Das Geschenk des Präsidenten

18.03.2005

Mitten im Naturschutzgebiet im Nordosten Alaskas soll demnächst Öl gefördert werden. Das hat der Senat der Vereinigten Staaten von Amerika am 17. März 2005 auf Drängen von Präsident George W. Bush beschlossen. Für Naturschützer ist das eine Katastrophe.

Noch können sich diese Grizzlys in der unberührten Natur austoben. (Quelle: U.S. Fish and Wildlife Service / Larry Aumiller)

Seit 1960 steht dieses Naturparadies nämlich unter strengen Schutz. Dort leben viele seltene Tiere wie Eisbären, Moschus-Ochsen, Karibu-Hirsche und Wale. Auch viele Millionen Vögel haben in den fischreichen Gewässern der Arktis ihr Jagdrevier.

Kein Fischer durfte in diesem Gebiet seine Fangnetze auswerfen, kein Jäger die Tiere schießen und vor allem keine Fabrik oder Ölbohrinsel die Natur zerstören. So hatten die seltenen Tiere eine echte Chance zu überleben.

Naturschutzgebiet vor der Zerstörung

Jetzt hat der US-Senat aber beschlossen, dass Öltürme das "schwarze Gold" auch im größten Naturschutzgebiet Alaskas fördern dürfen. Alaska ist der nördlichste Bundesstaat der Vereinigten Staaten, er liegt sogar noch nördlich von Kanada. Nun sollen dort Ölbohrtürme errichtet und große Ölleitungen mitten durch die Wildnis verlegt werden. Außerdem sollen Straßen gebaut werden, genauso wie Siedlungen für die Arbeiter.

Die vielen Menschen, die dort arbeiten sollen, würden große Mengen an Müll und Abwasser erzeugen. Und beim Ölbohren fließt immer wieder etwas daneben. Die Tiere im Naturparadies werden schwer unter dem Ölabbau zu leiden haben.

Geld wichtiger als Umweltschutz

Solche Ölbohrpattformen könnten bald auch die Wale vor Alaska bedrohen. (Quelle: US Innenministerium: Minerals Management Service)

In den letzten Jahren ist der Preis für Rohöl immer weiter gestiegen. Besonders hart hat dies die USA getroffen. Denn sie sind weltweit Spitze im Ölverbrauch.

20 Millionen Barrel Rohöl verbrauchen die US-Amerikaner pro Tag. Zum Vergleich: Alle anderen Länder der Erde verbrauchen zusammen 60 Millionen Barrel täglich.

Das meiste Öl stammt aus den arabischen Ländern. Diese so genannten Opec-Staaten sprechen sich untereinander ab, wie viel Öl sie fördern wollen.

Je weniger das ist, desto teurer wird das Öl auf der ganzen Welt. Die USA wollen nun selber mehr Öl fördern, um auf diese Weise unabhängiger von den teuren Erdöllieferungen aus dem Ausland zu werden. Doch das ist kaum zu erreichen, da viel zu wenig Öl in Alaska liegt.

Arbeitsplätze gegen Umweltschutz

Wenn es um eine Entscheidung geht, ob der Umwelt oder der Wirtschaft geholfen werden soll, dann ist das für den US-Präsidenten klar: Arbeitsplätze gehen vor. Und bei diesem Großprojekt entstehen eine Menge neue Jobs.

Einige Ölkonzerne der Vereinigten Staaten haben viele Millionen Dollar in die Wahlkämpfe von George W. Bush gesteckt. Dadurch hatte er sehr viel Geld zur Verfügung, mit dem er Werbung für sich machen konnte. Das ist einer der Gründe (aber nicht der einzige), weshalb Bush wiedergewählt wurde. Nun liegt der Verdacht nahe, dass George W. Bush seinen Freunden aus der Ölindustrie aus Dankbarkeit ein Geschenk machen will - die Naturschutzgebiete in Alaska.

Gelb eingezeichnet ist das bedrohte Naturschutzgebiet. Es liegt östlich der großen Ölfelder in Alaska. Bislang haben die US-Regierungen das Gebiet vor der Ausbeutung verschont, doch das soll sich nun ändern. (Quelle: Universität von Texas)

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letzte Aktualisierung: 17.02.2010

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