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Karneval in anderen Ländern Europas

Das Kostümfest weltweit - Teil 2

Teil 2 von 3

von Tanja Lindauer

Andere Länder, andere Sitten: Dieser Spruch trifft auch auf den Karneval zu. Denn zwar feiert man das Kostümfest in vielen Teilen der Welt, doch selbst innerhalb Europas geschieht dies auf sehr unterschiedliche Art und Weise. In Deutschland verbindet man mit der fünften Jahreszeit vor allem den Rosenmontagszug, viele bunte Kostüme und Kamelle. In Venedig hingegen sind kunstvolle Masken ein beliebtes Verkleidungsstück und auf Teneriffa tanzt man leicht bekleidet ausgelassen auf den Straßen. Im Schweizer Basel beginnt das närrische Treiben bereits vor der Morgendämmerung...

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Karneval in Venedig: Magie und geheimnisvolle Masken

In Venedig sieht man an Karneval überall Menschen in aufwendigen Kostümen und geheimnisvollen Masken. Jeder darf zur Karnevalszeit in eine beliebige Rolle schlüpfen. (Quelle: Cornerstone/Tochter/ pixelio.de)

Wenn man in Venedig Menschen mit Masken und ausgefallenen historischen Kostümen in den kleinen Gassen entdeckt, dann ist Karnevalszeit. Der venezianische Karneval ist berühmt für die aufwändigen Kostüme, die an längst vergangene Zeiten erinnern, und für die geheimnisvollen Masken. Anders als in Deutschland wird die fünfte Jahreszeit in Venedig sehr prunkvoll gefeiert, es ist ein sehr elegantes Fest, das schon seit Jahrhunderten zelebriert wird.

Bereits 1094 feierte man den "Carnevale", der damals noch am 26. Dezember begann und erst am Aschermittwoch endete. Später, im 18. Jahrhundert, begann man sogar schon im Oktober mit dem Feiern und im 19. Jahrhundert wurde schließlich gar nicht mehr gefeiert. Der französische Eroberer Napoleon verbot den Bewohnern der Lagunenstadt das Fest. Erst 1980 haben sich viele Künstler und Theatermacher zusammengesetzt, und den Carnevale wieder ins Leben gerufen. Nun wird er jedes Jahr zehn Tage lang gefeiert und das Fest endet mit einem schönen Feuerwerk. Zu den Höhepunkten zählen vor allem die traditionellen Maskenbälle, die am Faschingssamstag und Dienstag abgehalten werden.

Die berühmten Masken, die während des Karnevals getragen werden, orientieren sich an den Vorbildern der Commedia dell'Arte, einer bestimmten Art von Theater, das im 16. bis 18. Jahrhundert sehr beliebt war. Mit den Masken wurde früher der Unterschied zwischen Arm und Reich, Edelmann und Bettler, aufgehoben, denn man wusste nicht, wer sich hinten den Masken verbirgt. Heute verkleiden die Menschen sich gerne als bekannte Figuren einer bestimmten Theaterform, der Stegreifkomödie. Und so kann man in Venedig zur Karnevalszeit dem Harlekin, dem Hanswurst mit seinem kegelförmigen Hut, dem Schurken mit einem grünen Gesicht oder auch dem Doktor, der schwarz gekleidet ist und eine Schnabelnase im Gesicht trägt, begegnen.

Karneval auf Teneriffa: Seide, Tüll und Tanz

Wie in Rio wird auch auf Teneriffa viel nackte Haut gezeigt. Der Karneval auf Teneriffa ist eine Touristenattraktion. (Quelle: TDT, Wikimedia Commons)

Der Karneval auf der spanischen Insel Teneriffa gehört zu den größten Karnevalsfeiern auf der Welt und er erinnert ein wenig an den Karneval in Rio: Wie in Brasilien wird auch auf Teneriffa viel Haut gezeigt. Die Kostüme werden aufwändig aus Seide, Tüll und Satin hergestellt und mit Federn und Pailletten verziert. Schon im Januar werden auf Teneriffa die ersten "Fiestas", also Feste, veranstaltet. In diesem Monat werden auch die Karnevalsköniginnen bereits gewählt. Jede Gemeinde wählt bei der "Gala de Elección de la Reina" ihre eigene Königin. Sobald die Königinnen feststehen, beginnen die Umzüge.

Die großen Umzüge werden "Cabalgatas" genannt, bei denen Tausende von Menschen zusammenkommen. Am Aschermittwoch ist die fünfte Jahreszeit dann offiziell beendet. Auf Teneriffa wird das Fest durch die Beerdigung der Sardine besiegelt. Beim El Entierro de la Sardina verkleiden sich die Menschen als Witwen, Trauergäste und Nonnen, und sogar ein Trauermarsch wird abgehalten! Es wird natürlich keine echte Sardine beerdigt, sondern ein aus Papier gebastelter Fisch, der auf der Plaza de España , einem großen Platz, verbrannt wird.

Karneval in England: Fest der Kulturen

Der Notting Hill Carnival ist eine mehrtägige Veranstaltung unter freiem Himmel, die jährlich am letzten Augustwochenende in Notting Hill, London stattfindet. (Quelle: Floridi, Wikimedia Commons)

In Notting Hill, einem Stadtteil Londons, wird ebenfalls ausgelassen Karneval gefeiert. Aber hier scheinen die Uhren etwas anders zu ticken. Denn anders als zum Beispiel in Deutschland wird der Karneval erst am letzten Wochenende im August gefeiert. Sage und schreibe 1,5 Millionen Menschen zieht es jedes Jahr an diesem Wochenende nach Notting Hill, um gemeinsam ausgelassen zu feiern. Damit ist der Karneval in Notting Hill eine der größten Massenveranstaltungen in Europa. Die Feier ist dabei sehr von der afro-karibischen Kultur geprägt, denn viele Einwanderer aus der Karibik und aus Afrika nehmen an diesem Fest aktiv teil. Der Höhepunkt des Fests ist eine fünf Kilometer lange Straßenparade.

Dänischer Karneval: Ein großer Musikwettbewerb

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In Aalborg, Dänemark, feiert man zwar auch Karneval, aber hier wird er erst im Mai eingeläutet. Der Grund dafür ist einfach: Aalborg liegt hoch im Norden und im Februar ist es einfach zu kalt, um im Freien feiern zu können. Im Mai sind die Temperaturen schon angenehmer. Dabei steht die Ankunft des Karnevalkönigs im Hafen im Mittelpunkt. Daneben findet ein Musikwettbewerb, der so genannte "Battle of Carnival Bands", statt, bei dem Karnevalsgruppen aus ganz Europa auftreten. Der Aalborger Karneval dauert eine Woche lang und mittlerweile besuchen jedes Jahr etwa 100.000 Menschen die Stadt zu diesem Event.

Fastnacht in Basel: Närrisches Treiben in der Dunkelheit

Eine der bekanntesten Figuren der Basler Fastnacht ist der Waggis. Er treibt gerne Schabernack und reißt Witze. (Quelle: Flups, Wikimedia Commons)

Seit dem 16. Jahrhundert wird im protestantischen Basel die Alte Fastnacht gefeiert, die erst am Montag nach Aschermittwoch stattfindet, also eine Woche nach der katholischen Fastnacht. Wenn in vielen Ländern die Karnevalszeit schon vorüber ist, wird in Basel nun erst gefeiert. Aber nicht nur im Datum unterscheidet sich die "Baseler Fasnacht": Eine ausgelassene und fröhliche Stimmung, wie man sie von anderen Faschingsfeiern kennt, sucht man hier vergebens. Um vier Uhr morgens, wenn es noch dunkel ist, beginnt der Karnevalsumzug. Bei diesem Umzug handelt es sich um den so genannten Morgenstraich, der musikalisch von dem gleichnamigen Marsch, dem Morgenstraich-Marsch, begleitet wird.

Mit einem typischen Marschschritt schreitet der Umzug mit bis zu vier Meter hohen bunten Laternen durch die Straßen. Die Laternen zeigen die Politiker der Schweiz, mit denen zu diesem Anlass "abgerechnet" wird. Wenn die Sonne aufgeht, ist der Spuk vorbei und alle gehen zur Arbeit. Die Zuschauer sind, anders als bei uns, auch nicht verkleidet. Am Nachmittag gibt es dann einen weiteren Umzug, den so genannten Cortège. Abends geht es dann in die Kneipen und man wettert in den so genannten "Schnitzelbänker Spottversen" gegen andere Personen.

Luzerner Fasnacht: Urknall und Monsterzug

In Luzern findet jedes Jahr zur Fastnacht der sogenannte Monstercorso statt. (Quelle: Hofec, Wikimedia Commons)

Wenn die "rüüdige Lozärner Fastnacht" eingeläutet wird, strömen Tausende von Besuchern in die Stadt. Doch man sollte sich dann auf jeden Fall verkleiden, denn ohne Kostüm fällt man hier schnell negativ auf. In Luzern wird der Karneval mit einem lauten Knall eingeläutet. Der "Urknall" am Schmutzigen Donnerstag ist für die Luzerner das Startzeichen. Für die Bewohner der Stadt ist dies das Zeichen, dass Bruder Fritschi, der älteste Fastnächtler, in der Stadt ist. Auf einem Boot kommt er zu diesem Zeitpunkt mit seiner Familie in Luzern an. Bei Bruder Fritschi handelt es sich vermutlich um ein erfundenes Oberhaupt der ältesten Zunft der Stadt, der Zunft zu Safran.

Ein weiterer Höhepunkt ist der so genannte "Monstercorso". Der Umzug wird von so genannter Guggenmusik begleitet. Diese Guggenmusik spielt man speziell zur Fastnacht. Dabei wird immer knapp neben der eigentlichen Melodie gespielt, sodass sich die Musik etwas schief anhört. Am Morgen nach dem Monsterzug endet die Fastnacht in Luzern und mit dem Aschermittwoch wird die Fastenzeit begonnen.

Karneval in Belgien: Ball der toten Ratte

Die Gilles gehören zum Karneval in Binche, Belgien, traditionsgemäß zu jeder Fastnacht. (Quelle: Marie-Claire, Wikimedia Commons)

Der Ball der toten Ratte (Bal du rat morte) gehört in Belgien zu den Highlights des Karnevals. Dabei handelt es sich um den größten Maskenball in Europa, der jedes Jahr in Oostende im Kasino gefeiert wird. In Binche hingegen wird am Karnevalssonntag auf eine ganz außergewöhnliche Weise gefeiert, denn auf dem Umzug verkleiden sich die Männer als Frauen und die Frauen als Männer, die dann von Violinen und Trommeln begleitet durch die Straßen ziehen und ausgelassen tanzen. Der Mardi Gras, der Fette Dienstag, ist den Männern vorbehalten, die mit den Masken der Gilles schon früh morgens feiern.

Die Figur des Gille steht für die Rückkehr des Frühlings. Die Männer tragen dabei ein Kostüm, das aus einem sehr groben Leinstoff besteht, auf denen der Wappenlöwe abgebildet ist. Um den Hals tragen sie eine weiße Halskrause. Die Masken bestehen aus Wachs, auf denen Backen- und Kinnbärte aufgemalt werden. Nicht fehlen darf zudem eine grüne Brille, die ebenfalls aufgemalt wird. Am Ende des Umzugs, wenn sich alle auf dem Rathausplatz versammeln, werden die Masken dann abgelegt. Diese Art des Karnevals in der belgischen Stadt Binche gehört mittlerweile zum Kulturerbe der UNESCO und jedes Jahr lockt dieses Spektakel viele Touristen an.

Im dritten Teil des Artikels, Karneval in Amerika, erfährst du, wie die Menschen das Kostümfest in Rio, Kolumbien, Argentinien und Nordamerika feiern.

letzte Aktualisierung: 19.02.2012

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Teil 2 von 3

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