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Kein Kinderwagen im Urwald

Schüler arbeiten für Kinder - Teil 2

Teil 2 von 5

26.06.2005

In den meisten Familien in Ruanda müssen die Kinder jeden Morgen Wasser holen. Da es keine Wasserleitungen gibt, müssen sie zum nächsten Brunnen gehen, der oftmals über eine Stunde entfernt liegt. Auf dem Rückweg balancieren die Kinder dann schwere Kanister auf dem Kopf. Um am eigenen Leib zu erfahren, wie sie sich dabei fühlen, durften die Schüler in Hargesheim ebenfalls einmal Körbe balancieren.

"Das ist doch ganz einfach", findet Henrik, als er den kleien Korb auf dem Kopf balanciert. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

"Warum tragen die Leute in Ruanda eigentlich alles auf dem Kopf, statt es in die Hand zu nehmen?", wollte ein Schüler wissen. Vielleicht ist dir diese Frage ja auch schon in den Sinn gekommen. Sandra von der Aktion Tagwerk erklärte es folgendermaßen:

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Versuche einmal etwas richtig Schweres wie einen Sack Kartoffeln mit der Hand zu tragen. Nach wenigen Minuten wirst du den Arm wechseln, weil er dir wehtut. Doch auch das geht nicht lange gut.

Wenn du nun ein kleines Kissen auf den Kopf legst und darauf den Sack Kartoffeln legst, dann kannst du ihn viel weiter tragen, ohne dass dir die Arme schmerzen. Denn auf dem Kopf wird das Gewicht auf deinen ganzen Körper verteilt. Und du hast, wenn du gut balancieren kannst, auch noch die Hände frei. In Ruanda nehmen die Menschen kein Kissen, sondern einen Ring aus Bananenblättern, um ihren Kopf zu schonen.

Je größer der Korb, desto schwerer wird's

Doch je größer die Körbe, desto mehr Probleme bereiten sie den Kindern. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Das wollen die Kinder in der Grundschule Hargesheim natürlich auch mal ausprobieren. Henrik findet es ganz einfach, mit einem kleinen Korb auf dem Kopf herumzulaufen. Und es macht sogar Spaß. Mit etwas Übung bekommen das auch fast alle seine Klassenkameraden hin.

Doch als er einen der größeren, leeren Körbe nimmt, will es einfach nicht klappen. Ständig rutscht der Korb vom Kopf, sobald er die Hände wegnimmt. Ein Kind nach dem anderen merkt, dass es wohl doch ganz schön schwierig ist, Lasten auf dem Kopf zu balancieren.

Schon toll, dass die Kinder in Ruanda damit überhaupt kein Problem haben. Ihnen fällt nichts runter, selbst wenn sie lange Strecken über Stock und Stein durch den hügeligen Urwald zurücklegen. Auf den Ring aus Bananenblättern setzen sie volle Wasserkanister oder große Körbe mit Waren.

Kaputte Rücken

Nur Anna-Klara schafft es, einen großen Korb ohne Hände auf dem Kopf zu halten. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Am Ende schaffte es Anna-Klara als einzige, einen großen Korb für kurze Zeit auf ihrem Kopf zu balancieren. Sie hat auch eine Erklärung dafür parat: "Ich bin gut in Sport und habe einen guten Gleichgewichtssinn."

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Eine Lehrerin konnte sich übrigens daran erinnern, dass ihre Großeltern auch noch Einkäufe auf dem Kopf getragen haben. Es ist also gar nicht so lange her, dass auch auf unseren Straßen Menschen mit Lasten auf dem Kopf herumliefen.

Doch dann wurden in den Orten überall Supermärkte ganz in der Nähe der Wohnungen gebaut. Niemand braucht seine Einkäufe heute mehr über lange Strecken transportieren. Und wenn, dann gibt es ja Autos. So haben die Menschen bei uns das Balancieren von Lasten auf dem Kopf verlernt - und plagen sich seitdem mit Rückenschäden herum.

Geschwister auf dem Rücken

Franziska würde ihren kleinen Bruder so nicht transportieren. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Kinder in Ruanda tragen aber nicht nur Lasten auf dem Kopf, sondern oft auch ihre kleinen Geschwister auf dem Rücken mit sich herum. Denn die jungen Mütter oder Väter können nicht wie bei uns den ganzen Tag zu Hause bleiben, um sich um ihre Babys zu kümmern. Sie müssen schließlich auf den Feldern arbeiten, damit abends etwas zu essen auf dem Tisch steht.

Die Babys kommen dann entweder einfach mit, oder sie werden den älteren Geschwistern anvertraut. Die meiste Zeit verbringen sie nicht in einer Wiege oder einem Kinderwagen, sondern werden mit einem großen Tuch auf den Rücken gebunden. Bei jedem Wetter - strömendem Regen oder heißem Sonnenschein - die Kleinen sind überall mit dabei. Ein Kinderwagen wäre übrigens auf den holprigen Pfaden mitten im Urwald sowieso keine große Hilfe.

Die Kinder in Hargesheim durften das natürlich auch alle ausprobieren. Schwarze Babypuppen und große, bunte Tücher standen bereit - und Sandra half beim fachgerechten Binden. Trotzdem rutschten die "Babys" den Kindern ziemlich leicht hin und her.

"So würde ich meinen kleinen Bruder nie transportieren", sagte Franziska. Das würden ihre Eltern jedoch sowieso nicht erlauben. Aber in Ruanda wissen alle, dass den Babys auf diese Weise nichts passieren kann. Auf dem Rücken der Mutter oder einer Schwester sind sie sicher. Im nächsten Teil erfährst du, was Kinder in Ruanda in ihrer Feizeit machen.

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letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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