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Dietrich Bonhoeffer: "Tu deinen Mund auf für die Stummen"

100. Geburtstag Bonhoeffers

Teil 1 von 2

03.02.2006

Der evangelische Pfarrer Dietrich Bonhoeffer war einer der bekanntesten Widerstandskämpfer gegen die Nazis. Er kämpfte für die Verfolgten und versuchte die Menschen davon zu überzeugen, dass sie nicht dem menschenverachtenden Rassenhass der Nationalsozialisten folgen dürfen. Auf persönlichen Befehl von Adolf Hitler wurde er kurz vor Kriegsende am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.

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Dietrich Bonhoeffer kämpfte als Pfarrer von 1933 an gegen Adolf Hitler und die Nazis. (Quelle: Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München)

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Sein Vater Karl war ein bekannter Psychiater, seine Mutter Paula Lehrerin. Sie unterrichtete Dietrich und seine sieben Geschwister die ersten Jahre zu Hause. Später zog die Familie mit ihren Hausangestellten nach Berlin, wo Dietrich das Grunewald-Gymnasium besuchte und mit 17 Jahren sein Abitur bestand. Danach studierte er an der Universität Tübingen vier Jahre lang evangelische Theologie und wurde Pfarrer.

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Deutschen Reichskanzler ernannt wurde, war Dietrich Bonhoeffer wie seine ganze Familie sehr besorgt. Schon im April des gleichen Jahres hielt er eine Rede im Radio, in der er sich gegen Hitler wandte. Denn Christen dürfen nicht einem "Führer" dienen, sondern nur Gott und seinen Gesetzen. Die Sendung wurde abgebrochen. Doch Bonhoeffer hatte ein erstes Zeichen gesetzt.

Bonhoeffer warnte früh vor Adolf Hitler

Bonhoeffer verstand nicht, warum Christen die Juden, Gottes auserwähltes Volk, bekämpfen.

Dietrich Bonhoeffer war fest davon überzeugt, dass Christen niemals gemeinsame Sache mit den Nationalsozialisten machen dürfen. Er wusste aus tiefster Überzeugung, dass es Unrecht ist, Menschen in Rassen einzuteilen und anschließend einzelne Volksgruppen wie Juden sowie Sinti und Roma zu verfolgen. Hitler wollte ein Land der "Arier" - also großer, blonder, blauäugiger Menschen - erschaffen. Die meisten Menschen, die ihm folgten, interessierten sich nicht dafür, welche unmenschlichen Verbrechen die Nazis mit ihrer Rassenlehre begründen würden. Die Nazis planten schon früh einen millionenfachen Völkermord.

Noch im Jahr 1933 wurden Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Vereine von den Nationalsozialisten "gleichgeschaltet". Das bedeutete, dass sie sich an alles halten mussten, was die Nazis ihnen vorschrieben. Sie wurden ein Teil des Nazi-Staates. Die meisten Deutschen kümmerte das nicht, solange es ihnen und ihrer Familie nur gut ging. Viele hatten auch einfach Angst um ihr eigenes Leben und fühlten sich hilflos.

Mit Worten gegen Unrecht

Frieden und Völkerverständigung waren seine großen Ziele. (Quelle: Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München)

Einige mutige Pfarrer wollten diese "Gleichschaltung" nicht hinnehmen. Nachdem die "Ariergesetze" verabschiedet wurden, gründeten sie die "Bekennende Kirche", der sich auch Dietrich Bonhoeffer anschloss. Er erklärte: "Tu deinen Mund auf für die Stummen - wer weiß denn das heute noch in der Kirche, dass dies die mindeste Forderung der Bibel in solchen Zeiten ist?“

Von Oktober 1933 bis April 1935 arbeitete er als Pfarrer in der englischen Hauptstadt London und nahm von dort Kontakt zu wichtigen Kirchenvertretern in ganz Europa auf. Er wollte nicht, dass die europäischen Glaubensgemeinschaften mit den entrechteten und gleichgeschalteten deutschen Kirchen zusammenarbeiten, die längst Teil des Nazi-Systems geworden waren. Stattdessen sollte seine "Bekennenden Kirche" die Christen in Deutschland repräsentieren.

Doch nach zwei Jahren wollte Dietrich Bonhoeffer nicht mehr länger aus der Ferne mit ansehen, wie die Nazis sein Heimatland immer mehr unter ihre Kontrolle brachten. Daher kehrte er nach Deutschland zurück und bildete von 1935 bis 1937 am Predigerseminar der "Bekennenden Kirche" Nachwuchspfarrer aus. Sie sollten lernen, dass Christen die Pflicht haben, sich mit Worten gegen staatliches Unrecht einzusetzen. Als das Predigerseminar 1937 verboten wurde, arbeitete Dietrich Bonhoeffer im Untergrund bis 1940 weiter, bis auch das nicht mehr möglich war. Am 22. August 1940 erhielt Bonhoeffer wegen seiner "volkszersetzenden" Tätigkeit Redeverbot und durfte von März 1941 an auch nicht mehr schreiben. Mit Worten konnte er nun nichts mehr gegen die Nazis ausrichten.

Spion in der Spionageabwehr

Der Pazifist Bonhoeffer schloss sich dem bewaffneten Widerstand gegen Hitler an. (Quelle: Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München)

Der nächste Schritt fiel dem Pfarrer sehr schwer. Als ihm hohe Offiziere der deutschen Wehrmacht und der Spionageabwehr um Admiral Walther-Wilhelm Canaris von den Massenmorden an Juden, Sinti und Roma, politisch Andersdenkender und Homosexueller berichteten, schloss Bonhoeffer sich dem militärischen Widerstand an. Obwohl ihm Gewalt widerstrebte, war er zu der Auffassung gelangt, dass nur ein Attentat auf Adolf Hitler den wahnsinnigen Massenmörder stoppen und Millionen von Menschen das Leben retten konnte.

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Bonhoeffer ließ sich in die deutsche Spionageabwehr einschleusen und stellte von 1940 bis 1943 Kontakte zwischen der Widerstandsgruppe und ausländischen Regierungen her. Außerdem versuchte er die christlichen Kirchen in der ganzen Welt dazu zu bewegen, sich offen gegen die Nazis zu stellen.

Drei Hitler-Attentate und ihre Folgen

Aus seiner engen Zelle schrieb Bonhoeffer Briefe, die heute noch Mut und Hoffnung geben. (Quelle: Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München)

Die Widerstandsgruppe, für die auch Dietrich Bonhoeffer arbeitete, verübte im März 1943 zwei Attentate auf Adolf Hitler. Doch beide schlugen fehl. Im Haus seines Schwagers, dem Widerstandkämpfer Hans von Dohnanyi, wurden nach den Attentaten Dokumente gefunden, die auch dem Namen Dietrich Bonhoeffer enthielten. Auch wenn der letzte Beweis fehlte, verdächtigten die Nazis den Theologen nun, ein Widerstandskämpfer zu sein.

Bonhoeffer wurde verhaftet und ins Militärgefängnis Berlin-Tegel gebracht. Einige hohe Beamte setzten sich auch noch nach seiner Verhaftung für Bonhoeffer ein, doch retten konnten sie ihn nicht mehr. Immerhin verschafften sie ihm noch etwas Zeit, in der er Aufsätze und Briefe schreiben konnte. Diese Dokumente zeugen von dem unerschütterlichen Mut Dietrich Bonhoeffers.

Am 20. Juli 1944 unternahm Graf Stauffenberg ein letztes Attentat auf Adolf Hitler. Auch dieses überlebte der Diktator unversehrt. Die Jagd nach den Hintermännern führte die Nazis zu den "Verschwöreren", die daraufhin verhaftet und angeklagt wurden.

Das Ende ist der Beginn des Lebens

Kurz vor Kriegsende, am 9. April 1945, wurde Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg gehängt. (Quelle: Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München)

Es gab zwar weder Beweise noch Zeugen oder gar Geständnisse, doch die Widerstandskämpfer hatten keine Chance vor Gericht. Selbst Dietrich Bonhoeffer, der zum Zeitpunkt des Attentats im Gefängnis saß, wurde als Mitverschwörer angeklagt. Am 7. Februar 1945 wurde er ins Konzentrationslager (KZ) Buchenwald gebracht, am 8. April schließlich zu den anderen Widerstandskämpfern ins KZ Flossenbürg.

Ohne Rechtsanwalt wurde ihnen hier rasch der Prozess gemacht. Das Urteil stand schon vor der Verhandlung fest: Dietrich Bonhoeffer, Walther-Wilhelm Canaris, Hans Oster, Karl Sack, Theodor Strünck und Ludwig Gehre wurden zum Tode verurteilt. Nur einen Tag später, am 9. April 1945, mussten die Männer, die Hitler stoppen wollten, sterben. Dietrich Bonhoeffer war 39 Jahre alt, als er kurz vor seinem Weg zum Galgen einem Mitgefangenen seine berühmt gewordenen letzten Worte mit auf den Weg gab: "Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens."

Wenn du auf "Weiter" klickst, kannst du dir Bonhoeffers berühmtes Gedicht "Von guten Mächten" durchlesen, das der Pfarrer nach zwei Jahren im Nazi-Gefängnis geschrieben hat. Obwohl seine eigene Lage aussichtslos war, macht er seiner Verlobten Maria, seinen Eltern und seinen Geschwistern darin Mut, weiterhin zu ihren Überzeugungen zu stehen.

letzte Aktualisierung: 17.11.2009

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