von Britta Pawlak
Vor mehr als 50 Jahren betrat zum letzten Mal ein Mensch den Mond - und seitdem hat sich in der Raumfahrt unglaublich viel getan. Raketen landen wieder auf der Erde, um ein zweites Mal zu fliegen. Weltraumteleskope blicken bis an die Grenzen des Universums. Und im April 2026 startete erstmals seit 1972 wieder eine Besatzung in Richtung Mond. Was als Wettlauf zweier Supermächte begann, ist heute zu einem weltweiten Projekt geworden, an dem Staaten und private Unternehmen gemeinsam arbeiten -mit Zielen, die weit über den Mond hinausgehen.

Orion (rechts) ist an einer Mondlandefähre angedockt ist (Darstellung der NASA).
Die Geschichte der Raumfahrt beginnt ausgerechnet mit einer Waffe. Im Zweiten Weltkrieg entwickelte ein deutsches Forscherteam unter dem Ingenieur Wernher von Braun die V2-Rakete - den ersten Flugkörper der Geschichte, der die Grenze zum Weltraum überschritt. Die V2 war als Kriegswaffe gebaut worden und richtete vor allem in London und Antwerpen schwere Verwüstungen an. Gleichzeitig bewies die Rakete, dass es technisch möglich war, einen Körper weit genug in den Himmel zu schießen, um die Anziehungskraft der Erde zu überwinden. Dieses Wissen sollte die nächsten Jahrzehnte prägen - sowohl militärtechnisch als auch wissenschaftlich. Nach dem Ende des Krieges 1945 wetteiferten die USA und die Sowjetunion darum, so viele deutsche Ingenieure, Konstruktionspläne und Raketenbauteile wie möglich in ihren Besitz zu bringen - denn beide Seiten erkannten sofort, welche politische Macht in dieser Technologie steckte.
Der Kalte Krieg damals war kein offener militärischer Konflikt, aber ein erbitterter Wettstreit um Macht, Einfluss und technologischen Vorsprung - mit der ständigen Bedrohung, dass dieser Konflikt in einen Krieg mit Waffen münden könnte. Ein Teil dieses Wettrennens fand nun im Weltall statt: Die Sowjetunion, die einen großen Teil der deutschen Raketenexperten und Baupläne übernommen hatte, erzielte den ersten großen Triumph: Am 4. Oktober 1957 schossen sie Sputnik 1 in die Erdumlaufbahn - den ersten künstlichen Satelliten der Geschichte. Ein Satellit ist ein künstliches Objekt, das - ähnlich wie der Mond - in einem festen Kurs die Erde umkreist. Sputnik war nicht größer als ein Medizinball und sendete nur ein schlichtes Piepsen zur Erde, doch er versetzte die USA - und mit ihr die übrige westliche Welt - in einen Schock: Wenn die Sowjets eine Rakete in den Weltraum schießen konnten, konnten sie dieselbe Technologie auch nutzen, um Atombomben über US-amerikanische Städte zu fliegen. Das Weltall war kein fernes Traumland mehr, sondern wurde zum strategischen Schlachtfeld.
Noch im selben Jahr schickte die Sowjetunion mit Sputnik 2 das erste Lebewesen ins All: die Hundin Laika. Für sie war der Flug ein Todesurteil - eine Rückkehrmöglichkeit war von Anfang an nicht vorgesehen. Laika wurde dabei zur Berühtmtheit und ihr Schicksal löste weltweit Diskussionen über das Wohl von Tieren in der Wissenschaft aus, die bis heute nachklingen. Den nächsten historischen Schritt machte am 12. April 1961 der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin: Er umkreiste als erster Mensch die Erde, in 108 Minuten einmal rund um den Globus, in der kleinen Kapsel Wostok 1. Gagarin wurde zur Legende, und US-Präsident John F. Kennedy reagierte 1961 mit einem der kühnsten Versprechen der modernen Geschichte: Noch in diesem Jahrzehnt - also vor 1970 - sollte ein Mensch den Mond betreten. Es schien damals kaum möglich - und doch wurde es zur Realität.
Der Mond als Ziel: Das Apollo-Programm
Am 20. Juli 1969 landete die Raumkapsel Apollo 11 auf dem Mond. Astronaut Neil Armstrong kletterte als erster Mensch auf die Mondoberfläche und sprach den Satz, der seitdem in die Geschichte einging - und auch in unzähligen Schulbüchern zu finden ist: "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit." Sein Kollege Buzz Aldrin folgte kurz darauf, wahrend Michael Collins allein in der Kommandokapsel die Erde umkreiste und wartete. Die Mission war ein Triumph der US-amerikanischen Raumfahrttechnik - und zugleich ein klarer Sieg im Wettlauf gegen die Sowjets. Bis Dezember 1972 landeten im Rahmen des Apollo-Programms insgesamt zwölf Astronauten auf dem Mond. Die letzte Mission war Apollo 17 - und als Astronaut Eugene Cernan als vorerst letzter Mensch den Mond verließ, ahnte wohl kaum jemand, dass mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen wurde, bevor wieder Menschen dorthin aufbrechen.
Warum wurde das Apollo-Programm so plötzlich beendet? Die Antwort ist vor allem eine Frage des Geldes und der Politik. Die Mondmissionen verschlangen gigantische Geldsummen, und nach dem Mondwettlauf war der politische Druck vorerst gewichen: Sobald die USA gewonnen hatten, verlor der Kongress das Interesse, weiter Milliarden dafür zu investieren. Gleichzeitig hatten die Sowjets ihren eigenen bemannten Mondlandungsversuch heimlich aufgegeben, nachdem ihre riesige N1-Rakete mehrfach beim Start explodiert war. Stattdessen konzentrierten sich beide Seiten nun auf Raumstationen - dauerhafte Labors im Weltall, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über längere Zeit forschen konnten. Die Sowjets schickten 1971 mit Saljut 1 die erste Raumstation in die Erdumlaufbahn, 1986 folgte die deutlich größere Mir, auf der Kosmonauten bis zu einem Jahr lebten und arbeiteten.
In den USA entwickelte die NASA in dieser Zeit eine völlig neue Art von Raumfahrzeug: das Space Shuttle. Anders als alle Raumkapseln zuvor konnte diese Raumfahre nach dem Flug wie ein Flugzeug landen und anschließend wieder gestartet werden. Die erste Shuttle-Mission fand 1981 statt. Die Flotte leistete uber 30 Jahre lang wertvolle Arbeit - beim Bau der Internationalen Raumstation, beim Aussetzen und Reparieren von Satelliten und beim Betrieb von Wissenschaftslabors im All. Doch das Programm wurde von zwei schweren Katastrophen überschattet: 1986 explodierte die Challenger kurz nach dem Start, 2003 zerbrach die Columbia beim Wiedereintritt in die Atmosphare. Bei beiden Unglücken kamen alle Besatzungsmitglieder ums Leben. Die Untersuchungen zeigten in beiden Fällen, dass Sicherheitsprobleme frühzeitig bekannt, aber nicht ernst genug genommen worden waren - eine schmerzliche Lektion darüber, was passiert, wenn in komplexen Systemen der Druck, Zeitpläne einzuhalten, über Sicherheitsbedenken gestellt wird.
Die ISS: Ein Haus im All fur die ganze Welt
Seit dem Jahr 2000 ist die Internationale Raumstation ISS (englisch: International Space Station) dauerhaft bewohnt - länger als jede andere Raumstation in der Geschichte. Die ISS kreist in rund 400 Kilometern Höhe mit knapp 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde und benötigt für eine komplette Erdumrundung nur etwa 90 Minuten. Sie ist mit einer Länge von 109 Metern und einem Gewicht von mehr als 400 Tonnen das größte von Menschen errichtete Objekt im Weltall. Auf der Station arbeiten seit ihrer Inbetriebnahme Astronauten und Kosmonauten aus mehr als 20 Nationen gemeinsam, darunter die USA, Russland, Europa, Japan und Kanada. Was als mögliches Symbol der Völkerverstandigung gedacht war, hat sich trotz politischer Spannungen zwischen den Partnerländern - gerade in den Jahren nach dem russischen Angriff auf die Ukraine - als relativ stabiles Gemeinschaftsprojekt erwiesen.
Auf der ISS wird Forschung betrieben, die so auf der Erde nicht möglich wäre. In der Schwerelosigkeit - dem Zustand, in dem die Astronauten innerhalb der Station scheinbar schwerelos schweben, weil sie mit der Station zusammen um die Erde fallen - verändern sich Materie, Flüssigkeiten und lebende Organismen auf vielfache Weise. Muskeln und Knochen schwachen sich schnell ohne die tagliche Belastung durch die Schwerkraft, das Herz verändert seine Form, die Flüssigkeiten im Körper verteilen sich anders, und das Immunsystem reagiert verändert. Diese Erkenntnisse sind nicht nur für die Raumfahrt wichtig: Sie helfen Ärzten, etwa Muskelabbau bei Bettlägrigen besser zu verstehen, neue Medikamente gegen Knochenabbau zu entwickeln und Herzerkrankungen zu erforschen. Daneben werden im All neue Werkstoffe, Kristalle und Pflanzen gezüchtet, die unter Schwerkraft nicht in dieser Form wachsen würden.
Auch Deutschland und Europa spielen bei der ISS eine wichtige Rolle. Die Europäische Weltraumorganisation ESA (englisch: European Space Agency), der 22 europäische Länder angehören, hat wesentliche Teile der Station gebaut. Deutsche Astronauten wie Thomas Reiter, Hans Schlegel und vor allem Alexander Gerst - der 2014 und 2018 insgesamt fast ein Jahr auf der ISS verbrachte und als einer ihrer Kommandanten amtierte - haben entscheidende Forschungsarbeit geleistet. Gerst wurde in Deutschland vor allem durch seine beeindruckenden Fotos der Erde bekannt, die er von der Station aus teilte - Aufnahmen, die die Verletzlichkeit unseres Planeten vor Augen führen: wolkenfreie Wüsten, verschwindende Gletscher und im Dunkeln leuchtende Städte. Wie lange die ISS noch betrieben wird, ist allerdings unsicher. Die NASA plant, sie um 2030 kontrolliert in den Pazifischen Ozean zu steuern und versenken.
Private Unternehmen revolutionieren die Raumfahrt
Lange Zeit war Raumfahrt fast ausschließlich eine Angelegenheit von Staaten und ihren Behörden. Seit den 2010er Jahren hat sich das grundlegend gewandelt. Der bekannteste neue Akteur ist SpaceX, 2002 vom Unternehmer Elon Musk gegründet mit dem erklärten Ziel, die Menschheit zu einer "multiplanetaren Spezies" zu machen - also Menschen auch auf anderen Planeten ansiedeln zu können. Was nach größenwahnsinnigen Fantasien klingt, wurde bisher konsequent zielgerichtet verfolgt: SpaceX entwickelte mit der Falcon 9 eine Rakete, deren erste Stufe nach dem Start nicht im Meer versinkt, sondern wieder zur Erde zurückkehrt und senkrecht landet - um dann erneut verwendet zu werden. Manche Booster sind inzwischen bereits mehr als 20-mal geflogen. Das spart enorme Kosten und hat die Preise für Satellitenstarts weltweit deutlich gedrückt.
Noch ehrgeiziger ist das Starship-Projekt von SpaceX: Mit fast 123 Metern Höhe ist es die größte Rakete, die je gebaut wurde - größer selbst als die legendäre Saturn-V-Rakete, die die Apollo-Astronauten zum Mond brachte. Das Starship ist vollständig wiederverwendbar, auch der riesige Booster, der das Raumschiff aus der Atmosphäre herausschießt. Bei Testflügen in Texas kehrte dieser Booster nach dem Start zum Startturm zurück und wurde dort von riesigen Metallarmen aufgefangen - ein Anblick, den die Welt so noch nie gesehen hatte. Das Starship ist als Mondlandefähre für spätere Artemis-Missionen vorgesehen. Ob und wann es für einen bemannten Mondflug bereit ist, gilt jedoch noch als offen, da viele technische Hürden noch nicht vollständig gelöst sind - eine davon ist die Betankung im Orbit, also das Nachfüllen des Raumschiffs im All.
Doch SpaceX ist nicht allein. Das Unternehmen Blue Origin, gegründet vom Amazon-Gründer Jeff Bezos, entwickelt mit Blue Moon einen eigenen Mondlander. Und aus China kommt immer stärkere Konkurrenz: China hat seit 2003 eigene Astronauten - auf Chinesisch: Taikonauten - ins All geschickt und betreibt seit 2022 eine eigene Raumstation namens Tiangong, was so viel bedeutet wie "Himmelspalast". China plant unbemannte und spätere bemannte Mondmissionen und möchte spätestens 2030 eigene Astronauten auf den Mond bringen. Die NASA sieht das wiederum als Antrieb: Genauso wie der Sputnik-Schock 1957 die USA zu schnellem Handeln zwang, gibt der chinesische Fortschritt heute Anlass zum Vorantreiben der Forschung im Westen. Das Wettrennen ins All ist zurück - nur dass es diesmal noch mehr Konkurrenz gibt.
James-Webb-Weltraumteleskop: Blick in die Vergangenheit des Universums

Am Weihnachtstag 2021 startete eine der spannensten Maschinen, die Menschen gebaut haben: das James-Webb-Weltraumteleskop, kurz JWST. Es wurde von NASA, ESA und der kanadischen Raumfahrtbehorde gemeinsam entwickelt und kostete fast zehn Milliarden US-Dollar - damit ist es das teuerste wissenschaftliche Instrument in der Geschichte der unbemannten Raumfahrt. Sein goldener Hauptspiegel ist 6,5 Meter groß und besteht aus 18 einzelnen sechseckigen Segmenten, die sich erst nach dem Start im All entfalteten. Heute steht das Teleskop nicht in der Erdumlaufbahn wie sein Vorgänger, das Hubble-Teleskop, sondern in 1,5 Millionen Kilometern Entfernung - an einem Punkt, an dem die Anziehungskraft von Erde und Sonne sich gegenseitig aufheben. Dort kann kein Astronaut es erreichen - und genau dort braucht es niemanden, denn es funktioniert bisher präzise nach Plan.
Was das James-Webb-Teleskop kann, ist kaum vorstellbar: Es fängt Licht auf, das 13,5 Milliarden Jahre unterwegs war - also fast so alt wie das Universum selbst, das vor rund 13,8 Milliarden Jahren im Urknall entstand. Da sich Licht zwar unvorstellbar schnell bewegt, aber doch eine bestimmte Zeitspanne braucht, um sehr große Entfernungen zurück zu legen, blickt das Teleskop beim Beobachten ferner Galaxien buchstäblich in die Vergangenheit: Es sieht diese Galaxien nicht so, wie sie heute sind, sondern so, wie sie vor Milliarden von Jahren aussahen - kurz nach ihrer Entstehung. Im Mai 2024 entdeckte das JWST die älteste bisher bekannte Galaxie, JADES-GS-z14-0, die bereits wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall existierte. Einige dieser frühen Galaxien erwiesen sich als unerwartet groß und hell - was Fragen aufwirft, ob unser bisheriges Verständnis von der Entstehung des Universums in manchen Punkten überarbeitet werden muss.
Das James-Webb-Teleskop untersucht auch Planeten in anderen Sonnensystemen, die so genannten Exoplaneten. Es analysiert, welche Gase in ihrer Atmosphäre vorhanden sind - und das ist für die Frage nach Leben im All von großer Bedeutung. Bestimmte Gase wie Sauerstoff oder Methan könnten Hinweise auf biologische Prozesse sein, denn auf der Erde entstehen sie zum großen Teil durch Lebewesen. Ob das JWST je direkte Beweise fur außerirdisches Leben findet, ist völlig offen - aber es liefert erstmals die technischen Möglichkeiten, diese Frage wissenschaftlich zu stellen. Die Daten, die das Teleskop sammelt, werden Forschende noch über Jahrzehnte beschäftigen.
Das Artemis-Programm: Der Weg zuruck auf den Mond
Das größte Raumfahrtprogramm der Gegenwart tragt den Namen Artemis - benannt nach der griechischen Göttin der Jagd und des Mondes, der Zwillingsschwester von Apoll. Das ist kein Zufall: So wie das Apollo-Programm der 1960er und 1970er Jahre die USA zum Mond brachte, soll Artemis nun eine neue Ära der Monderforschung einleiten - diesmal aber mit längerer Perspektive und internationaler Beteiligung. Den Anfang machte im November 2022 Artemis 1: ein unbemannter Testflug, bei dem das neue Orion-Raumschiff den Mond umrundete und sicher zur Erde zurückkehrte. Zentral dabei war das Europaische Servicemodul (ESM), das von der ESA entwickelt und maßgeblich bei Airbus in Bremen gefertigt wurde. Es versorgt das Orion-Raumschiff mit Strom, Antrieb, Atemluft und Wasser. Deutschland ist mit rund 50 Prozent an seiner Produktion beteiligt - ein wesentlicher europäischer Beitrag zu einem amerikanisch gefuhrten Mondprogramm.
Der nächste und weitaus bedeutendere Schritt folgte im April 2026 mit Artemis 2: Am 1. April 2026 startete das Space Launch System (SLS) vom Kennedy Space Center in Florida - mit einer Schubkraft von knapp 8,8 Millionen Pfund und vier Menschen an Bord zum ersten Mal seit Apollo 17 im Dezember 1972. Die Besatzung bestand aus den NASA-Astronauten Reid Wiseman (Kommandant), Victor Glover, Christina Koch und dem kanadischen Astronauten Jeremy Hansen. Das Orion-Raumschiff, dem die Besatzung den Namen Integrity (deutsch: Integritat) gegeben hatte, flog auf einer so genannten Free-Return-Trajektorie - einem Flugbogen, bei dem das Raumschiff durch die Mondanziehung automatisch zur Erde zurückgeleitet wird, ohne zusätzlichen Antrieb. Die Besatzung flog dem Mond bis auf knapp 6.600 Kilometer nahe und brach damit den seit Apollo 13 aus dem Jahr 1970 stehenden Entfernungsrekord vom Mittelpunkt der Erde.
Am 10. April 2026 splashte die Orion-Kapsel sicher im Pazifischen Ozean vor der Küste von San Diego auf. Insgesamt legte die Besatzung rund 1,13 Millionen Kilometer zurück und erreichte dabei eine Höchstgeschwindigkeit von uber 39.000 Kilometern pro Stunde beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Nicht alles verlief reibungslos: Der Hitzeschild des Raumschiffs zeigte erneut kleinere Unregelmäßigkeiten, wie schon nach Artemis 1. NASA-Ingenieure untersuchen seitdem, wie er für künftige Mondlandungsflüge verbessert werden muss. Auch die Toilette und ein Ventil benötigen Überarbeitungen. Das sind keine Kleinigkeiten - denn bei einem Mondlandungsflug können solche Probleme über Sicherheit und Misserfolg entscheiden. Trotzdem war Artemis 2 das, was es sein sollte: ein erfolgreicher historischer Testflug, der den Weg zu weiteren Missionen eröffnet hat.
Was kommt als nächstes? Der Weg zur neuen Mondlandung
Nach dem Erfolg von Artemis 2 hat die NASA ihr weiteres Vorgehen angepasst. Artemis 3, für 2027 geplant, wird keine Mondlandung, sondern zunächst ein Testflug im Erdorbit: Das Orion-Raumschiff soll sich dort mit einem kommerziellen Mondlander ankoppeln - ein kompliziertes Manöver, das für spätere echte Mondlandungen dringend geprobt werden muss. Sowohl SpaceX mit seinem Starship als auch Blue Origin mit seinem Blue-Moon-Lander wollen dabei mitmachen - welcher Lander rechtzeitig bereit sein wird, ist noch offen. Die erste echte Mondlandung im Rahmen des Artemis-Programms ist damit erst für Artemis 4, geplant für 2028, vorgesehen. Sie wäre die erste bemannte Mondlandung seit 1972 und soll zum ersten Mal eine Frau auf die Mondoberfläche bringen.
Doch warum der ganze Aufwand? Warum fliegen Menschen noch einmal zum Mond, wenn Apollo schon dort war? Die Gründe sind vielfältig und gehen über bloßes Prestige hinaus. Zum einen steckt der Mond voller wissenschaftlicher Geheimnisse: Er hat kein schützendes Magnetfeld, keine Atmosphäre und ist geologisch nahezu inaktiv - er ist also wie ein eingefrorener Zeitzeuge der Entstehung unseres Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren. Bestimmte Gesteinsproben, die Apollo-Astronauten mitbrachten, werden noch heute untersucht und liefern immer neue Erkenntnisse. Am Südpol des Mondes, der seit Apollo noch nicht besucht wurde, soll es große Mengen Wassereis in schattigen Kratern geben - eine Entdeckung von enormer Bedeutung, denn dieses Eis könnte zu Trinkwasser, Atemluft und sogar zu Raketentreibstoff aufbereitet werden. Wer Wasser auf dem Mond hat, kann dort langfristig eine Basis betreiben.
Zum anderen dient der Mond als Trainingsplatz für den Mars. Eine bemannte Marsexpedition würde mehrere Jahre dauern und wäre mit Risiken verbunden, die weit über alles hinausgehen, was die Raumfahrt bisher gewagt hat. Auf dem Mond dagegen ist man nur drei Tage von der Erde entfernt - nahe genug, dass im Notfall Hilfe möglich wäre. Dort können neue Technologien getestet, Lebenserhaltungssysteme erprobt und Erfahrungen gesammelt werden, die für spätere Marsflüge unerlässlich sind. Auch das Problem des Weltraumschrotts darf dabei nicht vergessen werden: In der Erdumlaufbahn rasen inzwischen mehr als eine Million Trümmerteile mit Tausenden Kilometern pro Stunde und gefährden aktive Satelliten und Raumschiffe. Je mehr Staaten und Unternehmen den Weltraum dafür nutzen, desto dringlicher wird die Frage, was mit diesem Schrott passieren soll und wie man ihn künftig verhindern kann.
Wozu brauchen wir die Raumfahrt?
Diese Frage stellen sich viele Menschen zu Recht. Mondmissionen kosten Milliarden - und auf der Erde gibt es genug Probleme zu lösen. Doch Raumfahrt und unser Alltag hängen enger zusammen, als es scheint. Viele Erfindungen, die heute ganz selbstverständlich sind, entstammen der Raumfahrtforschung: Speicherfolien in Rettungsdecken, kratzresistente Brillengläser, spezielle Filter in Wasseraufbereitungsanlagen, drahtlose Kopfhörer und sogar der Memoryschaumstoff in Matratzen wurden ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt. Hinzu kommen medizinische Erkenntnisse aus der ISS-Forschung, die Ärzten helfen, Muskelabbau, Knochenbrüchigkeit und Herzerkrankungen besser zu behandeln.
Noch unmittelbarer ist die Bedeutung der Satelliten: Ohne sie wäre unser modernes Leben kaum vorstellbar. GPS-Navigationssysteme funktionieren nur dank Dutzender Satelliten, die ständig ihre Position senden. Wettervorhersagen, die uns sagen, ob wir einen Regenschirm brauchen, basieren auf Satellitendaten. Das Internet und Mobilfunknetze werden in entlegene Regionen der Welt über Satelliten gebracht. Und Klimaforscher beobachten mit Hilfe von Satelliten das Schmelzen der Polkappen, die Ausbreitung von Wüsten, die Abholzung von Wäldern und den Anstieg des Meeresspiegels - alles Phänomene, die man vom Boden aus deutlich weniger gut beobachten kann als aus dem All. Ohne Raumfahrt wäre auch unser Verständnis des Klimawandels erheblich lückenloser.
Schließlich hat Raumfahrt noch etwas, das sich schwer in Zahlen ausdrücken lässt: Sie inspiriert. Die ersten Bilder der Erde vom All - eine zerbrechliche, blau leuchtende Kugel im schwarzen Nichts - veränderten, wie die Menschen ihren Planeten wahrnahmen. Die Astronauten berichten fast übereinstimmend, dass der Anblick der Erde aus dem All ihre Einstellung zu Grenzen, Kriegen und Umweltzerstörung nachhaltig verändert habe: Man sehe keine Staatsgrenzen mehr, sondern einen atemberaubend schönen Planeten - und ein einziges, gemeinsames Zuhause. Missionen wie Artemis zeigen, was Menschen erreichen können, wenn sie mit Konsequenz, Zusammenarbeit und dem Mut, größer zu denken, an etwas arbeiten. Und vielleicht ist das eine Perspektive, die nicht zuletzt die Raumfahrt uns bieten kann: den Mut, über den Horizont hinaus zu blicken - und dabei besser wertzuschätzen und auf das zu achten, was wir an unserem Planeten haben.
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