgrenzung zu kämpfen haben, weniger Rechte besitzen oder sogar verfolgt und vertrieben werden oder wurden. Man unterscheidet zwischen ethnischen Minderheiten, die bereits seit langer Zeit einer gemeinsamen Ethnie angehören, wie zum Beispiel die Basken in Spanien, und solchen, die ursprünglich nicht derselben Ethnie zugehörig waren, wie etwa die schwarze Bevölkerung in Amerika. Eine Besonderheit stellt die "Diaspora" ("Zerstreuung") dar, bei der eine Bevölkerungsgruppe ihre einstige Heimat verließ und nun als ethnische Minderheit in verschiedenen Teilen der Welt verstreut lebt - wie etwa die Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung, die nicht im jüdischen Staat Israel lebt.

Der Begriff "Ethnien" oder "ethnische Gruppen" hat heutzutage außerdem den Begriff "Rassen" abgelöst, den man früher verwendete, um Volksgruppen anhand ihrer Herkunft und äußerlichen Erscheinung zu unterscheiden. Da mit ihm auch zweifelhafte und wertende Definitionen von Völkern und Menschengruppen verbunden waren, denen eine rassistische Denkweise zugrunde liegt, wird der Begriff "Rasse" in Bezug auf Menschengruppen mittlerweile nicht mehr verwendet. "Ethnie" gilt als neutralerer Begriff, um auch die äußerlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Volksgruppen zu benennen. Allerdings bezeichnet der Begriff "Ethnie" nicht in erster Linie die Unterschiede im Aussehen, sondern vor allem die kulturellen Eigenheiten einer Bevölkerungsgruppe.

Aber warum ähneln sich Menschen, die einer gemeinsamen Ethnie angehören, in vielen Fällen auch äußerlich? Sie haben meist eine gemeinsame Herkunft und Geschichte. Der Mensch passte sich im Laufe der Evolution in seiner äußeren Erscheinung wie seiner Hautfarbe und bestimmten Merkmalen dem Lebensraum an. So sehen Europäer anders aus als Völker aus Asien oder Afrika. Südeuropäer unterscheiden sich wiederum von den nördlichen Bewohnern Europas, und genauso gibt es unter den Volksgruppen Asiens Verschiedenheiten. Noch sind viele Fragen in der Forschung über die Evolution des Menschen nicht ausreichend beantwortet. Zum Beispiel, wie genau sich die verschiedenen "Menschentypen" eigentlich entwickelt haben. Auf jeden Fall siedelten sich die Völker im Laufe der Zeit in unterschiedlichen Erdregionen an und vermischten sich dort wieder mit anderen. Nach und nach entstanden einzelne Volksgruppen und Ethnien. Der Mensch passte sich in seiner äußeren Gestalt und bestimmten Merkmalen seinem Lebensraum optimal an. So entwickelten Menschen in nördlichen Regionen eine helle Haut, während Menschen, die oft der heißen Sonne ausgesetzt waren, eine dunklere Haut hatten. Dadurch waren sie viel besser vor schädlichen Sonnenstrahlen geschützt. Auch dunkle Augen sind viel unempfindlicher gegen helles Licht. Durch Anpassungen und Erbmutationen - plötzliche genetische Veränderungen - wandelte sich der menschliche Körper und stellte sich immer besser auf örtliche Gegebenheiten ein.

letzte Aktualisierung: 14.11.2014

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